Donnerstag, 23. M├Ąrz 2017

Holger Behrendt ist neuer Polizeirevierleiter in Weinheim

„Mathaisemarkt und Kerwe jedes Jahr unterschiedlich“

Polizeioberrat Holger Behrendt ist neuer Leiter des Polizeireviers Weinheim.

Polizeioberrat Holger Behrendt ist neuer Leiter des Polizeireviers Weinheim.

 

Weinheim, 15. Januar 2014. (red) Holger Behrendt ist der neue Leiter des Polizeireviers Weinheim. Sein Zust├Ąndigkeitsbereich erstreckt sich ├╝ber f├╝nf Kommunen von Schriesheim bis nach Laudenbach. Gleich nach dem Abitur hat der heute 43-J├Ąhrige bei der Polizei angefangen. Nach Weinheim wollte er schon immer. Jetzt hat es geklappt. Wie er polizeiliche Herausforderungen sicher gestalten will, lesen Sie in unserem Interview.

Interview Hardy Prothmann, Mitarbeit Lydia Dartsch

Herr Behrendt, Sie haben am 01. Januar das Revier Weinheim ├╝bernommen. Wie war Ihr bisheriger Werdegang?

Holger Behrendt: Ich habe 1990 bei der Polizei angefangen, also gleich nach dem Abitur. Nach der Ausbildung zum mittleren Dienst war ich in Heidelberg. Dort habe ich den ├╝berwiegenden Teil meiner Dienstzeit verbracht, auch die Fortbildung zum gehobenen Dienst. Anschlie├čend war ich, von 1997 bis 2000 Dienstgruppenleiter in Weinheim. Von dort aus habe ich die Zusatzausbildung f├╝r den h├Âheren Dienst gemacht und war in ein paar Revieren stationiert: Weinheim, Sinsheim und Hockenheim.

Wie sind Sie anschlie├čend nach Weinheim gekommen?

Behrendt: Ich wollte schon fr├╝her nach Weinheim. Jetzt war die Stelle frei. Und es hat geklappt. Nach der Zulassung zum h├Âheren Dienst war ich Revierleiter in Heidelberg-S├╝d.

Wenn Sie schon dem Revier Weinheim als Dienstgruppenleiter zugeteilt waren, kennen Sie sich ja schon hier aus, oder?

Behrendt: Als ich im Jahr 1997 als Dienstgruppenleiter nach Weinheim kam, war das Geb├Ąude hier am Hauptbahnhof noch ganz neu. Von damals kenne ich noch die R├Ąumlichkeiten. Und ich habe schon damals mit meinem jetzigen Stellvertreter zusammengearbeitet.

„Direktere Zusammenarbeit mit den B├╝rgermeistern

Welche Unterschiede zwischen Heidelberg-S├╝d und dem Revier Weinheim haben Sie schon feststellen k├Ânnen?

Behrendt: Heute ist ja erst mein sechster Diensttag. Daher kann ich noch nicht so viel sagen. Ich habe aber schon gemerkt, dass die Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung sehr viel enger funktioniert als in Heidelberg, wo die Polizeidirektion haupts├Ąchlich mit dem Oberb├╝rgermeister in Verbindung stand. Hier in Weinheim bin ich der Ansprechpartner f├╝r Oberb├╝rgermeister Bernhard und die B├╝rgermeister in meinem Revier; zwischen Schriesheim und Laudenbach.

Was hat sich durch die Polizeireform f├╝r das Revier Weinheim ge├Ąndert?

Behrendt: Wir haben drei Stellen dazu bekommen und sind jetzt 81 Beamte und 4 Tarifangestellte.

Wie wirkt sich die Reform und die neue Besetzung f├╝r die B├╝rger aus?

Behrendt: F├╝r die B├╝rger wird sich kaum etwas ├Ąndern. Es gibt jetzt andere Zust├Ąndigkeiten, die sich noch einspielen m├╝ssen. Ich kann aber noch nicht sagen, welche Vorteile und Ver├Ąnderungen das haben wird. Das wird man noch sehen.

Im Zuge der Polizeireform ist die Kriminalau├čenstelle (KASt) in Weinheim geschlossen worden. Wie wird sich das auf die Sicherheit der B├╝rgerinnen und B├╝rger auswirken?

