Donnerstag, 24. August 2017

+++Verschlusssache X+++

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Satire

An die Gemeinde der Aufrechten
Parteizentralplatz
Pfenningheim

Nur f├╝r den internen Gebrauch
+++Verschlusssache+++ Nicht f├╝r die ├ľffentlichkeit / Status: +++GEHEIM+++├óÔéČ┬ĘAz: 08/15-X, +++Verschlusssache+++

Betreff: Propaganda

Parteifreunde,

die Lage ist ernst. Die Gegnerseite zu untersch├Ątzen, w├Ąre ein Fehler, auch wenn ich Sie sie pers├Ânlich f├╝r absolute Dummk├Âpfe halte. Das muss man verstehen, denn schlie├člich bin ich der einzige Doktor weit und breit rede f├╝r alle anderen.

Nachdem das gekl├Ąrt w├Ąre, weise ich Sie daraufhin, dass Sie im Anhang meine „letzte“ (siehe Wortverwendung im Anhang) Abhandlung finden. Damit habe ich im Zentralorgan dem Schmierfink mal wieder gezeigt, wo der Hammer h├Ąngt. Quasi als Leidbild f├╝r uns und alle, die mit uns sein wollen. Die anderen sind eh verloren.

Zum wissenschaftlichen Standpunkt: „Dennoch ist die gezielt einseitige Darstellung von Informationen eine g├Ąngige Praxis, auch in Demokratien.“ Diese Information habe ich „aus dem Internet“ (siehe Anhang).

Also bediene ich mich dieser wissenschaftlichen Technik. Sie wissen, ich bin Wissenschaftler vom Scheitel bis zur Schuhsohle (normalerweise hei├čt das ja Sohle… haben Sie meinen Drang zum Exakten bemerkt?).

Und was befindet sich auf dem langen Weg vom Scheitel unter der Sohle? Genau: Dreck!

Nat├╝rlich sind die Heddesheimer viel zu dumm, um meine wissenschaftlichen Gedankengebilde zu verstehen. Zugegeben: Das f├Ąllt mit zunehmender Genialit├Ąt auch mir selbst immer schwerer.

Darauf kommt es auch nicht an. Sie m├╝ssen nur wissen, wer richtig entscheidet und das bin ich, also wir. Die demokratischen Christen.

Wir wissen, wer Gott wirklich ist. Wir Katholiken. (Naja, R.: Ihr seid halt vom richtigen Weg abgekommen, aber die Richtung stimmt noch.)

Bei dem Kerl, der hier ├╝ber uns K├╝bel voller Dreck und Unrat aussch├╝ttet, stimmt gar nichts mehr. Dieses dahergelaufene Gro├čmaul mag ein talentierter Wortverdreher und Hetzer sein. Und er mag gewisse Idioten mit seiner Propaganda ├╝berzeugen k├Ânnen – aber nicht uns. Wir k├Ânnen das besser.

Sein j├Ąmmerlicher Versuch, meine Ausf├╝hrungen anzugreifen, konnte nicht anders als kl├Ąglich scheitern beantwortet werden.

Wir stehen fest im Glauben an das Gute, Wahre, Sch├Âne zusammen. Und das ist unser Heddesheim.

Und Ihr wisst schon, wer den Pfenning nicht ehrt, ist nichts mehr wert. Wir werden weiter und weiter daf├╝r k├Ąmpfen. Bis zum bitteren Ende.

Das hat ├╝berhaupt nichts damit zu tun, dass zwei aus unseren „erweiterten“ Reihen befangen sind, weils da im Beutel klingelt.

Und es hat ├╝berhaupt nichts damit zu tun, dass andere aus unseren Reihen auch profitieren k├Ânnten. Denn „soviel Kenntnis und auch etwas Logik sollte Allgemeingut sein“ (um mich mal selbst aus meiner angeh├Ąngten Schrift zu zitieren): Es ist ein Geben und Nehmen. Wie bei Gott, der hats auch gegeben und genommen. So geht das auch bei uns. Na? Logik verstanden? Gut.

Wenn wir ├╝berhaupt ├╝berleben wollen, mit all unseren sch├Ânen, wundervollen, herausragenden, beispielhaften, guten, herrlichen, besonderen, liebevollen, voll umf├Ąnglichen Einrichtungen, m├╝ssen wir etwas tun. Bevor es zu sp├Ąt ist.

Die allerbeste unser Einrichtungen ist: Ich f├╝hre das Wort. Nach mir kommt der B├╝rgermeister K. Und nat├╝rlich seine Stellvertreterin, die den P├Âbel mit dem Kindergartenargument immer wieder in die Schranken weist.

Sie ist ein so aufr├Ąchte Frau. Zugegeben: Nicht besonders geistreich. Aber eine K├Ąmpferin f├╝r die gute Sache. Also unsere.

Der Rest redet nur, wenn er dazu aufgefordert wird. Der Frischling (auf den ich gro├če Hoffnungen setze, weil er sich f├╝gt wie ein ordentlicher Messdiener und gleichzeitig ein wenig f├╝r Revolution steht, ihr wisst schon, nach ’45 und so), h├Ąlt die Klappe. Noch ist alles gut.

Aber wenn das mit dem „Kritischen“ so weitergeht, rutschen wir sonst ins soziale Abseits. Vor allem, wenn es diesen Asozialen gelingt, weiter die K├Âpfe von Schafen mit ihrem Dreck zu verstopfen.

