Freitag, 22. Juni 2018

„Pfenning“ – Es geht ans Eingemachte

Print Friendly, PDF & Email

Guten Tag!

Heddesheim, 18. Juni 2010. Vier Monate lang war „Pfenning“ kein Thema mehr und jetzt das: Die Offenlage muss wiederholt werden. Wieder ist aus Sicht des BĂŒrgermeisters ein Monat „futsch“, wieder verzögert sich sein heißbegehrtes und mit allen Mitteln durchgepeitschtes Projekt. Langsam, aber sicher geht es an die Substanz.

Von Hardy Prothmann

Was mag in dem Mann vorgehen? Das ist eine Frage, die sich viele Heddesheimer in Bezug auf „ihren“ BĂŒrgermeister Michael Kessler schon seit langer Zeit stellen.

IMG_1672pfenning0610

Rund 200 Blatt Unterlagen fĂŒr die Presse - unmöglich innerhalb einer Woche solide zu bearbeiten. Darum geht es auch nicht. Es geht um 12:9. Bild: heddesheimblog

So auch ich. Zum vorerst letzten Mal habe ich Herrn Kessler in Fußball-Verkleidung beim Public Viewing gesehen. Und ein wenig beobachtet. Nicht zu lange, weil er wahrlich nicht die Hauptperson an diesem fĂŒr Deutschland schönen Abend war, aber doch genau.

Er saß da in der Freizeithalle, quasi mittendrin, zwischen all den Fans. Der ein oder andere vielleicht auch ein Fan von ihm – am Sonntag, beim ersten Spiel der deutschen Nationalmannschaft war Herr Kessler aber nur einer unter vielen, die ein grandiosen Torschießen der Deutschen ins australische Tor verfolgten.

Und irgendwie wirkte er trotz der vielen Menschen um sich herum sehr alleine.

Weil ich fĂŒr eine Zeit genau hingeschaut habe, weiß ich auch, warum.

Genauso wie andere verfolgte er das Spiel. Anders als andere unterhielt er sich aber kaum. StÀndig hatte er die Hand vor dem Mund und ich hatte schon Sorge, dass ihm schlecht sein könnte.

Die stĂ€ndige eigene Hand vor dem Mund war auffĂ€llig, mindestens so sehr wie der Jubel ĂŒber eines der vier Tore, die die „Jogis“ geschossen haben. Dann war sie weg, die Hand, aber keiner redete mit ihm, also nahm er die Hand wieder vor den Mund.

Ich hatte den Eindruck, dass Herr Kessler sehr allein und einsam war. Obwohl er mittendrin saß, in der Freizeithalle, wo sich so viele freuten.

Vielleicht tĂ€uscht mich auch meine Wahrnehmung und die Hand vor dem Mund ist halt so eine individuelle Eigenart des Heddesheimer BĂŒrgermeisters und sein Ausdruck von Ergriffenheit. Sein Ausdruck seiner Emotionen.

Das wĂŒrde zum Eindruck passen, denn ich persönlich von BĂŒrgermeister Kessler habe: Kommunikation und offener Austausch ist seine Sache nicht. Er schreibt gerne Briefe, verweist auf Gesetze und Anordnungen. Er ist ein Beamter. Brief, Stempel, Ablage, das ist sein Leben.

Das wĂŒrde auch meinen Eindruck bestĂ€tigen, dass Herr Kessler ein verlĂ€sslicher Verwaltungsbeamter ist. Einer, der Akten frisst und GesetzbĂŒcher blĂ€ttert und immer darauf bedacht ist, dass ihm niemand an den „Karren“ fahren kann, weil er sich an seine Welt, die Paragrafen hĂ€lt.

Vielleicht hat Herr Kessler am Sonntag deswegen stĂ€ndig die Hand vor dem Mund gehabt, weil er schon wusste, was heute bekannt wird: Er und seine Verwaltung haben „Formfehler“ gemacht. Vielleicht haben sie noch mehr Fehler gemacht, aber die Formfehler zwingen zu einer „erneuten Offenlage“.

