Dienstag, 18. Dezember 2018

Die Damen der SG Heddesheim und des TSV Amicitia Viernheim lieferten sich gestern einen packenden Kampf

Wenig Tore – viele Emotionen

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Heddesheim/Viernheim, 16. September 2013. (red/zef) WĂ€hrend die Herren der SG Heddesheim in der Oberliga Baden-WĂŒrttemberg souverĂ€n ihren zweiten Heimsieg mit 34:27 gegen den TuS-Altenheim einfuhren, erlebten die Damen in der Badenliga im Bergstraßen-Derby ein Wechselbad der GefĂŒhle: Mit einem Unentschieden (19:19) trennten sich gestern die Damen des TSV Amicitia Viernheim und der SG Heddesheim zum Auftakt der Badenliga. 38 Toren in 60 Minuten klingt nach einem Damenspiel – zu Unrecht! Die Fehlerquote war zwar sehr hoch, doch das Spiel umso aufregender.

Von Ziad-Emanuel Farag

Die mit 200 Zuschauern kleine, prall gefĂŒllte Rudolf-Harbig-Halle in Viernheim peitschte ihre Mannschaft nach vorne. Die TSV Amicitia Viernheim tat das, was ein Aufsteiger tun muss: Vor eigenem Publikum auch gegen die favorisierten Heddesheimer Löwinnen um jeden Ballbesitz kĂ€mpfen. Die Löwinnen wiederum verpassten es in der ersten Halbzeit zuzubeißen – acht verworfene Siebenmeter hielten das Spiel offen.

Die Ausgangslage deutete zunĂ€chst auf einen Sieg der SG Heddesheim hin: Schließlich war nach Aussage vom Viernheimer Trainer Volker Reinhardt der Aufstieg von der Landes- in die Badenliga sehr ĂŒberraschend. Wie sein Heddesheimer Kollege Michael Schröder erwartete er einen Sieg der GĂ€ste, die um die Meisterschaft mitspielen möchten.

Die physisch ĂŒberlegenen Heddesheimerinnen fanden gegen Viernheim besser ins Spiel. Das Angriffspiel war auf beiden Seiten in der ersten Halbzeit etwas behĂ€big, die sehr defensiven 6:0-Abwehrreihen diktierten das Geschehen. Dementsprechend fielen in den Anfangsminuten drei der ersten vier Tore durch schnelle Konter. Der Spielstand war da noch 2:2.

Heddesheim legt einen 5:1-Lauf hin

Nach 13:58 Minuten stand es nach einem weiteren Kontern, den Nina Schimmel vollendete 3:7 fĂŒr die SG Heddesheim. Symptomatisch in dieser Phase: Der Favorit schien sich abzusetzen. In dieser Phase erzielte Samira Schulz vier Treffer und war fĂŒr die Viernheimer Abwehr nicht zu halten. Im Viernheimer Angriff tat sich auch nicht viel: Sie waren fĂŒr den körperlich starken Gegner noch schlicht zu langsam und die kleine Halle war voll, aber noch gespenstig ruhig. Zu hören waren einzig die Heddesheimer Ersatzspielerinnen, die ihre Kolleginnen klatschend von der Bank anfeuerten.

Vanessa Reinhard weckt die Halle auf

Nach 20:30 Minuten stand 6:10 fĂŒr die SG Heddesheim, nachdem die Viernheimerin Mona Bechtel ein StĂŒrmerfoul begangen hat schließt Eva Hildenbrand auf Rechtsaußen den Konter ab. Nach 22:13 Minuten gibt es einen 7-Meter fĂŒr Heddesheim. Bei einem so torarmen Spiel mit vielen technischen Fehlern wĂ€re ein FĂŒnf-Tore-FĂŒhrung vielleicht spielentscheidend gewesen. Das wussten alle in der Halle, auch die SchĂŒtzin Katja Welker. Doch sie scheitert und warf der TorhĂŒterin den Ball fast in die Arme. Auf einmal wacht die Viernheimer Halle auf – denn dies war der vierte verworfene Siebenmeter von der vierten Werferin hintereinander. TorhĂŒterin Vanessa Reinhard schien in ihren HĂ€nden Ballmagnete zu haben. Ihr Trainer Volker Reinhardt hat eine andere ErklĂ€rung:

Sie hat schon Regionalligaerfahrung gesammelt und macht das intuitiv.

Vor dem Wurf bewegte sie sich geschickt, ohne irgendeiner Heddesheimer SchĂŒtzin eine einfache Wurfmöglichkeit zu bieten. Anstatt trocken, flach und platziert auf das Tor zu werfen, ließen sie sich auf Psychospielchen ein und brachten den Ball nicht im Tor unter. Zur lautstarken verbalen UnterstĂŒtzung des Viernheimer Publikums kommt nun auch Trommenwirbel, die NervösitĂ€t auf beiden Seiten steigt. Nach 24:37 Minuten gibt es erneut Siebenmeter fĂŒr die SG Heddesheim. Doch auch Sabrina Edinger als inzwischen fĂŒnfte SchĂŒtzin scheitert an Vanessa Reinhard.

