Montag, 24. September 2018

Gabi´s Kolumne: Das Kreuz mit dem Adventskalender

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sack

Bald ist wieder Säckchen-Zeit. Bild: hblog

Guten Tag!

Heddesheim, 16. November 2009.

Gabi ist verzweifelt. Sie hat etwas heraufbeschworen, das sie nicht mehr los wird. Nein, nein, nicht wie der Goeth’sche Zauberlehrling und seine Geister. Viel banaler. Es geht um Säckchen. Zum Advent und die Frage, warum man die nicht mehr los wird, glaubt zumindest Gabi. Sie wird sie nicht mehr los.

So geht es mir mit den Adventskalendern meiner Kinder. Als mein Ältester zwei Jahre war, wollte ich auf keinen Fall seine neuen Zähnchen mit einem Schokoladenkalender belasten, zudem macht Päckchen auspacken ja auch viel mehr Spaß. Und so begann ich 24 kleine Geschenke für einen – das versteht sich – selbstgebastelten Kalender zu suchen.

Dabei müssen diese ganz besondere Voraussetzungen erfüllen. Zum einen, dürfen sie nicht zu groß sein, sonst passen sie nicht in die Säckchen, der Preis sollte möglichst unter zwei Euro liegen, damit der Wert des Kalenders nicht in astronomische Höhen schnellt, zudem versuche ich Süßigkeiten zu vermeiden und wenn möglich sollten die Kalenderbeigaben nicht so sinnlos sein, dass sie gleich wieder im Müll landen.

Höchstens 10 auf 10 Zentimeter ist das Maß aller Dinge.

Also alles in allem ziemlich viele Ansprüche an Gegenstände, die 10 auf 10 Zentimeter nicht überschreiten sollten.

Das ging alles noch ganz locker in der Kleinkind- und Grundschulzeit, Flummibälle, Abziehbilder, Knete, Radiergummis und Co. erfreuten sich großer Beliebtheit und wurden begeistert ausgepackt.

Spätestens beim zweiten Kind wird der Adventskalender zu einem weiteren Stressfaktor in der Voradventszeit.

Doch einen männlichen Teenager, und hierbei liegt die Betonung eindeutig auf männlich (oder doch auf Teenager?), mit 24 kleinen Geschenke zu erfreuen, grenzt schon an… Ja an was? Genau – eine unmöglich zu lösende Aufgabe.

So hoffte ich im vergangenen Jahr, dass die Coolness, die mein Sohn sonst bei jeder Gelegenheit betont („Ach Mama“ klingt zwar nicht cool, solls aber sein), jetzt auch den Adventskalender mit einbezieht und dieser in die Rubrik „Ich bin doch kein Kind mehr“ fällt.

Ein 15-jähriger freut sich auf Adventspäckchen…

Doch weit gefehlt. So verkündete mir mein Prinz Mitte November, wie sehr er sich schon auf die Päckchen freue, die er dann täglich auspacken könne.

Mit diesem Auftrag zog ich also los, auf der Suche nach 48(2×24!) sinnvollen, kleinen, preisgünstigen Geschenken.

Ich durchkämmte Drogeriemärkte, Schreibwarenläden und 1 Euro-Shops. In Kürze war der Kalender meiner Tochter gefüllt, Haarklämmerchen, Tatoos, Glitzerstifte, Badeperlen …, klein, günstig und zumindest nicht vollkommen sinnlos, wanderten in die Einkaufstüte.

Doch, oh Wunder, nach und nach wurde ich auch für meinen Großen fündig: Rubbellose, cooles Miniduschgel, Lesezeichen…

In diesem Jahr habe ich schon sehr früh angefangen, kleine Geschenke zu suchen und bin auch schon richtig weit. Der 1. Dezember kann kommen!

…und dann doch nicht!
Ich bleibe cool!

Letzte Woche erklärte mir mein Sohn, „Mama, ich glaube aus dem Alter, dass ich einen Päckchenkalender brauche, bin ich heraus, einer aus Schokolade tut’s alle mal ….“

Ich bin cool geblieben – auch wenns schwer fiel.

Denn eins ist sicher: Ich hatte mir vorgenommen auf seine kleinen Zähnchen aufzupassen – und ich passe auch auf die großen auf.

Ich bin schließlich konsequent in meiner Erziehung.

Zumindest nehme ich mir das nicht nur beim Kalenderpäckchenpacken vor.

gabi

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.