Sonntag, 20. August 2017

Beim Edeka-Cup zeigte jedoch der TV Hochdorf dem Badenmeister in der Nordbadenhalle klar die Grenzen auf

Die SG Heddesheim ist gerüstet für die Mission Klassenerhalt

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Mit dem Rhein-Neckar-Derby gegen den VTV Mundenheim in Schwarz begann für die SG Heddesheim am Freitag das Turnier / Foto: Thomas Schmid

 

Heddesheim, 21. August 2013. (red/zef) Der Höhepunkt für die Saisonvorbereitung für die 1. Herrenhandballmannschaft war der Edeka-Cup in der eigenen Nordbadenhalle. Den Pokal gewinnen konnten die Heddesheimer dabei nicht. Doch gerade dies war vielleicht umso besser, denn für die SG Heddesheim geht es in der kommenden Saison nicht um Titel, sondern darum, in der Oberliga Baden-Württemberg nach der Badenmeisterschaft den Klassenerhalt zu schaffen. Das Wichtigste ist dabei, auch heftige Niederlagen als Mannschaft gut wegstecken zu können. Das wiederum stellte die SG Heddesheim nach einer schwachen Leistung gegen den TV Hochdorf eindrucksvoll unter Beweis. Trainer Frank Schmiedel verriet uns zudem, mit welchen Erwartungen man in die neue Saison geht und wie gewappnet er seine Mannschaft für das Ziel Klassenerhalt nach dem Aufstieg sieht.

Von Ziad-Emanuel Farag

Der sportliche Leiter Thomas Schmid hat die acht teilnehmenden Mannschaften so eingeteilt, dass die SG Heddesheim in der Vorrunde auf den Longerischen SC aus Köln, der in der Oberliga Mittelrhein spielt, den Ludwigshafener VTV Mundenheim aus der Oberliga Rheinland-Pfalz-Saar sowie den TV Hochdorf aus der dritten Liga traf.

In der zweiten Gruppe spielten die SG Nußloch, die HG Oftersheim Schwetzingen (beide Oberliga Baden-Württemberg), die TSG Hassloch (Oberliga Rheinland-Pfalz-Saar) sowie die TSG Wiesloch (Badenliga). Damit hatte die SG Heddesheim zum einen eine deutliche schwerere Gruppe und zum anderen Gegner, auf die sie in der kommenden Saison nicht treffen wird. Die Gruppensieger zogen direkt ins Finale ein, die Gruppenzweiten spielten um den dritten Platz. Die Spieldauer betrug bei den Herren nur zweimal 25 Minuten statt der üblichen 30. Gespielt wurde von Freitag, dem 16. August, bis Sonntag, den 18. August. Jede Mannschaft bestritt dabei pro Tag ein Gruppenspiel.

„Hochdorf hat uns die Grenzen aufgezeigt.“

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Selbst mit vereinten Kräften waren die Spieler des TV Hochdorf für die Heddesheimer am Samstag nicht aufzuhalten. / Foto: Thomas Schmid

 

Die Spiele beim waren für die 1. Herrenmannschaft der SG Heddesheim ein einziges Auf und Ab. Das Auftaktspiel gegen den VTV Mundenheim am Freitag gewann man mit 22:18. Samstag kam jedoch dann die böse Überraschung. Der Drittligist TV Hochdorf schoss die SG Heddesheim regelrecht aus der eigenen Halle und gewann das Spiel mit 34:13. Damit war die SG Heddesheim schon am zweiten Tag aus ihrem eigenen Turnier ausgeschieden.

Für den Sonntag drohte weiteres Ungemach: Der Longerische SC war der letzte Gegner und hatte am Freitag sogar überraschend den TV Hochdorf mit 18:14 geschlagen. Die Leistung vom Vortag durfte also nicht wiederholt werden, wollte man ein erneutes Debakel vor heimischem Publikum verhindern. Denn die Nordbadenhalle war für ein Vorbereitungsturnier an einem Sonntag mit 150 lautstarken Zuschauern trotz der Leistung vom Vortag blendend besucht.

