Mittwoch, 23. August 2017

Bürgermeister Kessler hat einen Experten für „Bürgernähe“ – doch der wird nicht gefragt

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Guten Tag!

Heddesheim, 16. März 2010. Bürgermeister Michael Kessler engagiert lieber ein Kommunikationsunternehmen, als sich selbst den kritischen Fragen der Öffentlichkeit zu stellen. Zudem behindert er immer wieder die Arbeit der kritischen Presse.
Beim bislang größten Bauvorhaben in der Geschichte Heddesheims tut Herr Kessler in Sachen „Bürgerbeteiligung“ nur das, was er absolut muss. Dabei hat er mit dem Hauptamtsleiter Julien Christof einen Experten für „E-Government“ und Bürgerbeteiligung im Rathaus sitzen.

Von Hardy Prothmann

Hauptamtsleiter Julien Christof ist Diplom-Verwaltungswirt (FH) und hat im Studienjahr 2007/2008 an der Fachhochschule Kehl eine Diplomarbeit vorgelegt, die viel beachtet und gelobt wurde: „Weblogs als Möglichkeit zur Bürgerbeteiligung in Kommunen“, heißt der Titel der Schrift.

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Bürgerbeteiligung war einer der Schwerpunkte der Diplomarbeit des Hauptamtleiters Julien Christof. Im Alltag ist davon noch nichts angekommen. Klicken Sie für eine größere Darstellung. Quelle: Diplomarbeit Julien Christof 07/08, FH Kehl

E-Government als positives Instrument.

Auf 125 Seiten führt Herr Christof in die Thematik „E-Government“ ein: „Unter Electronic Government verstehen wir die Abwicklung geschäftlicher Prozesse im Zusammenhang mit Regieren und Verwalten (Government) mit Hilfe von Informations- und Kommunikationstechniken über elektronische Medien.“

Der Arbeit ist anzumerken, dass Herr Christof überzeugt davon ist, dass Weblogs ein sehr positives Instrument sein können, um mehr Bürgernähe herzustellen und die Verwaltungen zu entlasten.

USA: blogs längst etabliert.

Herr Christof zitiert Franz-Reinhard Habbel, Sprecher des Deutschen Städte- und Gemeindebunds, als „einen der Vorreiter der kommunalen Modernisierung“: „In den USA sind Blogs im Konzert aller Medien längst als ernst zu nehmende Stimmen in der politischen Kommunikation etabliert.“

Herr Christof schreibt weiter: „(…) bedeutet dies, dass Kommunen die empirisch belegte Selbstverständlichkeit, mit der junge Menschen und auch immer mehr Erwachsene mit dem Internet umgehen, erkennen und auf dem Weg der vielfältigen Modernisierungsbemühungen der öffentlichen Verwaltung in ihre Ãœberlegungen miteinbeziehen müssen. Die Vorteile wären dabei mehr Möglichkeiten zum Dialog zwischen Verwaltung und Bürgern und damit eine bessere Akzeptanz von Entscheidungen.“

Die Verbesserung der „Akzeptanz von Entscheidungen“, die Worte Transparenz, Bürgerbeteiligung, Legitimität und Konsenz kommen häufig vor in der Arbeit des Herrn Christof.

Vorteile des Internets.

Und Herr Christof beschreibt kenntnisreich die Vorteile des Internets: „Vorteile der elektronischen Kommunikation sind neben Form und Richtung ihre Speicherfunktion, ihre geringen Zugangskosten und ihre große Reichweite. Durch die Digitalisierung ist eine sehr große Flexibilität bei der Umwandlung und Weiterverwendung von Daten gegeben.“

Zum Ende seiner Arbeit schreibt Herr Christof: „Dieser Trend hin zur Verlagerung der Kommunikation auf die Basis des Internets wird sich fortsetzen, ein Teil der Kommunen hat ihn bereits erkannt. Man darf gespannt sein, wie viele Kommunen in den nächsten Jahren neue Schritte auf dem Weg der E-Partizipation wagen und im Web 2.0 ankommen werden.“

Möglichkeit zum Dialog? Nicht für Bürgermeister Kessler.

Ob Herr Christof zu diesem Zeitpunkt, als er den letzten Satz seiner Diplomarbeit schrieb, bereits wusste, dass er bei der Gemeinde Heddesheim anfangen würde, ist der Redaktion nicht bekannt.

