Mittwoch, 23. August 2017

„Pfenning“ – Es geht ans Eingemachte

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Guten Tag!

Heddesheim, 18. Juni 2010. Vier Monate lang war „Pfenning“ kein Thema mehr und jetzt das: Die Offenlage muss wiederholt werden. Wieder ist aus Sicht des B├╝rgermeisters ein Monat „futsch“, wieder verz├Âgert sich sein hei├čbegehrtes und mit allen Mitteln durchgepeitschtes Projekt. Langsam, aber sicher geht es an die Substanz.

Von Hardy Prothmann

Was mag in dem Mann vorgehen? Das ist eine Frage, die sich viele Heddesheimer in Bezug auf „ihren“ B├╝rgermeister Michael Kessler schon seit langer Zeit stellen.

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Rund 200 Blatt Unterlagen f├╝r die Presse - unm├Âglich innerhalb einer Woche solide zu bearbeiten. Darum geht es auch nicht. Es geht um 12:9. Bild: heddesheimblog

So auch ich. Zum vorerst letzten Mal habe ich Herrn Kessler in Fu├čball-Verkleidung beim Public Viewing gesehen. Und ein wenig beobachtet. Nicht zu lange, weil er wahrlich nicht die Hauptperson an diesem f├╝r Deutschland sch├Ânen Abend war, aber doch genau.

Er sa├č da in der Freizeithalle, quasi mittendrin, zwischen all den Fans. Der ein oder andere vielleicht auch ein Fan von ihm – am Sonntag, beim ersten Spiel der deutschen Nationalmannschaft war Herr Kessler aber nur einer unter vielen, die ein grandiosen Torschie├čen der Deutschen ins australische Tor verfolgten.

Und irgendwie wirkte er trotz der vielen Menschen um sich herum sehr alleine.

Weil ich f├╝r eine Zeit genau hingeschaut habe, wei├č ich auch, warum.

Genauso wie andere verfolgte er das Spiel. Anders als andere unterhielt er sich aber kaum. St├Ąndig hatte er die Hand vor dem Mund und ich hatte schon Sorge, dass ihm schlecht sein k├Ânnte.

Die st├Ąndige eigene Hand vor dem Mund war auff├Ąllig, mindestens so sehr wie der Jubel ├╝ber eines der vier Tore, die die „Jogis“ geschossen haben. Dann war sie weg, die Hand, aber keiner redete mit ihm, also nahm er die Hand wieder vor den Mund.

Ich hatte den Eindruck, dass Herr Kessler sehr allein und einsam war. Obwohl er mittendrin sa├č, in der Freizeithalle, wo sich so viele freuten.

Vielleicht t├Ąuscht mich auch meine Wahrnehmung und die Hand vor dem Mund ist halt so eine individuelle Eigenart des Heddesheimer B├╝rgermeisters und sein Ausdruck von Ergriffenheit. Sein Ausdruck seiner Emotionen.

Das w├╝rde zum Eindruck passen, denn ich pers├Ânlich von B├╝rgermeister Kessler habe: Kommunikation und offener Austausch ist seine Sache nicht. Er schreibt gerne Briefe, verweist auf Gesetze und Anordnungen. Er ist ein Beamter. Brief, Stempel, Ablage, das ist sein Leben.

Das w├╝rde auch meinen Eindruck best├Ątigen, dass Herr Kessler ein verl├Ąsslicher Verwaltungsbeamter ist. Einer, der Akten frisst und Gesetzb├╝cher bl├Ąttert und immer darauf bedacht ist, dass ihm niemand an den „Karren“ fahren kann, weil er sich an seine Welt, die Paragrafen h├Ąlt.

Vielleicht hat Herr Kessler am Sonntag deswegen st├Ąndig die Hand vor dem Mund gehabt, weil er schon wusste, was heute bekannt wird: Er und seine Verwaltung haben „Formfehler“ gemacht. Vielleicht haben sie noch mehr Fehler gemacht, aber die Formfehler zwingen zu einer „erneuten Offenlage“.

Das ist bitter. Das ├Ąrgert. Das st├Â├čt auf. Das gef├Ąllt einem, wie Herr Kessler einer ist, ├╝berhaupt nicht.

