Montag, 15. Oktober 2018

Gabis Kolumne

Einkaufstrolleys, Unterhemden und Tennissocken auf dem PrĂŒfstand

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Guten Tag!

Rhein-Neckar, 18. Juli 2011. Wann sind Sachen oder KleidungstĂŒcke cool und wann uncool, fragt sich Gabi. Hat das etwas mit dem Alter zu tun oder mit der jeweiligen Mode?

Cool oder uncool? Das ist hier die Frage.

Einkaufstrolleys und Birkenstocksandalen sind voll uncool – da werden Sie mir sicherlich Recht geben. Aber unbenommen sie sind extrem praktisch.

Sky-Heels auf der Gartenparty und Flip Flops im Regen sind cool, aber eindeutig unpraktisch. Man bleibt im Rasen stecken oder man bekommt nasse FĂŒĂŸe.

SpĂ€testens, wenn Sie pubertierende Kinder haben, werden Sie in die Coolness von KleidungsstĂŒcken und Ähnlichem eingefĂŒhrt.

Der gute alte Ranzen wird irgendwann durch den Rucksack und der wiederum durch die UmhÀngetasche ausgetauscht. Auch wenn der Gurt tief in die Schulter einschneidet.

Feste, gefĂŒtterte Schuhe im Winter sind genauso verpönt wie bequeme Sandalen im Sommer.

Badehosen fĂŒr Jungs mĂŒssen so weit und lang sein, dass sie den kompletten Badesee aufsaugen und die Sommerkleidchen der MĂ€dchen so kurz und dĂŒnn, dass sie eigentlich nichts mehr bedecken.

Es gab eine Zeit, da waren die Haare meines Sohnes so lang, dass er eigentlich nichts mehr sehen konnte. Die Hosen des Sohnes meiner Freundin waren so weit, dass man Angst hatte, dass er sie verliert, wĂ€hrend die Jeans meiner Tochter so eng waren, dass ich stĂ€ndig befĂŒrchtete, sie wĂŒrde einen akuten Blutstau erleiden.

„Mama, das ist absolut cool.“

„Mama, das ist absolut cool“, ist der zweithĂ€ufigste Satz, den man hört, wenn man mit pubertierenden Kindern zusammenlebt, der nur noch durch „Oh Gott Mutter, wie uncool“ getoppt wird.

Uncool sind Regenjacken, Brotdosen, Pausenbrote, feste Schuhe, Socken in Sandalen oder Ballerinas, kurze Shorts bei Jungs, Schirme, Essen in der Mensa, Fahrradhelme, EllenbogenschĂŒtzer beim Inlinern – also alles, was das Leben praktisch, gesund und sicher macht. Der Umkehrschluss lautet logischerweise – cool ist alles, was das Leben unpraktisch, ungesund und unsicher macht.

Also Strickjacken im Regen, Sneekers beim Wandern und Burger oder Snacks in der Mittagspause.

Aber so einfach ist das leider nicht. Kaum habe ich mich an dieses Regelwerk gewöhnt, werden die Koordinaten neu gerĂŒttelt. Plötzlich sind kurze Haare angesagt und Wanderstiefel sind absolut cool – aber vor allem bei 30 Grad und Sonnenschein. Waren weiße Tennissocken noch vor zehn Jahren ein absolute No Go, klĂ€rte mich meine Tochter gerade erst vor ein paar Tagen auf, dass man diese wieder getrost zu Chucks tragen könne.

Was macht Coolness aus?

Was lernen wir daraus? Richtig, Coolness ist eindeutig von Modetrends abhÀngig, aber auch von der Peer Group, in der man sich bewegt.

Das heißt, selbst wenn der allgemeine Trend zu „In ear“-Kopfhörern tendiert, kann es passieren, dass die Kids mit Mickey MĂ€usen auf den Ohren rumlaufen, weil das in der eigenen Clique angesagt ist.

Nerdbrillen, eben noch dem Streber vorbehalten, werden wenig spÀter zum Must-Have 2011, auch wenn man aussieht wie Puck, die Stubenfliege.

Ganz dramatisch wird es, wenn eine weitere Generation dazwischen liegt, also, wenn Großeltern versuchen trendige Geschenke zu machen. Stolz prĂ€sentierte mir meine Mutter ein hĂŒbsches Jungen-Sweat-Shirt, das sie in einer Boutique im Urlaub erstanden hatte. „Die VerkĂ€uferin hat mir erklĂ€rt, so was tragen jetzt alle“, erklĂ€rte sie mir stolz und ich erkannte schon auf den ersten Blick, dieses Oberteil wird mein Sohn niemals anziehen.

GeschĂ€digt fĂŒr’s Leben

Aus meiner eigenen Jugend verhasst, sind mir bis heute noch Unterhemden. „Ach Gott, des Kind hat ja gar kein Unterhemd an“, rief meine Großmutter immer entsetzt aus, selbst bei 25 Grad im Schatten. Das fand ich so uncool, das ich das KleidungsstĂŒck bis heute vollstĂ€ndig aus meinem Leben, sprich Kleiderschrank verbannt habe.

Ähnlich ging es mir mit SchlafanzĂŒgen und Nachthemden, irgendwann in meiner PubertĂ€t begann ich im T-Shirt zu schlafen und behielt das bis vor wenigen Jahren so bei. Und siehe da, manches ist anscheinend eher Lebensabschnitt- als Mode- abhĂ€ngig, konnte ich vor Kurzem doch beobachten, dass auch mein Sohn das T-Shirt dem Pyjama vorzieht.

Uncool ist demnach ein Synonym fĂŒr peinlich, spießig, altmodisch – und das sind oft auch Eltern. Cool dagegen ist lĂ€ssig, angesagt, trendy – also meist, das was die Freunde machen oder haben.

Spießig, peinlich, uncool …

Aber auch das Erwachsenenleben ist vor solchen Kategorisierungen nicht immer sicher.

„Mein Gott, hast Du das gesehen, der hat ja einen weißen Opel Kombi – voll das Spießer Auto“, sagte kĂŒrzlich eine Freundin ĂŒber einen Arbeitskollegen.

„Die Mutter von XY hat doch tatsĂ€chlich den Kuchen in einer Tupperdose auf den Tisch gestellt, wie peinlich ist das denn“, erzĂ€hlte eine Bekannte.

Und als mein Mann mir kĂŒrzlich einen Einkaufstrolley mitbrachte und meinte damit könnte ich doch kĂŒnftig durchs Rhein-Neckar-Zentrum bummeln, rief ich aus: „Niemals, das ist ja völlig uncool!“

gabi

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist GrĂŒndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten PortrĂ€ts und Reportagen oder macht investigative StĂŒcke.