 Viernheimer Aufholjagd statt haushoher Heddesheimer FĂŒhrung

Die SG Heddesheim hĂ€tte nun schon mit acht Treffern fĂŒhren können. Es könnte nun bereit 6:14 stehen, das Spiel wĂ€re entschieden. Doch Volker Reinhardts Mannschaft gibt getrieben von den Trommeln und seiner TorhĂŒterin nicht auf und es gelingt der ersehnte Treffer zum 7:10 nach 25:37 Minuten. Der erste Treffer nach fĂŒnf Minuten.

Und immer noch hĂ€tte Michael Schröders Mannschaft davon ziehen können: Eine Minute spĂ€ter bekommt die Viernheimerin Andrea StabĂł eine Zeitstrafe wegen Trikotziehen nach 26:37 Minuten. Das Heddesheimer Spiel belebt das nicht mehr. Und so holten  nach 28:43 Minuten die tapferen Viernheimerinnen ein weiteres Tor auf 8:10 auf. 30 Sekunden spĂ€ter gibt es eine weitere Zeitstrafe und einen 7-Meter gegen den TSV Viernheim, Kathrin Steyrleuthner griff der Linksaußenspielerin Sabrina Edinger in den Wurfarm. Diesmal versuchte Simone König fĂŒr Heddesheim ihr GlĂŒck – sie warf auch auf die Hand der TorhĂŒterin, konnte aber den Abpraller verwerten. Es stand nun 8:11 nach 29 Minuten. Auf der Gegenseite stieß Andrea StabĂł in eine LĂŒcke der Heddesheimer Abwehr in der Mitte und traf zum 9:11. Kurz vor dem Halbzeitpiff gab es dann sogar eine zweite Zeitstrafe fĂŒr den TSV Viernheim: Andrea StabĂł schlug Sabrina Edinger unabsichtlich in der Abwehr ins Gesicht – daher gibt es folgerichtig eine Zeitstrafe, allerdings bekam diese Stefanie Osada.

Der TSV Viernheim musste nun zu Beginn der zweiten HĂ€lfte eine doppelte Unterzahl fĂŒr 30 Sekunden und weitere 90 Sekunden in einfacher Unterzahl ĂŒberstehen, um im Spiel zu bleiben. Trotz einer 9:11 FĂŒhrung war die SG Heddesheim durch die inzwischen frenetische Halle und die miserable Chancenverwertung psychologisch geschwĂ€cht.

Nach dem Wiederanpfiff brach Heddesheim ein.

In den ersten 30 Sekunden schien es, als wĂŒrde Heddesheim in der Überzahl bei der erdrĂŒckenden Übergelegenheit aus der ersten Halbzeit endgĂŒltig auf die Siegerstraße einbiegen: Corina Weik traf von Linkaußen zum 9:12. Was sich nun in der Halle abspielte, war aber ein regelrechter Einbruch der Löwinnen: Die Viernheimerinnen haben Mut gefasst und waren nun den Heddesheimerinnen konditionell ĂŒberlegen und einfach schneller, wie ihr Trainer vor dem Spiel hoffte. Die Abwehr agierte sehr ordentlich, Kathrin Steyrleuthner schloss fĂŒr Samira Schulz die Laufwege, die daraufhin nicht mehr richtig ins Spiel kam.

Ein 8:2-Lauf fĂŒr Viernheim bricht den Löwinnen vermeintlich das Genick

Julia Fischer und Patricia Scheidel sorgen fĂŒr den Anschluss auf 11:12. Ein weiterer Konter bringt schließlich den lang ersehnten Ausgleich nach 33:39 Minuten zum 12:12. Stefanie Osada bringt den TSV Viernheim sogar in FĂŒhrung, es steht nun 13:12. Auch der erste verwandelte 7-Meter von Tanja Werner fĂŒr die SG Heddesheim nach 33:17 Minuten zum zwischenzeitlichen 13:13 kann den Viernheim-Express nicht mehr aufhalten. Stefanie Osada antwortet erneut zum 14:13. Julia Fischer trifft zum 15:13 nach 38:57 Minuten fĂŒr den TSV Viernheim aus dem RĂŒckraum, die auf der rechten Seite mit Stefanie Osada nun oft die Positionen tauscht.