Klar ist nur, dass das Wissen des Hauptamtsleiters Julien Christof in Sachen Internet brach liegt und Bürgermeister Michael Kessler nicht gewillt zu sein scheint, diesen Schatz heben zu wollen. Dabei wird kolportiert, dass Herr Christof neben seinen sehr guten Examensnoten auch wegen dieses Fachwissens als geeigneter neuer Hauptamtsleiter ausgewählt worden sei.

Vielleicht hat der Bürgermeister Michael Kessler aber irgendwann die Arbeit gelesen und ist zu der Erkenntnis gekommen, dass „die Möglichkeit zum Dialog“ eigentlich nicht sein Ding ist.

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.

  • jawiejetzt?

    Guten Tag,

    na so negativ kann man das aber nun auch nicht sehen. In der Theorie geht es doch:

    „Festzustellen ist: Die Gemeinde steht aktuell am Beginn eines öffentlichen und transparenten Planungsprozesses. Ein wichtiger Teil eines Bebauungsplanverfahrens ist und bleibt die Beteiligung der Öffenlichkeit.

    Stellungnahme der Gemeinde zur Ansiedlung der Firma Pfenning im Heddesheimer Gewerbegebiet vom Juni (?) 2009“

    Gut, man hat nicht unbedingt den Eindruck, daß das auch Praxis ist.

    Eher hat man das Gefühl, daß da nix transparent ist, nix offen oder gar öffentich und daß die Öffentlichkeit über das gesetzlich vorgeschriebene Maß hinaus beteiligt würde, kann man vielleicht auch nicht gerade sagen.

    Aber sonst geht das doch alles seinen eingeschlafenen Gang. Die Formalien sind erfüllt, das muß genügen. Was will dieses Volk eigentlich? Es hat doch gewählte Vertreter die einen sauberen Job machen.
    68 Seiten Einwendugen der Träger öffenlicher Belange in einer halben Stunde abgehandelt. Das ist doch unglaublich transparent, den Gemeinderäten war alles glasklar, der herrschte der völlige Durchblick, die Akten durchgearbeitet, durchgelesen, durchgesehen. Vor der Sitzung doch wenigstens gesehen? Na also, gesehen da haben wir es doch. Gewissenhaft und zum Wohl der Gemeinde gesehen, begriffen und wohlwollend geschwiegen. Alles verstanden, alles klar. Nur die dämlichen Grünen wieder – die haben es wieder nicht geblickt. Ziehen das Verfahren und die Sitzungen in die Länge mit dieser unnötigen Fragerei.

    Die wollen doch tatsächlich verstehen, worum es da geht, die wollen, daß die Zuschauer mitkriegen, worum es im Gemeinderat geht. Billige Effekthascherei, unnötig, unverschämt und undemokratisch. Die wollen die Regeln einfach nicht verstehen.
    Und die halten sich einfach nicht daran. Diese Regeln sind uralt, etabliert und bewährt.
    Transparenz, Bürgerbeteiligung oder Dialog? Neumodischer Kram. So was brauchen wir hier nicht.

    Laßt uns bitte so weitermachen, wie wir das von Alters her gewohnt sind. Das hat sich bewährt und so ging bisher alles immer glatt und wie geschmiert. Die Alten wissen das.

    Na dann gute Nacht.

  • onkel heini

    Gestern traf ich den „Lieben Gott“, ich war überrascht, da er aber Dinge aus meiner Vergangenheit wußte, hatte ich keinen Zweifel.Er war es. Ich nutzte die Chance, und fragte gleich, wie gefällt Dir Heddesheim? Er antwortete gut, das Klima ist angenehm, Sport kann man viel treiben, und 2 Kirchen gibt es. Und Lieber Gott, wie gefällt Dir unser Gemeindrat?.Wie entgegnete Er, Ihr habt einen Gemeinderat? Ich dachte Euer Bürgermeister hat nur was zu sagen, im Vertrauen sagte Gott, so ein bißschen erinnert er mich an Ludwig den XIV, halt ohne Schloß und ohne Regierung. Ach ja, stimmt, Ihr habt einen Gemeinderat, so einen sprachlosen, außer so einen , aber fügte Gott hinzu, den mag ich- Aufsässigen dabei. Und lieber Gott kannst Du den nicht helfen, das mehr Meinung im Gemeinderat ist?. Da lächelte Gott, und meinte“Hab ich doch schon“, und mit einem „NEIN ZU PFENNIG“ entschwand er mir. Mit einem Grinsen trollte ich mich heim, was für ein schöner Abend.
    Bis zum nächsten Mal
    Euer Onkel Heini