Mittwoch, 23. August 2017

„Die Pflanzen leiden unter der Hitze“ – dürftige Weizenernte, der Heddesheimer Tabak vor dem Aus

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Guten Tag!

Heddesheim, 21. Juli 2010. Die Wetterbedingungen bringen den Heddesheimer Bauern für dieses Jahr keine guten Ernten – der Mai war zu feucht und zu kalt, die Hitze der vergangenen Wochen bei gleichzeitigem Wassermangel hat den Weizen früher reifen lassen.

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Ãœberall wird zur Zeit der Weizen eingebracht - zurück bleiben die Strohballen. Bild: heddesheimblog.de

Seit einigen Tagen wird der Weizen geerntet, „8-10 Tage zu früh“, sagt Rupert Bach: „Das Korn ist notreif. Durch die Hitze hat es sich zu früh entwickelt.“ Das heißt: Nicht Ähren konnten voll ausreifen, der Ertrag liegt 5-10 Prozent unter der Erwartung. Die Qualität reicht nur für Futterweizen, was nochmals einen Preisabschlag bedeutet. Das Korn konnte nicht genug Eiweiß einlagern.

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Landwirt Rupert Bach: "Zu viel Hitze, zu wenig Wasser." Bild: heddesheimblog.de

Weizen wird je nach Güte in die Klassen A und B eingeteilt – alles darunter ist Futterweizen mit entsprechenden Preisabschlägen.

„Wir kommen dabei noch glimpflich weg“, sagt Bach, „gerade entlang der Bergstraße, wo später angebaut wird, werden die Erträge noch schlechter sein.“ Die Erwartung war zunächst eine andere: „Wir rechneten mit Spitzenerträgen, doch dann kam die Hitzeperiode.“

Auch beim Tabak sieht es nicht gut aus: „Die Pflanzen leiden unter der Hitze.“ Ãœberhaupt der Tabak: Nachdem die Regulierung für Tabakpreise mit dem vergangenen Jahr ausgelaufen ist, befinden sich die vier Heddesheimer Tabakbauern „im ersten Jahr der Marktordnung“, sagt Alois Bach (nicht verwandt mit Rupert Bach), der Vorsitzende der Tabakbauern: „Der Markt wird die Preise richten.“

Wie knallhart das Geschäft ist, zeigen die Preise: „Am Markt wird das Kilo teils mit 1,80 Dollar gehandelt. Wir brauchen 3,50 Euro, um wirtschaftlich arbeiten zu können.“ Für die Tabaksorte Burley war das das Aus. Der wird hier nicht mehr angebaut. Ãœbrig geblieben sind der Badische Gaudertheimer und Virgin: „Dafür haben wir einen zwei-Jahres-Vertrag zu noch akzeptablen Preisen. Ob es einen Anschluss gibt oder wir als Unternehmer das Risiko des Anbaus eingehen werden, ist derzeit völlig offen“, sagt Alois Bach.

Sein Kollege Rupert Bach baut den Zigarrentabak Badischer Gaudertheimer an: „Nur noch auf 50 Prozent der sonstigen Fläche.“ Virgin wird für Zigaretten gebraucht: „Ob und wie wir hier auf dem Weltmarkt mithalten können, müssen wir sehen“, sagt Alois Bach: „Ich finde es sehr schade, dass diese Kulturpflanze nach über 400 Jahren Anbau in unserer Region vor dem Aus steht. Aber das ist politisch so gewollt.“

„Tabak ist mit nichts zu vergleichen“, sagte Bach: „Vielleicht noch mit Wein oder Spargel. Auch hier ist der Anbau sehr arbeitsintensiv, was die Preise ausmacht, aber auch Gewinn bringt.“ Da die staatliche Preisregulierung aber weggefallen ist, weiß niemand, wie sich die Preise entwickeln werden: „Und es braucht entsprechende Investitionen. Jeder Landwirt muss als Unternehmer selbst entscheiden, ob er das Risiko eingehen will.“

Vier Pflanzhelfer arbeiten mit.

Pflanzhelfer beim Setzen der Tabakpflanzen. Bild: heddesheimblog.de

Der Kreislauf der Globalisierung macht also auch nicht vor Heddesheim halt und erstreckt sich in weitere Länder – aus denen die Hilfsarbeiter und Saisonkräfte kommen: „Wir haben schon Stellen reduziert, wie alle“, sagt Alois Bach. 100 Tonnen Tabak haben die Heddesheimer Landwirte bis vergangenes Jahr produziert, dieses Jahr noch die Hälfte. Im kommenden Jahr wird es in Heddesheim vielleicht keinen Tabakanbau mehr geben.

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.

  • kompakter

    hallo,

    interessanter artikel – die bauern könnten einem leid tun, wenn sie nicht so viel subventionen kriegen würden. beim tabak ist das wohl vorbei. überhaupt tabak: der mm entblödet sich schon seit jahren, wenn er von der „tabakgemeinde heddesheim“ schreibt. vier landwirte bauen den noch an und dann soll das eine tabakgemeinde sein? ab 2011 ist damit ja wohl ganz schluss…
    hier in ladenbur nervt mich das „römer-geschreibsel“ auch an. noch nie einen römer gesehen. noch nicth mal als tourist.

    gruß

  • Argus

    Nachdem die Subventionen für den Tabakanbau wegfallen,wird für die Tabakbauern der Anbau uninteressant.
    Aber es gibt ja immer noch für andere Agrarerzeugnisse und die Landschaftspflege „Zuschüsse“.

    Einfach mal hier nachschauen:
    Zahlungen aus den Europäischen Fonds für Landwirtschaft und Fischerei.