Sonntag, 25. Juni 2017

Jahreshauptversammlung des VdK Heddesheim – schwache Resonanz


Guten Tag!

Heddesheim, 17. MĂ€rz 2011. Die Jahreshauptversammlung des VdK-Ortsverbands Heddesheim (Sozialverband VdK Deutschland), des grĂ¶ĂŸten deutschen Sozialverbands, am gestrigen Mittwoch zeichnete sich vor allem durch eines aus: sie war ĂŒberaus schwach besucht. Nur 13 stimmberechtigte Mitglieder, darunter der komplette Vorstand kamen in der ATB-GaststĂ€tte zusammen.

Von C. Eisele

Nur zwei Tische belegen die Anwesenden im gerÀumigen Nebenzimmer des Lokals und wirken ein bisschen verloren. Obwohl Vorstandwahlen anstehen, bleibt die Beteiligung der Mitglieder an der jÀhrlichen Hauptversammlung sogar noch deutlich unter der der monatlichen Stammtische des Ortsverbands.rd

AuffÀllig auch die Alterstruktur der Anwesenden, niemand ist unter 50, die meisten sind weitaus Àlter.

Damit werden auch schon die beiden grĂ¶ĂŸten Probleme des Vereins deutlich. Das relativ hohe Durchschnittsalter des Ortsverbands Heddesheim und die stagnierenden Mitgliederzahlen. Das Interesse, sich im Vereinsleben aktiv einzubringen ist gering, so bleiben die „ĂŒblichen VerdĂ€chtigen“ meist unter sich.

Karl-Heinz Schmitt, der Vorstandsvorsitzende des Ortsverbands, lÀsst sich an diesem Abend von der geringen Teilnehmerzahl aber nicht irritieren.

Jahreshauptversammlung des VdK - wenig Interesse der Mitglieder. Bild: heddesheimblog/che

Routiniert und flott arbeitet er mit den Anwesenden die Tagesordnung ab. Zu Diskussionen kommt es nur angesichts der angespannten Finanzlage, sparen ist angesagt. Nicht ganz einig ist man sich an welchem Ende, aber auch da findet man zuguterletzt doch noch zu einem Konsens.

Dass fast der komplette Vorstand wiedergewĂ€hlt wird, erstaunt bei 13 Anwesenden nicht wirklich, nur die beiden Beisitzer, das Ehepaar Schneider, treten zurĂŒck und werden mit einem Geschenkkorb verabschiedet. Die Nachfolge tritt nur ein Beisitzer an, Walter Hagen.

Karl-Heinz Schmitt spricht anschließend mit den Anwesenden die Jahresplanung 2011-2012 durch. Der Verein organisiert wieder einige VortrĂ€ge in Eigenregie, beteiligt sich aber auch an Veranstaltungen wie zum Beispiel dem Heddesheimer Straßenfest. (Sie finden die Termine der VortrĂ€ge und Veranstaltungen in unserem Terminkalender).

Leider ist der Referent, der nach der Erörterung der Jahresplanung ein Referat halten sollte, nicht erschienen und dieser Tagesordnungspunkt wird ersatzlos gestrichen.

Weitere VorschlÀge zur Diskussion gibt es keine und so wird der offizielle Teil der Veranstaltung abgeschlossen.

Herr Schmitt hat jetzt Zeit, uns etwas ĂŒber den Verein zu erzĂ€hlen, zu erklĂ€ren, warum nur so wenige Mitglieder erschienen sind und warum die Aktiven fast alle im Rentenalter sind.

Der Schwerpunkt der Arbeit des VdK, liegt in der Vertretung sozialpolitischer Belange von Schwerbehinderten, Arbeitslosen, chronisch Kranken, Rentnern, Unfallopfern und Kriegs-, Wehr- und ZivildienstgeschÀdigten.

Der VdK bietet praktische Beratung und UnterstĂŒtzung bei allen Problemen, die damit in Zusammenhang stehen. Das ErstgesprĂ€ch eines Betroffenen mit einem Berater ist kostenlos, fĂŒr weitere Hilfestellungen ist die Mitgliedschaft im Verein Pflicht. Der Jahresbeitrag ist mit 60 Euro auch fĂŒr sozial SchwĂ€che aufzubringen und kann in monatlichen Raten bezahlt werden. Gegen einen verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig gĂŒnstigen Aufpreis werden Mitglieder auch bei rechtlichen Auseinandersetzungen vertreten.

Viele Menschen finden erst zum VdK, wenn ihre Eltern und/oder nahe Angehörige pflegebedĂŒrftig werden und sie Hilfe und Beratung bei den damit verbundenen Problemen suchen. Oder wenn sie selbst einen Arbeitsunfall haben, durch chronische Krankheiten arbeitsunfĂ€hig oder durch verĂ€nderte LebensumstĂ€nde zum Sozialfall werden. Die weitaus meisten Hilfesuchenden haben da bereits das mittlere Lebensalter erreicht oder ĂŒberschritten. Damit erklĂ€rt sich der auch bundesweit hohe Altersdurchschnitt der Mitglieder. Heddesheim, mit einem Altersdurchschnitt von 62 Jahren, ist da also keineswegs eine Ausnahme.

Dass sich nur verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig wenige Mitglieder aktiv am Vereinsleben beteiligen, ist ebenfalls nicht ungewöhnlich und bei allen Vereinen zu finden. Mit stagnierenden oder sogar fallenden Mitgliederzahlen haben viele Vereine zu kĂ€mpfen, da macht der VdK Heddesheim keine Ausnahme.

Dass trotz der steigenden sozialen Probleme nicht mehr Menschen zum VdK finden, verwundert allerdings. Vor allem in der langjĂ€hrigen Erfahrung der Berater und im breitgefĂ€cherten Angebot praktischer Hilfe liegt die Besonderheit und StĂ€rke des Vereins. Sehr wertvoll ist auch die rechtliche UnterstĂŒtzung, die man bei Bedarf erhĂ€lt.

FĂŒr sozial Schwache ist es oft fast unmöglich einen Anwalt zu finden, der sie vertritt. Die Rechtsberatungshilfe und die Prozesskostenhilfe ist AnwĂ€lten nicht lukrativ genug, die Anwaltshonorare aber fĂŒr die Betroffenen unerschwinglich. Der relativ geringe Beitrag fĂŒr die UnterstĂŒtzung durch den VdK kann aber auch von Menschen mit wenig Geld aufgebracht werden.

In Heddesheim sind 374 Menschen im VdK organisiert, einige besuchen regelmĂ€ĂŸig den offenen Stammtisch im Akropolis sowie einen der kostenlosen „Themenstammtische“ bei denen mit UnterstĂŒtzung verschiedener Referenten unterschiedliche sozialpolitische Themen, Gesundheitsfragen oder Versorgungsleistungen erlĂ€utert werden oder treffen sich bei verschiedenen anderen Veranstaltungen.

Der Heddesheimer Ortsverband unterhĂ€lt in der Lissenstraße 14 ein BĂŒro (Tel: 06203-40 39 728) und bietet dort nach Terminabsprache Beratungen an. Mitglied im VdK kann jeder werden, ob mit oder ohne Behinderung.

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist GrĂŒndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten PortrĂ€ts und Reportagen oder macht investigative StĂŒcke.