Mittwoch, 23. August 2017

Das Prinzip Gießkanne oder Grinsen für den guten Zweck oder eher für das eigene Image?

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Guten Tag!

Heddesheim, 21. Januar 2011. Spenden sind eine gute Sache – wenn sie Sinn machen. Der Mannheimer Morgen berichtet heute über eine „großzügige“ Spende der VR Bank Rhein-Neckar. Ohne Sinn und Verstand. Es geht ums Bild, auf dem alle grinsen. Es geht um die Summe. Und es geht ganz sicher auch um „Interessen“ – welche auch immer.

Von Hardy Prothmann

Die VR Bank Rhein-Neckar betont ausweichlich des Artikels die „lokale Verwurzelung, gerade in Heddesheim.“ Mehr noch: „Die für die Bank unverzichtbar sei“.

„Unverzichtbar?“ Die „lokale Verwurzelung in Heddesheim?“

Das liest sich, als wäre das Schicksal der VR Bank Rhein-Neckar an das Schicksal von Heddesheim unmittelbar verknüpft. Als gebe es eine natürlich Symbiose zwischen Heddesheim und der VR Bank Rhein-Neckar.

Eine „großzügige Spende“ wird vergeben. 10.000 Euro. Doch wenn man weiterliest, bemerkt man, dass die „lokale Verwurzelung“ auch für Ladenburg und Ilvesheim gilt, denn die 10.000 Euro werden „an fünf Einrichtungen überreicht“.

10.000 Euro. Von der VR Bank Rhein-Neckar. Von "20" für "5, "6+1" freuen sich. Das muss keiner verstehen. Quelle: MM

Der Bericht ist sehr verwirrend, weil das Geld zwar an „fünf Einrichtungen“ verteilt wird. Und dann heißt es, dass das Gesicht hinter der Spende, Dominique Lambottin, regionaler Verkaufschef der VR Bank Rhein-Neckar, „stellvertretend für rund 20 gemeinnützige sowie mildtätige Vereine und Organisationen Spenden des Geldinstituts von mehr als 10.000 Euro“ überreicht, „darunter auch an kirchliche und kommunale Kindergärten.“

Wie ist das zu verstehen? Haben 20 gemeinnützige und mildtätige Vereine und Organisationen Spenden gesammelt? Wann ist das geschehen und war den Spendern klar, für wen und was sie spenden?

Und wen hat Herr Dominique Lambottin, regionaler Verkaufschef der VR Bank Rhein-Neckar, eingeladen? Alle 20 gemeinnützige und mildtätige Vereine und Organisationen? Oder nur die Empfänger?

Auf dem Bild sind sechs „Vertreter gemeinnütziger Organisationen“ zu sehen, außer Herrn Lambottin, der in der Mitte des Bildes grinst und wahrscheinlich nicht für sich in Anspruch nehmen kann, „lokal verwurzelt“ zu sein.

Es geht also um „stellvertretend 20 gemeinnützige und mildtätige Vereine und Organisationen“, um „Spenden“, um „fünf Empfänger“ und sechs Vertreter, die sich darüber so sehr freuen, dass sie um die Wette grinsen.

Und es geht um eine in Heddesheim „verwurzelte Bank“ die an eine Ladenburger Kinderkrippe spendet und an einen „Ilvesheimer Kulturkreis“. Anscheinend treiben die „Heddesheimer Wurzeln“ weit aus.

Muss man das verstehen? Eher nicht.

Schon gar nicht die Konstellation der „Stellvertretung für 20 Blabla“, fünf Empfänger und sechs dankbaren „Posierern“.

Eher kann man schon die „sechs“ Grinser verstehen, die sich über eine Spende für „fünf“ freuen – was irgendwie auch unlogisch ist. Es wäre sehr interessant zu wissen, wie die „sechs“ das unter „fünf“ aufteilen.

Doch darüber gibt es keinerlei Informationen. Wofür ist das Geld? Gibt es Bedingungen? Ziele? Wünsche?

