Sonntag, 20. August 2017

„Pfenning hätte schon längst Klarheit herstellen können.“

Print Friendly, PDF & Email

Guten Tag!

Heddesheim, 19. März 2010. Der Ortsverband Bündnis90/Die Grünen hat heute zu einem Pressegespräch geladen. Der Grund: Die Grünen sehen keine besonderen Bemühungen der Unternehmensgruppe „Pfenning“ bei der Realisierung des Gleisanschlusses.

Von Hardy Prothmann

Bereits Anfang Dezember hat der Gemeinderat Günther Heinisch das Eisenbahnbundesamt (EBA) angeschrieben: Liegt ein Planungs- oder Genehmigungsverfahren von „Pfenning“ vor? Wurden Fördermittel beantragt? Ist ein zusätzlicher Güterverkehr auf der vielbefahrenen Strecke überhaupt möglich?

IMG_5449

Klaus Schuhmann und Günther Heinisch präsentieren Informationen. Bild: hblog

Auf die Antwort wartet Heinisch bis heute. Deswegen wurden der Landtagsabgeordnete Hans-Ulrich Sckerl (Weinheim) sowie der Bundestagsabgeordnete Fritz Kuhn eingeschaltet.

Seit 16 Monaten keinen Kontakt mehr

Auch die mussten lange auf Antwort warten: Ja, es habe ein Gespräch mit der „Firma Pfenning“ gegeben, bestätigt das Amt. Und zwar am 19. November 2008. Seitdem, also seit sechzehn Monaten habe es keinen Kontakt mehr gegeben. Ein Förderantrag wurde ebenfalls noch nicht gestellt.

Landtagsmitglied Sckerl wundert sich: „Da erwartet man, dass ein Unternehmen, das angeblich zentral auf die Schiene als Transportinstrument setzt, ausgereifte Pläne präsentiert und emsigen Kontakt hält. Die Auskunft beim EBA aber signalisiert, dass es Pfenning gerade damit nicht ernst zu sein scheint.“

Günther Heinisch hat in der Sache auch „Pfenning“ angeschrieben, am 06. März 2010. Von dort kommt am 15. März 2010 eine Antwort: „Wie Ihnen bekannt ist, haben wir die Möglichkeit der Errichtung einer Gleisanbindung als zwingende Bedingung für die Umsetzung unserer geplanten Ansiedlung in Heddesheim formuliert.“

Infrastrukturanschlussvertrag liegt angeblich vor.

Weiter schreibt das Unternehmen, dass es positive Signale seitens der Bahn erhalten habe. Und: „Als Ergebnis dieser positiven Verhandlungen über die technischen Aspekte liegt uns von der Deutschen Bahn ein unterschriftsreifer Infrastrukturanschlussvertrag vor. Die Planung und Umsetzung des Gleisanschlusses erfordert eine kostenintensive Detailplanung.“ Diese erfolge erst, wenn ein rechtsgültiger Bebauungsplan vorliege, da sonst sofort Kosten entstünden.

„Pfenning hätte längst Klarheit herstellen können“, sagt Grünen-Fraktionschef Klaus Schuhmann: „Die Firma informiert nur, wenn es Druck gibt. Und dann kommen Antworten, die man glauben kann oder nicht. Belegt ist nichts.“

„Einen verlässlichen Partner stelle ich mir anders vor.“ Klaus Schuhmann

Weiter sagt Schuhmann: „Pfenning kennt die sehr sensible Situation hier im Ort und tut nur das absolut Notwendigste. Einen verlässlichen Partner stelle ich mir so nicht vor.“

Schuhmann kritisiert weiter: „Es gibt überhaupt keine Sanktionen für Pfenning, wenn der Gleisanschluss erst Jahre später oder gar nicht kommt. Das kann doch gar nicht sein?“

Seine Bilanz: „Es gibt nur Absichtserklärungen. Die Zahl der Arbeitsplätze ist relativiert, die Gewerbesteuer dürfte eher mager sein, alles zum Gleisanschluss ist Wischiwaschi.“

Zweifel am Gleis und an den Gutachten.

Zum Thema Bahn hat Günther Heinisch umfangreich recherchiert: „Es gibt große Zweifel, ob die Strecke den zusätzlichen Verkehr überhaupt aufnehmen kann. Dazu kommen Streichlisten, da Projekte wie Stuttgart 21 enorme Summen verschlingen, die woanders fehlen. Das heißt, selbst wenn ein Gleisanschluss theoretisch möglich wäre, wird er das praktisch nur, wenn konkrete Verträge unterschrieben sind. Alles andere ist Augenwischerei.“

Die Grünen kritisieren weiter, dass ohne verbindliche Aussagen zum Gleisanschluss alle Gutachten hinfällig werden: „Wenn die drei Mal täglich 18 Eisenbahnwaggons fehlen, also 54 ingesamt, kommt die Ware mit 108 Lkw an. Diese erhöht den Verkehr sofort um gut 20 Prozent – das Verkehrsgutachten ist das Papier nicht wert, auf dem es steht.“

Am 23. März 2010 wollen die Grünen zusammen mit BUND und der „IG neinzupfenning“ ab 19:30 Uhr im Bürgerhaus über die Offenlage zum „Pfenning“-Projekt berichten und Tipps für Einwände geben.

