Montag, 24. September 2018

Datenschutz – Bewegungsprofile von Handynutzern

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Guten Tag!

Heddesheim, 19. November 2009. Das Mobil-Telefon, in Deutschland Handy genannt, haben heutzutage schon Kinder immer mit dabei.
Was nur wenige wissen oder sich bewusst machen: Es ist recht einfach festzustellen, wo sich die Handy-Besitzer gerade aufhalten – sofern sie ihr Handy dabei haben. Wer nicht möchte, dass andere wissen, wo man sich gerade aufhĂ€lt – sollte unseren Datenschutz-Tipp beachten.

Von Peter Kröffges

Leider ist vielen BĂŒrgern erst seit Veröffentlichung von Details zur Datenschutz-AffĂ€re bei der Telecom wirklich bewusst geworden, welche Daten bei Telekommunikationsanbietern gespeichert werden. Gerade Nutzer von Mobiltelefonen bieten hier eine besondere und fĂŒr Wirtschaftsunternehmen interessante Transparenz.

Ist es so leicht, Bewegungsprofile von Handybenutzern zu erstellen?

Alleine schon das MitfĂŒhren eines Handys liefert dem Mobilfunkunternehmen umfangreiche und fĂŒr Auswertungen sehr wertvolle Daten. Die gestellte Frage muss mit einem eindeutigen „Ja“ beantwortet werden.

Mit dem „einbuchen“ des Mobiltelefons am nĂ€chstgelegenen Funkmast, dies erfolgt in regelmĂ€ĂŸigen AbstĂ€nden automatisch, werden die Positionsdaten an den Betreiber ĂŒbermittelt. Das Mobilfunkunternehmen erkennt jetzt, in welcher „Funkzelle“ Sie sich befinden und dokumentiert dies auf Datenspeichern mit Orts- und Zeitangaben.

Die Ortung findet auch bei „ausgeschaltetem“ Handy statt.

Nun könnte jeder Benutzer denken: „Egal, ich schalte das Handy einfach aus und schon bin ich vor dieser ÃƓberwachung sicher!“. Leider ist das ein Trugschluss und dem ist nicht so. Moderne Mobiltelefone befinden sich auch nach der Abschaltung in einem „Schlummer-Modus“ was bedeutet, auch jetzt ist noch eine Datenzuordnung möglich und die Einbuchungen in die Funkzelle werden protokolliert.

Die neuste Handygeneration verfĂŒgt ĂŒber einen integrierten GPS (Global Positioning System) – Chip der noch wesentlich genauer, als die Anmeldung in einer Funkzelle, die Position des MobilfunkgerĂ€tes verrĂ€t. Viele Handynutzer sind stolz auf die Möglichkeit, mit dem Handy „navigieren“ zu können, unterschĂ€tzen aber die Risiken und damit verbundene Transparenz fĂŒr die Betreiber.

GrundsĂ€tzlich sind diese technischen Errungenschaften ja auch sinnvoll, zumindest vertreten StaatschĂŒtzer und Ermittlungsbehörden diesen Standpunkt, geortete TĂ€ter sind von dieser EinschĂ€tzung wohl nicht so zu ĂŒberzeugen. Auch die Möglichkeit eigene Kinder oder den Partner via Computer von zu Hause „orten“ zu können, ist fĂŒr viele spannend und hat einen gewissen Charme. Ein Versuch zeigt, dass dies nach wenigen Minuten schon möglich ist und die Zahl der Anbieter im Internet fĂŒr diese Dienstleistung nimmt stĂ€ndig zu.

Vertrauen ist gut – die Herausnahme des Akkus sicher.

Wie kann man sich der Erstellung eines zuverlÀssigen Bewegungsprofils durch das Mobilfunkunternehmen entziehen?

Werden Sie sich der stĂ€ndigen „PrĂ€senz“ auf den DatentrĂ€gen (Server) ihres Mobilfunkbetreibers bewusst und fĂŒhren Sie das Handy nur mit, wenn es zwingend erforderlich ist. Wenn Sie ganz sicher sein wollen, dass keine Ortung oder Einbuchung erfolgen kann, entfernen Sie aus dem Handy einfach den Akku.

Vertrauen Sie nicht auf die Versprechen der Mobilfunkanbieter, dass die gespeicherten Daten sicher und eine Weitergabe bzw. ein Missbrauch nicht erfolgt. Dass dies nicht immer sichergestellt ist und werden kann, haben leider schon die von der Datenschutz-AffĂ€re betroffenen BĂŒrger erfahren mĂŒssen.

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist GrĂŒndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten PortrĂ€ts und Reportagen oder macht investigative StĂŒcke.