 

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Die Zuschaueranzahl war für ein Vorbereitungsturnier eines Viertligisten beeindruckend. / Foto: Thomas Schmid

 

Gestern war ich sehr stark überrascht, weil uns von einem Drittligisten mal die Grenzen aufgezeigt wurden. Wir waren nach der harten Vorbereitung am Ende unserer Kräfte. Drei Feldspieler waren in Urlaub, wir haben die Mannschaft bei diesem Turnier mit Spielern aus unserer zweiten Mannschaft ergänzt. Daher hatten neun Spieler hier eine sehr hohe Belastung mit den zwei Spielen in den letzten zwei Tagen. Wenn der Rückraum mal nicht trifft, haben wir es dann gegen Mannschaften wie Hochdorf extrem schwer, weil wir nicht die Masse an Spielern hatten. Wir hatten vor dem Turnier auch überhaupt nicht regeneriert. Donnerstag haben wir noch trainiert, am Freitag gegen Mundenheim merkte ich dann aber schon, dass sie erschöpft sind. Aus solchen Niederlagen wie gegen einen Drittligisten, bei dem 13-14 Mann spielen können, lernt man aber auch,

sagte Trainer Frank Schmiedel zu der hohen Niederlage.

Die Mannschaft zeigt „ihr wahres Gesicht“

Dementsprechend groß war natürlich auch der Druck, es gegen den Longerischen SC. Das Spiel begann munter, in der Abwehr machte die SG Heddesheim in den Anfangsminuten nicht den konsequentesten Eindruck, so traf der Longerischer SC bereits nach 30 Sekunden auf halb-linker Position aus zehn Metern. Martin Geiger glich jedoch nach 45 Sekunden bereits wieder aus, doch das konnte den Longerischen SC zunächst nicht aufhalten, auch weil der Rückraum um Martin Doll zu Beginn nicht zu seinem Spiel fand: Nach 7:39 Minuten führte der Longerischer SC mit 6:3.

Dies lag auch daran, dass die Heddesheimer Abwehr den Kreisläufer der Heddesheimer nicht in den Griff bekam. Doch dann bließen Schmiedels Mannen zur Aufholjagd, Gianluca Pauli traf von Linksaußen fast von der Ecke zum 4:6. Die Heddesheimer Abwehr packte nun richtig zu, was sich auch am Trikot des gegnerischen Kreisläufers bemerkbar machte: Nach zehn Minuten hatte es auf der Höhe des Ärmels einen unübersehbaren Riss. Martin Geiger stellte als etatmäßiger Kreisläufer im Konter seine Vielseitigkeit unter Beweis und traf sehenswert aus zehn Metern zum 5:6 nach 9:13 Minuten.

Anschließend erzielte der gegnerische Kreisläufer seinen fünften Treffer innerhalb der ersten zehn Minuten zum 5:7. In den folgenden zwei Minuten konnte die SG Heddesheim jedoch drei Tore erzielen, der Gegner nur eines. So glich Martin Doll in Unterzahl zwei Minuten später zum 8:8 aus. Dann bestimmten bis zur sechzehnten Spielminute beide Abwehrreihen das Spielgeschehen und standen sehr sicher, Daniel Reber vernagelte sein Tor. Der Longerische SC ging zum letzten Mal mit 9:8 in Führung.

Martin Doll zaubert, Elmar Patzwald pflügt durch die Abwehr

Als kein Durchkommen war, zeigte Martin Doll seine ganze Klasse. Mit der gesamten Abwehr vor sich sah er die Lücke im Block, hüpfte scheinbar locker beidbeinig in die Luft und traf aus elf Metern zum 9:9 nach 13:45 Minuten. Solche Tore erzielen nur Spieler mit einer schnellen Auffassungsgabe und einer hervorragenden technischen Ausbildung, die sich bei allem Druck ihre unbekümmerte Spielfreude bewahren.

