Dienstag, 25. April 2017

Die Damen der SG Heddesheim und des TSV Amicitia Viernheim lieferten sich gestern einen packenden Kampf

Wenig Tore – viele Emotionen

Heddesheim/Viernheim, 16. September 2013. (red/zef) W├Ąhrend die Herren der SG Heddesheim in der Oberliga Baden-W├╝rttemberg souver├Ąn ihren zweiten Heimsieg mit 34:27 gegen den TuS-Altenheim einfuhren, erlebten die Damen in der Badenliga im Bergstra├čen-Derby ein Wechselbad der Gef├╝hle: Mit einem Unentschieden (19:19) trennten sich gestern die Damen des TSV Amicitia Viernheim und der SG Heddesheim zum Auftakt der Badenliga. 38 Toren in 60 Minuten klingt nach einem Damenspiel ÔÇô zu Unrecht! Die Fehlerquote war zwar sehr hoch, doch das Spiel umso aufregender.

Von Ziad-Emanuel Farag

Die mit 200 Zuschauern kleine, prall gef├╝llte Rudolf-Harbig-Halle in Viernheim peitschte ihre Mannschaft nach vorne. Die TSV Amicitia Viernheim tat das, was ein Aufsteiger tun muss: Vor eigenem Publikum auch gegen die favorisierten Heddesheimer L├Âwinnen um jeden Ballbesitz k├Ąmpfen. Die L├Âwinnen wiederum verpassten es in der ersten Halbzeit zuzubei├čen ÔÇô acht verworfene Siebenmeter hielten das Spiel offen.

Die Ausgangslage deutete zun├Ąchst auf einen Sieg der SG Heddesheim hin: Schlie├člich war nach Aussage vom Viernheimer Trainer Volker Reinhardt der Aufstieg von der Landes- in die Badenliga sehr ├╝berraschend. Wie sein Heddesheimer Kollege Michael Schr├Âder erwartete er einen Sieg der G├Ąste, die um die Meisterschaft mitspielen m├Âchten.

Die physisch ├╝berlegenen Heddesheimerinnen fanden gegen Viernheim besser ins Spiel. Das Angriffspiel war auf beiden Seiten in der ersten Halbzeit etwas beh├Ąbig, die sehr defensiven 6:0-Abwehrreihen diktierten das Geschehen. Dementsprechend fielen in den Anfangsminuten drei der ersten vier Tore durch schnelle Konter. Der Spielstand war da noch 2:2.

Heddesheim legt einen 5:1-Lauf hin

Nach 13:58 Minuten stand es nach einem weiteren Kontern, den Nina Schimmel vollendete 3:7 f├╝r die SG Heddesheim. Symptomatisch in dieser Phase: Der Favorit schien sich abzusetzen. In dieser Phase erzielte Samira Schulz vier Treffer und war f├╝r die Viernheimer Abwehr nicht zu halten. Im Viernheimer Angriff tat sich auch nicht viel: Sie waren f├╝r den k├Ârperlich starken Gegner noch schlicht zu langsam und die kleine Halle war voll, aber noch gespenstig ruhig. Zu h├Âren waren einzig die Heddesheimer Ersatzspielerinnen, die ihre Kolleginnen klatschend von der Bank anfeuerten.

Vanessa Reinhard weckt die Halle auf

Nach 20:30 Minuten stand 6:10 f├╝r die SG Heddesheim, nachdem die Viernheimerin Mona Bechtel ein St├╝rmerfoul begangen hat schlie├čt Eva Hildenbrand auf Rechtsau├čen den Konter ab. Nach 22:13 Minuten gibt es einen 7-Meter f├╝r Heddesheim. Bei einem so torarmen Spiel mit vielen technischen Fehlern w├Ąre ein F├╝nf-Tore-F├╝hrung vielleicht spielentscheidend gewesen. Das wussten alle in der Halle, auch die Sch├╝tzin Katja Welker. Doch sie scheitert und warf der Torh├╝terin den Ball fast in die Arme. Auf einmal wacht die Viernheimer Halle auf ÔÇô denn dies war der vierte verworfene Siebenmeter von der vierten Werferin hintereinander. Torh├╝terin Vanessa Reinhard schien in ihren H├Ąnden Ballmagnete zu haben. Ihr Trainer Volker Reinhardt hat eine andere Erkl├Ąrung:

Sie hat schon Regionalligaerfahrung gesammelt und macht das intuitiv.

