Dienstag, 12. Dezember 2017

„Hausbesitzer können deutlich Energie sparen“

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Guten Tag!

Die Klimaschutz- und Energieberatungsagentur Kliba berät Kommunen, Verbraucher, Verbände und Betriebe in Sachen Energie-Einsparung. 1997 gegründet, ist sie schon längst eine feste Größe. Ihr Kerngeschäft ist die Energieberatung für Kommunen.

Doch auch die Bürger profitieren vom Know-how der Kliba: Vor Ort können sich Bürger über Energiesparmaßnahmen beraten lassen. Typischerweise steigen die Anfragen, wenn die Energiepreise steigen… Der Geschäftsführer Klaus Keßler erklärt im Interview mit dem heddesheimblog, was die Kliba macht und wie der Bürger Energie einsparen kann.

Interview: Hardy Prothmann

Herr Keßler, die Kliba berät Bürger in Sachen Energie. Wie kann man sich das vorstellen?
Klaus Keßler: „Die Bürger bekommen durch unsere Energieberater im Rathaus eine Initialberatung für eine energetische Modernisierung oder einen energieeffizienten Neubau. Diese Beratung ist kostenfrei. Dabei werden grundsätzliche Fragen der Energieeinsparung besprochen.“

kessler

Dr. Klaus Keßler und sein Kliba-Team wissen, wo und wie Energie eingespart werden kann. Bild: pro

Würden Sie ein Beispiel nennen?
„Gerne. Ein Hausbesitzer will zum Beispiel die Fassade seines Gebäudes renovieren. Weil das Gerüst schon steht, denkt er an eine Dämmung.
Nach den Vorschriften muss diese Dämmung 6 – 8 Zentimeter dick sein. Wir empfehlen dem Kunden aber 14 Zentimeter und rechnen vor, wie hoch die Einsparung gegenüber den Kosten ist.
Vor allem, wenn man bedenkt, dass nach Abschluss der Arbeiten der individuelle „Energiestandard“ für dieses Gebäude festgeschrieben ist.“



„50-60 Prozent Einsparung sind realitisch möglich.“ Klaus Keßler

Und was kommt dabei raus?
„Die höheren Kosten sind meist nach fünf bis zehn Jahren wieder reingeholt. Danach spart der Hausbesitzer deutlich.“

Wie viel Einsparpotenzial haben Hausbesitzer im Schnitt?
„Grundsätzlich gehen wir davon aus, dass jeder schon mit einfachen Maßnahmen 5-10 Prozent Energie einsparen kann.“

Wie lauten die konkreten Zahlen?
„Im Schnitt verbraucht ein normales Haus 20-25 Liter Heizöl pro Jahr und Quadratmeter Wohnfläche. Wirklich gut isolierte Gebäude verbrauchen nur noch 7-8 Liter und es gibt Passivhäuser, die verbrauchen gerade mal noch 1,5 Liter.“

Beeindruckend. Aber schafft man solche Werte auch mit einem alten Haus?
„Theoretisch können Sie jedes Gebäude, egal welcher Altersbaustufe auf 3-4 Liter „runter“ bringen. Praktisch sollte eine Verbrauchssenkung aus unserer Sicht im Bereich von 50-60 Prozent liegen – wenn Sie die Investition gegen die Einsparung rechnen.“

Und Sie helfen nun den Bürgern bei der Frage, was man dazu alles braucht?
„Zumindest am Anfang bei den grundsätzlichen Fragen. Vor allem, was Fördermöglichkeiten angeht.“

„Energieeffiziente Geräte helfen Strom zu sparen.“

Wieso ist das wichtig?
„Weil sich die Förderbedingungen ständig ändern. Wir haben den Überblick, welche Maßnahmen wie aus welchen Töpfen gefördert werden können und beraten die Bürger dahingehend. Wenn der Bürger sich zu einer Maßnahme entschließt, weisen wir auf Handwerker, Architekten und Energieberater im Einzugsgebiet des Hausbesitzers hin, die dann kostenpflichtig weiter beraten und die Maßnahmen durchführen.“

Als Vermieter kann einem der Verbrauch doch egal sein. Das zahlen die Mieter und man spart sich die Investition?
„So kann man das sehen. Man kann es aber auch so sehen: Wir alle haben unsere Verantwortung und es gibt sicher Mieter, die eine im Vergleich etwas höhere Miete gerne akzeptieren, wenn sie wissen, dass sie beim Verbrauch entlastet werden. Und spätestens beim Verkauf eines Objektes wird es interessant, welche Einstufung das Gebäude hat, das schlägt sich auf den Preis nieder.“

Der zweite Beratungsbereich ist Strom. Was können die Bürger hier einsparen?
„Der Durchschnittsverbrauch liegt bei einem vier Personen Haushalt bei 3500 kWh. Ein sparsamer Haushalt verbraucht nur 2500 kWh. Das sind etwa 30 Prozent weniger.“

Hier hilft keine Dämmung. Was spart?
Es sind zum einen kleine Maßnahmen wie Steckerleisten mit Ausschaltfunktion, die verhindern Standby-Verbräuche.  Natürlich senken auch Energiesparlampen den Stromverbrauch enorm.
Alte Kühlschränke sind ebenfalls Energiefresser und sollten durch neue stromsparende Geräte ersetzt werden. Und im Keller läuft die Heizungspumpe still und heimlich vor sich hin. Hier lohnt sich der Einsatz effizienter Pumpen“

Sie beraten aber nicht nur Bürger, sondern auch Gemeinden und Betriebe. Warum das?
„Die Gemeinden sind die Träger unserer gemeinnützigen GmbH. Das heißt, wir sind keine Gesellschaft, die Gewinne erwirtschaften soll. Der Gewinn für unsere Eigentümer ist der Informationserwerb. Durch unsere Energieberichte und das Energiecontrolling wissen die Gemeinden zum Beispiel, wo Einsparpotenziale liegen. Das wird bei knappen Haushalten immer wichtiger. Das gilt auch für Betriebe.“

Zur Person:
Dr. Klaus Keßler leitet seit 1997 als Geschäftsführer das Team und die Geschäftsstelle der Kliba gGmbH. Der promovierte Chemiker und ausgebildete Energieberater war über fünf Jahre unter anderem in den Umweltämtern von Heidelberg und Mainz im Bereich Klimaschutz und Energiemanagement tätig, ehe er mit Gründung der Kliba zu ihrem Geschäftsführer ernannt wurde.

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.