Dann gibt es wieder vier torlose Minuten: In dieser Phase ist es einzige der nun eingewechselten TorhĂŒterin Beate Schaaff zu verdanken, dass die Löwinnen im Spiel bleiben. Sie hĂ€lt einige WĂŒrfe aus allen Lagen, egal ob flach oder hoch, aus dem RĂŒckraum oder direkt vor dem Tor. Tanja Werner vergibt daraufhin erneut einen 7-Meter und wirft ihn an den Pfosten. Jennifer Schlipf und Eva Hildenbrand erzielen danach aber zwei Minuten spĂ€ter nach einem schönen Zuammenspiel das 15:14 fĂŒr die SG Hedddesheim. Julia Fischer bringt mit zwei Treffern in Folge ihre Mannschaft nach einer wunderbaren Passtaffette sogar 17:14 nach 45 Minuten in Front. Mit ihren vier Toren in zwölf Minuten hat der TSV Viernheim einen 8:2-Lauf aufs Parkett gezaubert. Kurz darauf scheint nun die SG Heddesheim geschlagen: Jennifer Schlipf vergibt einen 7-Meter noch unglĂŒcklicher als zuvor Tanja Werner: Der Ball landet im Tor, doch sie hat ĂŒbertreten. Samira Schulz meldet sich jedoch zurĂŒck. Sie tritt zum zweiten Mal zum 7-Meter an. Der SG Heddesheim waren die SchĂŒtzinnen ausgegangen: Sie trifft aber nun, es steht 17:15

Die Heddesheimer Löwinnen kĂ€mpften sich zurĂŒck

Vier Minuten spĂ€ter gab es wieder Abspielfehler, Paraden und Ballverluste auf beiden Seiten, aber keine Tore. Der SG Heddesheim wird ein Zeitspiel abgepfiffen. Samira Schulz kann vorne kaum noch Akzente setzen, erobert aber den Ball in der Abwehr. Sie wirft einen wundervollen schnellen Pass ĂŒber die Abwehr hinweg zu Eva Hildenbrand auf Rechtsaußen, die den Konter abschließt. Stand 17:16 nach 49:20 Minuten. Stefanie Osada vergab fĂŒr den TSV Viernheim anschließend nach 51:05 Minuten die Chance, wieder auf zwei Tore davon zu ziehen gegen Beate Schaaff, die immer stĂ€rke im Heddesheimer Tor wurde.

Kathrin Steyrleuthner trifft anschließend fĂŒr die SG Heddesheim von Rechtsaußen, wĂ€hrend die Zuschauern „Zeitspiel“ skandierten, mit einem Verzweiflungswurf in die Torwartecke. Hier sah Vanessa Reinhard im Viernheimer Tor auf der Gegenseite ausnahmsweise nicht gut aus. Es stand 17:17 nach 53 Minuten. Nach 54:02 Minuten haben es die Löwinnen wieder geschafft: Nach einer weiteren Parade von Beate Schaaff erzielte nach einem wunderbar gespielten Konter Sabrina Edinger die erneute FĂŒhrung fĂŒr die SG Heddesheim. : Die Heddesheimer KreislĂ€uferin Simone König kann frei vor dem Tore 3,5 Minuten vor dem Ende das bei diesem Spielverlauf vorentscheidende 17:19 erzielen – doch Vanessa Reinhard macht ihren Fehler wieder gut und pariert.

Zwei packende Schlussminuten

Beide Mannschaften waren sichtlich nervös. Es vergingen wieder zwei Minuten beim Stand von 17:18 Zwei packende Schlussminuten rundeten dann das wirklich verrĂŒckte Spiel ab: Kathrin Steyrleuthner erzielt von Rechtsaußen nach 58:20 Minuten den Ausgleich fĂŒr den TSV Viernheim. Nach 58:40 Minuten vergab Samira Schulz fĂŒr die SG Heddesheim ohne jede Not einen ĂŒberhasteten Wurf. Anschließend wusste sich die Heddesheimer Abwehr gegen Senta Salzmann nicht anders zu helfen als mit einer Abwehr durch den Kreis: Ein 7-Meter war die Folge. Andrea StabĂł traf – 38 Sekunden vor Abpfiff fĂŒhrte der Underdog aus Viernheim mit 19:18. Die ganze Halle stand.

Der Heddesheimer Trainer Michael Schröder nimmt eine Auszeit bei 59:30 Minuten – mit Erfolg. Über Linksaußen gelingt nach einem Abwehrfehler Viernheims erneut der viel umjubelte Ausgleich zum 19:19. In den letzten zehn Sekunden muss jedoch Beate Schaaff einen letzten Viernheimer Wurf parieren. Beim Remis bleibt es.

Zurecht hat keine Mannschaft gewonnen – die Zuschauer umso mehr!

Beide Trainer sprachen nach diesem Auf und Ab von einem verlorenen Punkt. Das Remis ist aber gerecht: Spielerisch hat das Spiel keine Siegerinnen verdient, kĂ€mpferisch keine Verliererinnen. Beide Mannschaften haben leidenschaftlich gekĂ€mpft, hĂ€tten das Spiel gewinnen können und sind gleichermaßen an der mangelnden Chancenverwertung gescheitert – besonders aber die SG Heddesheim.

Wenn Michael Schröders Mannschaft um den Titel mitspielen will, muss gerade das besser werden. Die Viernheimerinnen hingegen brauchen genau diese Moral und dieses frenetische Publikum fĂŒr den Klassenerhalt. Gewonnen haben bei diesem packenden und in der zweiten Halbzeit schnellen Spiel die Zuschauer. Unterhaltsamer kann ein Damenspiel in der Badenliga nicht sein – die wenigen Tore taten da keinen Abbruch, sondern machten es erst zu einer regelrechten Nervenschlacht.