Vor dem Wurf bewegte sie sich geschickt, ohne irgendeiner Heddesheimer Sch├╝tzin eine einfache Wurfm├Âglichkeit zu bieten. Anstatt trocken, flach und platziert auf das Tor zu werfen, lie├čen sie sich auf Psychospielchen ein und brachten den Ball nicht im Tor unter. Zur lautstarken verbalen Unterst├╝tzung des Viernheimer Publikums kommt nun auch Trommenwirbel, die Nerv├Âsit├Ąt auf beiden Seiten steigt. Nach 24:37 Minuten gibt es erneut Siebenmeter f├╝r die SG Heddesheim. Doch auch Sabrina Edinger als inzwischen f├╝nfte Sch├╝tzin scheitert an Vanessa Reinhard.

 Viernheimer Aufholjagd statt haushoher Heddesheimer Führung

Die SG Heddesheim h├Ątte nun schon mit acht Treffern f├╝hren k├Ânnen. Es k├Ânnte nun bereit 6:14 stehen, das Spiel w├Ąre entschieden. Doch Volker Reinhardts Mannschaft gibt getrieben von den Trommeln und seiner Torh├╝terin nicht auf und es gelingt der ersehnte Treffer zum 7:10 nach 25:37 Minuten. Der erste Treffer nach f├╝nf Minuten.

Und immer noch h├Ątte Michael Schr├Âders Mannschaft davon ziehen k├Ânnen: Eine Minute sp├Ąter bekommt die Viernheimerin Andrea Stab├│ eine Zeitstrafe wegen Trikotziehen nach 26:37 Minuten. Das Heddesheimer Spiel belebt das nicht mehr. Und so holten ┬ánach 28:43 Minuten die tapferen Viernheimerinnen ein weiteres Tor auf 8:10 auf. 30 Sekunden sp├Ąter gibt es eine weitere Zeitstrafe und einen 7-Meter gegen den TSV Viernheim, Kathrin Steyrleuthner griff der Linksau├čenspielerin Sabrina Edinger in den Wurfarm. Diesmal versuchte Simone K├Ânig f├╝r Heddesheim ihr Gl├╝ck ÔÇô sie warf auch auf die Hand der Torh├╝terin, konnte aber den Abpraller verwerten. Es stand nun 8:11 nach 29 Minuten. Auf der Gegenseite stie├č Andrea Stab├│ in eine L├╝cke der Heddesheimer Abwehr in der Mitte und traf zum 9:11. Kurz vor dem Halbzeitpiff gab es dann sogar eine zweite Zeitstrafe f├╝r den TSV Viernheim: Andrea Stab├│ schlug Sabrina Edinger unabsichtlich in der Abwehr ins Gesicht ÔÇô daher gibt es folgerichtig eine Zeitstrafe, allerdings bekam diese Stefanie Osada.

Der TSV Viernheim musste nun zu Beginn der zweiten H├Ąlfte eine doppelte Unterzahl f├╝r 30 Sekunden und weitere 90 Sekunden in einfacher Unterzahl ├╝berstehen, um im Spiel zu bleiben. Trotz einer 9:11 F├╝hrung war die SG Heddesheim durch die inzwischen frenetische Halle und die miserable Chancenverwertung psychologisch geschw├Ącht.

Nach dem Wiederanpfiff brach Heddesheim ein.

