Donnerstag, 29. Juni 2017

Werkrealschule am Standort Hirschberg/Heddesheim vor dem Aus?

Dramatisch niedrige Anmeldezahlen

Hirschberg/Heddesheim, 19. Juli 2012. (red/sap) Seit diesem Jahr gibt es in Baden-W├╝rttemberg aufgrund einer ├änderung durch die gr├╝n-rote Landesregierung keine verbindliche Empfehlung f├╝r die weiterf├╝hrende Schule mehr. Wie erwartet ist es zu einem deutlichen Einbruch gekommen: Im n├Ąchsten Schuljahr wird es nur noch ein Klasse mit 20 Sch├╝lerinnen und Sch├╝lern geben – in Hirschberg. Heddesheim hat erstmalig keine f├╝nfte Klasse.

Rektor Jens Drescher pr├Ąsentierte die Anmeldezahlen f├╝r die Werkrealschule im Schuljahr 2012/2013 auf der Schulzweckverbandssitzung Werkreal- und Grundschule Hirschberg/Heddesheim am Mittwoch in Hirschberg:

Letztes Jahr hatten wir 34 Anmeldungen, jetzt 20. Das ist klar ein Einbruch.

Eingangs berichtete Jens Drescher, dass sich die Anmeldezahlen in Stuttgart f├╝r Haupt- und Werkrealschulen nahezu halbiert h├Ątten. Lagen sie im vergangenen Jahr noch bei 20,9 Prozent pro Jahrgang, sind es in diesem Jahr nur noch 10,6 Prozent der Grundsch├╝ler, die nach der 4. Klasse auf eine Haupt- bzw. Werkrealschule wechseln.

Von den 84 Heddesheimer Kindern in der vierten Klasse, hatten 15 eine (nicht bindende) Empfehlung f├╝r die Hauptschule erhalten, aber nur f├╝nf Eltern sind dieser Empfehlung gefolgt, berichtete Drescher. In Hirschberg haben sich insgesamt 14 Sch├╝ler an der Werkrealschule angemeldet, was auch durch die umliegenden Gemeinden bedingt sei.

In Heddesheim hatte man sich mit den interessierten Eltern besprochen, m├Âglich waren zwei Alternativen: eine jahrgangs├╝bergreifende Klasse (5 und 6) in Heddesheim zu bilden oder die Kinder am Standort Hirschberg zu unterrichten. Schule und Eltern haben sich auf eine „stabile Klasse“ mit jetzt insgesamt 20 Sch├╝lern in Hirschberg geeinigt:

Diese 20 haben sich bewusst f├╝r uns entschieden.

Die Schule biete laut Drescher ein „gutes Konzept f├╝r die Zukunft“, wie zum Beispiel durch das ÔÇ×Boris-BerufswahlsiegelÔÇť und dem Modell ÔÇ×LernatelierÔÇť.

Das kann aber nicht dar├╝ber hinwegt├Ąuschen, dass eine weitere Entwicklung in dieser Richtung mit Sicherheit das Ende des Werkrealschulstandorts f├╝r Hirschberg und Heddesheim bedeutet. Der Heddesheimer B├╝rgermeister Michael Kessler sagte:

Wir m├╝ssen uns diesen Fragen stellen und uns durch p├Ądagogische Angebote positionieren.

Weiter wurde der Haushalt f├╝r das Schuljahr 2012/2013 verabschiedet- die gemeinsame Werkrealschule Hirschberg/Heddesheim gibt es seit dem Schuljahr 2010/2011. Vor Gr├╝ndung des Verbands gab es eine heftige politische Auseinandersetzung – vor allem die Gr├╝nen lehnten die Reform und die Einf├╝hrung der Werkrealschule ab.

Es handele sich um den dritten beziehungsweise um den „zweiten kompletten Haushalt“ des Schulzweckverbands, sagte der Verbandsvorsitzende Michael Kessler: ÔÇ×Hier wird wirtschaftlich gearbeitet.ÔÇť

Das Besondere an der Konstruktion in Hirschberg/Heddesheim: Es befinden sich nicht nur Sch├╝ler aus zwei Gemeinden an der Karl-Drais-Schule mit zwei Standorten, sondern es befinden sich auch je zwei Schulformen ÔÇô die Grund- und die Werkrealschule ÔÇô in einem Geb├Ąude.

Laut Schulstatistik waren im Oktober 2011 an der Werkrealschule 68 Heddesheimer Sch├╝ler (davon 4 ausw├Ąrtige) und 125 Hirschberger Sch├╝ler (davon 39 ausw├Ąrtige), also insgesamt 193 Sch├╝ler gemeldet.

Der Haushaltsplan wurde mit 171.800 Euro in den Einnahmen und Ausgaben von je 161.800 Euro im Verwaltungshaushalt und 10.000 Euro im Verm├Âgenshaushalt festgesetzt sowie auf eine Gesamtumlage von 81.100 Euro, die sich in eine Schulkostenumlage von 71.100 Euro und eine Kapitalumlage von 10.000 Euro aufteilen. Davon sind 59.700 Euro im Haushalt f├╝r die Grundschule vorgesehen, die Schulkostenumlage betrifft nur die Werkrealschule. Der Haushalt wurde von der Verbandversammlung einstimmig angenommen.

├ťber Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gr├╝ndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Portr├Ąts und Reportagen oder macht investigative St├╝cke.