Montag, 24. Juli 2017

BĂŒrgermeisterwahl

Wahlanalyse – was die Zahlen verraten

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Kommunalwahlbezirke 2009 – aktuelle Wahlbezirke können abweichen.

 

Heddesheim, 17. MĂ€rz 2014. (red) Gibt es BĂŒrgermeister-„Hochburgen“? Welche des Herausforderers? Wie hat man die Wahlbeteiligung zu werten? Mit jeder Wahl gibt es eine Reihe von Zahlen, die beim genauen Hinschauen und Vergleichen aufschlussreiche Ergebnisse liefern.

Von Hardy Prothmann

Soviel steht fest: Der Amtsinhaber Michael Kessler ist mit 63,3 Prozent wiedergewĂ€hlt worden. Und er hat alle Wahlkreise gewonnen – kein einziger ging an den Herausforderer GĂŒnther Heinisch. Von den 15 Wahlkreisen und den drei Briefwahlkreisen (1-5, 6-10, 11-15) hat BĂŒrgermeister Michael Kessler bei sieben Wahlkreisen „nur“ zwischen 50 und 60 Prozent erhalten. Am nĂ€chsten war Herr Heinisch im Wahlkreis 14 dem Amtsinhaber auf den Fersen. Hier hat Michael Kessler nur ganz knappe 50,1 Prozent erreicht (Gewerbegebiet, „Baumviertel“).

Eine eindeutige Tendenz lĂ€sst sich nicht feststellen, aber es sieht so aus, als hĂ€tte der Amtsinhaber seine WĂ€hler besser motivieren können. Fast ĂŒberall da, wo die Wahlbeteiligung sehr niedrig war, sind die Zahlen fĂŒr Herrn Kessler auch schlechter. Umgekehrt erreicht er im Wahlbezirk 2 („Bahnhofsviertel“) insgesamt 70 Prozent (Wahlbeteiligung 48,3 Prozent) und im Wahlbezirk 13 („BĂŒrgermeisterviertel“, Grenzweg, Leutershausener Straße, Schriesheimer Straße) sogar 72,2 Prozent (Wahlbeteiligung 41 Prozent).

Die Wahlbeteiligung war mit 58,36 eher schlecht – zum Nachteil des Herausforderers. Zum Vergleich: Bei der Wahl 1998 gingen 73,53 Prozent der WĂ€hler an die Urne. 2006, als es keine echten Herausforderer gab, waren es noch 61,92 Prozent. Zum dritten Mal in Folge sinkt also die Wahlbeteiligung. 1998 gewinnt Herr Kessler knapp mit 53,32 Prozent. 2006 sind es „sensationelle“ 92,60 Prozent, aktuell 63,3 Prozent.

Blick auf absolute Stimmen verrÀt mehr

Die Stimmenzahl verrĂ€t aber mehr. 1998 gab es 8.560 Wahlberechtigte. Herr Kessler gewann 3.340 Stimmen. Das sind 39 Prozent der Stimmen aller Wahlberechtigten. 2006 gab es 9.042 Wahlberechtigte, Herr Kessler konnte 4.879 Stimmen gewinnen. Das sind 54 Prozent der Wahlberechtigten. Aktuell wĂ€hlten 3.423 WĂ€hler von 9.379 Wahlberechtigten den Amtsinhaber. Das sind nur noch 36 Prozent aller Wahlberechtigten. GegenĂŒber 1998 sind 819 WĂ€hler/innen dazugekommen. Nur 83 Stimmen mehr oder zehn Prozent davon konnte der BĂŒrgermeister fĂŒr sich gegenĂŒber der Wahl 1998 gewinnen und fĂ€hrt damit das schlechteste Ergebnis prozentual auf die GesamtwĂ€hlerschaft ein.

Der SchlĂŒssel zu dieser Wahl war die Wahlbeteiligung von 58,36 Prozent. 44,68 Prozentpunkte kamen ĂŒber die Urne, 13,68 Prozentpunkte per Brief (das sind 23,44 Prozent aller abgegebenen Stimmen). 66,9 Prozent im Wahlbezirk 1 stimmen fĂŒr Herrn Kessler, 65 Prozent und 62 Prozent in den beiden anderen. Da die Briefwahlbezirke immer fĂŒnf Wahlbezirke umfassen ist eine genauere Analyse nicht möglich. Die niedrigste Wahlbeteiligung (im Wahllokal) gab es beispielsweise im Wahlbezirk 5 („Dichterviertel“) mit 31,4 Prozent, gefolgt von Wahlbezirk 3 (rund ums Rathaus) mit 38,5 Prozent – eventuell haben hier aber auch viele per Brief gewĂ€hlt. Die höchste Wahlbeteiligung gab es demgegenĂŒber im Wahlbezirk 15 („Komponistenviertel“) mit 53,3 Prozent (Wahlbeteiligung ohne Briefwahl).