Das geht einem wie dem Kessler ganz sicher gegen den Strich und im Zweifel auf den Magen.

├â┼ôberhaupt – viele Menschen sagen das, dass der Herr Kessler irgendwie „schlechter“ auss├Ąhe. Diese Beobachtung ist durchaus mitf├╝hlend gemeint.

Vielleicht auch egoistisch, weil sich die Leute fragen, ob jemand, dem es schlecht gehen k├Ânnte, f├╝r sie gut entscheiden kann. Aber auch das ist nur eine Vermutung – aber eine, ├╝ber die konkret nachgedacht wird.

Und es wird dar├╝ber nachgedacht, ob „Pfenning“ schon entschieden ist, wie es weitergeht und was die Zukunft bringt.

„Pfenning“ ist noch nicht entschieden.

Die genauen Einw├Ąnde zeigen, dass B├╝rger rechtskundige Personen, Anw├Ąlte genannt, eingeschaltet haben.

Deswegen muss es eine erneute Offenlage des „Bebauungsplanentwurfs“ geben – um Prozesse zu vermeiden.

Wer sich ein wenig mit der Psyche dieses einsamen B├╝rgermeisters Kesslers befasst hat, kann wissen, dass ihn das besonders schmerzen w├╝rde. Ein Misserfolg aufgrund von „Formfehlern“.

Auf die „Form“ bildet sich Herr Kessler viel ein – wahrscheinlich zu recht. Er ist Verwaltungsfachwirt und man darf annehmen, dass er gepr├Ągt ist von Vorschriften und Gesetzen und deren Einhaltung. Das gibt ihm Sicherheit.

Unsicher wird er, wenn er diese Vorschriften, nach denen er sein Leben ausrichtet, nicht im Griff hat. So bei der Wahl des Umlegungsausschusses oder anderer ungewohnt kritischer Situationen, wo er das Wort entzieht, gegen den Datenschutz verst├Â├čt und einfach zeigt, dass er ein Mensch ist, der Fehler macht.

Doch diese Erfahrungen sind f├╝r Herrn Kessler keine guten. Vorschriften, Anordnungen, Gesetze sind sein Ma├čstab. Zwischenmenschliches hat da keinen Platz.

Wie sehr Herr Kessler sich von seinen B├╝rgern seit langem schon entfernt hat, zeigt nicht nur die Hand vor dem Mund.

Einen „Dialog“ zwischen den „B├╝rgern“ und ihm konnte es im vergangen Sommer nur ├╝ber die „IFOK“ geben, f├╝r 35.000 Euro. Au├čerhalb dieser „Runde“ fanden kaum Gespr├Ąche mit der „anderen Seite“ statt.

Herr Kessler denkt, dass er etwas durchziehen muss.

Er ignoriert vollst├Ąndig, dass es mittlerweile Ortsgespr├Ąch ist, dass er l├Ąngst einen „Pfenning-Beratervertrag“ in der „Tasche“ hat.

Ich glaube das nicht, weil ich Herrn Kessler anders einsch├Ątze.

Ich halte ihn f├╝r einen B├╝rokraten, einen der „recht haben will“. Einen, der sich was in den Kopf gesetzt hat und das „durchziehen will“.

Und ich glaube, dass Herr Kessler der „100-Millionen-Euro-Kessler“ werden will. Also der B├╝rgermeister einer unauff├Ąlligen Gemeinde, der es schafft, eine der gr├Â├čten Investitionen der Geschichte dieser Gemeinde „an-Land-zu-ziehen“.

Vielleicht liege ich mit der Vermutung falsch – alles, was ich wei├č, st├╝tzt diese These. Aber es bleibt vorerst eine These.

Der B├╝rgermeister Michael Kessler ist der Sohn des fr├╝heren B├╝rgermeisters Fritz Kessler. Der hat Sportst├Ątten, Hochh├Ąuser und den Badesee verantwortet. Was bleibt dem Sohn? Das Erbe des Vaters zu verwalten oder sich fulminant mit einem „Riesenprojekt“ aus dem ewigen Schatten zu heben – eines Schatten, der ihn t├Ąglich bestimmt. Die B├╝ro-Adresse des Michael Kessler ist der „Fritz-Kessler-Platz“.