All diese Informationen sind egal – es geht Hauptsache um 10.000 Euro. Ein Betrag, der angesichts von Währungsgeschäften, Wechselkursen und Kursschwankungen für eine Bank die Bedeutung von weniger als einer „Erdnuss“ haben.

Die wahre Bedeutung geht über die „Erdnuss“ hinaus, das muss man vermuten. Es geht ums Bild, um das Grinsen und die frohe Botschaft. Es geht um Werbung, um „Mitmenschlichkeit“. Um ein Bild, einen Bericht, und ums Image. Für den „großzügigen Spender“ und die „dankbaren Empfänger“.

Das Ziel hat die VR Bank Rhein-Neckar erreicht – und ihr „regionaler Vertriebsleiter, der Herr Lambottin, so eine Art junger Apfel am „altverwurzelten Baum“ der VR Bank Rhein-Neckar.

Merkwürdig ist nur, dass die „altverwurzelte“ VR Bank Rhein-Neckar die frohe Botschaft nur über einen Kanal, den „alt verwurzelten Ast der Beziehungen“ vertreibt oder austreibt.

Die frohe Botschaft soll wahrscheinlich nur Abonnenten des Mannheimer Morgen zugänglich sein. Das heddesheimblog wurde nicht eingeladen, die frohe Botschaft im Auftrag der „20“ zu vermitteln, die an „fünf“ geht und über die sich „sechs“ freuen.

Vermutlich, weil das heddesheimblog das einfach zu kompliziert sieht. Oder zu differenziert.

„Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul“, ist vermutlich die Devise derjenigen, die nicht darüber nachdenken, was sie wie unter welchen Umständen geschenkt bekommen.

Geld ist Geld. Das hat man oder nicht.

Die VR Bank mit ihrer „lokalen, unverzichtbaren Verwurzelung“ hat es und verschenkt es einfach so im Auftrag von ungenannten „20“ an „fünf“, worüber sich „sechs“ freuen.

Verstehen muss man das nicht. Man kann sich aber sehr, sehr wundern und sich selbst seinen Reim drauf machen.

Wer das für blödsinnig hält, denkt nur seine Meinung. Wer sich darüber ärgert, wie eine Bank für ein wie auch immer geartetes Interesse Geld streut, denkt über die Meinung hinaus und fragt sich, was das soll.

Und wer denkt: „Boah, 10.000 Euro sind ne Stange Geld und ich verstehe nicht, wie Menschen verstehen sollen, dass Geld geldwert ist und eine Bank einfach so 10.000 Euro einfach nur unter die Leute bringt, ohne den Wert an Werte zu knüpfen“, denkt weiter.

Noch weiter denkt der, der sich fragt, warum er eigentlich bei der VR Bank Rhein-Neckar ein Konto hat? Denn die verlangt Gebühren für alles mögliche von ihm, „dem Kunden“. Und wer weiterdenkt, findet es toll, wenn ein „Prozentsatz“ der gezahlten Gebühren in sinnvolle Projekte gesteckt wird. Zumindest diesen Prozentsatz zahlt jeder Kunde, der ein wenig mitmenschlich denkt, sehr gerne.

Darüber wäre sicher aber jeder Kunde gerne informiert – welcher „Prozentsatz“ seiner Gebühren in „sinnvolle Projekte“ investiert wird und wird sicherlich sehr gerne als ungenanntes Mitglied einer Solidargemeinschaft gerne diesen „Prozentsatz“ zahlen.

Wer einfach nur „Prozentsätze“ zahlt, die als „Kosten“ deklariert werden und die die VR Bank Rhein-Neckar im „Markteting-Mix“ für Eigenwerbung nutzt, fühlt sich „verarscht“. Und wechselt zu Recht die Bank.

Vielleicht ist die VR Bank Rhein-Neckar aber auch nur ein sehr soziales Unternehmen und alle Gedanken in dieser Richtung sind „haltlos“. Das kann sein und wäre schön. Die VR Bank Rhein-Neckar wird sich sofort bemühen und ihr „soziales Engagement“ gerne und umfassend darstellen.