Der Blick nach Schriesheim zeigt, wie sich eine niedrige Wahlbeteiligung auswirkt: BĂŒrgermeister Hansjörg Höfer hat ĂŒberzeugende 73 Prozent bei seiner Wiederwahl im Dezember erhalten – bei knapp 50-prozentiger Wahlbeteiligung. Bei der 1998-er Wahl war die Wahlbeteiligung in Heddesheim 73,53 Prozent und das „Rennen“ viel knapper als aktuell.

Insgesamt machte die Briefwahl 23,44 Prozent aus – auf die Gesamtzahl der Wahlberechtigten sind das 13,68 Prozent.

Aussagen, die Gewerbetreibenden im Gewerbegebiet wollten Herrn Kessler nicht, treffen „tendenziell“ zu. Die Wahlbeteiligung an der Urne lag hier bei mittleren 46,4 Prozent und Herr Kessler erreichte im Wahlbezirk 14 (Gewerbegebiet, „Baumviertel“) tatsĂ€chlich das „schlechteste“ Ergebnis mit 50,1 Prozent. Doch auch das hĂ€tte fĂŒr eine absolute Mehrheit gereicht. Im Stimmvergleich waren das 171 zu 165 Stimmen. Selbst wenn die vier „Nein-Stimmen“ und eine fĂŒr Dieter Kielmeyer auch noch an GĂŒnther Heinisch gegangen wĂ€ren – Herr Kessler hĂ€tte mit 171 zu 170 gewonnen.

GĂŒnther Heinisch kann, obwohl er die Wahl klar verloren hat, trotzdem mit sich und seinen 34,9 Prozent zufrieden sein. Bezogen auf den Vergleich mit der 1998-er Wahl, wo beide antraten, hat er mit 1.888 insgesamt 1.640 Stimmen dazu gewonnen, Herr Kessler wie gesagt nur 83. GegenĂŒber der Wahl 2006 hat der alte und neue BĂŒrgermeister 1.456 Stimmen verloren, die im absoluten Vergleich an den Herausforderer Heinisch gingen.

Schaut man sich die absolute Zahl der WĂ€hler an, ist Herr Kessler von 36 Prozent der Wahlberechtigten gewĂ€hlt worden, Herr Heinisch aber nur von 20 Prozent. Die sechs Sitze der GrĂŒnen im Gemeinderat machen aber 27 Prozent der 22 Sitze aus. Auch das ein Hinweis, dass Herr Heinisch sein WĂ€hlerpotenzial nicht ausschöpfen konnte. Inbesondere dĂŒrften ihm bei Senioren, Vereinen und Kirchenmitgliedern zudem viele Stimmen versagt geblieben sein. Nach unserem Eindruck störten sich auch viele am „GrĂŒnen“-Logo auf dem Wahlplakat. Ob ein Fehlen der Parteizugehörigkeit allerdings gereicht hĂ€tte, um dem Wahlgewinner ganze 14 Prozentpunkte abzunehmen? Eher unwahrscheinlich.

Das grĂ¶ĂŸte RĂ€tsel bei jeder Wahl sind die NichtwĂ€hler. Warum haben sie nicht gewĂ€hlt? Aus Frust, Politikverdrossenheit? Wen hĂ€tten sie gewĂ€hlt, wenn…? Sind es die zugezogenen Heddesheimer?

  • Schmitt

    Danke fĂŒr die Arbeit – sowas hab ich auch ansatzweise noch nie in einer Lokalzeitung gelesen. Ob Kessler-Fans auch nur im Ansatz in der Lage sind, das zu kapieren?

    „Schaut man sich die absolute Zahl der WĂ€hler an, ist Herr Kessler von 36 Prozent der Wahlberechtigten gewĂ€hlt worden, Herr Heinisch aber nur von 20 Prozent. Die sechs Sitze der GrĂŒnen im Gemeinderat machen aber 27 Prozent der 22 Sitze aus. Auch das ein Hinweis, dass Herr Heinisch sein WĂ€hlerpotenzial nicht ausschöpfen konnte. Inbesondere dĂŒrften ihm bei Senioren, Vereinen und Kirchenmitgliedern zudem viele Stimmen versagt geblieben sein. Nach unserem Eindruck störten sich auch viele am “GrĂŒnen”-Logo auf dem Wahlplakat. Ob ein Fehlen der Parteizugehörigkeit allerdings gereicht hĂ€tte, um dem Wahlgewinner ganze 14 Prozentpunkte abzunehmen? Eher unwahrscheinlich.“

    Soviel dazu, dass Sie, Herr Prothmann, angeblich ein GrĂŒner sind. Bin auch mit zehn Euro dabei. Und wenn es nicht fĂŒr 1.000 oder mehr Euro reicht, dann wollen meine Nachbarn das so.

    Übrigens Kompliment, weil die Weinheimer das auch noch nicht richtig kapiert haben, wie ich heute in einem Telefonat erfahren habe mit jemandem, der den Text nicht kannte und nicth weiß, was passieren wird:

    http://www.weinheimblog.de/14/wer-kopfrechnen-kann-ist-klar-im-vorteil-3×70-oder-2×100-ergibt-nicht-300-und-mehr/18746.html

    • Der auch dabei war

      Herr Oder Frau Schmitt
      Was ist das denn schon wieder fĂŒr ein Satz: ob Kessler Fans auch nur im Ansatz….
      Es sind Unruhestifter wie Sie die das Klima in der Gemeinde vergiften nur eine Niederlage nicht akzeptieren können. Tiefstes Niveau kann ich da nur sagen!