Ich habe deshalb einen Plan entwickelt, wie wir der Lage wieder Herr werden. Ab sofort wird Woche f├╝r Woche eines meiner, ich gebe das nur ungern zu, genialen Pamphlete im Mitteilungsblatt zum Flagschiff unserer Schlacht gegen das Verderben in Form von Schreiberlingen abgefeuert.

Diese Thesenpapiere werden das Geschreibsel dieses postkommunistischen subversiven Elements pulverisieren.

Ihr wisst schon: Am Anfang war das Wort. Und das war bei mir. Und Woche f├╝r Woche wird es die Gemeinde ├╝ber unser Zentralorgan erreichen und den Glauben an uns mich = uns festigen. (Die Formel ist wissenschaftlich belegt!!!)

Weiter rufe ich zur ungehemmten Mund-zu-Mund-Propaganda auf. Keine Geschichte ist zu grauslich, um sie nicht zu erz├Ąhlen. Sodomie, Erpressung, Menschenraub, Drogenhandel, Rotlichtmilieu, Zinsgesch├Ąfte, Gewalt. Redet ├╝ber alles, was Euch einf├Ąllt und nennt vor allem seinen Namen. Ihr wisst schon.

Und wenn Euch dazu nichts einf├Ąllt, dann lest mal wieder in der Bibel. Da steht alles drin, was Ihr wissen m├╝sst.

Und denkt an das, was uns alle und unseren hochverehrten B├╝rgermeister K. verbindet: Die Angst, kritisiert zu werden.

Sch├╝rt sie f├╝r andere. Niemand steht gerne in der Kritik, wir schon gar nicht. Und irgendwann wird auch dieser Schandfleck nur noch ein solcher sein. Ich erinnere an mein Schreiben vom 24. Mai 2009.

2000 Jahre Kirchengeschichte sind Beweis genug, um zu wissen, dass man damit Macht erh├Ąlt.

Und darum geht es uns ja! Klingt logisch? Das ist logisch. „Andere Erkl├Ąrungen sind Phantasie“, um mich nochmals zu zitieren.

Und Nein! Ihr braucht mir nicht dankbar zu sein. Ich wei├č, Ihr seid es. Also:

Vorw├Ąrts!

Dr. D.

P. S. Gegen den Verr├Ąter in unseren Reihen, der gesagt hat, ich sei nicht mehr „bei Sinnen“ ist schon ein Parteiausschlussverfahren gegen Unbekannt angelaufen. Ziehen Sie sich warm an, Kommunist. In diesem unserem sch├Ânen Heddesheim kriegen Sie kein Bein mehr auf den Boden. Verr├Ąter. Dreckspatz. L├╝mmel. Sie sind fertig!

Verteiler: B├╝rgermeister K., Vorstand, Parteisoldaten, Bauern, echte Christen, Nobelpreiskomitee

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Dokumentation: Hier steht, was man wissen muss. Quelle: Mitteilungsblatt

Anlage: Meine Dhesen

├ťber Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gr├╝ndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Portr├Ąts und Reportagen oder macht investigative St├╝cke.

  • Snake Plissken

    Einfach genial…….w├Ąre doch mal ein Sache dies bei einer ├Âffentlichen Gemeinderatssitzung zu verlesen…..besonders die Stelle “ wer den Pfenning nicht ehrt ist des Kesslers nicht wert“….oder hab ich mich da verlesen ??? Sei es drum….auch ich bin nicht perfekt….oder sollte mich etwa schon die Altersdemenz erreicht haben, die gerne auch gewisse promovierte Politiker der abendl├Ąndlichen und christliche V├Âlkergemeinschaft bef├Ąllt…..vielleicht hab ich mich auch einfach nur der Satire schuldig gemacht……nun denn…ist ja Fasching.

    Auf ein kr├Ąftiges Hellau, Ahoi und Alaaf

  • kompakter

    hallo,

    b├Âse, b├Âse.
    kritik: die satire ist zu gut geschrieben. wie man im vergleich mit der dokumentation von dr. d. nachlesen kann, ist dr.d nicht in der lage auch nur ├Ąhnlich gut zu schreiben.
    bin immer wieder erstaunt, wie kreativ das hier abgeht! in heddesheim! prothmann vs. schwachsinn. ist wie physik, wo sich ja auch die negativen und positiven teilchen anziehen.

    gruss

  • Argus

    K├Âstlich am├╝siert habe ich mich!
    Nur habe ich die Bef├╝rchtung,dass H.D. das ernst nimmt!
    Ich meine das mit den genialen Pamphleten (Spottschriften) !!!

    • Jochen Schust

      „Nur habe ich die Bef├╝rchtung,dass H.D. das ernst nimmt!“

      Ich f├╝rchte, er wirds nicht mal verstehen.

      • A. Felis

        Ich gebe ehrlich zu, ich habe mich schwer getan, diesen Text zu verstehen und richtig einzuordnen. Ich weiss, das es eine Satire ist, aber wer die Hintergr├╝nde nicht vollst├Ąndig kennt, wird sehr verwirrt ├╝ber diesen Artikel sein.

  • K├Âstliche Satire, Danke daf├╝r ­čÖé Ich verfolge den Blog seit kurzem und hatte daher genug Hintergrundwissen, um als Spitzen zu verstehen.
    Es freut mich, dass es in der Nachbarschaft ein so tolles Projekt entstanden ist, das such noch auf Expansionskurs ist. Bitte weiter so ­čÖé

    K├╝rpfalzische Gr├╝├če