Dienstag, 11. Dezember 2018

Scheunenbrand: Vermutlich defekte Schaltanlage – „optimale Einsatzbedingungen“ bei der „Spritzparty“

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Heddesheim, 16. April 2011. (red) Die Brandursache fĂŒr den Scheunenbrand war laut PolizeiprĂ€sidium ein defekter Schaltkasten. Bei den Löscharbeiten kamen 149 FeuerwehrkrĂ€fte zum Einsatz. Der Einsatz war erfolgreich – trotzdem bleiben Fragen.

Von Hardy Prothmann

Die Ermittler der Polizei gehen als Brandursache von einem defekten elektrischen Schaltkasten aus. Die „Luftzufuhr“ und das gut brennbare Material hĂ€tten dann ihren Teil dazu beigetragen, dass es zu einem Großfeuer und dem Totalverlust der Scheune gekommen sei.

Doch es bleiben Fragen: Immerhin waren in dieser Scheue auslÀndische Erntehelfer untergebracht. Was, wenn das Feuer einige Wochen spÀter ausgebrochen wÀre und vielleicht zunÀchst unbemerkt mitten in der Nacht? Es hÀtte zu einer schlimmen Katastrophe kommen können.

Irgendwie ist niemand fĂŒr die Frage zustĂ€ndig, wer denn einen ausreichenden Brandschutz kontrolliert? Weder die Polizei noch die Feuerwehr tun dies. Kontrollen solcher UnterkĂŒnfte schauen oft nur nach hygienischen VerhĂ€ltnissen, nicht aber auf die Sicherheit. Das sind unhaltbare ZustĂ€nde. ÃƓberall wird auf Arbeitssicherheit geachtet – diese Sorgfalt gilt offensichtlich nicht fĂŒr Saisonarbeiter.

Immerhin, das Wohnhaus konnte „gehalten“ werden. Aber mit welchem Einsatz? Drei Drehleitern und 149 Feuerwehrleute waren an diesem Sonntag im Einsatz. Muss man da nicht die Frage stellen, wieviele EinsatzkrĂ€fte und Fahrzeuge man braucht, wenn man was „Großes“ brennt?

FĂŒr Axel Schuh, stellvertretender Kreisbrandmeister, ist das keine Frage: „Wir hatten optimale Bedingungen und konnten aus dem vollen schöpfen.“

Aus Feuerwehrkreisen wurden uns andere Aussagen zugetragen: „Die haben ne Spritzparty gefeiert. Schließlich muss man den Leuten ja auch mal was bieten und so konnte jeder mal ran.“ Heißt: Ein solcher Brandeinsatz ist selten geworden und zur Motivation der freiwilligen Feuerwehrleute nutzte man die Gelegenheit, um mal richtig „Action“ zu haben. Und die drei Drehleitern hĂ€tten „Ballett“ getanzt.

Axel Schuh rechnet anders: „Das ist relativ. Klar hĂ€tte man das auch mit der HĂ€lfte geschafft – dann hĂ€tte es halt nicht drei, sondern fĂŒnf oder sechs Stunden gedauert. Wir konnten die KrĂ€fte schonen. Durch die drei Leitern mussten wir nicht umsetzen.“

Und er rechnet vor, dass ein AtemschutzgerĂ€ttrĂ€ger nach 20-30 Minuten „fertig“ sei. Trotzdem kommt auch er nur auf 50-60 Mann – erklĂ€rt die deutliche ÃƓberzahl aber wieder mit der Beschleunigung des Einsatzes.

Und was, wenn es zeitgleich woanders gebrannt hĂ€tte, wĂ€ren dann noch genug KapazitĂ€ten frei gewesen? Die nĂ€chsten Drehleitern sind in Ilvesheim (18 Meter), Edingen („schon öfter Schwierigkeiten gemacht“) und Weinheim (Freundenberg Werksfeuerwehr): „Es bestand zu keiner Zeit eine ReservelĂŒcke“, heißt die lapidare Antwort.

Und der Einsatz war billig: Da Sonntag war, mĂŒssen keine ArbeitsausfĂ€lle an Unternehmen gezahlt werden. Und natĂŒrlich hatten viele Feuerwehrleute Zeit.

Ebenfalls hinter vorgehaltener Hand sagen Feuerwehrleute: „Unter der Woche am Vormittag wĂ€re das mit „Sicherheit“ ganz anders abgelaufen.“

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist GrĂŒndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten PortrĂ€ts und Reportagen oder macht investigative StĂŒcke.