Mittwoch, 26. September 2018

Mannheimer Morgen erfindet „Pfenning-Investorengesellschaft“

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Guten Tag!

Heddesheim, 16. Dezember 2009. Heute ist im Mannheimer Morgen ein Text erschienen, in dem die Tagesordnungspunkte der morgigen Gemeinderatssitzung zu lesen sind. Aber nicht nur das: Die Redakteurin erfindet auch Firmenbezeichnungen, die es gar nicht gibt.

Kommentar: Hardy Prothmann

Zitat aus dem Mannheimer Morgen:
„Auch die geplante Pfenning-Ansiedlung fordert von den R├Ąten abermals einen Beschluss: den zur Bildung eines Umlegungsausschusses f├╝r die Neuordnung dreier Grundst├╝cke am s├╝dwestlichen Rand des Bebauungsplangebiets „N├Ârdlich der Benzstra├če“. Die Grundst├╝cke sollen derart geordnet werden, „dass nach Lage, Form und Gr├Â├če f├╝r die vorgesehene bauliche Nutzung zweckm├Ą├čig gestaltete Parzellen entstehen“, hei├čt es in der Verwaltungsvorlage. Hintergrund ist, dass nach wie vor einer der Grundst├╝ckseigent├╝mer nicht dem Verkauf an die Pfenning-Investorengesellschaft Phoenix 2010 zugestimmt hat.“

Es gibt keine „Pfenning-Investorengesellschaft Phoenix 2010“.

Ist es Absicht? Ist es Schluderei? Ist es Unverm├Âgen? Was auch immer die MM-Redakteurin Anja G├Ârlitz dazu treibt, sie schreibt Unsinn. Es gibt keine „Pfenning-Investorengesellschaft Phoenix 2010“.

Was es gibt, ist eine Phoenix 2010 GbR (Gesellschaft b├╝rgerlichen Rechts). Das ist eine Personengesellschaft. In diesem Fall Karl-Martin Pfenning und der Immobilienunternehmer Georg Adler. Diese Gesellschaft investiert in den geplanten „Pfenning“-Standort.

„Pfenning logistics“ wird Mieter des Gel├Ąndes werden. Karl-Martin Pfenning wiederum ist Chef der KMP-Holding GmbH, der Muttergesellschaft der „pfenning logistics“.

Die Unternehmensgruppe „Pfenning“ hat dies dem heddesheimblog auf Nachfrage best├Ątigt.

Dies bedeutet nicht, dass die Phoenix 2010 GbR damit zur „Pfenning-Investorengesellschaft“ wird. Es bedeutet allerdings, dass die seit Monaten mit dem Thema befasste MM-Redakteurin Anja G├Ârlitz nicht zu erstem Mal beweist, dass sie in vielerlei Hinsicht bis heute anscheinend ahnungslos ist.

Vielleicht ist sie das auch nicht und hat den Auftrag (von sich selbst oder jemandem anderen) die Phoenix 2010 GbR zumindest in der Wahrnehmung der ├ľffentlichkeit zu einem Teil der „Pfenning“-Gruppe zu machen, was sie aber nicht ist.

Frau G├Ârlitz sollte den Titel „Ratsschreiberin“ f├╝hren.

Auch der „Hintergrund“ ist falsch dargestellt. Tatsache ist, dass ein Eigent├╝mer auf dem vorgesehenen Gel├Ąnde sein Grundst├╝ck bislang nicht verkauft hat. Das allein rechtfertigt aber nicht die geplante „Umlegung“. Der Investor m├╝sste um dieses Grundst├╝ck herum bauen, was zun├Ąchst auch so angek├╝ndigt wurde.

Der B├╝rgermeister Michael Kessler will mit diesem Umlegungsausschuss der Phoenix 2010 GbR einen Gefallen tun – zu Lasten des Grundeigent├╝mers. Und das wie gewohnt v├Âllig intransparent unter Ausschluss der ├ľffentlichkeit. Denn der Umlegungsausschuss tagt, Sie haben es erraten, nicht-├Âffentlich. Zusammengesetzt wird er mit zwei Vertretern der CDU, zwei von den Gr├╝nen und je einem von SPD und FDP (wobei die FDP nur einen hat, weil die Gemeinder├Ątin Ingrid Kemmet befangen ist). Den Vorsitz f├╝hrt der B├╝rgermeister. Somit d├╝rfte von vorne herein klar sein, wie dieser Umlegungsausschuss entscheiden wird: 5:2 f├╝r eine Umlegung. Ob sich das der Eigent├╝mer gefallen lassen wird, steht auf einem anderen Blatt.

├â┼ôber all diese Zusammenh├Ąnge werden Leser des Mannheimer Morgens garantiert nicht informiert. Seit Februar hat das Blatt nicht einen auf einer eigenen These basierenden Artikel mit entsprechender Recherche zum Thema „Pfenning“ ver├Âffentlicht. Das ist bedauerlich – f├╝r alle Leser, die glauben, informiert zu werden, dabei aber get├Ąuscht werden.

Fehler machen wir alle – auch Journalisten. Langsam aber sicher muss man den Eindruck haben, dass es sich bei der durchweg mangelhaften Berichterstattung des Mannheimer Morgens zum Thema nicht um Fehler, sondern um Vorsatz handelt.

Frau G├Ârlitz w├╝rde der ├ľffentlichkeit einen Gefallen tun, wenn sie sich in Zukunft nicht mehr Redakteurin nennt, sondern Ratsschreiberin.

Einen sch├Ânen Tag w├╝nscht
Das heddesheimblog

├ťber Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gr├╝ndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Portr├Ąts und Reportagen oder macht investigative St├╝cke.