Sonntag, 20. August 2017

Petry bewegt Dich: Das Kreuz mit dem Kreuz

Print Friendly, PDF & Email

Guten Tag!

Heddesheim, 16. September 2010. Sie habens im R├╝cken? Aha. Sie denken, der ist ├╝berlastet? Meistens stimmt das nicht, sagt unser Kolumnist Matthias Petry. Der Sportp├Ądagoge wei├č, dass unsere R├╝cken oft zu wenig belastet sind und dann dieser Schmerz kommt, wenn man ihn mal doch anstrengt – denn Unterforderung ist Gift f├╝r unseren K├Ârper.

Von Matthias Petry

Unser R├╝cken muss t├Ąglich einiges aushalten – harte St├╝hle, weiche Matratzen, schwere Lasten. Schwere Lasten? Wohl eher selten. Die Zahl der Menschen, die k├Ârperlich schwer arbeitet, nimmt stetig ab und im Haushalt l├Ąuft alles maschinell.

Nein, was unser R├╝cken tats├Ąchlich t├Ąglich aushalten muss, sind nicht Anstrengung und Belastung, sondern genau das Gegenteil: Unterforderung und Entlastung. Unser Kreuz ist sozusagen von allen Pflichten befreit – es hat das ganze Jahr Urlaub.

Das klingt erstmal nicht schlecht. Entlastung ist immer gut. Gestresst und angespannt sind wir doch schon genug. Da ist es doch sch├Ân, wenn wenigstens ein Teil von uns – unser R├╝cken – entspannt bleiben kann. Ist es nicht!

Unterforderung ist Gift

Unterforderung ist Gift f├╝r unseren K├Ârper – Gift f├╝r unseren R├╝cken. Seine Strukturen – Muskeln, Knochen, Sehnen – leben davon, dass sie bewegt und gefordert werden. Haben sie nichts zu tun, verk├╝mmern sie. Sie werden ja sowieso nicht gebraucht.

Irgendwann kommt er: der Schmerz. Anfangs noch weggel├Ąchelt, wird er zunehmend penetranter. Zun├Ąchst noch weggelockert, sitzt er sp├Ąter immer fester. Zu Beginn als kleine Einschr├Ąnkung wahrgenommen, macht er manchem das Leben zur H├Âlle.

Dann wehren wir uns: Schmerzmittel, Spritzen, Krankengymnastik, Massagen. Hilft alles – aber nicht f├╝r lange. Beseitigt kurzzeitig das Symptom – nicht aber die Ursache. Ist bequem und einfach – nicht aber effektiv.

Was tun, wenn der R├╝cken schmerzt?

R├╝ckenschmerzen entstehen also meist durch Bewegungsmangel und einseitige K├Ârperhaltungen, wie Sitzen mit rundem R├╝cken am Arbeitsplatz, Stehen mit durchgedr├╝ckten Knien und vorgeschobenen Schultern.

Muskeln verk├╝mmern, verspannen, verh├Ąrten. Knochen werden weicher, d├╝nner, instabiler. Bandscheiben trocknen aus, verschlei├čen, verschieben sich. Schmerzen kommen, gehen, nehmen zu – und bleiben dann st├Ąndiger Begleiter.

Was also tun? Als regelm├Ą├čiger Leser wissen Sie es wahrscheinlich bereits schon: Bewegen! Bewegen, bewegen, bewegen. Der R├╝cken ern├Ąhrt sich von der Bewegung. Er lebt dann auf, wenn er was zu tun hat. Geben Sie ihm Nahrung, dann bleibt er gesund.

Bewegung hilft.

Das Programm f├╝r einen bewegten Alltag ist ein guter Einstieg. Aber f├╝r den „Patient R├╝cken“ braucht es mehr Einsatz. Und zwar Wirbels├Ąulengymnastik, Krafttraining, Stretching- und Mobilisations├╝bungen.

Radfahren und spazieren gehen sind f├╝r unser Kreuz zu wenig. Kraft muss her: Muskeln m├╝ssen aufgebaut werden, Knochen gest├Ąrkt und Bandscheiben ern├Ąhrt. Der R├╝cken muss belastet und gefordert werden – dann macht er auch keine Zicken.

Das Gute daran: R├╝ckentraining hilft immer, egal, wann man einsteigt. Pr├Ąventiv w├Ąre nat├╝rlich am besten – aber wer ├╝bt schon bevor der Schmerz eingesetzt hat. Meistens muss erst ein Warnsignal kommen, bevor man was tut.

Dann aber loslegen: Mit Fitnesstraining an Ger├Ąten, Yoga, Wirbels├Ąulengymnastik, Qi Gong oder Tai Chi und vielem anderen mehr. Es ist f├╝r jeden Geschmack was dabei. Ob in der Gruppe im vhs-Kurs oder allein beim Ger├Ątetraining im Fitness-Studio.

Regelm├Ą├čiges Training.

Angeleitet durch einen guten Kursleiter oder Trainer ist nat├╝rlich empfehlenswert – vor allem zu Beginn. Dann muss es regelm├Ą├čig stattfinden. Nicht jeden Tag, aber zwei- bis dreimal pro Woche. Es sollte abwechslungsreich sein und auf Steigerung abzielend.

R├╝ckentraining hat nat├╝rlich keinen hohen Fun-Faktor, d. h. der Spa├č ist begrenzt. Die Fortschritte sieht und sp├╝rt man aber schnell – wenn die Muskelspannung steigt und die Schmerzen weniger werden. Das gibt Schwung und Motivation.

Aber: Angeleitetes R├╝ckentraining kostet auch was – eine Kursgeb├╝hr oder einen Mitgliedsbeitrag. Doch das Geld ist gut angelegt – die Rendite hoch: n├Ąmlich Aussicht auf ein gesundes und belastbares Kreuz.

In der n├Ąchsten Ausgabe im Oktober stellt Ihnen Matthias Petry ein ausgewogenes R├╝ckentraining f├╝r zu Hause vor – mit einfachen, effektiven ├â┼ôbungen, die auch was bringen. Und mit vielen Tipps und Hinweisen f├╝r ein gesundes Kreuz.

Mit sportlichen Gr├╝├čen
Matthias Petry

Zur Person:
Matthias Petry ist Sportwissenschaftler und als Dozent im Gesundheitsbereich t├Ątig. Matthias Petry gibt Antworten auf Fragen rund um Sport, Fitness und Gesundheit und m├Âchte dazu motivieren, dass Menschen wieder mehr Bewegung in ihren Alltag einbauen und dadurch schrittweise ges├╝nder werden.

├ťber Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gr├╝ndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Portr├Ąts und Reportagen oder macht investigative St├╝cke.

  • Thomas Ott

    Im Absatz Bewegung hilft sollte in der ersten Zeile der Link eingef├╝gt werden: „(siehe Juliausgabe, Link setzen)“

    • dasheddesheimblog

      Guten Tag!

      Danke f├╝r den Hinweis – ist erledigt.

      Einen sch├Ânen Tag w├╝nscht
      Das heddesheimblog