Freitag, 22. Juni 2018

+++Verschlusssache X+++

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Satire

An die Gemeinde der Aufrechten
Parteizentralplatz
Pfenningheim

Nur fĂŒr den internen Gebrauch
+++Verschlusssache+++ Nicht fĂŒr die Öffentlichkeit / Status: +++GEHEIM+++ñ€¹Az: 08/15-X, +++Verschlusssache+++

Betreff: Propaganda

Parteifreunde,

die Lage ist ernst. Die Gegnerseite zu unterschĂ€tzen, wĂ€re ein Fehler, auch wenn ich Sie sie persönlich fĂŒr absolute Dummköpfe halte. Das muss man verstehen, denn schließlich bin ich der einzige Doktor weit und breit rede fĂŒr alle anderen.

Nachdem das geklĂ€rt wĂ€re, weise ich Sie daraufhin, dass Sie im Anhang meine „letzte“ (siehe Wortverwendung im Anhang) Abhandlung finden. Damit habe ich im Zentralorgan dem Schmierfink mal wieder gezeigt, wo der Hammer hĂ€ngt. Quasi als Leidbild fĂŒr uns und alle, die mit uns sein wollen. Die anderen sind eh verloren.

Zum wissenschaftlichen Standpunkt: „Dennoch ist die gezielt einseitige Darstellung von Informationen eine gĂ€ngige Praxis, auch in Demokratien.“ Diese Information habe ich „aus dem Internet“ (siehe Anhang).

Also bediene ich mich dieser wissenschaftlichen Technik. Sie wissen, ich bin Wissenschaftler vom Scheitel bis zur Schuhsohle (normalerweise heißt das ja Sohle… haben Sie meinen Drang zum Exakten bemerkt?).

Und was befindet sich auf dem langen Weg vom Scheitel unter der Sohle? Genau: Dreck!

NatĂŒrlich sind die Heddesheimer viel zu dumm, um meine wissenschaftlichen Gedankengebilde zu verstehen. Zugegeben: Das fĂ€llt mit zunehmender GenialitĂ€t auch mir selbst immer schwerer.

Darauf kommt es auch nicht an. Sie mĂŒssen nur wissen, wer richtig entscheidet und das bin ich, also wir. Die demokratischen Christen.

Wir wissen, wer Gott wirklich ist. Wir Katholiken. (Naja, R.: Ihr seid halt vom richtigen Weg abgekommen, aber die Richtung stimmt noch.)

Bei dem Kerl, der hier ĂŒber uns KĂŒbel voller Dreck und Unrat ausschĂŒttet, stimmt gar nichts mehr. Dieses dahergelaufene Großmaul mag ein talentierter Wortverdreher und Hetzer sein. Und er mag gewisse Idioten mit seiner Propaganda ĂŒberzeugen können – aber nicht uns. Wir können das besser.

Sein jĂ€mmerlicher Versuch, meine AusfĂŒhrungen anzugreifen, konnte nicht anders als klĂ€glich scheitern beantwortet werden.

Wir stehen fest im Glauben an das Gute, Wahre, Schöne zusammen. Und das ist unser Heddesheim.

Und Ihr wisst schon, wer den Pfenning nicht ehrt, ist nichts mehr wert. Wir werden weiter und weiter dafĂŒr kĂ€mpfen. Bis zum bitteren Ende.

Das hat ĂŒberhaupt nichts damit zu tun, dass zwei aus unseren „erweiterten“ Reihen befangen sind, weils da im Beutel klingelt.

Und es hat ĂŒberhaupt nichts damit zu tun, dass andere aus unseren Reihen auch profitieren könnten. Denn „soviel Kenntnis und auch etwas Logik sollte Allgemeingut sein“ (um mich mal selbst aus meiner angehĂ€ngten Schrift zu zitieren): Es ist ein Geben und Nehmen. Wie bei Gott, der hats auch gegeben und genommen. So geht das auch bei uns. Na? Logik verstanden? Gut.

Wenn wir ĂŒberhaupt ĂŒberleben wollen, mit all unseren schönen, wundervollen, herausragenden, beispielhaften, guten, herrlichen, besonderen, liebevollen, voll umfĂ€nglichen Einrichtungen, mĂŒssen wir etwas tun. Bevor es zu spĂ€t ist.

