Freitag, 19. Oktober 2018

Gabi´s Kolumne: Hilfe, die Nikoläuse kommen

Print Friendly, PDF & Email


Heddesheim, 19. Oktober 2009

Es ist wieder soweit, meint Gabi. Alles kehrt wieder, aber immer früher und immer massiger und häufig auch anders: So auch die Nikoläuse oder auch Santa Clauses, Lichterketten, Räuchermännchen und was es sonst noch so gibt. „Brauche ich das alles?“, fragt sich Gabi, die nicht weiß, was besser ist: altmodisch oder modern sein?

Es ist wieder soweit, die Nikoläuse und Lebkuchen ziehen in die Lebensmittelgeschäfte ein. Kaum ist der Sommer vorüber – kurz unterbrochen von einer Halloween-Welle, die uns in meiner Kindheit und Jugend noch vollkommen unbekannt war – können wir uns kaum gegen die Marketingoffensive erwehren, die uns bewusst macht, dass die „besinnliche“ Zeit näher rückt.

Ab September horten sich in den Regalen der Lebensmittelketten Lebkuchen, Dominosteine und Schokoladenadventskalender. Bald darauf kommen die Schoko-Nikoläuse, Plätzchen und Marzipankartoffeln.

Spätestens ab 1. November finden wir Adventskränze, aus Plastik oder Tanne, Lichterketten, Christbaumkugeln, Räuchermännchen, Lametta … eben das ganze Equipement, was für eine schöne „deutsche“ Weihnacht notwendig ist. Und genau hier fängt dann die Verwirrung an.

Die Globalisierung der Welt führt auch zur Globalisierung der Bräuche.

Santa Claus mit den hohen Stiefeln und der Glocke in der Hand, der mit Rentierschlitten und vielen Päckchen durch den Winterhimmel zieht – war das jetzt unser deutscher Weihnachtsmann oder dann doch der Gehilfe vom Christkind – nein, stopp, das war doch Knecht Rupprecht. Und waren es jetzt Rentiere oder Elche? Oder kennen wir den Weihnachtselch und die Bäume, die im Januar geworfen werden nur von Ikea?

Die Stiefel werden an Nikolaus gefüllt, die Strümpfe am 25. Dezember. Aber bitte alles der Reihe nach, denn wir Kunden sind schon ganz verwirrt.

Die Globalisierung der Welt hat eindeutig auch zur Globalisierung von Traditionen und Bräuchen geführt. So weit, so gut.

Was mich daran stört, ist, dass uns vorgegaukelt wird, wir bräuchten alles: Die Halloween-Masken Ende Oktober genauso wie die traditionelle Martinsgans am 11. November.

Und in der Vorweihnachtszeit werden wahllos Traditionen aus dem Hut gezaubert – die einen möglichst großen Konsumerfolg garantieren.

Ich will ein schönes Fest – mehr nicht.

Also versuche ich für mich und meine Familie eine Klarheit zumindest in die zeitliche Abfolge zu bringen: Halloween lassen wir ausfallen, essen aber die Martinsgans und so lange meine Kinder klein waren haben wir auch regelmäßig Lampions gebastelt und sind mit der Laterne gegangen.

Frühestens Mitte November kaufe ich Lebkuchen und beginne die Adventskalender zu basteln. Zum 1. Advent schmücken wir den Adventskranz und kleben Papiersterne an die Fenster. Nun beginnen wir auch mit dem Plätzchen backen.

Das ist auch die Zeit der Weihnachtsmärkte mit Glühwein und Punsch. Am 6. Dezember werden die Stiefel vorgestellt und dann kann er kommen, der Mann im langen roten Mantel mit dem weißen Bart.

Den Christbaum schlagen wir Mitte Dezember im Wald, geschmückt wird am 23. Dezember abends. Jetzt wird auch die Krippe aufgestellt. Und am 24. Dezember kommt das gute, alte Christkind und auf dem Tisch steht duftend der Gänsebraten.

Bin ich jetzt altmodisch oder unmodern oder traditionsbewusst?

Egal. Ich mach das einfach so. Ich will ein schönes Fest – mehr nicht.

gabi

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.