Mittwoch, 23. August 2017

Der Augenblicker: Rudolf Klee stellt im Alten Rathaus aus

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Guten Tag!

Heddesheim, 20. Juni 2010. Rudolf Klee ist ein beeindruckender K├╝nstler und so ist auch seine Kunst. Im Alten Rathaus ist eine eindrucksvolle Ausstellung des Ladenburgers ├╝ber 40 Jahre k├╝nstlerisches Schaffen zu sehen. Unser Tipp.

Von Sabine Prothmann

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Rudolf Klee: ausdrucksstark. Bild: heddesheimblog

„Kunst kommt von K├Ânnen“, sagte der Ladenburger Vollblutk├╝nstler Rudolf Klee. „K├Ąme es von Wollen, m├╝sste es ja schlie├člich Wulst hei├čen“.

Und sein K├Ânnen konnten die gut 40 Besucher bei der Er├Âffnung seiner Ausstellung am gestrigen Sonntag im Alten Rathaus in Heddesheim bewundern.

Und sein K├Ânnen erstreckt sich nicht nur in seinen 38 Zeichnungen, Radierungen, Malereien, Lithografien und seinen f├╝nf Plastiken, die der K├╝nstler in der Ausstellung des Heddesheimer Kunstvereins unter dem Titel „Vier Jahrzehnte – Malerei und Graphik“ zeigte, sondern auch in seinen Gedichten und Improvisationen am Klavier.

„Es geschieht, nichts ist geplant, ich m├Âchte die Dinge in ihrem Ursprung begreifen“, erkl├Ąrte Rudolf Klee.

Was der Ausstellungsbesucher sofort begreift, ist die Ausstrahlung, die Authentizit├Ąt dieses K├╝nstlers.

Die breit gef├Ącherte Vielseitigkeit von Rudolf Klee, die Kreativit├Ąt, die au├čer der bildenden, auch die literarische und musikalische Kunst mit einschlie├čt, betonte Martine Herm, 1. Vorsitzende des Kunstvereins, in ihrer Begr├╝├čung. Was treibt ihn an? „Wir wollen eintauchen in die Welt des Rudolf Klee.“

Die Einf├╝hrung in sein Werk wollte der K├╝nstler selbst geben.

Und er nahm seine Besucher mit auf eine Reise durch seine Kunst, sein Empfinden, sein Erleben.

Aus drei T├Ânen lie├č er am Klavier eine Improvisation entstehen. „Drei T├Âne nehme ich heraus und spiele mit ihnen.“ Drei T├Âne, drei Striche, drei Worte – das kann der Anfang sein, f├╝r eine wunderbare Melodie, ein Bild oder ein Gedicht. „Ich machÔÇÖ halt Dinge, die mich ber├╝hren.“

Der 1936 in Bingen geborene Klee ist in Viernheim aufgewachsen. In seiner Jugend verbrachte er viel Zeit als Organist und Messdiener in der Kirche. Er beobachtete die Schatten, die entstanden durch das Licht, das durch die Kirchenfenster fiel. „Ich tr├Ąumte von Glas und Edelsteinen.“ Dann habe er ein Bild des Kubisten Lionel Feininger gesehen und er wusste: „Kubismus t├Ârnt mich an.“

Beim Ausstreichen der Farbrollen, die er f├╝r Lithographien verwendete, entstanden Farbbahnen und kubistische Elemente. In die er wiederum zeichnete, wie in dem Bild „Gesetzestafel“.

Der Besuch von Kursen zu Radierungen lie├č f├╝nf kleine Kunstwerke entstehen. Technisch perfekt, au├čergew├Âhnlich durch ihre Titel, durch ihren Wortwitz, direkt durch ihre gesellschaftliche Kritik.

Wenn ein Keim aus einer Nuss treibt wird das bei Klee zum „Kernreaktor“. Wenn die Richter anstelle von K├Âpfen Pilze tragen, ist der Namen Pilzgericht nicht weit und der Galgen wird zur Richtschnur.

Die Freiheit ist f├╝r ihn ein hohes Gut, „sie wird uns geschenkt“, und er m├Âchte sich nicht zu sehr einengen lassen.

In der Zeichnung „Traumb├╝hnenlandschaft“, befindet sich ein Fenster – das dem Beschauer in seinen Bildern immer wieder begegnet – als Symbol f├╝r unsere Gedanken, die entfliehen, die raus gehen.