  • Nicht-Ja-Sagerin

    FĂŒr diese komplexe und mit großem Aufwand erstellte Wahlanalyse sage ich DANKESCHÖN!

  • Josepha Meyring

    Was berĂŒhmte Menschen zur Wahl und zur Demokratie sagen….

    „Ohne was falsch zu machen, kannst du nicht Meister werden.“ Thomas Jefferson

    „Demokratie ist die schlechteste Regierungsform – außer all den anderen Formen, die von Zeit zu Zeit ausprobiert worden sind.“ Winston Churchill

    „Demokratie ist die Kunst, dem Volk im Namen des Volkes feierlich das Fell ĂŒber die
    Ohren zu ziehn.“ Karlheinz Deschner

    „Das beste Argument gegen die Demokratie ist ein fĂŒnfminĂŒtiges GesprĂ€ch mit
    dem durchschnittlichen WĂ€hler.“ Winston Churchill

    „Die Demokratie setzt die Vernunft im Volk voraus, die sie erst hervorbringen muss!“
    Karl Jaspers

    „Eine ernsthafte SchwĂ€che der Demokratie ist, dass sie sich ziemlich danach richten
    muss, was der BĂŒrger denkt, ehe die Gewissheit besteht, ob er es ĂŒberhaupt tut.“ Hans Kasper

    „Das Reden von Freiheit anstelle des Gebens von FreirĂ€umen ist ein beliebiges
    Manipulationsinstrument pseudodemokratischer Diktaturen.“ Rupert Lay

    „Grundlage der freien Regierung ist das Mißtrauen … Mißtrauen lĂ€ĂŸt uns Sicherungsvorschriften in die Verfassung aufnehmen, die jene bindet, denen wir verpflichtet sind, Macht anzuvertrauen.“ Thomas Jefferson

    „Eine irrige Meinung kann da geduldet werden, wo die Vernunft frei ist, sie zu bekĂ€mpfen.“ Thomas Jefferson

    „Eine demokratische politische Kultur lebt bekanntlich von der Meinungsfreude und der Anteilnahme der BĂŒrger. Das setzt Furchtlosigkeit voraus.“ Jutta Limbach

    „Information ist die WĂ€hrung der Demokratie.“ Thomas Jefferson

    „Die demokratischen Einrichtungen sind QuarantĂ€ne-Anstalten gegen die alte Pest tyrannenhafter GelĂŒste: als solche sehr nĂŒtzlich und sehr langweilig.“ Friedrich Nietzsche

    „Das GrundĂŒbel unserer Demokratie liegt darin, dass sie keine ist. Das Volk, der
    nominelle Herr und SouverĂ€n, hat in Wahrheit nichts zu sagen.“ Hans Herbert von Arnim

    „Demokratie heißt eben nicht die Macht in die HĂ€nde des Volkes zu legen. Demokratie heißt dem Volk das GefĂŒhl zu geben, es habe eine Wahl.“ Volker Pispers

    „Demokratie erfordert informierte Teilnahme!“ Thomas Jefferson

    „Wer in der Demokratie die Wahrheit sagt, wird von der Masse getötet.“ Platon

    „Ein Tabu unserer Demokratie ist daran zu erinnern, dass das, was die Mehrheit denkt, noch lange nicht richtig sein muss.“ Cora Stephan

    „Wahlen Ă€ndern nichts, sonst wĂ€ren sie verboten.“ Kurt Tucholsky

    „Unter der Demokratie besteht alle Politik aus einer Reihe dynastischer Fragen:
    das Ziel ist stets der Posten, nicht das Prinzip.“ Henry Louis Mencken

    „Das Wort Demokratie ist ein schweres Rauschmittel. Es verhindert das Lernen,
    vernebelt den Verstand, verwirrt das Denken, erzeugt Wahnbilder – und macht schließlich schlĂ€frig und apathisch. Die heutigen Demokratie-Junkies wĂŒrden Sokrates wieder ermorden.“ Roland Baader

    „Es ist unfair, Politiker an ihren Wahlversprechen zu messen“ Franz MĂŒntefering

    „Wer sich in den Dienst der Öffentlichkeit stellt, tut gut daran, sich als Gemeineigentum zu betrachten.“ Thomas Jefferson

    „Schlechte Kandidaten werden von guten BĂŒrgern gewĂ€hlt, die nicht zur Wahl gehen.“ Thomas Jefferson

    „Wenn es um die Macht geht, darf man keinem Menschen trauen, sondern muß alle Fesseln der Verfassung anlegen.“ Thomas Jefferson

    „Nur die allerdĂŒmmsten KĂ€lber // wĂ€hlen ihren Metzger selber.“ Wilhelm Busch

    „Nur die dĂŒmmsten KĂ€lber wĂ€hlen ihre SchlĂ€chter selber.“ Bertolt Brecht

    Da sind sich die Zitatensammler nicht ganz sicher….