Sonntag, 20. August 2017

Nach Brandversuchen im Saukopftunnel bleiben Ergebnisse offen

Ernstfall geprobt – und jetzt?

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Der Rauch wurde aus dem Tunnel geblasen – das L├╝ftungssystem saugte ihn wieder an. Ist das im Sinne des Erfinders?

 

Weinheim/Rhein-Neckar, 21. Dezember 2012. (red/aw) Vor fast genau einem Monat wurde es hei├č im Saukopftunnel. Um die Funktionst├╝chtigkeit der Sicherheitseinrichtungen und der Rettungsstollenl├╝ftung im Brandfall zu pr├╝fen, wurde der Ernstfall geprobt. Die Brandversuche wurden durch das Institut f├╝r Industrie├Ąrodynamik aus Aachen (IFI) durchgef├╝hrt. Das Regierungspr├Ąsidium Kalrsruhe hat bisher keine Ergebnisse der Pr├╝fung ver├Âffentlicht. Ein nicht ganz einwandfreier Rauchabzug vor Ort lie├č aber auf ein Problem mit der L├╝ftungsanlage schlie├čen. Der Pressestelle vom Regierungspr├Ąsidium ist davon allerdings nichts bekannt.

Fotos: Ralph Urbach
Text: Alexandra Weichbrodt

Es qualmte, dampfte und rauchte: Die Brandversuche im Saukopftunnel am 24. November 2012 boten beeindruckende Bilder. Doch welche Erkenntnisse gewonnen wurden, ist bisher nicht bekannt. Im Vorfeld hie├č es von Seiten des Regierungspr├Ąsiduiums, dass der Test dazu diene, den Saukopftunnel auch k├╝nftig den aktuellen Sicherheitsvorschriftne anzupassen.

Die Feuwerwehr und weitere Einsatzkr├Ąfte sowie Betriebspersonal sollten mit dieser ├ťbung auf die Gegebenheiten w├Ąhrend eines Brandes vorbereitet werden, um in Zukunft bestm├Âglich auf diese Situation reagieren zu k├Ânnen.

Durchgef├╝hrt wurden vier Brandeversuche an zwei Stellen des 2715 Meter langen Tunnels. Hitze und Rauch wurde mitttels regelbaren Propangasbrennern und Rauchmaschinen, die ungiftiges medizinisches Wei├č├Âl verdampften, erzeugt. Diese l├Âsten die Brandmelder im Tunnel aus und simulierten den Ernstfall. Durch die Brandrauchentl├╝ftung sollte der – bei diesem Test ungiftige – Rauch aus dem Tunnel abgesaugt und hinaus gef├╝hrt werden. Allerdings saugten die L├╝ftungssch├Ąchte den ausgetretenen Rauch direkt wieder an und f├╝hrten ihn als vermeintliche „Frischluft“ wieder dem Tunnel zu.

Ein Test ohne Ergebnisse?

Ein Problem, dass im Ernstfall katastrophale Folgen h├Ątte. Unser Fotograf vor Ort wurde Zeuge des ungeschickten L├╝ftungssystems. Doch bei den Verantwortlichen ist das Problem entweder nicht wahrgenommen worden oder aber es wurde nicht kommunziert. Denn der Pressestelle des Regierungspr├Ąsidiums war bis heute nicht bekannt, dass bei den Brandversuchen technische Probleme aufgetreten w├Ąren.

Vielleicht will man die gewonnen Erkenntnisse derzeit auch einfach nicht teilen, da der Saukopfttunnel in der Vergangenheit schon f├╝r viele schlechte Nachrichten sorgte. Vermehrte Vollsperrungen in den letzten Monaten strapazierten die Nerven der Autofahrer sehr. Es ist nahezu ein „Never-Ending-├ärger“ mit dem Saukopftunnel. (Anm. d. Red.: Wir berichteten.)

Sicherheitsnachr├╝stungen in H├Âhe von 37 Millionen Euro

Aber Sicherheit muss sein. Denn Tunnelunf├Ąlle haben in der Vergangenheit immer wieder zahlreiche Opfer gefordert. Seit den 90er Jahren wurden die Sicherheitsvorschriften daher massiv versch├Ąrft. Der Saukopftunnel musste bereits im Jahr 2008 ein vom Bund verordnetes Nachr├╝stungsprogramm durchf├╝hren, um die Sicherheitsstandards zu erf├╝llen. So wurde u.a. das gesamte L├╝ftungssystem konzeptionell erneutert und Brandklassen in der Zwischndecke installiert. Diese sollten sich im Brandfall ├Âffnen und den Rauch gezielt absaugen. Kosten hierf├╝r: ca. 11.6 Millionen Euro.

Weitere Verbesserungen der Sicherheitsvorkehrungen folgten. Seit 2009 wird ein Fluchstollen gebaut. F├╝r den kompletten Fluchtstollen werden voraussichtlich Kosten in einer Gr├Â├čenordnung von rund 26 Millionen Euro f├Ąllig, von denen allein 23 Millionen Euro f├╝r den Rohbau angefallen sind. Die Kosten f├╝r die betriebstechnische Einrichtung werden sich dann noch einmal auf etwa 3 Millionen Euro belaufen.

Die Gesamtkosten der Nachr├╝stungen des Hauptstollen sowie der Bau des Fluchtstollen liegen also bei etwa 37 Millionen Euro. Sicherheit ist teuer. Daher bleibt zu hoffen, dass diese dann auch zuverl├Ąssig gew├Ąhrleistet ist.

Ein Fahrzeugbrand wurde bei dem Test der Sicherheitseinschrichtungen Ende November simuliert.

 

Weitere Bilder der Brandversuche im Saukopftunnel finden Sie in einer Bildergalerie auf weinheimblog.de.

├ťber Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gr├╝ndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Portr├Ąts und Reportagen oder macht investigative St├╝cke.

  • Th┬░mas Herdner

    Im Vorfeld der Nachr├╝stung des Saukopftunnels auf Grund der fehlenden zweiten Rettungsr├Âhre war genau dieser jetzt aufgetretene und beschriebene Fall ein Punkt ├╝ber den diskutiert wurde. Es gab in M├Ârlenbach dazu eine Infoveranstaltung mit einer ├Âsterreichischen Firma die ein zertifiziertes und zugelassenes Sprinklersystem f├╝r Tunnels entwickelt hat und welches mittlerweile in verschiedenen Tunnels eingesetzt wird.
    Es schien mir damals logisch, dass Feuer besser unter Kontrolle gebracht werden kann, schnell und genau an dem Punkt wo es entsteht mittels Sprinkler, als ├╝ber den Umweg Rauchabzug. Ich kann nur hoffen, dass das Ergebnis ernstgenommen wird und wenn es Zweifel daran gibt, diese durch vertiefende Untersuchungen gekl├Ąrt werden.