Mittwoch, 23. August 2017

Scheunenbrand: Vermutlich defekte Schaltanlage – „optimale Einsatzbedingungen“ bei der „Spritzparty“

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Heddesheim, 16. April 2011. (red) Die Brandursache für den Scheunenbrand war laut Polizeipräsidium ein defekter Schaltkasten. Bei den Löscharbeiten kamen 149 Feuerwehrkräfte zum Einsatz. Der Einsatz war erfolgreich – trotzdem bleiben Fragen.

Von Hardy Prothmann

Die Ermittler der Polizei gehen als Brandursache von einem defekten elektrischen Schaltkasten aus. Die „Luftzufuhr“ und das gut brennbare Material hätten dann ihren Teil dazu beigetragen, dass es zu einem Großfeuer und dem Totalverlust der Scheune gekommen sei.

Doch es bleiben Fragen: Immerhin waren in dieser Scheue ausländische Erntehelfer untergebracht. Was, wenn das Feuer einige Wochen später ausgebrochen wäre und vielleicht zunächst unbemerkt mitten in der Nacht? Es hätte zu einer schlimmen Katastrophe kommen können.

Irgendwie ist niemand für die Frage zuständig, wer denn einen ausreichenden Brandschutz kontrolliert? Weder die Polizei noch die Feuerwehr tun dies. Kontrollen solcher Unterkünfte schauen oft nur nach hygienischen Verhältnissen, nicht aber auf die Sicherheit. Das sind unhaltbare Zustände. Ãœberall wird auf Arbeitssicherheit geachtet – diese Sorgfalt gilt offensichtlich nicht für Saisonarbeiter.

Immerhin, das Wohnhaus konnte „gehalten“ werden. Aber mit welchem Einsatz? Drei Drehleitern und 149 Feuerwehrleute waren an diesem Sonntag im Einsatz. Muss man da nicht die Frage stellen, wieviele Einsatzkräfte und Fahrzeuge man braucht, wenn man was „Großes“ brennt?

Für Axel Schuh, stellvertretender Kreisbrandmeister, ist das keine Frage: „Wir hatten optimale Bedingungen und konnten aus dem vollen schöpfen.“

Aus Feuerwehrkreisen wurden uns andere Aussagen zugetragen: „Die haben ne Spritzparty gefeiert. Schließlich muss man den Leuten ja auch mal was bieten und so konnte jeder mal ran.“ Heißt: Ein solcher Brandeinsatz ist selten geworden und zur Motivation der freiwilligen Feuerwehrleute nutzte man die Gelegenheit, um mal richtig „Action“ zu haben. Und die drei Drehleitern hätten „Ballett“ getanzt.

Axel Schuh rechnet anders: „Das ist relativ. Klar hätte man das auch mit der Hälfte geschafft – dann hätte es halt nicht drei, sondern fünf oder sechs Stunden gedauert. Wir konnten die Kräfte schonen. Durch die drei Leitern mussten wir nicht umsetzen.“

Und er rechnet vor, dass ein Atemschutzgerätträger nach 20-30 Minuten „fertig“ sei. Trotzdem kommt auch er nur auf 50-60 Mann – erklärt die deutliche Ãœberzahl aber wieder mit der Beschleunigung des Einsatzes.

Und was, wenn es zeitgleich woanders gebrannt hätte, wären dann noch genug Kapazitäten frei gewesen? Die nächsten Drehleitern sind in Ilvesheim (18 Meter), Edingen („schon öfter Schwierigkeiten gemacht“) und Weinheim (Freundenberg Werksfeuerwehr): „Es bestand zu keiner Zeit eine Reservelücke“, heißt die lapidare Antwort.

Und der Einsatz war billig: Da Sonntag war, müssen keine Arbeitsausfälle an Unternehmen gezahlt werden. Und natürlich hatten viele Feuerwehrleute Zeit.

Ebenfalls hinter vorgehaltener Hand sagen Feuerwehrleute: „Unter der Woche am Vormittag wäre das mit „Sicherheit“ ganz anders abgelaufen.“

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.

  • Henrik Fütterer

    Hallo Herr Prothmann,

    ich habe Ihren Artikel mehrfach gelesen, aber wirklich schlauer bin ich jetzt nicht – im Gegenteil.

    Ihr Artikel rückt unsere Feuerwehr augenscheinlich in ein schlechtes Licht, jedoch hoffe ich, dass dies nicht wissentlich geschehen ist. Wie ich darauf komme und wie ich dass belegen will werden Sie sich jetzt jetzt sicherlich fragen. Gestatten Sie mir Ihren Artikel selbst zu kommentieren und Ihnen auch einige Gegenfragen zu stellen, da mir die Zusammenhänge teilweise merkwürdig erscheinen.