In den ersten 30 Sekunden schien es, als w├╝rde Heddesheim in der ├ťberzahl bei der erdr├╝ckenden ├ťbergelegenheit aus der ersten Halbzeit endg├╝ltig auf die Siegerstra├če einbiegen: Corina Weik traf von Linkau├čen zum 9:12. Was sich nun in der Halle abspielte, war aber ein regelrechter Einbruch der L├Âwinnen: Die Viernheimerinnen haben Mut gefasst und waren nun den Heddesheimerinnen konditionell ├╝berlegen und einfach schneller, wie ihr Trainer vor dem Spiel hoffte. Die Abwehr agierte sehr ordentlich, Kathrin Steyrleuthner schloss f├╝r Samira Schulz die Laufwege, die daraufhin nicht mehr richtig ins Spiel kam.

Ein 8:2-Lauf f├╝r Viernheim bricht den L├Âwinnen vermeintlich das Genick

Julia Fischer und Patricia Scheidel sorgen f├╝r den Anschluss auf 11:12. Ein weiterer Konter bringt schlie├člich den lang ersehnten Ausgleich nach 33:39 Minuten zum 12:12. Stefanie Osada bringt den TSV Viernheim sogar in F├╝hrung, es steht nun 13:12. Auch der erste verwandelte 7-Meter von Tanja Werner f├╝r die SG Heddesheim nach 33:17 Minuten zum zwischenzeitlichen 13:13 kann den Viernheim-Express nicht mehr aufhalten. Stefanie Osada antwortet erneut zum 14:13. Julia Fischer trifft zum 15:13 nach 38:57 Minuten f├╝r den TSV Viernheim aus dem R├╝ckraum, die auf der rechten Seite mit Stefanie Osada nun oft die Positionen tauscht.

Dann gibt es wieder vier torlose Minuten: In dieser Phase ist es einzige der nun eingewechselten Torh├╝terin Beate Schaaff zu verdanken, dass die L├Âwinnen im Spiel bleiben. Sie h├Ąlt einige W├╝rfe aus allen Lagen, egal ob flach oder hoch, aus dem R├╝ckraum oder direkt vor dem Tor. Tanja Werner vergibt daraufhin erneut einen 7-Meter und wirft ihn an den Pfosten. Jennifer Schlipf und Eva Hildenbrand erzielen danach aber zwei Minuten sp├Ąter nach einem sch├Ânen Zuammenspiel das 15:14 f├╝r die SG Hedddesheim. Julia Fischer bringt mit zwei Treffern in Folge ihre Mannschaft nach einer wunderbaren Passtaffette sogar 17:14 nach 45 Minuten in Front. Mit ihren vier Toren in zw├Âlf Minuten hat der TSV Viernheim einen 8:2-Lauf aufs Parkett gezaubert. Kurz darauf scheint nun die SG Heddesheim geschlagen: Jennifer Schlipf vergibt einen 7-Meter noch ungl├╝cklicher als zuvor Tanja Werner: Der Ball landet im Tor, doch sie hat ├╝bertreten. Samira Schulz meldet sich jedoch zur├╝ck. Sie tritt zum zweiten Mal zum 7-Meter an. Der SG Heddesheim waren die Sch├╝tzinnen ausgegangen: Sie trifft aber nun, es steht 17:15

Die Heddesheimer L├Âwinnen k├Ąmpften sich zur├╝ck

Vier Minuten sp├Ąter gab es wieder Abspielfehler, Paraden und Ballverluste auf beiden Seiten, aber keine Tore. Der SG Heddesheim wird ein Zeitspiel abgepfiffen. Samira Schulz kann vorne kaum noch Akzente setzen, erobert aber den Ball in der Abwehr. Sie wirft einen wundervollen schnellen Pass ├╝ber die Abwehr hinweg zu Eva Hildenbrand auf Rechtsau├čen, die den Konter abschlie├čt. Stand 17:16 nach 49:20 Minuten.┬áStefanie Osada vergab f├╝r den TSV Viernheim anschlie├čend nach 51:05 Minuten die Chance, wieder auf zwei Tore davon zu ziehen gegen Beate Schaaff, die immer st├Ąrke im Heddesheimer Tor wurde.

