Dienstag, 25. September 2018

Werkrealschule in Hessen und Rheinland-Pfalz unbekannt

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Guten Tag!

Heddesheim, 19. November 2009. Das Land Baden-W├╝rttemberg fordert Werkrealschulen. Viele Schulstandorte k├Ânnen die Forderungen nicht erf├╝llen. Angeblich sei das Angebot einer Werkrealschule aber ein „Standortfaktor“ f├╝r die Gemeinden.

Eltern w├╝rden ihre Kinder lieber auf eine „Werkrealschule“ schicken, als auf eine Hauptschule. Das heddesheimblog hat recherchiert und wollte wissen, welche Chancen „Werkrealsch├╝ler“ in Hessen und Rheinland-Pfalz haben.

Das Land Baden-W├╝rttemberg setzt die Hauptschulen im Land unter Druck. Wenn Sie einen „Werkrealschulabschluss“ anbieten wollen, m├╝ssen sie bestimmte Kriterien erf├╝llen – beispielsweise die „Zweiz├╝gigkeit“, also zwei Schulklassen pro Schuljahr. Daf├╝r fehlen vielen Hauptschulen die Sch├╝lerzahlen. Sie m├╝ssen also kooperieren. Auch Heddesheim und Hirschberg planen eine solche Kooperation.

Das heddesheimblog hat sich abseits des Sinn und Zwecks dieser politischen Vorgaben die Frage gestellt, was denn ein „Werkrealschulabschluss“ eigentlich wert ist?

Beispielsweise in Rheinland-Pfalz oder in Hessen. Also in der unmittelbaren Nachbarschaft. Die Redaktion hat die Industrie- und Handelskammern als Ansprechpartner ausgew├Ąhlt.

Unser Reporter stellte sich als „Herr Berger“ vor, der sich f├╝r seinen Neffen erkundigt. Der wird 2010 einen Werkrealschulabschluss haben und sucht nach einem Ausbildungsplatz oder einer weiteren Schulzeit auf einem Wirtschaftsgymnasium.

Anruf bei der IHK Kaiserslautern. Dort wei├č man nichts von einem „Werkrealschulabschluss“. Eventuell wei├č Ludwigshafen etwas dazu? Man solle doch dort nachfragen. Unter der angegebenen Telefonnummer meldet sich in Ludwigshafen trotz mehrerer Versuche leider niemand.

Bei der IHK Darmstadt „hat man keine Ahnung“ und soll doch morgen noch einmal bei einer Kollegin anrufen. Am n├Ąchsten Tag sagt die Kollegin, dass „dieser Abschluss in Hessen nicht bekannt ist“, aber man nicht immer ├╝ber alles informiert sei, deswegen solle man sich beim Kultusministerium r├╝ckversichern. Unter der angegebenen Telefonnummer meldet sich niemand.

Wir rufen die IHK Wiesbaden an. Der Mitarbeiter kennt den Abschluss „Werkrealschule“ auch nicht, will sich aber schlau machen. Man solle doch drei Tage sp├Ąter wieder anrufen.

Bei der IHK Frankfurt gibt es keine Auskunft, man soll doch sp├Ąter noch einmal eine Nummer anrufen, auf der niemand „abhebt“.

Bei der IHK Karlsruhe werden wir f├╝ndig. „De jure“, sei der „Werkrealschulabschluss“ eine „Mittlere Reife“. Allerdings habe er nicht den Stellenwert, „der da hinein interpretiert wird“.

„Der Abschluss ist problematisch, denn die eigentliche Frage ist, ob man sich weiter qualifizieren kann, also beispielsweise das Fachabi machen kann, das scheint nicht ganz einfach zu sein…“ Besser angeraten w├Ąre erst eine Lehre und bei sehr guten Leistungen sei vielleicht mehr drin, beispielsweise ein Fachabitur.

In Sachsen wei├č man gar nichts von einem Abschluss „Werkrealschule“: „Wenn Sie das anerkannt haben wollen, m├╝ssen Sie sich an das Kultusministerium wenden.“

Nach mehreren Anrufen dort, soll man nochmals anrufen, die Sachbearbeiterin sei gerade nicht zu erreichen.

Einen sch├Ânen Tag w├╝nscht
Das heddesheimblog, Mitarbeit: Horst P├Âlitz

├ťber Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gr├╝ndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Portr├Ąts und Reportagen oder macht investigative St├╝cke.