    Sie fragen:

    „Was, wenn das Feuer einige Wochen später ausgebrochen wäre und vielleicht zunächst unbemerkt mitten in der Nacht? Es hätte zu einer schlimmen Katastrophe kommen können.“ Irgendwie ist niemand für die Frage zuständig, wer denn einen ausreichenden Brandschutz kontrolliert? Weder die Polizei noch die Feuerwehr tun dies. Kontrollen solcher Unterkünfte schauen oft nur nach hygienischen Verhältnissen, nicht aber auf die Sicherheit. Das sind unhaltbare Zustände. Überall wird auf Arbeitssicherheit geachtet – diese Sorgfalt gilt offensichtlich nicht für Saisonarbeiter.

    Für den Laien könnte der Eindruck entstehen, als wären diese Kontrollen Aufgaben der Polizei und/oder Feuerwehr. Und eben jene würden Ihrer Pflicht nicht nachkommen. Ich kann hierzu feststellen, dass die Feuerwehr Heddesheim eben NICHT für den VORBEUGENDEN Brandschutz zuständig ist. Der vorbeugende Brandschutz wird durch die Landesbauordnung vorgeschrieben. Wer hier kontrolliert und ob überhaupt Kontrollen stattfinden entzieht sich meiner Kenntnis. Vielleicht könnten Sie das mal recherchieren?

    Immerhin, das Wohnhaus konnte “gehalten” werden. Aber mit welchem Einsatz? Drei Drehleitern und 149 Feuerwehrleute waren an diesem Sonntag im Einsatz. Muss man da nicht die Frage stellen, wieviele Einsatzkräfte und Fahrzeuge man braucht, wenn man was “Großes” brennt?

    Was ist das denn für eine Aussage? „Immerhin, das Wohnhaus konnte “gehalten” werden.“

    Das „Halten“ wie Sie es nennen ist bei einer solchen Einsatzlage wie sie hier vorzufinden war das erste Primärziel! Die Scheune und der Anbau waren aufgrund der Brandausbreitung bereits im Vollbrand und nicht mehr zu retten. Daher hat der Einsatzleiter vollkommen richtig eine Riegelstellung zum Dachstuhl am angrenzenden Wohnhaus befohlen. Für Außenstehende sieht das zugegebenermaßen eher seltsam als logisch aus: Die Feuerwehr spritzt auf das (noch) nicht brennende Haus und nicht in das Feuer.

    Muss man da nicht die Frage stellen, wieviele Einsatzkräfte und Fahrzeuge man braucht, wenn man was “Großes” brennt?

    Was ist denn was „Großes“? Vielleicht kann ich diese Frage anhand eines Beispiels beantworten:
    Industriebrand in Reilingen am 20.08.2008 Ist das was „Großes“?

    http://www.feuerwehr-rnk.de/Einsaetze_2008/E47_Reilingen_20_08_2008/index.html

    Folgen Sie dem Link und sehen Sie sich unten die Aufstellung der Einsatzkräfte an. Ich denke das wird Sie vielleicht überraschen!?

    Für Axel Schuh, stellvertretender Kreisbrandmeister, ist das keine Frage: “Wir hatten optimale Bedingungen und konnten aus dem vollen schöpfen.” Aus Feuerwehrkreisen wurden uns andere Aussagen zugetragen: “Die haben ne Spritzparty gefeiert. Schließlich muss man den Leuten ja auch mal was bieten und so konnte jeder mal ran.” Heißt: Ein solcher Brandeinsatz ist selten geworden und zur Motivation der freiwilligen Feuerwehrleute nutzte man die Gelegenheit, um mal richtig “Action” zu haben. Und die drei Drehleitern hätten “Ballett” getanzt.

    Ich sehe auch hier keinen Grund weshalb man Axel Schuh hier widersprechen sollte. Wenn ein benötigtes Einsatzmittel zu Verfügung ist, weshalb soll man dieses nicht einsetzen? Unsere Bürger haben das Recht auf optimale Versorgung. Hätte man nur eine Drehleiter zur Verfügung gehabt und müsste diese des öfteren umpositionieren – hätten Sie an gleicher Stelle dann nicht gefragt warum das alles (also der Einsatz) so lange gedauert hat? Mir ist bewusst dass diese Frage rein spekulativ ist, aber ich denke sie ist doch in gewisser Hinsicht legitim.

    Auch die „Feuerwehrkreise“ aus denen Ihnen die Spritzparty- und Ballettaussagen zugetragen wurden erscheinen mir sowohl kurios als auch dubios, zumal die Rede von „Die haben…, statt „Wir haben…“ ist. Diesen Absatz empfinde ich persönlich als eine Beleidigung der hervorragenden Arbeit aller Feuerwehrleute, die an diesem Tage im Einsatz waren. Viele Kameraden sind, wie so oft auch, an Ihre Leistungsgrenzen gegangen. Deshalb ist bei einer solchen Belastung durch Wärmestrahlung, Einsatzkleidung mit zusätzlicher Ausrüstung wie Atemschutzgerät etc. auch so personalintensiv. Ein Brand solcher Größenordnung erfordert jede Menge Manpower – aus diesem Grunde ist es nur logisch und sinnvoll Einsatzkräfte an vorderster Front rechtzeitig abzulösen. Deshalb darf nicht nur, sondern muss auch mal jeder ran wie es hier so schön heisst.