Kathrin Steyrleuthner trifft anschlie├čend f├╝r die SG Heddesheim von Rechtsau├čen, w├Ąhrend die Zuschauern ÔÇ×ZeitspielÔÇť skandierten, mit einem Verzweiflungswurf in die Torwartecke. Hier sah Vanessa Reinhard im Viernheimer Tor auf der Gegenseite ausnahmsweise nicht gut aus. Es stand 17:17 nach 53 Minuten. Nach 54:02 Minuten haben es die L├Âwinnen wieder geschafft: Nach einer weiteren Parade von Beate Schaaff erzielte nach einem wunderbar gespielten Konter Sabrina Edinger die erneute F├╝hrung f├╝r die SG Heddesheim. : Die Heddesheimer Kreisl├Ąuferin Simone K├Ânig kann frei vor dem Tore 3,5 Minuten vor dem Ende das bei diesem Spielverlauf vorentscheidende 17:19 erzielen ÔÇô doch Vanessa Reinhard macht ihren Fehler wieder gut und pariert.

Zwei packende Schlussminuten

Beide Mannschaften waren sichtlich nerv├Âs. Es vergingen wieder zwei Minuten beim Stand von 17:18 Zwei packende Schlussminuten rundeten dann das wirklich verr├╝ckte Spiel ab: Kathrin Steyrleuthner erzielt von Rechtsau├čen nach 58:20 Minuten den Ausgleich f├╝r den TSV Viernheim. Nach 58:40 Minuten vergab Samira Schulz f├╝r die SG Heddesheim ohne jede Not einen ├╝berhasteten Wurf. Anschlie├čend wusste sich die Heddesheimer Abwehr gegen Senta Salzmann nicht anders zu helfen als mit einer Abwehr durch den Kreis: Ein 7-Meter war die Folge. Andrea Stab├│ traf ÔÇô 38 Sekunden vor Abpfiff f├╝hrte der Underdog aus Viernheim mit 19:18. Die ganze Halle stand.

Der Heddesheimer Trainer Michael Schr├Âder nimmt eine Auszeit bei 59:30 Minuten ÔÇô mit Erfolg. ├ťber Linksau├čen gelingt nach einem Abwehrfehler Viernheims erneut der viel umjubelte Ausgleich zum 19:19. In den letzten zehn Sekunden muss jedoch Beate Schaaff einen letzten Viernheimer Wurf parieren. Beim Remis bleibt es.

Zurecht hat keine Mannschaft gewonnen ÔÇô die Zuschauer umso mehr!

Beide Trainer sprachen nach diesem Auf und Ab von einem verlorenen Punkt. Das Remis ist aber gerecht: Spielerisch hat das Spiel keine Siegerinnen verdient, k├Ąmpferisch keine Verliererinnen. Beide Mannschaften haben leidenschaftlich gek├Ąmpft, h├Ątten das Spiel gewinnen k├Ânnen und sind gleicherma├čen an der mangelnden Chancenverwertung gescheitert ÔÇô besonders aber die SG Heddesheim.

Wenn Michael Schr├Âders Mannschaft um den Titel mitspielen will, muss gerade das besser werden. Die Viernheimerinnen hingegen brauchen genau diese Moral und dieses frenetische Publikum f├╝r den Klassenerhalt. Gewonnen haben bei diesem packenden und in der zweiten Halbzeit schnellen Spiel die Zuschauer. Unterhaltsamer kann ein Damenspiel in der Badenliga nicht sein ÔÇô die wenigen Tore taten da keinen Abbruch, sondern machten es erst zu einer regelrechten Nervenschlacht.