Neuzugang Elmar Patzwald fügte sich am Kreis prima ins Heddesheimer Spiel ein. Obwohl er verletzungsbedingt drei Jahre nicht gespielt hat, entlastete er seine Kollegen im Rückraum spürbar: Durch seine enorme Kraft konnte er sich nach einfachen Anspielen immer wieder durchsetzen. So markierte er nach 15:07 Minuten mit dem 10:9 die erste Führung für die SG Heddesheim. Am Ende kam er sogar auf fünf Treffer.

Christian Buse erhöhte von Rechtsaußen mit einem wunderschönen Lupfer zum 11:9 nach 16:32 Minuten. Bis zur Pause schafften Schmiedel Schützlinge so nach dem 8:9 Rückstand einen 9:1-Lauf, den erneut Christian Buse nach einem perfekten Pass von Torwart Daniel Reber über das gesamte Spielfeld und zwei Gegenspieler aus sehr spitzem Winkel eine Sekunde vor dem Halbzeitpfiff abschloss. Zur Halbzeit stand es verdientermaßen nach fantastischen 15 Minuten der SG Heddesheim 17:10.

Christian Schemenauer und Gianluca Pauli brechen den letzten Widerstand des Longerischen SC

In der zweiten Halbzeit kam dann das erwartete Aufbäumen des Longerischen SC, der nach 39 Minuten auf 20:17 herankam. Dies war das Ergebnis der Einzelnmanndeckung von Mittelmann Julian Diefenbach, mit der die SG Heddesheim nicht sofort zurecht kam. Felix Hildenbeutel erhöhte jedoch anschließend auf 21:17. Bei 39:50 Minuten entschärfte der zur Halbzeit gekommene Torwart Christian Schemenauer einen freien Wurf aufs Tor und zehn Sekunden später holte die SG Heddesheim einen 7-Meter heraus, den Gianluca Pauli sicher zum 22:17 verwandelte. Die SG Heddesheim war damit endgültig auf der Siegerstraße, setzte sich wieder ab und nach 49:50 Minuten setzte Steffen Wacker den Schlusspunkt zum 30:23.

Für die SG Heddesheim waren beim Turnier folgende Spieler im Einsatz: Martin Doll, Martin Geiger, Christian Buse, Elmar Patzwald, Gianluca Pauli, Steffen Wacker, Julian Diefenbach, Felix Hildenbeutel, Daniel Reber, Christopher Kaiser, Marco Dubois, Heiko Erny und im Tor Christian Schemenauer, Daniel Reber und Marc Kolander.

Die SG Nussloch gewinnt das Turnier

Am Ausscheiden der SG Heddesheim änderte das nichts. Ausgerechnet der TV Hochdorf profitierte von diesem Ergebnis und zog durch den Heddesheimer Sieg ins Finale des Cups ein. Die SG Heddesheim schied punktgleich mit dem Longerischen SC und dem TV Hochdorf wegen des schlechten Torverhältnisses aus und zeigte während des Turniers zwei völlig verschiedene Gesichter. Der Longerische SC zog ins Spiel um Platz drei gegen die TSG Hassloch ein und verlor mit 30:26. Das Finale ließ dann auch aufhorchen und zeigt, wie gut die Konkurrenz in der Oberliga Baden-Württemberg sein wird: Die SG Nussloch bezwang den Drittligisten TV Hochdorf knapp mit 18:15.

„Ich bin froh, dass das Turnier jetzt für uns vorbei ist.“

Frank Schmiedel gewann dem frühen Turnierende für die SG Heddesheim auch positive Seiten ab:

Heute hat die Mannschaft ihr wahres Gesicht gezeigt. Sie kam zwar nicht so gut ins Spiel, hat aber toll gekämpft. Ich bin auch froh, dass für uns jetzt das Turnier vorbei ist und wir Kräfte sparen können. Jetzt hätte ich Martin Doll oder Martin Geiger im nächsten Spiel vielleicht gar nicht mehr gebracht. Dann hätten vielleicht aber Steffen Wacker oder Christian Buse durchspielen müssen. Bei noch einmal 50 Minuten wäre die Verletzungsgefahr jetzt auch groß gewesen. Ich bin jetzt nicht todtraurig. Wir sind jetzt punktgleich mit Hochdorf und dem Longerischen SC und dann ist das auch kein Abbruch und eine saubere Sache.