Die allerbeste unser Einrichtungen ist: Ich fĂŒhre das Wort. Nach mir kommt der BĂŒrgermeister K. Und natĂŒrlich seine Stellvertreterin, die den Pöbel mit dem Kindergartenargument immer wieder in die Schranken weist.

Sie ist ein so aufrĂ€chte Frau. Zugegeben: Nicht besonders geistreich. Aber eine KĂ€mpferin fĂŒr die gute Sache. Also unsere.

Der Rest redet nur, wenn er dazu aufgefordert wird. Der Frischling (auf den ich große Hoffnungen setze, weil er sich fĂŒgt wie ein ordentlicher Messdiener und gleichzeitig ein wenig fĂŒr Revolution steht, ihr wisst schon, nach ’45 und so), hĂ€lt die Klappe. Noch ist alles gut.

Aber wenn das mit dem „Kritischen“ so weitergeht, rutschen wir sonst ins soziale Abseits. Vor allem, wenn es diesen Asozialen gelingt, weiter die Köpfe von Schafen mit ihrem Dreck zu verstopfen.

Ich habe deshalb einen Plan entwickelt, wie wir der Lage wieder Herr werden. Ab sofort wird Woche fĂŒr Woche eines meiner, ich gebe das nur ungern zu, genialen Pamphlete im Mitteilungsblatt zum Flagschiff unserer Schlacht gegen das Verderben in Form von Schreiberlingen abgefeuert.

Diese Thesenpapiere werden das Geschreibsel dieses postkommunistischen subversiven Elements pulverisieren.

Ihr wisst schon: Am Anfang war das Wort. Und das war bei mir. Und Woche fĂŒr Woche wird es die Gemeinde ĂŒber unser Zentralorgan erreichen und den Glauben an uns mich = uns festigen. (Die Formel ist wissenschaftlich belegt!!!)

Weiter rufe ich zur ungehemmten Mund-zu-Mund-Propaganda auf. Keine Geschichte ist zu grauslich, um sie nicht zu erzĂ€hlen. Sodomie, Erpressung, Menschenraub, Drogenhandel, Rotlichtmilieu, ZinsgeschĂ€fte, Gewalt. Redet ĂŒber alles, was Euch einfĂ€llt und nennt vor allem seinen Namen. Ihr wisst schon.

Und wenn Euch dazu nichts einfĂ€llt, dann lest mal wieder in der Bibel. Da steht alles drin, was Ihr wissen mĂŒsst.

Und denkt an das, was uns alle und unseren hochverehrten BĂŒrgermeister K. verbindet: Die Angst, kritisiert zu werden.

SchĂŒrt sie fĂŒr andere. Niemand steht gerne in der Kritik, wir schon gar nicht. Und irgendwann wird auch dieser Schandfleck nur noch ein solcher sein. Ich erinnere an mein Schreiben vom 24. Mai 2009.

2000 Jahre Kirchengeschichte sind Beweis genug, um zu wissen, dass man damit Macht erhÀlt.

Und darum geht es uns ja! Klingt logisch? Das ist logisch. „Andere ErklĂ€rungen sind Phantasie“, um mich nochmals zu zitieren.

Und Nein! Ihr braucht mir nicht dankbar zu sein. Ich weiß, Ihr seid es. Also:

VorwÀrts!

Dr. D.

P. S. Gegen den VerrĂ€ter in unseren Reihen, der gesagt hat, ich sei nicht mehr „bei Sinnen“ ist schon ein Parteiausschlussverfahren gegen Unbekannt angelaufen. Ziehen Sie sich warm an, Kommunist. In diesem unserem schönen Heddesheim kriegen Sie kein Bein mehr auf den Boden. VerrĂ€ter. Dreckspatz. LĂŒmmel. Sie sind fertig!

Verteiler: BĂŒrgermeister K., Vorstand, Parteisoldaten, Bauern, echte Christen, Nobelpreiskomitee

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Dokumentation: Hier steht, was man wissen muss. Quelle: Mitteilungsblatt

Anlage: Meine Dhesen

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist GrĂŒndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten PortrĂ€ts und Reportagen oder macht investigative StĂŒcke.