Sonntag, 20. August 2017

Die angehende Polizeimeisterin Sabrina Daum im Porträt

Überzeugt, das Richtige zu tun

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Ich wollte schon immer Polizistin werden. Etwas anderes kam eigentlich nie in Frage.

Ich wollte schon immer Polizistin werden. Etwas anderes kam eigentlich nie in Frage.

 

Ladenburg, 16. Mai 2013. (red/ms) Pfefferspray und Pistole gehören für gewöhnliche Praktikanten eher nicht zur Standardausrüstung. Für Sabrina Daum schon. Die 24-Jährige ist gerade dabei, einen Traum zu verwirklichen: „Schon seit meiner Kindheit will ich unbedingt Polizistin werden.“

Von Minh Schredle

Frau Daum absolviert aktuell einen Teil ihrer Ausbildung im Revier Ladenburg – sie ist angehende Polizeimeisterin. Schon während der Ausbildung ist sie als Praktikantin voll im Einsatz, beispielsweise auf Streife. Frauen im Schutzdienst der Polizei sind längst keine Seltenheit mehr.

Gerade im Revier in Ladenburg ist der Anteil bemerkenswert hoch: Von den etwa 70 Beamten sind fast 40 Prozent weiblich. Revierleiter Frank Hartmannsgruber erklärt, dass dieser Trend nicht einfach aus dem Nichts käme, sondern sich schon lange abzeichne:

Das hat schon in meiner Ausbildung angefangen, seitdem ist der Frauenanteil kontinuierlich gestiegen. Der Beruf scheint für Frauen immer attraktiver zu werden.

Allgemein ist er mit der Ausbildungsarbeit zufrieden:

Praktikanten werden heutzutage viel praxistauglicher geschult. Der Fokus liegt im Unterricht nicht mehr ganz so sehr auf Rechtsfragen, statt Paragraphen nur auswendig zu lernen, behandelt man komplexe Situationen, die auch nah am beruflichen Alltag sind. Zum Beispiel das Aufnehmen eines Verkehrsunfalls.

Praxis und Rollenspiele

Verkehrsunfälle sind eines von drei Leitthemen, die als Schwerpunkte in der ganzen Ausbildung eine besonders wichtige Rolle spielen. Die anderen beiden sind „Streife“ und „Kriminalitätsbekämpfung“. Darüber hinaus werden bestimmte Szenarien wie ein Banküberfall in Rollenspielen geübt.

Die Rollenspiele nehmen wir in der Ausbildung sehr ernst,

sagt Frau Daum. Logisch, denn das Verhalten wird beurteilt und ein Bestandteil der Note. Außerdem wird viel wert auf Allgemeinbildung gelegt, auch Deutsch und Psychologie sind wichtig. Eine gültige Fahrerlaubnis ist übrigens Pflicht und muss spätestens im letzten theoretischen Teil der Ausbildung nachgewiesen werden.

Insgesamt dauert es zweieinhalb Jahre bis man Polizeimeister(in) werden kann. Es gibt drei theoretische und zwei praktische Abschnitte, die sich jeweils abwechseln. Frau Daum befindet sich gerade im vierten Teil.

Jedem Praktikanten wird ein persönlicher Ausbilder zugeordnet. Um Frau Daum kümmert sich Herr Graf, der seit fast fünfzehn Jahren als Ausbilder Ladenburgs erfahrenster Mann ist.

 

Herr Graf (links) und Frau Daum verstehen sich gut, scherzen mit- und übereinander.

Herr Graf (links) und Frau Daum verstehen sich gut, scherzen mit- und übereinander.

 

Teamwork mit Spaßfaktor

Die Arbeit als Polizist erfordert ein hohe Konzentration – da ist es sehr wichtig, dass man gut miteinander auskommt und die Atmosphäre stimmt. So auch bei Herr Graf und seiner Praktikantin. Unbeschwert scherzen sie mit- und übereinander. Kleine Frotzeleien und Albernheiten werden mit Humor genommen, die Arbeitsbeziehung zwischen den beiden wirkt geradezu freundschaftlich.

Hier in Ladenburg fühle ich mich wohl. Nicht nur das Polizeirevier ist toll, sondern auch die Stadt an sich ist klasse. Natürlich kommt es immer wieder zu Vorfällen, aber Schwerverbrechen wie Mord oder Totschlag habe ich hier eigentlich noch nie mitbekommen,

sagt Frau Daum. Auch mit der Art, wie sie in der Öffentlichkeit angesehen wird, ist sie zufrieden:

Ich habe noch nie miterlebt, dass ich benachteiligt wurde, weil ich eine Frau bin. Ich werde von den Bürgern ebenso respektiert wie die männlichen Kollegen. Gerade erst vor Kurzem, im Einsatz zur Mainacht, hatte ich viel mit Jugendlichen zu tun. Da war ich sogar ein wenig überrascht, wie kooperativ die waren. Es ist meine Pflicht, zum Beispiel Alkohol bei Minderjährigen zu konfiszieren. Da hätte ich eigentlich damit gerechnet, dass viele patziger reagieren. Aber da habe ich mich geirrt.

Natürlich gibt es trotzdem Schattenseiten. Von dem fröhlichen Unterton, der sich bis dahin durch das gesamte Gespräch zog, ist nichts mehr zu hören, als sie sichtlich betrübt davon erzählt, als sie bei der Bergung einer Leiche dabei sein musste.

Auch wenn es eine natürliche Todesursache gab, war das am Anfang hart für mich. Aber auch mit so etwas muss man einen Umgang finden und da bin ich, denke ich, auf einem guten Weg. An der Entscheidung, Polizistin zu werden, habe ich jedenfalls noch nie gezweifelt. Das ist für mich der richtige Beruf.

Vielleicht arbeitet Sabrina Daum bald als Beamtin in Ladenburg. Die Zusammenarbeit mit den Kolleg/innen vor Ort gefällt ihr jedenfalls richtig gut.

Vielleicht arbeitet Sabrina Daum bald als Beamtin in Ladenburg. Die Zusammenarbeit mit den Kolleg/innen vor Ort gefällt ihr jedenfalls richtig gut.

 

Service:

Voraussetzung für eine Ausbildung bei der Polizei ist neben „Köpfchen“ natürlich Fitness. Wer sich dafür interessiert, welche Voraussetzungen man mitbringen muss, wird im Internet bei Streife-im-Quadrat fündig. Persönliche Ansprechpartner sind Bianca Erbs (0621/ 174 – 2016) oder Thomas Zachler (0621/ 174 – 2016). In Ladenburg ist Revierleiter Frank Hartmannsgruber der Ansprechpartner, der bei einem zuvor vereinbarten Termin gerne Auskünfte erteilt.

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.