Sonntag, 20. August 2017

Nach Umbau und Digitalisierung lÀuft das Olympia-Kino rund

Weiter auf der Erfolgsspur: Olympia-Betreiber blicken positiv in die Zukunft

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Hirschberg, 18. MĂ€rz 2013. (red/aw) Als das „Olympia-Kino“ gebaut und am 29. August 1952 eröffnet wurde, war es eines von vielen Dorfkinos entlang der Bergstraße. Heute, 60 Jahre spĂ€ter, ist es eine RaritĂ€t. Nur noch wenige der damals entstandenen LichtspielhĂ€user haben den Sprung in das digitale Zeitalter nach der Jahrtausendwende ĂŒberlebt. Das Olympia-Kino in Leutershausen ist eines davon. Betrieben wird es vom Förderkreis Kommunales Olympia Kino e.V.. Wir trafen die beiden Vorstandsvorsitzenden Wiebke Dau-Schmidt und Renate Keppler-Götz fĂŒr einen RĂŒck- und Ausblick.

Von Alexandra Weichbrodt

Das Olympia-Kino in der Hölderlinstraße in Leutershausen: Ein StĂŒck Kulturgeschichte.

 

Es hat sich vieles verĂ€ndert seit damals. Besonders im vergangenen Jahr. Vieles ist neu, doch nur wenig ist anders. Das Olympia-Kino hat trotz Modernisierungsmaßnahmen und der UmrĂŒstung auf ein digitales VorfĂŒhrgerĂ€t nur wenig von seinem ursprĂŒnglichen Charme verloren. Ganz im Gegenteil finden Wiebke Dau-Schmidt und Renate Keppler-Götz. Die beiden sind die erste und zweite Vorsitzende des Förderkreises des Olympia-Kinos und damit hauptverantwortlich fĂŒr den Betrieb im „Heisemer Lichtspielhaus“. Doch bis zu diesem Betreiber-Modell war es ein langer Weg. Nach fĂŒnf Jahren im „Job“ wurden sie im Februar diesen Jahres erneut einstimmig in ihrem Amt bestĂ€tigt. Ihre TĂ€tigkeit allerdings ist rein ehrenamtlich. Die 63-jĂ€hrige Lehrerin Wiebke Dau-Schmidt und die 51-jĂ€hrige Hausfrau Renate Keppler-Götz arbeiten hier, um anderen eine Freude zu machen:

Das Kino rappelvoll zu haben, am Schluss des Abends einen Applaus zu hören. Das ist klasse.

Rappelvoll war das Olympia in den vergangenen Jahrzehnten allerdings nicht immer.

Da gab es einige tiefe TĂ€ler, durch die wir mussten.

sagt Wiebke Dau-Schmidt. Als Ende der 80er Jahre, das Sterben der Kleinkinos begann, war auch das Olympia in seiner Existenz ernsthaft gefĂ€hrdet. Damals sprang die Gemeinde ein und ĂŒbernahm die Miete fĂŒr das GebĂ€ude und mit Alfred Speiser wurde ein neuer Betreiber gefunden. Das ging eine Weile gut, bis Ende der 90er Jahre, als so langsam die großen Multiplex-Kinos entstanden, der BesucherrĂŒckgang so gravierend war, dass eine Schließung kurz bevorstand. In dieser Situation entstand der Förderkreis Olympia-Kino, der sich im Jahre 2000 zum e.V. wandelte.

Renate Keppler-Götz (l.) und Wiebke Dau-Schmidt (r.) lieben die familiÀre AtmosphÀre ihres Kinos.

 

„Rettet das Olympia-Kino!“

Seit damals engagiert sich auch Wiebke Dau-Schmidt fĂŒr den Erhalt des Kinos. Sie selbst war immer schon kulturell interessiert. Als das Olympia 1997 vor dem Aus stand, war es fĂŒr sie eine relativ spontane Idee einen Spendenaufruf zu starten.

Ich dachte damals, welcher Ort hat heutzutage noch ein solches Kino? Wenn es nur am Geld fehlt, mĂŒsste man doch helfen können.

Mit „Spendet 50 Euro und rettet das Olympia-Kino“ mobilisierte man damals die Bevölkerung und stellte fest, wie vielen Leuten der Erhalt des Kinos tatsĂ€chlich am Herzen lag. Der frisch gegrĂŒndete Förderkreis und der damalige Betreiber Alfred Speiser arbeiteten ein neues Konzept aus, das nun seit ĂŒber 15 Jahren erfolgreich umgesetzt wird. Die damalige Entscheidung, die Filmauswahl an das Angebot der Programmkinos anzupassen ging auf.

