Samstag, 17. November 2018

„Pfenning wird Heddesheim dominieren“

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Der SPD-Kandidat Michael Bowien hat sich als erster Gemeinderatskandidat gegen├╝ber den Medien gegen das Pfenning-Projekt ausgesprochen. Urspr├╝nglich wollte er seiner Partei einen Gefallen tun und war mit Listenplatz 19 weit von einer Wahl zum Gemeinderat entfernt. Seine Entscheidung macht ihn nun zu einem Favoriten unter den Kandidaten und setzt die SPD unter Druck.

Interview: Hardy Prothmann

Herr Bowien, wie f├╝hlt man sich so als „Abweichler“?
Es ist nervlich beanspruchend. Aber man wird auch wacher. Die eigene Position muss viel klarer sein, als wenn man mit dem Strom mitschwimmt.

M├╝ssen Sie ihre Position verteidigen?
(lacht) Ja, klar.

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Will Pfenning in Heddesheim verhindern: Michael Bowien. Bild: hblog

Wird die Diskussion mit Ihnen fachlich oder emotional gef├╝hrt?
Im ersten Moment ├╝berwogen emotionale Aspekte, aber ich habe den Eindruck, dass sich etwas bewegt.

Erl├Ąutern Sie das bitte.
Ich habe nach dem Treffen der Interessengemeinschaft am Montag noch in der Nacht die Genossen per email unterrichtet, welche Position ich vertrete. Daraufhin haben mir verschiedene Genossen geschrieben, dass sie mir inhaltlich zustimmen oder zumindest Verst├Ąndnis f├╝r meine Haltung haben. Insgesamt war der Umgang menschlich anst├Ąndig und zeugte von gelebter innerparteilicher Demokratie.

Meine Entscheidung hat Zustimmung erfahren

Zustimmung von Gemeinder├Ąten oder Kandidaten?
Von Kandidaten.

Wie war die Reaktion der SPD-Gemeinder├Ąte?
Von da kam am wenigsten Verst├Ąndnis. Das kann ich aber gut verstehen, denn die haben sich ja weit aus dem Fenster gelehnt und sind wirklich in einer schwierigen Situation, wie sie mit der Sache umgehen sollen.

Mal angenommen, Sie werden gew├Ąhlt. Werden Sie ohne Pr├╝fung der Sachverhalte das Pfenning-Projekt weiter ablehnen?
Nat├╝rlich w├╝rde ich erst den Sachverhalt pr├╝fen. Ich k├Ânnte dann auf mehr Informationen zur├╝ckgreifen als jetzt. Ich halte es aber f├╝r sehr unwahrscheinlich, dass sich meine Position ├Ąndern wird.

Welche andere Nutzung des Gel├Ąndes w├╝rden Sie anstreben?
Das kann ich nur allgemein beantworten. Eine kleinteilige Erschlie├čung als Alternative ist sicher nicht einfach, aber machbar.

Warum sind Sie gegen eine Pfenning-Ansiedlung?
Weil das unsere Gemeinde aus dem Gleichgewicht bringen wird. Pfenning mag ein Familienbetrieb sein, seiner Gr├Â├če nach ist er f├╝r Heddesheim wie ein Konzern, der alles andere dominieren wird.

Pfenning wird das Ma├č der Dinge

Welche Auswirkung wird ihrer Ansicht nach diese Dominanz haben?
Bei jedweden Interessenkonflikten wird immer Pfenning das Ma├č der Dinge sein. Pfenning wird das ├â┼ôbergewicht gegen├╝ber den kleinen Gewerbetreibenden haben, Pfenning-Interessen werden vor Wohn-Interessen stehen.
Dass das keine Hirngespinste sind, zeigt sich ja jetzt schon: Pfenning ist noch gar nicht da, und man ist schon bereit, den Wohnwert der Gemeinde zu opfern.
Was geschieht, wenn Pfenning erst einmal hier ist? Nehmen wir an, die Firma w├Ąchst noch und statt 400 LKWs pro Tag werden es 500 – wie werden wir darauf reagieren?
Und diese Gr├Â├če wird f├╝r die Verwaltung bedeuten, dass sie nicht mehr mit der ├╝blichen Autorit├Ąt einer Beh├Ârde auftreten kann, weil ihr Apparat einem solch gro├čen Unternehmen nicht gewachsen ist.

