Montag, 23. Oktober 2017

Ãœber die Bertelsmann-Studie, ihre Inhalte und was Herr Doll daraus macht

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Guten Tag!

Heddesheim, 20. Juli 2009. Der Heddesheimer CDU-Fraktionschef Dr. Josef Doll zitiert gerne aus Studien. Eine davon ist eine angebliche Bertelsmann-Studie. Warum diese nur angeblich von Bertelsmann ist und warum Herr Doll mit den von ihm verwendeten Zahlen nicht umgehen kann oder will, lesen Sie in unserer Analyse.
Und Sie lesen auch, dass die Behauptung, die „CDU informiert die Bürger/innen richtig“, falsch ist.

Das heddesheimblog

Herr Doll beruft sich in seinem Artikel im aktuellen Mitteilungsblatt Nr. 29 auf Seite 28 auf eine Studie: „Die Arbeitsplatzzahlen stammen aus der Studie „Demographische Entwicklung und sind unter www.aktion2050.de/wegweiser zu erthalten (Rechtschreibfehler wie im Original, d. Red.).“

Das heddesheimblog hat die von Herrn Doll empfohlene Internetseite besucht und musste feststellen, dass es dort keine Studie „Demographische Entwicklung“ zu lesen gibt. Es gibt dort eine Kategorie „Themen und Konzepte“, darunter eine Kategorie „Demographischer Wandel“ und darunter unter anderem eine Kategorie „Konzepte und Studien“.

Die Studie, auf die Herr Doll sich vermutlich berufen will, kommt aus dem Hause Bertelsmann und heißt „Demographischer Wandel“. Mit den von ihm zitierten Zahlen hat sie aber nicht unmittelbar zu tun.

Herr Doll veröffentlicht nachweisbar falsche „Informationen“.

Weiter schreibt Herr Doll im Mitteilungsblatt: „Im Vergleich für den Fünfjahreszeitraum bis 2006 nahmen in Heddesheim die Arbeitsplätze um 16,4 % und im Rhein-Neckar-Kreis um 1,9 % ab.“

Diese Information ist falsch.

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Herr Doll zitiert falsche Zahlen. Bild: hblog

In der zugehörigen Tabelle des „Wegweisers Kommune“ zu „Indikatoren des Politikfeldes „Wirtschaftsstruktur/Arbeitsmarkt“ für Heddesheim 2006″ heißt die korrekte Zahl -16 %. Die andere Zahl, 1,9 %, ist richtig. Eine Vergleichszahl für Baden-Württemberg gibt es für 2006 nicht.

Für das Jahr 2007 verbessert sich diese „dramatische“ Zahl aber um 6,6 Prozentpunkte auf nur noch -9,4 %. Herr Doll schreibt: „Die zweite Aussage betrifft den Fünfjahreszeitraum bis 2007, hier nahmen in Heddesheim die Arbeitsplätze um 9,4 % und in Baden-Württemberg um 1,2 % ab.“

Herr Doll „informiert“ unseriös.

In diesem Fall stimmen die von Herrn Doll nach der Tabelle zitierten Zahlen. Doch haben sie etwas zu bedeuten? Für das Jahr 2007 fehlt nämlich die Vergleichsangabe für den Rhein-Neckar-Kreis. Wie kann das sein, dass 2006 zum Kreis eine Zahl vorliegt, zum Land aber nicht und 2007 zum Land eine Zahl, aber keine zum Kreis? Ein aufmerksamer Leser merkt sofort, dass vielleicht die Datenbasis der Studie zumindest fragwürdig ist. Wie auch immer, ein Vergleich ist in der Doll´schen Form unseriös.

Herrn Doll stört das nicht: „… der Trend stimmt.“ Bei der Schwarzmalerei, die Herr Doll betreibt, muss der Trend also negativ sein. Das ist er aber nicht. Ganz im Gegenteil.

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Die CDU informiert richtig... ist einfach eine falsche Behauptung. Bild: hblog

Doch Herr Doll schreibt virtuos weiter: „Diese Arbeitsplatzzahlen zeigen sich auch in der Entwicklung der Gewerbesteuer des Jahres 2008, wie sie in der Dezembersitzung des Gemeinderates als Vorschau dargestellt wurde.“

Wir analysieren: Der Gemeinderat stellt im Dezember 2008 eine Vorschau auf die Zukunft dar und darin zeigen sich die Arbeitsplatzzahlen aus den Jahren 2006 und 2007, die wiederum die Entwicklung der Gewerbesteuer in der Zukunft zeigen…

Das ist… verblüffend.  Erstens, weil Herr Doll keine Zahlen, sondern nur Prozentwerte genannt hat und zweitens, weil in der Vorschau die Rückschau liegt und drittens, weil die früheren Arbeitsplatzzahlen in der künftigen Entwicklung der Gewerbesteuer zeugen.

Wie gesagt: Herr Doll hat den Anspruch, dass er und die Heddesheimer CDU die Bürger/innen richtig informiert.

Einen schönen Tag wünscht
Das heddesheimblog

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.