Doch dies allein, war den Engagierten des Förderkreises noch nicht genug. Man etablierte ein weiteres Standbein und nutzte das Kino fortan auch als KleinkunstbĂŒhne: In zweimonatigem Rhythmus treten hier KĂŒnstler aus dem Bereich Chanson, Kabarett, Mundart-Dichtung, Jazz- und anderer Musikrichtungen auf. Das Olympia-Kino nahm dank dieser Kombination von kulturellen Angeboten wieder Fahrt auf. Leider wurde diese Episode des Erfolgs jĂ€h unterbrochen, als der Betreiber Alfred Speiser, aufgrund anderer Kino-Projekte, Insolvenz anmelden musste. Im Anschluss wurde das Olympia-Kino von einem anderen Betreiber zwar wieder neu ausgerichtet. Allerdings mit wenig Erfolg, wie sich Wiebke Dau-Schmidt erinnert:

Das Konzept des neuen Betreibers passte vorne und hinten nicht zum Olympia. Das wurde damals richtig gegen die Wand gefahren.

Das Olympia hat so einige Talfahrten durchlebt

Die Neuausrichtung kam bei der Zielgruppe nicht an. Die Folge: Ein erheblicher BesucherrĂŒckgang. Zwei Jahre hielt der Betreiber trotzalledem durch. Im Jahr 2007 stand der Förderkreis wieder alleine da. Da war guter Rat teuer. Die Interessenten standen nicht gerade Schlange. Ein damaliges Mitglied im Förderkreis hatte die rettende Idee:

Wir machen es selbst.

Harm-Uwe Schröder war es damals, der die Bilanzen durchrechnete und FinanzierungsplÀne aufstellte.

Er war ein Mann der Wirtschaft, genau das, was wir brauchten

sagt Frau Dau-Schmidt. Die Idee als Förderkreis den Betrieb des Kinos zu ĂŒbernehmen erschien umsetzbar und war eine schnelle, vergleichsweise einfache Lösung. Ziel war es, an die Erfolge der Jahre 1997 bis 2005 anzuknĂŒpfen. Auch hatte man mit Andreas und Kurt GrĂŒner eine hochmotivierte Mannschaft gefunden, die den technischen Ablauf garantierte. Heute sind es andere. Renate Keppler-Götz nennt sie die „Fantastischen Vier aus dem VorfĂŒhrraum“. Hans-Peter Sugg, Hans Höhre, Christian Roth und Johannes Bauer sind die TĂŒftler im Team und gleichzeitig auch die einzigen Angestellten des Olympia-Kinos, neben der Putzfrau.

Die Arbeit aller anderen ist ehrenamtlich. Wobei „Ehrenamt“ nicht der passende Begriff sei, findet Keppler-Götz. Vieles passiere natĂŒrlich auch aus einer persönlichen Passion heraus. Sie selbst ist „gebĂŒrtige Heisemerin“ und erinnert sich noch gut an den wöchentlichen Kinobesuch in ihrer Kindheit:

Das war ein Highlight. Der Eintritt kostete damals eine Mark und der Dauerlutscher 10 Pfennig.

Sie selbst ist seit der Übernahme des Betriebs aktiv im Förderkreis.

Wir ergĂ€nzen uns im Team sehr gut. Wir kennen viele Leute und haben ein ganz gutes, großes Netzwerk aufgebaut.

Das erkennt man auch an den zahlreichen Veranstaltungen die im Olympia-Kino stattfinden. Richtiges „Erlebnis-Kino“, mit Schlemmer-Dinner, Diskussionsrunden oder VortrĂ€gen kriegen die Besucher hier geboten.