Denken Sie, dass das Heddesheimer Gewerbe, wie angepriesen, von Pfenning profitieren wird?
In der Bauphase eher nicht. Das machen andere. Im laufenden Betrieb fallen sicherlich Kleinreparaturen und Instandhaltungen an, die an das Heddesheimer Gewerbe vergeben werden k├Ânnten. Das l├Ąsst sich aber nur schwer quantifizieren.

W├Ąre Ihnen die Edeka-Ansiedlung lieber gewesen?
Damit habe ich mich nicht weiter auseinandergesetzt, denn das scheint ja vom Tisch zu sein.

Welche Aufgaben w├╝rden Sie im Gemeinderat f├╝r sich sehen?
Jugend, Sport, Familie, Schule, Vereine.

Als ├ľkonom w├Ąren Sie doch pr├Ądestiniert f├╝r wirtschaftliche Aussch├╝sse?
Wirtschaft steckt in all diesen Bereichen drin.

Was w├Ąre f├╝r Sie die vordringlichste Aufgabe?
Der Verkehr, selbst ohne Pfenning. Das ist eine gro├če Herausforderung, die man aber annehmen und f├╝r die man L├Âsungen finden muss.

Ich hatte keine Ambitionen

Wenn Sie die Soziologen-Brille aufsetzen, k├Ânnen Sie schon sehen, ob die Gemeinde als Gemeinschaft schon Schaden genommen hat?
Das Projekt polarisiert. Soviel ist sicher. Wenn Pfenning wirklich kommen sollte, sehe ich das noch verst├Ąrkt, also auch eine Beeintr├Ąchtigung des Zusammenlebens in der Gemeinde.

Warum haben Sie sich als Kandidat aufstellen lassen?
Um meiner Partei einen Gefallen zu tun, damit die Liste voll wird. Zum damaligen Zeitpunkt war von Pfenning keine Rede und f├╝r mich war das mit einem Listenplatz 19 nicht mit Ambitionen verbunden.

Haben Sie jetzt Ambitionen?
Ja, weil ich das Pfenning-Projekt verhindern will und daf├╝r trete ich auch aktiv ein. Insgesamt liegt mir aber mehr an der Verhinderung des Projekts, als an einem Sitz im Gemeinderat. Vielleicht gibt es ja noch eine Ver├Ąnderung bei der Fraktion. Ansonsten stehe ich Gewehr bei Fu├č.

W├╝rden Sie, falls nicht gew├Ąhlt, der IG neinzupfenning beitreten?
Ich w├╝rde mich weiter gegen Pfenning einbringen, in welcher Form, kann ich erst nach der Wahl sagen.

Zur Person:
Michael Bowien (53) ist geborener Mannheimer. In seiner Heimatstadt hat er zun├Ąchst eine Banklehre abgeschlossen und dann Volkswirtschaftslehre sowie Soziologe studiert und mit Dipl.-Volkswirt abgeschlossen. Parallel studierte er Geschichte und Philosophie, aber ohne Magisterabschluss. Heute arbeitet er als Prokurist bei einem Software-Unternehmen.
Er ist verheiratet und hat ein gemeinsames Kind. Seit 2000 lebt die Familie in Heddesheim. Seine Hobbys sind Tennis, Tanzen, Fotografieren, Lesen, Rad fahren.

├ťber Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gr├╝ndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Portr├Ąts und Reportagen oder macht investigative St├╝cke.