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.

  • soziales Gewissen

    Es ist erfreulich, dass wenigstens die Grünen Fragen stellen. Und das tun sie wahrlich erfolgreich.

    Bei den anderen Parteien scheint es nur sprachlose und/oder stumme
    Mitglieder zu geben. Darf die jeweilige Basis keine Beiträge leisten, oder kann man es nicht besser. Väterchen Doll und Merx geben vor und alle glauben. Wohin so etwas führen kann, zeigen aktuell viele Pressemeldungen. Auch dort hatte sich niemand getraut aufzumucken.

    Grüne macht weiter so, die nächsten Wahlen in BW kommen unaufhaltsam.

  • Heddy

    Das Tempo, mit der sich die „alte Riege“ der Kesslers, Dolls, Merx selbst demontiert hat, ist atemberaubend. Die Frage ist, was kommt nach aus diesen Reihen? Grüne + Prothmann als treibende Kräfte allein kann es ja auch nicht sein. Schon allein weil ich mit eine ernstzunehmende christlich-konservative Politik für Heddesheim wünsche, hinter der ich auch stehen kann. Doll ist ür mich nur noch eine Witzfigur, tut mir leid.

  • Argus

    „Die Planung und Umsetzung des Gleisanschlusses erfordert eine kostenintensive Detailplanung.” Diese erfolge erst, wenn ein rechtsgültiger Bebauungsplan vorliege, da sonst sofort Kosten entstünden.“
    ……………………………………………………………………
    Erst bauen,dann evtl.den Gleisanschluß bauen ?
    Haben BM und GR noch nicht gemerkt,dass sie wie Tanzbären an der Nase geführt werden ?
    Sind die so „doof“ oder lassen sie sich das gefallen,nur damit diese dubiose Fa. nach Heddesheim kommt !
    Es ist zum Verzweifeln !!!

    • heddesheimerin

      Ich habe das Gefühl, Kessler und Co wissen sehr wohl wie sehr sie sich verzettelt haben und nun in der Sch… stecken. Aber lieber lassen sie die Lawine zu Tale rasen und fügen der Gemeinde womöglich Jahrzehnte währenden Schaden zu, als dass sie Farbe bekennen und einräumen, eben einen Fehler begangen zu haben. Der Mann will seinen Kopf nicht verlieren, und wir alle in Heddesheim werden dafür büßen müssen.

  • onkel heini

    Heddesheim den 20.03.2020,
    Meine Damen und Herren, wir befinden uns in unserem Luftschiff über der ehemaligen Tabakgemeinde Heddesheim, neudeutsch auch Pfennigtown genannt. Beeindruckend die riesigen Hallen, die sich hinter dem ausgetrockneten Badesee befinden. Sie haben Hier im Luftschiff die seltene Gelegenheit die Bergstraße über Heddeheim hinaus zu sehen. Eben meldet der SWR den Jubiläumsstau(Nr.100 in diesem Jahr) auf der A5 zwischen Weinheim und Hirschberg. Der Stau hat die wahnsinnige Länge von 18 km, und die Fa. Pfennig hat hierzu 100 60 Tonner bereitgestellt, um diesen Stau möglich zu machen. Natürlich ist Heddesheim zur Zeit nur noch durch die Luft zu erreichen, weil alle Zufahrtsstraßen von LKW`s blockiert werden. Bürgermeister K. kann sich nur noch per Hubschrauber über die Lage in seinem Heimatort informieren. Ja , liebe Zuschauer, Heddesheim liegt als staugemeinde Deutschlands wieder ganz vorne, und wie Vertreter der Fa. Pfenning mitteilen, bemüht man sich , noch mehr LKW`s für Heddesheim bereit zu stellen, um in der Kategorie Schwertransportstaugemeinde diesjährig den 1.Platz zu erreichen. Leider liebe Fluggäste sind wir nun über Heddesheim hinweg. Unter uns Schriesheim, gähnende Langeweile, Menschen auf der Straße , kaum Verkehr. So wird das nichts, kein Stauevent. Schriesheim ist zusammen mit Dossenheim ganz am Ende der Verkehrsdichte in Baden Württemberg. Die Bewohner können einem leid tun.
    Das wars für Heute, bis zum nächsten Mal.
    Euer Onkel Heini

  • TJ

    Stinkt doch zum Himmel! Also Herr Kessler ist sich sicher, das Pfenning sein Versprechen hält. Dieser betont, dass er nicht nach Heddesheim kommt, wenn er den Anschluss nicht bekommt. Warum können dann der Bürgermeister und Fa. Pfenning keine Vertragsstrafe in saftiger Höhe vereinbaren (zum Wohle der Gemeinde), diese Strafe würde doch niemals zum Tragen kommen oder? Ja oder Beide wissen, dass dem doch nicht so ist… Jedenfalls muss man zu dieser Schlussfolgerung kommen. Das bedeutet dann jede Menge mehr Verkehr… MAHLZEIT! Und Jeder wird dann sagen, „Das es so kommt, das haben wir aber nicht gedacht…“
    Davon haben wir dann aber sehr viel Ihr lieben Gemeinderäte 🙂 und glauben wird es Euch dann auch Keiner…