Ein Besuch im Olympia ist oft auch „Erlebnis-Kino“

Der Neuanfang mit dem Förderkreis wurde nicht zuletzt auch optisch deutlich: Ein neues Logo, ein neuer Flyer, eine Homepage. Doch all das reichte nicht aus. FrĂŒher oder spĂ€ter musste man sich der Digitalisierung stellen:

Entweder oder – das war die Frage. Ohne eine UmrĂŒstung hĂ€tten wir uns nicht halten können,

Der „Alte“ neben dem „Neuen“. Trotz der Anschaffung eines digitalen Projektors landet der alte nicht auf dem Schrott.

sagt Wiebke Dau-Schmidt. Denn wie nun bekannt wurde, wird zum Ende des Jahres die Produktion von 35-Millimeter-Filmen vollstĂ€ndig eingestellt. SpĂ€testens dann hĂ€tte das Olympia umrĂŒsten oder schließen mĂŒssen. Denn ohne Filme kein Kino. Umso besser, dass man den Schritt wagte.

Das Olympia-Kino hat einen digitalen Projektor. Dieser löste im vergangenen Sommer nach einer dreiwöchigen Umbauphase seinen ratternden VorgÀnger ab.

Der alte, fast schon antike Filmprojektor der dem Olympia stets treue Dienste erwiesen hat, wird allerdings trotzdem behalten. Der Charme eines Films auf 35-Millimeter-Zelluloidmaterial soll auch in Zukunft noch im Olympia-Kino zu spĂŒren sein. FĂŒr Nostalgiker wird es immer wieder besondere Schmankerl aus der Filmgeschichte geben, inklusive dem sanftem Knattern des Projektors.

35mm-Film: Ein besonderer Charme, der auch in Zukunft noch zu spĂŒren sein soll

Doch mit dem neuen GerÀt sei man ebenfalls durchaus zufrieden:

Nach leichten Startschwierigkeiten, klappt der Betrieb jetzt einwandfrei. Der Sound ist super und das Bild ist toll,

freut sich auch Keppler-Götz und bestĂ€tigt, dass es die richtige Entscheidung war, „bei der Digitalisierung mitzuziehen“. Zumal sich die Finanzierung des neuen Projektors und auch der Sanierungsmaßnahmen im Kinosaal als nicht so schwierig herausstellten, wie zunĂ€chst gedacht. Das Olympia-Kino hatte GlĂŒck und erhielt eine Summe aus dem Fördertopf der Filmförderanstalt des Bundes und ZuschĂŒsse der Gemeinde.

Etwas Erspartes hatten wir auch und so sind wir trotz des Umbaus und der Modernisierung heute komplett schuldenfrei,

sagt Frau Dau-Schmidt. Erstaunlich, denn allein der Einbau des neuen Projektors kostete fast 70.000 Euro. Hinzu kamen eine Klimaanlage, eine neue Wandbespannung und der Austausch von Heizkörpern. Knapp 100.000 Euro kamen so an Kosten zusammen. Diese Ausgaben sowie steigende Betriebskosten sorgten auch dafĂŒr, dass der Kinopreis fĂŒr Erwachsene um 0,50 Cent erhöht werden musste. Bei einem Ticketpreis von nun 6,00 Euro gĂ€be es aber keinerlei Beschwerden von Seiten der Besucher, so Dau-Schmidt.

Trotz Digitalisierung und Umbau schuldenfrei

In die Zukunft blickt man daher auch positiv.

Die nÀchsten zehn Jahre will ich schon noch rumbringen.

sagt Wiebke Dau-Schmidt zu ihrem persönlichen Engagement fĂŒr das Kino. Auch Renate Keppler-Götz sieht keinen Grund, warum die positive Entwicklung der letzten Jahre aufhören sollte. Mit der Digitalisierung habe man den richtigen Schritt zur richtigen Zeit gemacht. Nicht mĂŒde werden sie ohnehin, was die Organisation von besonderen „Kinoabenden“ angeht. Es geht ebenso ereignisreich weiter, wie bisher.

Am kommenden Mittwoch, den 20. MĂ€rz, findet bereits das nĂ€chste Highlight statt: Madeleine Sauveur spielt ihr Musikkabarett „Ich komme selten allein“. Und auch die JubilĂ€umsfeierlichkeiten anlĂ€sslich des 60-jĂ€hrigen Bestehens sind noch im vollen Gange. Im Rahmen des „6 Filme aus 6 Jahrzehnten“- JubilĂ€umsprogramms lĂ€uft am 12. April die 80er Jahre Filmkomödie „Victor/Victoria“ im Olympia Kino. Doch dies sind nur zwei von vielen Veranstaltungen, die sich die Betreiber fĂŒr ihre Besucher ausgedacht haben. Alle Programminformationen finden Sie auch unter www.olympia-leutershausen.de.