Freitag, 26. Mai 2017

GroĂŸĂŒbung der Feuerwehren in der Schlossschule Ilvesheim

„Sie sehen aus wie Marsmenschen“

Im Innern der Schlossschule war es dunkel und verraucht. 31 Menschen mussten bei der Übung so schnell wie möglich aus dem GebĂ€ude geschafft werden. Den Rauch simulierten die Feuerwehrleute mit einer Folie vor den Masken.

Im Innern der Schlossschule war es dunkel und verraucht. 31 Menschen mussten bei der Übung so schnell wie möglich aus dem GebĂ€ude geschafft werden. Den Rauch simulierten die Feuerwehrleute mit einer Folie vor den Masken.

 

Ilvesheim, 18. Juni 2013. (red/ld) Ein Einsatz der besonderen Art erwartete die Feuerwehrleute am vergangenen Samstag, 15. Juni. Um 14:00 Uhr wurde die Feuerwehr Ilvesheim alarmiert: In der Schlossschule ist ein Brand im Erdgeschoss der Abteilung fĂŒr geistig behinderte Menschen ausgebrochen. 40 Kinder werden dort von 40 Lehr- und FachkrĂ€ften betreut und unterrichtet. Die Lage ist dramatisch: Die Feuerwehren Ladenburg, Edingen-Neckarhausen, Heddesheim, Schriesheim-Altenbach und Dossenheim sowie der Werksfeuerwehr CBL und der Berufsfeuerwehr Mannheim werden alarmiert. Ebenso das DRK Ilvesheim, die Schnelleinsatzgruppen von DRK und Johanniter und die Polizei. Insgesamt sind 33 Fahrzeuge und 130 Helfer im Einsatz. Zahlreiche BĂŒrgerinnen und BĂŒrger verfolgen die Rettungsaktion. Wir haben EindrĂŒcke von der Übung gesammelt.

Von Lydia Dartsch

Ein Großteil des GebĂ€udes und der Fluchtwege sind stark verraucht. Die Trupps des ersten Löschfahrzeuges aus Ilvesheim schĂŒtzen sich mit Atemmasken vor dem giftigen Rauch, wegen dem sie im Innern des GebĂ€udes nichts sehen können. Sie kriechen ĂŒber den Boden, versuchen „unter“ dem Rauch voranzukommen. Um die Einsatzsituation so realitĂ€tsnah wie möglich zu halten, sind ihre Masken mit einer Folie verklebt. Nach und nach durchsuchen die Trupps der eingetroffenen Feuerwehren das GebĂ€ude.

Unter den Rauchschwaden zeigt sich den Feuerwehrleuten das Ausmaß des Brandes: SchĂŒlerinnen und SchĂŒler – dargestellt von Mitgliedern der Jugendfeuerwehren – sind in den RĂ€umlichkeiten eingeschlossen. Manche liegen verletzt auf dem Boden. Einige sind bewusstlos. Dort, wo die Konzentration an Kohlendioxid und Kohlenmonoxid am höchsten ist. Die Kinder sind in absoluter Lebensgefahr. Sie mĂŒssen so schnell wie möglich ins Freie gebracht und dort versorgt, beatmet oder sogar reanimiert werden.

Eine besondere Situation

In der Schlossschule Ilvesheim werden mehrfach behinderte Menschen unterrichtet. FĂŒr beide Seiten – EinsĂ€tzkrĂ€fte wie SchĂŒler – ist so eine Rettungssituation besonders schwierig:

FĂŒr sie sehen die EinsatzrĂ€fte mit ihren AtemgerĂ€ten und Helmen aus wie Marsmenschen. Da fĂ€llt es ihnen sehr schwer, Vertrauen zu den Rettern zu fassen, und mitzugehen,

sagt Hans-August Wittmann von der Feuerwehr Ilvesheim. Es bestehe sogar die Gefahr, dass sie sich gegen den Rettungsversuch wehren. Zwar werden die Feuerwehrleute bei solchen Übungen auf solche Situationen vorbereitet, doch nicht immer gibt es Zeit fĂŒr eine behutsame AnnĂ€herung:

Je nachdem, wie stark es brennt, kann man versuchen, Vertrauen zu den Menschen aufzubauen oder man muss sie einfach aus dem GebÀude tragen,

sagt Herr Wittmann.

Um SchĂŒlerinnen und SchĂŒler der Schlossschule an die RettungskrĂ€fte zu gewöhnen, werden sie im Schulalltag regelmĂ€ĂŸig miteinander bekannt gemacht. Das macht es fĂŒr beide Seiten einfacher.

An der Übung am Samstag nehmen sogar zwei SchĂŒler und eine SchĂŒlerin als Opfer teil, um sich retten zu lassen. Aus dem Erdgeschoss werden insgesamt fĂŒnf bewusstlose Personen gerettet, aus dem ersten Obergeschoss zehn. Weitere 16 Personen stehen hilfesuchend an den Fenstern und werden ĂŒber Drehleitern aus dem GebĂ€ude geholt.

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Nur fĂŒnf Minuten nach der Alarmierung trifft die Feuerwehr Ilvesheim als erste in der Schlossschule ein. Das Szenario: Ein Brand in der Schlossschule. 31 Personen sind verletzt, bewusstlos oder von giftigem Rauch eingeschlossen.

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16 Personen sind von Rauch eingeschlossen. Sie mĂŒssen per Drehleitern ĂŒber die Fenster gerettet werden.

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Vorbereitungen fĂŒr den Einsatz. Wie bei einem echten Brand wissen die EinsĂ€tzkrĂ€fte nicht, was sie erwartet.

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Ausgestattet mit AtemgerÀt und Löschwerkzeug bewegen sich die Feuerwehrleute auf die Schule zu.

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Wie viele Personen bewusstlos oder verletzt sind, wissen die Feuerwehrleute nicht. In diesem Werkbereich der Schlossschule werden normalerweise 40 geistig behinderte SchĂŒlerinnen und SchĂŒler von 40 LehrkrĂ€ften betreut.

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Behutsam, auf dem Boden kriechend bewegen sich die Feuerwehrleute im GebÀude. Um den Rauch zu simulieren, wurden ihre Visiere mit einer Folie beklebt.

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Die bewusstlosen und verletzten Personen werden bei dieser Übung von Mitgliedern der Jugendfeuerwehren gemimt.

 

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Der Einsatztrupp hat eine „leblose“ Person gefunden: Sie wird zunĂ€chst angesprochen und gerĂŒttelt. Reagiert sie darauf nicht, prĂŒfen die Retter Puls und Atmung.

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Bevor sie reanimiert werden kann, muss die gefundene Person aus der Gefahrenzone nach draußen gebracht werden. Verletzte und/oder verwirrte Personen binden mehrere EinsatzkrĂ€fte beim Transport.

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Vor der Schule kĂŒmmern sich zunĂ€chst die Trupps um die Personen: Sie werden beatmet und reanimiert.

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Sobald die RettungskrĂ€fte des DRK Ilvesheim und der Johanniter eintreffen, ĂŒbernehmen sie. Die Feuerwehrtrupps können nun weitere Personen aus dem GebĂ€ude holen.

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Insgesamt waren 33 Fahrzeuge und 130 Helfer im Einsatz.

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Ein Blick von oben, von einer der Drehleitern aus ĂŒber den Einsatzort.

Über Lydia Dartsch

Lydia Dartsch (31) hat erfolgreich ihr Volontariat beim Rheinneckarblog.de absolviert und arbeitet nun als Redakteurin. Die studierte Politikwissenschaftlerin und Anglistin liebt Kino, spielt Gitarre und sportelt gerne.