Das ist bitter. Das Ă€rgert. Das stĂ¶ĂŸt auf. Das gefĂ€llt einem, wie Herr Kessler einer ist, ĂŒberhaupt nicht.

Das geht einem wie dem Kessler ganz sicher gegen den Strich und im Zweifel auf den Magen.

ÃƓberhaupt – viele Menschen sagen das, dass der Herr Kessler irgendwie „schlechter“ aussĂ€he. Diese Beobachtung ist durchaus mitfĂŒhlend gemeint.

Vielleicht auch egoistisch, weil sich die Leute fragen, ob jemand, dem es schlecht gehen könnte, fĂŒr sie gut entscheiden kann. Aber auch das ist nur eine Vermutung – aber eine, ĂŒber die konkret nachgedacht wird.

Und es wird darĂŒber nachgedacht, ob „Pfenning“ schon entschieden ist, wie es weitergeht und was die Zukunft bringt.

„Pfenning“ ist noch nicht entschieden.

Die genauen EinwĂ€nde zeigen, dass BĂŒrger rechtskundige Personen, AnwĂ€lte genannt, eingeschaltet haben.

Deswegen muss es eine erneute Offenlage des „Bebauungsplanentwurfs“ geben – um Prozesse zu vermeiden.

Wer sich ein wenig mit der Psyche dieses einsamen BĂŒrgermeisters Kesslers befasst hat, kann wissen, dass ihn das besonders schmerzen wĂŒrde. Ein Misserfolg aufgrund von „Formfehlern“.

Auf die „Form“ bildet sich Herr Kessler viel ein – wahrscheinlich zu recht. Er ist Verwaltungsfachwirt und man darf annehmen, dass er geprĂ€gt ist von Vorschriften und Gesetzen und deren Einhaltung. Das gibt ihm Sicherheit.

Unsicher wird er, wenn er diese Vorschriften, nach denen er sein Leben ausrichtet, nicht im Griff hat. So bei der Wahl des Umlegungsausschusses oder anderer ungewohnt kritischer Situationen, wo er das Wort entzieht, gegen den Datenschutz verstĂ¶ĂŸt und einfach zeigt, dass er ein Mensch ist, der Fehler macht.

Doch diese Erfahrungen sind fĂŒr Herrn Kessler keine guten. Vorschriften, Anordnungen, Gesetze sind sein Maßstab. Zwischenmenschliches hat da keinen Platz.

Wie sehr Herr Kessler sich von seinen BĂŒrgern seit langem schon entfernt hat, zeigt nicht nur die Hand vor dem Mund.

Einen „Dialog“ zwischen den „BĂŒrgern“ und ihm konnte es im vergangen Sommer nur ĂŒber die „IFOK“ geben, fĂŒr 35.000 Euro. Außerhalb dieser „Runde“ fanden kaum GesprĂ€che mit der „anderen Seite“ statt.

Herr Kessler denkt, dass er etwas durchziehen muss.

Er ignoriert vollstĂ€ndig, dass es mittlerweile OrtsgesprĂ€ch ist, dass er lĂ€ngst einen „Pfenning-Beratervertrag“ in der „Tasche“ hat.

Ich glaube das nicht, weil ich Herrn Kessler anders einschÀtze.

Ich halte ihn fĂŒr einen BĂŒrokraten, einen der „recht haben will“. Einen, der sich was in den Kopf gesetzt hat und das „durchziehen will“.

Und ich glaube, dass Herr Kessler der „100-Millionen-Euro-Kessler“ werden will. Also der BĂŒrgermeister einer unauffĂ€lligen Gemeinde, der es schafft, eine der grĂ¶ĂŸten Investitionen der Geschichte dieser Gemeinde „an-Land-zu-ziehen“.

Vielleicht liege ich mit der Vermutung falsch – alles, was ich weiß, stĂŒtzt diese These. Aber es bleibt vorerst eine These.

Der BĂŒrgermeister Michael Kessler ist der Sohn des frĂŒheren BĂŒrgermeisters Fritz Kessler. Der hat SportstĂ€tten, HochhĂ€user und den Badesee verantwortet. Was bleibt dem Sohn? Das Erbe des Vaters zu verwalten oder sich fulminant mit einem „Riesenprojekt“ aus dem ewigen Schatten zu heben – eines Schatten, der ihn tĂ€glich bestimmt. Die BĂŒro-Adresse des Michael Kessler ist der „Fritz-Kessler-Platz“.