Konzept, Strategie und Nachhaltigkeit ihrer Spenden offenlegen – so, wie man das von einem modernen Unternehmen mit einem hohen Anspruch an sozialer Verantwortung erwarten kann.

Oder sie belässt es einfach beim bewährten „Werbe-Mix“, in dem 10.000 Euro verteilt auf „fünf“ Empfänger, „sechs“ Grinser im „Auftrag von 20“ ihren Platz haben.

Anmerkung der Redaktion:
Wir reichen den Link auf den Artikel nach, der allerdings nur für eine kurze Zeit erreichbar sein wird, weil der MM eine „Pay-Wall-Politik“ betreibt.

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.

  • D. Weber

    Ihnen ist bestimmt nichts entgangen wenn man Sie nicht zu diesem „Scheck-Überreichungs-Termin“ eingeladen hat. Das ist ja immer dasselbe blabla mit glücklichen Krawattenträgern, die in die Kamera grinsen und den Scheck hochhalten. Billigste PR.

    Andererseits tuts in der Zeitung auch nicht weiter weh und ich les halt „drüber weg“.

  • lutz

    Ein MM-Artikel, der zeigt, dass die örtliche MM-Redaktion nicht mal mehr einen banalen Bildtext hinkriegt, ohne sprachlich ins Stolpern zu kommen …

    Ansonsten: Langweiligster Lokalteil-Käse, wie das schon seit 50 Jahren tagein tagaus im Blättchen steht. Eigentlich nicht satisfaktionsfähig für das heddesheimblog.

    • jawiejetzt?

      Guten Tag,

      nun ja, mit der Sprache ist das so eine Sache. In dem Artikel über den Besuch zweier Bürgermeister bei Mappi, dem kleinen Krokodil, war auch eine schöne Passage drin, welche sprachlich etwas ungelenk war.

      Da glaubt man vielleicht, eine Zeitung sei Hüter und Hort einer gepflegten und korrekten Muttersprache. Sodann liest man aber in der größten Regionalzeitung einen Satz wie diesen:

      „Nach Ende des Programms bat Georg Wacker, der Bergsträßer Landtagsabgeordnete und Staatssekretär im Kultusministerium, die beiden Bürgermeister und andere Persönlichkeiten seines Wahlkreises zu einem Glas Sekt in sein Büro ein.“

      Die Zusammenziehung von „herein bitten“ und „einladen“ ist möglich und verständlich. Selbst, daß man den dadurch hergestellten falschen Bezug der Worte und den entstellten Wortsinn in einem Satz verwenden kann, ist möglich. Beim gesprochenen Wort allemal.

      Aber in einem gedruckten Artikel? Gibt es da keine Redakteure mehr, die eine Endabnahme machen und denen so etwas auffällt? Dem Rechtschreib- und Grammatikprogramm eines Computers mag so etwas durchgehen, aber bei einer Zeitung, die täglich mit dem geschriebenen Wort umgeht, sollte eine solche Fehlleistung, an der Freud seine Freud gehabt hätte, nicht bis zur Druckerpresse gelangen.

      Oder stand das nur in der online Fassung so?

      Einen schönen Tag.

  • Jochen Schust

    Interessant finde ich übrigens, dass der Lokal-Relaunch des MM zumindest bei der Auflage zu funktionieren zu scheint! Die verbreitete A-Auflage (da ist auch Heddesheim drin) stieg im 4. Quartal gegen den allg. Trend recht deutlich von 79.000 auf 81.000. Damit ist der tiefe Absturz der Vorquartale gestoppt. (Quelle: http://www.ivw.de)

  • kompakter

    hallo,

    so viel steht wohl fest – die kalkulierte werbewirkung hat durch diesen artikel ne ordentliche schramme bekommen.
    weiter so, heddesheimblog.

    gruß