Donnerstag, 23. MĂ€rz 2017

Die grĂ¶ĂŸte Gefahr fĂŒr Hunde, sich zu vergiften, lauert zu Hause

Giftanschlag auf Hund nicht festellbar

Auf Hunde mĂŒssen die Halter achten wie auf ihre Kinder. Die meisten Vergiftungen passieren im Haushalt. Gezielte GiftköderanschlĂ€ge gab es in den vergangenen Jahren keine.

Hunde an die Leine!, rĂ€t die Polizei. Auf sie mĂŒssen „Herrchen“ und „Frauchen“ achten wie auf ihre Kinder. Foto: Wikimedia CC-BY-SA-2.0

 

Viernheim, 19. Juni 2013. (red/ld) Es ist ein Horrorszenario fĂŒr Hundebesitzer, das sich vor knapp zwei Wochen so abgespielt hat: Ein Mann aus Viernheim ist verzweifelt. Seinem Hund – ein elf Jahre alter Huskie-Mischling – geht es nicht gut: In der Nacht hatte dieser sich mehrfach erbrochen, hatte MagenkrĂ€mpfe. Was ist mit ihm los? Die Diagnose des Tierarztes ist niederschmetternd: Der Hund ist vergiftet! Der Tierarzt muss ihn einschlĂ€fern.

Von Lydia Dartsch

Auf dem Autobahndamm zwischen der Landauer und der DĂŒrkheimer Straße muss es passiert sein. Beim Gassi gehen hatte der Hund etwas Essbares gefunden. Seinem Frauchen war plötzlich aufgefallen, dass ihr Hund etwas kaute. Was es genau war, konnte sie nicht mehr feststellen. Ehe sie ihren Vierbeiner davon abhalten konnte, hatte er seinen „Snack“ bereits herunter geschluckt.

Am Abend bahnte sich die Katastrophe an: Der Husky-Mischling, der sonst noch agil fĂŒr sein Alter war, wurde mit einem mal sehr trĂ€ge, wirkte benommen und erbrach sich auf den Teppichboden. Über Nacht erbrach er sich immer wieder.

Am darauffolgenden Morgen beschloss das Herrchen des Hundes, den Husky zum Tierarzt zu bringen. Dieser konnte den beiden nicht mehr helfen. Der Hund wurde eingeschlÀfert. Es war eine Vergiftung!

Keine vergifteten Köder in den letzten Jahren

Geschichten ĂŒber vergiftete Köder, die Hundehasser auf den Spazierwegen hinterlassen, um Tiere gezielt zu töten gibt es immer wieder. Und meistens sind sie falsch: In den vergangenen zwei Jahren habe es keinen einzigen Fall von gezielten Vergiftungen an Hunden im Bereich Viernheim gegeben, sagt Stephen Nickel, Pressesprecher der Polizei SĂŒdhessen. Da stĂŒnde die Polizei in engem Kontakt zu den TierĂ€rzten.

Wahrscheinlich hatte er etwas verdorbenes gefressen. Wenn man danach merkt, dass es dem Hund schlecht geht, sollte man so schnell wie möglich, den Hund zum Tierarzt bringen,

sagt er. Das gelte nach der Devise „Lieber einmal zu viel, als zu spĂ€t“. Auf jeden Fall sollten Hundehalter ihr Tier anleinen und es im Auge behalten, um solchen FĂ€llen vorzubeugen.

Im Zweifelsfall soll man seinen Hund zum Tierarzt bringen, rĂ€t auch TierĂ€rztin Annette Straub-Holz aus Viernheim. Ihr sind in letzter Zeit keine FĂ€lle von Giftködern bekannt geworden. Die Zeichen fĂŒr eine Vergiftung sind meist gut erkennbar:

Es fÀngt an mit KrÀmpfen, vermehrtem Speichelfluss und Erbrechen. SpÀter können noch innere Blutungen dazu kommen,

sagt sie. Dann sei es aber meistens zu spÀt.

Das Gift lauert im Haushalt

Was viele nicht wissen: Viele Vergiftungen sind von Hundehaltern selbst „provoziert“ durch herumliegende Medikamente wie Schmerztabletten, Schlaftabletten oder die Antibabypille, die auf dem Nachttisch liegt:

Die darin enthaltenen Östrogene sind tödlich fĂŒr Hunde,

sagt Frau Straub-Holz. Deshalb rĂ€t sie, Medikamente außerhalb der Reichweite der Tiere aufzubewahren:

Das ist wie mit kleinen Kindern: Die Hunde fressen die Pillen aus der Packung, weil sie sehen, dass Frauchen und Herrchen das auch tun.

Zu den gefĂ€hrlichen Stoffen gehören außerdem Pflanzenschutzmittel im Garten oder KunstdĂŒnger, der mit HornspĂ€nen versetzt ist. Der rieche fĂŒr die Hunde besonders lecker wegen der SpĂ€ne.

Solche Mittel gehören unter Verschluss,

sagt die TierĂ€rztin. Wenn der DĂŒnger frisch ausgestreut ist, darf der Hund auch nicht in den Garten.

Sollte der Hund dennoch einmal etwas gefressen haben, das ihm nicht bekommt, rÀt sie dazu, ihn sofort zum Tierarzt zu bringen:

Die Hunde bekommen dann ein Mittel, das ihnen den Magen entleert und Kohletabletten, um ihn zu reinigen,

sagt sie.

Schön hört sich das nicht an, aber immer noch besser, als den liebsten Freund des Menschen zu verlieren.

Ob der Husky-Mischlung durch eine gezielte Vergiftung mit Ködern getötet worden ist oder der Hund auf andere Art das Gift zu sich genommen hat: Dazu wollte sich der Tierarzt nicht festlegen, weil der Mageninhalt nur auf Giftstoffe schließen ließ, aber nicht auf die Form.

GiftanschlĂ€ge auf Hunde hat es gegeben und sind nie auszuschließen, in den meisten FĂ€llen aber falsche GerĂŒchte. Anfang Mai wurde ĂŒber Facebook in Heddesheim behauptet, entlang des OEG-Bahnhofs seien Giftköder ausgelegt worden. Angeblich sei ein Welpe eingegangen. Die Polizei hatte jedoch keine Meldung durch einen Tierarzt erhalten und zur Sicherheit suchte die Hundestaffel aus Straßenheim das GelĂ€nde ab – ohne Ergebnis.

Die Polizei nimmt Warnungen ernst – bevor man GerĂŒchte in die Welt setzt oder „Gehörtes“ weitererzĂ€hlt, sollte man ĂŒberlegen, ob man verantwortlich handelt.

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist GrĂŒndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten PortrĂ€ts und Reportagen oder macht investigative StĂŒcke.