Dienstag, 15. Oktober 2019

Sendungskritik I – Fragen zur RNF-Sendung

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Guten Tag!

Heddesheim, 15. August 2009. War die Sendung fair oder unfair? Waren die GĂ€ste gut ausgesucht oder nicht? War es eine Pfenning-Werbesendung, ja oder nein? Die Zuschauer der RNF-Sendung „Zur Sache“ haben hier im heddesheimblog schon dazu kommentiert. Wir haben uns die Sendung genau angeschaut und analysiert.

Von Hardy Prothmann

Waren die GĂ€ste gut ausgesucht? Und wer hat sie ausgesucht? Gab es Absprachen?

Die wichtigste Frage in diesem Zusammenhang lautet: War der Moderator gut ausgesucht? Diese Frage ist eindeutig mit Nein zu beantworten, weil dessen unverhohlen positive Einstellung („Top-Unternehmen, Top-Steuerzahler, Traditionsfirma, Investor, Arbeitgeber“) gegenĂŒber der Unternehmensgruppe „Pfenning“ jede kritische Frage an den „Pfenning“-Vertreter von vorne herein ausschloss.

Wer die GĂ€ste ausgesucht hat, ist nicht bekannt. Vermutlich die Redaktion. Ob es Absprachen gab, ist auch nicht bekannt. Vermutlich ja, weil dies besonders dann auffĂ€llig wurde, wenn der Moderator Bert Siegelmann Fragen an den „Pfenning“-GeschĂ€ftsfĂŒhrer Uwe Nitzinger stellte, ebenso wie an den GeschĂ€ftsfĂŒhrer der Metropolregion GmbH, Dr. Felix Gress.

Waren die GĂ€ste gut ausgesucht? Bei zwei GĂ€sten stellte sich die Frage nicht: BĂŒrgermeister Michael Kessler und „Pfenning“-GeschĂ€ftsfĂŒhrer Uwe Nitzinger mussten selbstverstĂ€ndlich eingeladen werden.

Andreas Schuster war eine gute Wahl, er hat das Anliegen der BĂŒrger auf Information verstĂ€ndlich „rĂŒbergebracht“ und immer wieder darauf verwiesen, dass es Sorgen und Ängst gibt und einen Streit im Dorf, fĂŒr den nicht die BĂŒrger, sondern die Gemeinde verantwortlich ist.

Der Gast Gress fand wenn, dann nur als UnterstĂŒtzter der Siegelmann®schen These statt: „Die Provinzler mĂŒssen verrĂŒckt sein, dass sie Pfenning gegenĂŒber kritisch eingestellt sind.“

War die Sendung fair oder unfair?

Fair und unfair sind Kategorien, die auf dem Sportplatz mit Regeln gemessen werden. Die Frage lautet besser: Hat die Sendung die Zuschauer umfassend informiert?

Das ist eindeutig mit Nein zu beantworten. 40 Prozent der Sendezeit, also die Redezeit des Moderators Siegelmann kann man als Laudatio auf die Firma Pfenning zusammenfassen und als RĂŒge an die „Provinzler“ in Heddesheim, die nicht wissen, wann Ihnen jemand gut will.

Weitere 30 Prozent pro Pfenning kann man hinzurechnen, wenn man die Aussagen von Nitzinger, Gress und BĂŒrgermeister Kessler „einer“ Seite, also Pfenning, zurechnet.

Der BĂŒrgermeister hat allerdings einen Teil seiner WortbeitrĂ€ge den BĂŒrgern gewidmet und sich fĂŒr eine BĂŒrgerbefragung positioniert. Musste er auch, denn das haben er und der Gemeinderat vor kurzem beschlossen.

So ergibt die Verteilung Pro und Kontra der geplanten „Pfenning“-Ansiedlung rund 75 Prozent Pro-Sendezeit und 25 Prozent Kontra-Sendezeit.

War das eine Pfenning-Werbesendung?

Vielleicht war das durch den Sender so geplant. Ganz sicher nicht geplant war eine journalistisch einwandfreie Informationssendung, sonst hĂ€tte sich der Moderator besser informiert und mehr zurĂŒckgehalten.

Dadurch, dass Herr Schuster sind souverĂ€n den ihm zustehenden Teil der Redezeit sicherte und die Position der BĂŒrger vertreten konnte, dĂŒrften seine Aussagen bei den BĂŒrgern gut angekommen sein.

Die Lobhudelei des Moderators fĂŒr „Pfenning“ war schon fast peinlich, was sicherlich auch viele Zuschauer bemerkt haben dĂŒrften.

Sollte also eine Werbesendung geplant gewesen sein, dĂŒrfte der Schuss nach hinten losgegangen sein. Auch die arrroganten WortbeitrĂ€ge von Herr Gress haben sicherlich die Zuschauer irritiert.

Der BĂŒrgermeister hat sich zwar zum Projekt bekannt, aber sich deutlich mit lobenden Worten zurĂŒckgehalten, sondern die Position der Gemeinde eingenommen, zwei Mal sogar Herrn Nitzinger korrigiert und insgesamt klar gemacht, dass „Pfenning“ nur unter Auflagen nach Heddesheim kommen könnte.

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist GrĂŒndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten PortrĂ€ts und Reportagen oder macht investigative StĂŒcke.