Ein gro├čes Vorbild f├╝r Rudolf Klee ist der K├╝nstler Horst Jansen, „f├╝r mich ist er der gr├Â├čte Zeichner des vorangegangenen Jahrhunderts. Er konnte alles.“

Somit begann in den 70er Jahren seine „Jansenphase“. Jansen zeichnete das Selbstportrait von Casper David Friedrich und Klee kopierte, f├╝gte hinzu, ver├Ąnderte, sein „Friedrich nach Jansen“ entstand. Seine Bilder in dieser Schaffensperiode bezeichnet Klee als phantastischen Realismus. Schuhe werden zu „Der Redner und seine Meute“. Das Gesicht von Strau├č verwandelt sich in „Metamorphose“ zu dem Gesicht von D├╝rers Mutter. In einem Landschaftsbild finden wir ein Selbstportrait von Rembrandt, in einer Traumlandschaft das Gesicht eines alten Mannes von Leonardo Da Vinci und doch bleibt es immer ein Klee.

„Jede Landschaft hat ein Gesicht“ – und so entstehen immer wieder Landschaftsbilder mit eindringlichen Portraits verwoben, so wird das melancholische Gesicht mit der Herbstlandschaft zu einer Einheit.

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Exponat. Bild: heddesheimblog

„Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern macht sichtbar“, zitiert Rudolf Klee seinen ber├╝hmten Namensvetter Paul.

Die n├Ąchsten Bilder, die er dem Betrachter erschlie├čt, sind betitelt mit „Morgen im Feld“, „Abend am Feldrand“ und „Nocturne“. Zarte Violettt├Âne, leuchtendes Rot,n├Ąchtliches Blau – „Ich bin ein romantischer Mensch“. Und:“Auch Kitsch ist erlaubt“. Aber: „Kunst ist alles, was ehrlich ist, was vom Herzen kommt“ und grenzt sich dabei ab von Kitsch, bei dem Form und Inhalt nicht ├╝bereinstimmen.

Hat er zun├Ąchst seinen Landschaftsbildern noch Gesichter zugesellt, geht er in seiner n├Ąchsten Phase ein Schritt weiter. „Jedes Portrait beginnt mit dem Auge“ und so reduziert er die Gesichter auf den „Augenblick“ und zitiert Goethe „alle Macht geht vom Auge aus“ und noch weiter „verweile doch du Augenblick, du bist so sch├Ân“ als drohenden Niedergang.

Der Augenblick als Zeiteinheit, als Moment, der Augenblick als Wesen. Die Bilder sind betitelt mit „Vor dem Augenblick“, „Dem Augenblick begegnen“ oder auch „Im Tanz mit dem Augenblick“.

In ├ľlbilder zeichnet und schreibt er Schriften, denn „ich schreibe alles mit der Hand, ich bin ein Fossil, ich habe kein Computer, kein Handy“.

Rudolf Klee m├Âchte die Dinge im Ursprung begreifen, durch die Virtualit├Ąt des Computers gehe f├╝r ihn das Begreifbare verloren.

Die Ausstellungser├Âffnung beschlie├čt er mit seiner Poesie mit seiner Musik. Wenn er an George W. Bush das Gedicht „Vom Wert der Ehre“ schreibt und diesem Liszts Pr├ęlude zur Seite stellt, wenn er in „Entr├╝stung“ von „entr├╝stet euch“ spricht und in „Ein Gebet“ dazu auffordert „lass uns frei sein wie ein Kind“, passiert es, dass der Betrachter und Zuh├Ârer G├Ąnsehaut bekommt. Denn das, was Rudolf Klee mit seiner Kunst, seinen Zeichnungen und Gem├Ąlden, seinen Gedichten und seiner Musik zeigt, ist glaubhaft, kommt von Innen und l├Ąsst den Besucher „froh nach Hause gehen“.

Die Ausstellung „Vier Jahrzehnte – Malerei und Graphik“ mit Arbeiten von Rudolf Klee ist noch bis 18. Juli 2010 Im Alten Rathaus, sonntags von 14:00 bis 17:00 Uhr, zu sehen.

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├ťber Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gr├╝ndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Portr├Ąts und Reportagen oder macht investigative St├╝cke.