Das VerhÀltnis soll nicht gut gewesen sein, zwischen Vater und Sohn. Das wird erzÀhlt und ist durch nichts bewiesen.

Das ist mir auch vollkommen egal – außer, Herr Kessler wollte sich dazu Ă€ußern. Das will er nicht und das ist sein gutes Recht.

Unrecht handelt Herr Kessler, indem er sich in fast offen erkennbarer Feindschaft einem demokratischen Dialog verweigert, indem er ortsfremde Medien befördert und ortseigene wie das heddesheimblog massiv behindert.

Herr Kessler hat irgendwie gedacht, er „zieht was durch“ und wurde durch ortseigene Zirkel darin bestĂ€rkt. Leider hat keiner im Zirkel mitbekommen, dass die Formel „des hĂ€nn ma schon frieher so gemacht, des mache mer a heit so“, nicht mehr zieht.

Am kommenden Donnerstag wird Herr Kessler seine VerwaltungsantrĂ€ge stellen, sofern alle da sind, wird das Ergebnis voraussichtlich 12:9 heißen. Die AntrĂ€ge werden beschlossen werden.

Es wird eine erneute Offenlage geben.

Sofern keine Sondersitzungen durch den BĂŒrgermeister Kessler einberufen werden, wird das Ergebnis im September erneut verhandelt werden können.

Sofern es keine weiteren Fehler von Seiten Herrn Kesslers und seiner Verwaltung gibt, könnte es dann zum satzungsgemĂ€ĂŸen Beschluss von „Pfenning“ kommen.

UrsprĂŒnglich hat sich „Pfenning“ ein RĂŒcktrittsrecht in seinen „KaufvertrĂ€gen“ bis zum 30. Juni 2010 gesichert. Kein Bebauungsplan – kein Kauf. Angeblich, so hört man, sei der „Vertrag“ bis zum 31.12.2010 verlĂ€ngert worden. Bis dahin soll „Pfenning“ kaufen können – muss es aber nicht.

Angeblich zeigt sich „Pfenning“ noch gelassen. Denn angeblich geht es um dessen Ansiedlung, mehr nicht. Angeblich sieht es gerade schlecht in der Branche aus und die wirtschaftliche Situation kommt „Pfenning“ entgegen. Angeblich geht es aber um „GrundstĂŒcksspekulationen“, weil sich die Besitzer der Äcker ĂŒbers Ohr ziehen ließen.

Das sind viele „angebliche“ GerĂŒchte.

Tatsache ist: WĂ€re es nach dem BĂŒrgermeister Kessler gegangen, wĂ€ren die Bagger schon 2009 ausgerĂŒckt.

Tatsache ist: Das Verfahren zieht sich immer mehr in die LĂ€nge.

Vermutet werden darf, dass der „Investor“ „not amused“ sein könnte und weitere ZugestĂ€ndnisse erwartet.

Tatsache ist, dass der Gemeinderat in der kommenden Sitzung eine Entscheidung treffen soll, die seriös nicht zu treffen ist, weil der Umfang der Unterlagen nicht innerhalb einer Woche durch ehrenamtliche GemeinderĂ€te bearbeitet werden kann – außer, man weiß ohne LektĂŒre schon, wann und wo die Hand zu heben ist.

Tatsache ist, dass Herr BĂŒrgermeister Kessler AntrĂ€ge erstellt hat und davon ausgeht, dass sie mit aller Voraussicht 12:9 entschieden werden.

Aus Sicht des BĂŒrgermeisters Kessler hat dann alles seine Ordnung – egal, wie groß das Chaos ist, das viele Menschen im Ort empfinden.

Von diesen nehmen mittlerweile immer weniger eine „Hand vor den Mund“.

Ob Herr Kessler das registriert, entscheidet er selbst.

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist GrĂŒndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten PortrĂ€ts und Reportagen oder macht investigative StĂŒcke.