Donnerstag, 14. Dezember 2017

Gabis Kolumne

Einkaufstrolleys, Unterhemden und Tennissocken auf dem Pr├╝fstand

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Guten Tag!

Rhein-Neckar, 18. Juli 2011. Wann sind Sachen oder Kleidungst├╝cke cool und wann uncool, fragt sich Gabi. Hat das etwas mit dem Alter zu tun oder mit der jeweiligen Mode?

Cool oder uncool? Das ist hier die Frage.

Einkaufstrolleys und Birkenstocksandalen sind voll uncool – da werden Sie mir sicherlich Recht geben. Aber unbenommen sie sind extrem praktisch.

Sky-Heels auf der Gartenparty und Flip Flops im Regen sind cool, aber eindeutig unpraktisch. Man bleibt im Rasen stecken oder man bekommt nasse F├╝├če.

Sp├Ątestens, wenn Sie pubertierende Kinder haben, werden Sie in die Coolness von Kleidungsst├╝cken und ├âÔÇ×hnlichem eingef├╝hrt.

Der gute alte Ranzen wird irgendwann durch den Rucksack und der wiederum durch die Umh├Ąngetasche ausgetauscht. Auch wenn der Gurt tief in die Schulter einschneidet.

Feste, gef├╝tterte Schuhe im Winter sind genauso verp├Ânt wie bequeme Sandalen im Sommer.

Badehosen f├╝r Jungs m├╝ssen so weit und lang sein, dass sie den kompletten Badesee aufsaugen und die Sommerkleidchen der M├Ądchen so kurz und d├╝nn, dass sie eigentlich nichts mehr bedecken.

Es gab eine Zeit, da waren die Haare meines Sohnes so lang, dass er eigentlich nichts mehr sehen konnte. Die Hosen des Sohnes meiner Freundin waren so weit, dass man Angst hatte, dass er sie verliert, w├Ąhrend die Jeans meiner Tochter so eng waren, dass ich st├Ąndig bef├╝rchtete, sie w├╝rde einen akuten Blutstau erleiden.

„Mama, das ist absolut cool.“

„Mama, das ist absolut cool“, ist der zweith├Ąufigste Satz, den man h├Ârt, wenn man mit pubertierenden Kindern zusammenlebt, der nur noch durch „Oh Gott Mutter, wie uncool“ getoppt wird.

Uncool sind Regenjacken, Brotdosen, Pausenbrote, feste Schuhe, Socken in Sandalen oder Ballerinas, kurze Shorts bei Jungs, Schirme, Essen in der Mensa, Fahrradhelme, Ellenbogensch├╝tzer beim Inlinern – also alles, was das Leben praktisch, gesund und sicher macht. Der Umkehrschluss lautet logischerweise – cool ist alles, was das Leben unpraktisch, ungesund und unsicher macht.

Also Strickjacken im Regen, Sneekers beim Wandern und Burger oder Snacks in der Mittagspause.

Aber so einfach ist das leider nicht. Kaum habe ich mich an dieses Regelwerk gew├Âhnt, werden die Koordinaten neu ger├╝ttelt. Pl├Âtzlich sind kurze Haare angesagt und Wanderstiefel sind absolut cool – aber vor allem bei 30 Grad und Sonnenschein. Waren wei├če Tennissocken noch vor zehn Jahren ein absolute No Go, kl├Ąrte mich meine Tochter gerade erst vor ein paar Tagen auf, dass man diese wieder getrost zu Chucks tragen k├Ânne.

Was macht Coolness aus?

Was lernen wir daraus? Richtig, Coolness ist eindeutig von Modetrends abh├Ąngig, aber auch von der Peer Group, in der man sich bewegt.

Das hei├čt, selbst wenn der allgemeine Trend zu „In ear“-Kopfh├Ârern tendiert, kann es passieren, dass die Kids mit Mickey M├Ąusen auf den Ohren rumlaufen, weil das in der eigenen Clique angesagt ist.

Nerdbrillen, eben noch dem Streber vorbehalten, werden wenig sp├Ąter zum Must-Have 2011, auch wenn man aussieht wie Puck, die Stubenfliege.

Ganz dramatisch wird es, wenn eine weitere Generation dazwischen liegt, also, wenn Gro├čeltern versuchen trendige Geschenke zu machen. Stolz pr├Ąsentierte mir meine Mutter ein h├╝bsches Jungen-Sweat-Shirt, das sie in einer Boutique im Urlaub erstanden hatte. „Die Verk├Ąuferin hat mir erkl├Ąrt, so was tragen jetzt alle“, erkl├Ąrte sie mir stolz und ich erkannte schon auf den ersten Blick, dieses Oberteil wird mein Sohn niemals anziehen.

Gesch├Ądigt f├╝r’s Leben

Aus meiner eigenen Jugend verhasst, sind mir bis heute noch Unterhemden. „Ach Gott, des Kind hat ja gar kein Unterhemd an“, rief meine Gro├čmutter immer entsetzt aus, selbst bei 25 Grad im Schatten. Das fand ich so uncool, das ich das Kleidungsst├╝ck bis heute vollst├Ąndig aus meinem Leben, sprich Kleiderschrank verbannt habe.

├âÔÇ×hnlich ging es mir mit Schlafanz├╝gen und Nachthemden, irgendwann in meiner Pubert├Ąt begann ich im T-Shirt zu schlafen und behielt das bis vor wenigen Jahren so bei. Und siehe da, manches ist anscheinend eher Lebensabschnitt- als Mode- abh├Ąngig, konnte ich vor Kurzem doch beobachten, dass auch mein Sohn das T-Shirt dem Pyjama vorzieht.

Uncool ist demnach ein Synonym f├╝r peinlich, spie├čig, altmodisch – und das sind oft auch Eltern. Cool dagegen ist l├Ąssig, angesagt, trendy – also meist, das was die Freunde machen oder haben.

Spie├čig, peinlich, uncool …

Aber auch das Erwachsenenleben ist vor solchen Kategorisierungen nicht immer sicher.

„Mein Gott, hast Du das gesehen, der hat ja einen wei├čen Opel Kombi – voll das Spie├čer Auto“, sagte k├╝rzlich eine Freundin ├╝ber einen Arbeitskollegen.

„Die Mutter von XY hat doch tats├Ąchlich den Kuchen in einer Tupperdose auf den Tisch gestellt, wie peinlich ist das denn“, erz├Ąhlte eine Bekannte.

Und als mein Mann mir k├╝rzlich einen Einkaufstrolley mitbrachte und meinte damit k├Ânnte ich doch k├╝nftig durchs Rhein-Neckar-Zentrum bummeln, rief ich aus: „Niemals, das ist ja v├Âllig uncool!“

gabi

├ťber Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gr├╝ndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Portr├Ąts und Reportagen oder macht investigative St├╝cke.