„Die Mannschaft hat richtig geil mitgemacht!“

Insgesamt zog Schmiedel ein sehr positives Fazit von der gesamten Vorbereitung:

Das war jetzt für uns der Höhepunkt der Vorbereitung, seit zwei Monaten hatten wir vier- bis fünfmal pro Woche Training und waren am Wochenende meist auch noch zwei Tage bei Turnieren unterwegs. Nur montags hatten die Jungs frei. Die Mannschaft hat richtig geil mitgemacht Das war schon immens viel, aber wir werden das auch brauchen. Man merkt jetzt, dass sie müde sind, heute haben sie das über den Willen gelöst, das haben sie nochmal toll gemacht. Wir haben die physischen Grundlagen gelegt und fahren ein bisschen runter. Jetzt geht es nur noch um den taktischen Feinschliff.

Personell könne die SG Heddesheim noch ein bis zwei Spieler brauchen, damit der kräftebedingte Verschleiß nicht so groß sei. Im Wesentlich ist der Kader laut Frank Schmiedel jedoch der der letzten Saison:

Im Tor gab es eine Veränderung, Raul Lazaro Garcia ist jetzt in Amerika. Dafür spielt jetzt Mark Kolander neben Daniel Reber und Christian Schemenauer bei uns. Zudem ist ja Elmar Patzwald zu uns gekommen, mit dem es am Kreis super passt. Wir halten ansonsten die Augen und Ohren noch offen, ob wir den einen oder anderen verpflichten können. Das wird aber schwierig, das muss schließlich menschlich und für den Geldbeutel passen. Es nutzt uns nichts, wenn ich dann einen hole, der mitspielen und ergänzen kann, aber uns nicht weiterbringt. Wir haben ja auch viele talentierte Spieler aus der zweiten Mannschaft. Wir haben zwar drei Gespräche geführt, konnten die entsprechenden Spieler aber nicht bezahlen. Das kann ja auch nicht sein, dass ein Spieler unser Gehalt sprengt. Unsere Spieler kriegen nur eine Aufwandsentschädigung von vielleicht 150 Euro und das ist bei der ganzen Fahrerei nicht viel.

„Wir werden für den Klassenerhalt um jeden Meter kämpfen“

Für Trainer Frank Schmiedel steht den Spieler eine harte Saison bevor, in der es nur ein Ziel geben kann.

Es wird verdammt schwer, in der Oberliga Baden-Württemberg zu bleiben. Die Liga ist richtig gut. Aber ich kenne meine Mannschaft und wir werden um jeden Meter kämpfen, gerade bei den Heimspielen. Wir werden sicherlich auch mal einen auf die Ohren kriegen, aber ich bin guter Dinge, dass wir das schaffen können. Wir sind letztes Jahr so stabil gewesen. Die Euphoriebremse war jetzt ganz gut, damit die Erwartungen nicht zu hoch werden. Für uns zählt nur der Klassenerhalt. Wir müssen auch mal schauen, wie der ein oder andere die weiten Reisen wegsteckt. Wenn man am Wochenende mal 200 oder sogar 300 Kilometer mit dem Bus fährt, dann spielt, am nächsten Tag arbeitet und hoch oder unglücklich verliert, ist die Stimmung nicht so gut. Wir haben die nächste Saison 30 Spiele. Ich habe jetzt auch mal bewusst gewechselt und umgestellt, damit Spieler auch mal in die Bresche springen können, wenn sich einer mal verletzt. Das sind alles Dinge, auf die wir uns einstellen müssen. Wir sind aber dafür stark genug,

so Frank Schmiedel abschließend.