    Wer auch immer diesen geistigen Erguss in Welt gesetzt hat sollte sich schämen, ob aus Feuerwehrkreisen oder nicht.

    Axel Schuh rechnet anders: “Das ist relativ. Klar hätte man das auch mit der Hälfte geschafft – dann hätte es halt nicht drei, sondern fünf oder sechs Stunden gedauert. Wir konnten die Kräfte schonen. Durch die drei Leitern mussten wir nicht umsetzen.”
    Und er rechnet vor, dass ein Atemschutzgerätträger nach 20-30 Minuten “fertig” sei. Trotzdem kommt auch er nur auf 50-60 Mann – erklärt die deutliche Überzahl aber wieder mit der Beschleunigung des Einsatzes.

    Wie bereits schon angesprochen ist es doch nicht notwendig die Feuerwehrleute über deren körperlichen Leistungsgrenzen hinaus einzusetzen wenn ausreichend Personal zur Verfügung steht, oder sind Sie anderer Meinung? Die Schlagzeile und die Bilder bei 50/60 Mann Personal habe ich auch schon vor meinem inneren Auge. 2/3 der Einsatzkräfte stehen rum, trinken und erholen sich und ein paar „schaffe“ was. Welchen Eindruck hätten Sie den anhand solcher Eindrücke von der Feuerwehr?

    Und was, wenn es zeitgleich woanders gebrannt hätte, wären dann noch genug Kapazitäten frei gewesen? Die nächsten Drehleitern sind in Ilvesheim (18 Meter), Edingen (“schon öfter Schwierigkeiten gemacht”) und Weinheim (Freundenberg Werksfeuerwehr): “Es bestand zu keiner Zeit eine Reservelücke”, heißt die lapidare Antwort.

    Lapidar – und zutreffend! Auch woanders hätte die Feuerwehr schnell und professionell eingreifen können. Diese Aussage lässt sich mit dem Feuerwehrgesetz § 26 -Überlandhilfe der Feuerwehren- Absatz (1) begründen. Darin heisst es:

    „Die Gemeindefeuerwehren haben sich gegenseitig auf Anforderung Hilfe zu leisten, sofern die Sicherheit in der eigenen Gemeinde dadurch nicht wesentlich gefährdet wird. …“

    Kein Kommandant, keine Führungskraft würde mehr Personal und Einsatzmittel als vertretbar zu einer Überlandhilfe schicken. Deshalb sind auch so „viele“ Feuerwehren vor Ort gewesen und nicht beispielsweise die komplette Feuerwehr Ladenburg.

    Und der Einsatz war billig: Da Sonntag war, müssen keine Arbeitsausfälle an Unternehmen gezahlt werden. Und natürlich hatten viele Feuerwehrleute Zeit.

    Hier sei nur kurz angemerkt, dass viele Kameraden (ich eingeschlossen) Ihre Arbeitsausfälle gar nicht abrechnen.

    Ebenfalls hinter vorgehaltener Hand sagen Feuerwehrleute: “Unter der Woche am Vormittag wäre das mit “Sicherheit” ganz anders abgelaufen.”

    Natürlich wäre das ganz anders abgelaufen: Mit weniger Personal, evtl. nur einer Drehleiter ABER
    Das Wohnhaus wäre trotzdem „gehalten“ worden und es hätte wahrscheinlich länger gedauert die Einsatzstelle feuer- und glutfrei verlassen zu können. Und unsere Einsatzkräfte hätten sicherlich am Montag Urlaub gebraucht. Aber diese Aussage ist, wie die hinter vorgehaltener Hand ebenfalls, rein spekulativ und nicht belegbar. Wird hier etwa mit den Ängsten der Bürger gespielt!? Welchen Sinn macht denn sonst ein solcher Absatz in einem Artikel?

    Die Bürger Heddesheims können sich 365 Tage im Jahr, 7 Tage die Woche und 24 Stunden am Tag auf IHRE Feuerwehr verlassen. Wer uns alarmiert erhält auch die Hilfe – und das rund um die Uhr.

    Ich hoffe Sie verstehen mein Dilemma!? Ich kann den „Informationsgehalt“ Ihres kompletten Artikels nicht erfassen.

    Haben Sie Fragen zur Einsatzablauf? Dann fragen Sie!
    Haben Sie Fragen zur Einsatztaktik? Dann fragen Sie!
    Wollen Sie den Einsatz kritisieren? Dann kritisieren Sie!
    Wollen Sie die Feuerwehr loben? Dann loben Sie!
    ABER BITTE KONKRET!

    Dieser Kommentar stellt meine persönliche subjektive Auffassung und Meinung dar. Sie ist keinesfalls als öffentliche und offizielle Darstellung der Feuerwehr Heddesheim anzusehen. Verantwortlich ist allein der Autor.

    Henrik Fütterer