Mittwoch, 21. November 2018

Mannheimer Morgen erfindet „Pfenning-Investorengesellschaft“

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Guten Tag!

Heddesheim, 16. Dezember 2009. Heute ist im Mannheimer Morgen ein Text erschienen, in dem die Tagesordnungspunkte der morgigen Gemeinderatssitzung zu lesen sind. Aber nicht nur das: Die Redakteurin erfindet auch Firmenbezeichnungen, die es gar nicht gibt.

Kommentar: Hardy Prothmann

Zitat aus dem Mannheimer Morgen:
„Auch die geplante Pfenning-Ansiedlung fordert von den RĂ€ten abermals einen Beschluss: den zur Bildung eines Umlegungsausschusses fĂŒr die Neuordnung dreier GrundstĂŒcke am sĂŒdwestlichen Rand des Bebauungsplangebiets „Nördlich der Benzstraße“. Die GrundstĂŒcke sollen derart geordnet werden, „dass nach Lage, Form und GrĂ¶ĂŸe fĂŒr die vorgesehene bauliche Nutzung zweckmĂ€ĂŸig gestaltete Parzellen entstehen“, heißt es in der Verwaltungsvorlage. Hintergrund ist, dass nach wie vor einer der GrundstĂŒckseigentĂŒmer nicht dem Verkauf an die Pfenning-Investorengesellschaft Phoenix 2010 zugestimmt hat.“

Es gibt keine „Pfenning-Investorengesellschaft Phoenix 2010“.

Ist es Absicht? Ist es Schluderei? Ist es Unvermögen? Was auch immer die MM-Redakteurin Anja Görlitz dazu treibt, sie schreibt Unsinn. Es gibt keine „Pfenning-Investorengesellschaft Phoenix 2010“.

Was es gibt, ist eine Phoenix 2010 GbR (Gesellschaft bĂŒrgerlichen Rechts). Das ist eine Personengesellschaft. In diesem Fall Karl-Martin Pfenning und der Immobilienunternehmer Georg Adler. Diese Gesellschaft investiert in den geplanten „Pfenning“-Standort.

„Pfenning logistics“ wird Mieter des GelĂ€ndes werden. Karl-Martin Pfenning wiederum ist Chef der KMP-Holding GmbH, der Muttergesellschaft der „pfenning logistics“.

Die Unternehmensgruppe „Pfenning“ hat dies dem heddesheimblog auf Nachfrage bestĂ€tigt.

Dies bedeutet nicht, dass die Phoenix 2010 GbR damit zur „Pfenning-Investorengesellschaft“ wird. Es bedeutet allerdings, dass die seit Monaten mit dem Thema befasste MM-Redakteurin Anja Görlitz nicht zu erstem Mal beweist, dass sie in vielerlei Hinsicht bis heute anscheinend ahnungslos ist.

Vielleicht ist sie das auch nicht und hat den Auftrag (von sich selbst oder jemandem anderen) die Phoenix 2010 GbR zumindest in der Wahrnehmung der Öffentlichkeit zu einem Teil der „Pfenning“-Gruppe zu machen, was sie aber nicht ist.

Frau Görlitz sollte den Titel „Ratsschreiberin“ fĂŒhren.

Auch der „Hintergrund“ ist falsch dargestellt. Tatsache ist, dass ein EigentĂŒmer auf dem vorgesehenen GelĂ€nde sein GrundstĂŒck bislang nicht verkauft hat. Das allein rechtfertigt aber nicht die geplante „Umlegung“. Der Investor mĂŒsste um dieses GrundstĂŒck herum bauen, was zunĂ€chst auch so angekĂŒndigt wurde.

Der BĂŒrgermeister Michael Kessler will mit diesem Umlegungsausschuss der Phoenix 2010 GbR einen Gefallen tun – zu Lasten des GrundeigentĂŒmers. Und das wie gewohnt völlig intransparent unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Denn der Umlegungsausschuss tagt, Sie haben es erraten, nicht-öffentlich. Zusammengesetzt wird er mit zwei Vertretern der CDU, zwei von den GrĂŒnen und je einem von SPD und FDP (wobei die FDP nur einen hat, weil die GemeinderĂ€tin Ingrid Kemmet befangen ist). Den Vorsitz fĂŒhrt der BĂŒrgermeister. Somit dĂŒrfte von vorne herein klar sein, wie dieser Umlegungsausschuss entscheiden wird: 5:2 fĂŒr eine Umlegung. Ob sich das der EigentĂŒmer gefallen lassen wird, steht auf einem anderen Blatt.

ÃƓber all diese ZusammenhĂ€nge werden Leser des Mannheimer Morgens garantiert nicht informiert. Seit Februar hat das Blatt nicht einen auf einer eigenen These basierenden Artikel mit entsprechender Recherche zum Thema „Pfenning“ veröffentlicht. Das ist bedauerlich – fĂŒr alle Leser, die glauben, informiert zu werden, dabei aber getĂ€uscht werden.

Fehler machen wir alle – auch Journalisten. Langsam aber sicher muss man den Eindruck haben, dass es sich bei der durchweg mangelhaften Berichterstattung des Mannheimer Morgens zum Thema nicht um Fehler, sondern um Vorsatz handelt.

Frau Görlitz wĂŒrde der Öffentlichkeit einen Gefallen tun, wenn sie sich in Zukunft nicht mehr Redakteurin nennt, sondern Ratsschreiberin.

Einen schönen Tag wĂŒnscht
Das heddesheimblog

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist GrĂŒndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten PortrĂ€ts und Reportagen oder macht investigative StĂŒcke.