Das Verh├Ąltnis soll nicht gut gewesen sein, zwischen Vater und Sohn. Das wird erz├Ąhlt und ist durch nichts bewiesen.

Das ist mir auch vollkommen egal – au├čer, Herr Kessler wollte sich dazu ├Ąu├čern. Das will er nicht und das ist sein gutes Recht.

Unrecht handelt Herr Kessler, indem er sich in fast offen erkennbarer Feindschaft einem demokratischen Dialog verweigert, indem er ortsfremde Medien bef├Ârdert und ortseigene wie das heddesheimblog massiv behindert.

Herr Kessler hat irgendwie gedacht, er „zieht was durch“ und wurde durch ortseigene Zirkel darin best├Ąrkt. Leider hat keiner im Zirkel mitbekommen, dass die Formel „des h├Ąnn ma schon frieher so gemacht, des mache mer a heit so“, nicht mehr zieht.

Am kommenden Donnerstag wird Herr Kessler seine Verwaltungsantr├Ąge stellen, sofern alle da sind, wird das Ergebnis voraussichtlich 12:9 hei├čen. Die Antr├Ąge werden beschlossen werden.

Es wird eine erneute Offenlage geben.

Sofern keine Sondersitzungen durch den B├╝rgermeister Kessler einberufen werden, wird das Ergebnis im September erneut verhandelt werden k├Ânnen.

Sofern es keine weiteren Fehler von Seiten Herrn Kesslers und seiner Verwaltung gibt, k├Ânnte es dann zum satzungsgem├Ą├čen Beschluss von „Pfenning“ kommen.

Urspr├╝nglich hat sich „Pfenning“ ein R├╝cktrittsrecht in seinen „Kaufvertr├Ągen“ bis zum 30. Juni 2010 gesichert. Kein Bebauungsplan – kein Kauf. Angeblich, so h├Ârt man, sei der „Vertrag“ bis zum 31.12.2010 verl├Ąngert worden. Bis dahin soll „Pfenning“ kaufen k├Ânnen – muss es aber nicht.

Angeblich zeigt sich „Pfenning“ noch gelassen. Denn angeblich geht es um dessen Ansiedlung, mehr nicht. Angeblich sieht es gerade schlecht in der Branche aus und die wirtschaftliche Situation kommt „Pfenning“ entgegen. Angeblich geht es aber um „Grundst├╝cksspekulationen“, weil sich die Besitzer der ├âÔÇ×cker ├╝bers Ohr ziehen lie├čen.

Das sind viele „angebliche“ Ger├╝chte.

Tatsache ist: W├Ąre es nach dem B├╝rgermeister Kessler gegangen, w├Ąren die Bagger schon 2009 ausger├╝ckt.

Tatsache ist: Das Verfahren zieht sich immer mehr in die L├Ąnge.

Vermutet werden darf, dass der „Investor“ „not amused“ sein k├Ânnte und weitere Zugest├Ąndnisse erwartet.

Tatsache ist, dass der Gemeinderat in der kommenden Sitzung eine Entscheidung treffen soll, die seri├Âs nicht zu treffen ist, weil der Umfang der Unterlagen nicht innerhalb einer Woche durch ehrenamtliche Gemeinder├Ąte bearbeitet werden kann – au├čer, man wei├č ohne Lekt├╝re schon, wann und wo die Hand zu heben ist.

Tatsache ist, dass Herr B├╝rgermeister Kessler Antr├Ąge erstellt hat und davon ausgeht, dass sie mit aller Voraussicht 12:9 entschieden werden.

Aus Sicht des B├╝rgermeisters Kessler hat dann alles seine Ordnung – egal, wie gro├č das Chaos ist, das viele Menschen im Ort empfinden.

Von diesen nehmen mittlerweile immer weniger eine „Hand vor den Mund“.

Ob Herr Kessler das registriert, entscheidet er selbst.

├ťber Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gr├╝ndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Portr├Ąts und Reportagen oder macht investigative St├╝cke.