Samstag, 25. November 2017

Werkrealschule am Standort Hirschberg/Heddesheim vor dem Aus?

Dramatisch niedrige Anmeldezahlen

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Hirschberg/Heddesheim, 19. Juli 2012. (red/sap) Seit diesem Jahr gibt es in Baden-WĂĽrttemberg aufgrund einer Ă„nderung durch die grĂĽn-rote Landesregierung keine verbindliche Empfehlung fĂĽr die weiterfĂĽhrende Schule mehr. Wie erwartet ist es zu einem deutlichen Einbruch gekommen: Im nächsten Schuljahr wird es nur noch ein Klasse mit 20 SchĂĽlerinnen und SchĂĽlern geben – in Hirschberg. Heddesheim hat erstmalig keine fĂĽnfte Klasse.

Rektor Jens Drescher präsentierte die Anmeldezahlen für die Werkrealschule im Schuljahr 2012/2013 auf der Schulzweckverbandssitzung Werkreal- und Grundschule Hirschberg/Heddesheim am Mittwoch in Hirschberg:

Letztes Jahr hatten wir 34 Anmeldungen, jetzt 20. Das ist klar ein Einbruch.

Eingangs berichtete Jens Drescher, dass sich die Anmeldezahlen in Stuttgart für Haupt- und Werkrealschulen nahezu halbiert hätten. Lagen sie im vergangenen Jahr noch bei 20,9 Prozent pro Jahrgang, sind es in diesem Jahr nur noch 10,6 Prozent der Grundschüler, die nach der 4. Klasse auf eine Haupt- bzw. Werkrealschule wechseln.

Von den 84 Heddesheimer Kindern in der vierten Klasse, hatten 15 eine (nicht bindende) Empfehlung fĂĽr die Hauptschule erhalten, aber nur fĂĽnf Eltern sind dieser Empfehlung gefolgt, berichtete Drescher. In Hirschberg haben sich insgesamt 14 SchĂĽler an der Werkrealschule angemeldet, was auch durch die umliegenden Gemeinden bedingt sei.

In Heddesheim hatte man sich mit den interessierten Eltern besprochen, möglich waren zwei Alternativen: eine jahrgangsĂĽbergreifende Klasse (5 und 6) in Heddesheim zu bilden oder die Kinder am Standort Hirschberg zu unterrichten. Schule und Eltern haben sich auf eine „stabile Klasse“ mit jetzt insgesamt 20 SchĂĽlern in Hirschberg geeinigt:

Diese 20 haben sich bewusst fĂĽr uns entschieden.

Die Schule biete laut Drescher ein „gutes Konzept fĂĽr die Zukunft“, wie zum Beispiel durch das „Boris-Berufswahlsiegel“ und dem Modell „Lernatelier“.

Das kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass eine weitere Entwicklung in dieser Richtung mit Sicherheit das Ende des Werkrealschulstandorts für Hirschberg und Heddesheim bedeutet. Der Heddesheimer Bürgermeister Michael Kessler sagte:

Wir müssen uns diesen Fragen stellen und uns durch pädagogische Angebote positionieren.

Weiter wurde der Haushalt fĂĽr das Schuljahr 2012/2013 verabschiedet- die gemeinsame Werkrealschule Hirschberg/Heddesheim gibt es seit dem Schuljahr 2010/2011. Vor GrĂĽndung des Verbands gab es eine heftige politische Auseinandersetzung – vor allem die GrĂĽnen lehnten die Reform und die EinfĂĽhrung der Werkrealschule ab.

Es handele sich um den dritten beziehungsweise um den „zweiten kompletten Haushalt“ des Schulzweckverbands, sagte der Verbandsvorsitzende Michael Kessler: „Hier wird wirtschaftlich gearbeitet.“

Das Besondere an der Konstruktion in Hirschberg/Heddesheim: Es befinden sich nicht nur Schüler aus zwei Gemeinden an der Karl-Drais-Schule mit zwei Standorten, sondern es befinden sich auch je zwei Schulformen – die Grund- und die Werkrealschule – in einem Gebäude.

Laut Schulstatistik waren im Oktober 2011 an der Werkrealschule 68 Heddesheimer Schüler (davon 4 auswärtige) und 125 Hirschberger Schüler (davon 39 auswärtige), also insgesamt 193 Schüler gemeldet.

Der Haushaltsplan wurde mit 171.800 Euro in den Einnahmen und Ausgaben von je 161.800 Euro im Verwaltungshaushalt und 10.000 Euro im Vermögenshaushalt festgesetzt sowie auf eine Gesamtumlage von 81.100 Euro, die sich in eine Schulkostenumlage von 71.100 Euro und eine Kapitalumlage von 10.000 Euro aufteilen. Davon sind 59.700 Euro im Haushalt für die Grundschule vorgesehen, die Schulkostenumlage betrifft nur die Werkrealschule. Der Haushalt wurde von der Verbandversammlung einstimmig angenommen.

Ăśber Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.