Behrendt: Die Kriminalpolizei ist ja f├╝r die schweren Delikte zust├Ąndig. Die passieren meistens nachts: Zu diesen Zeiten war die KASt sowieso nicht besetzt. Daf├╝r gibt es nach wie vor den Kriminaldauerdienst (KDD) in Heidelberg. Der dortige Leiter Horst Fischer hat versprochen, dass es eine Mindestdienstgr├Â├če geben wird, damit sie auch weiterhin schnell vor Ort sein k├Ânnen. Der KDD war auch damals bei dem Spielcasino-Raub zust├Ąndig und im Einsatz.

Welche Neuerungen gibt es noch? Wie l├Ąuft die Kooperation mit dem Polizeirevier Heppenheim in S├╝dhessen?

Behrendt: Wir haben uns vergangene Woche den Kollegen aus Heppenheim vorgestellt und uns f├╝r das Fr├╝hjahr verabredet, uns mal zu treffen. Bisher war die Zusammenarbeit sehr aktiv und hatte sich auch als sinnvoll erwiesen.

„Polizeipr├Ąsenz wirkt auf subjektive Sicherheit“

Im Zuge der Reform ist das Polizeipr├Ąsidium Mannheim dazu angehalten worden, Benzin zu sparen. Gilt das f├╝r Sie auch?

Behrendt: Dieser Sparzwang gilt ja f├╝r alle. Dabei ging es aber darum, fallunabh├Ąngige Streife-Fahrten zu verringern, nicht darum Ermittlungen zu behindern. Damit kann man auch noch gut auskommen. Da macht man sich eben mehr Gedanken, wo man die Streife aufstellt: Am besten dort, wo man am meisten sieht und wo man am meisten von den B├╝rger/innen gesehen wird.

Dabei geht es auch darum, Pr├Ąsenz zu zeigen. Wird das in allen Gemeinden gleichm├Ą├čig der Fall sein? Beispielsweise sieht man in Ladenburg mehr Polizei als in Heddesheim. In Hirschberg gab es gro├če Diskussionen, als der dortige Polizeiposten geschlossen worden ist.

Behrendt: Dass die Pr├Ąsenz in Ladenburg h├Âher ist als in Heddesheim liegt daran, dass in Ladenburg das Polizeirevier ist. Diese Pr├Ąsenz hat schon eine Auswirkung auf das subjektive Sicherheitsgef├╝hl. Das hat aber nicht unbedingt etwas mit der objektiven Sicherheit zu tun. Die sehen wir anhand der Statistik.

Welche M├Âglichkeiten haben Sie dieses subjektive Sicherheitsgef├╝hl zu verst├Ąrken? Ihr Kollege aus Ladenburg, Frank Hartmannsgruber, hat dazu sehr stark ├ľffentlichkeitsarbeit betrieben.

Behrendt: Die subjektive Sicherheit ist sehr vielf├Ąltig: Dreht man an einem Schr├Ąubchen, kann das gro├če Auswirkungen an anderer Stelle haben. Wir machen heute ganz andere Polizeiarbeit als fr├╝her, um die Sicherheit aufrecht erhalten zu k├Ânnen. Das wissen die B├╝rger/innen leider nicht immer. Deshalb leidet das subjektive Sicherheitsgef├╝hl, wenn ein Polizeiposten abgeschafft wird. Da m├╝ssen wir zusehen, diese trotzdem sicherzustellen und gleichzeitig intensiv mit der Presse zusammenarbeiten. Die Frage ist dann eben immer, wie man die Leute erreicht. F├╝r manche organisiert man besser eine Pr├Ąventionsveranstaltung.

„Irgendwas mit Sport“

Lassen Sie uns ├╝ber Ihre Person sprechen. Wohnen Sie auch in Weinheim?

Behrendt: Ich wohne seit 1997 in Heddesheim. Ich bin ja geb├╝rtiger Heidelberger und habe vor Heddesheim eine ganze Weile in Leutershausen gewohnt.

Warum haben Sie sich gerade Heddesheim als Wohnort ausgesucht?

Behrendt: Ganz einfach: Dort gab es eine Wohnung. Die damalige Vorgabe war, dass die Wohnung in der N├Ąhe von Heidelberg liegt. Die Wohnung in Heddesheim hat uns am besten gefallen.

Sie sind 1990 gleich nach dem Abitur bei der Polizei angefangen. Wieso haben Sie sich ausgerechnet f├╝r diesen Berufsweg entschieden?

Behrendt: Ich mache sehr gerne Sport. In der Schule hatte ich Sport als Leistungsfach. Ich habe in Wieblingen Handball gespielt und wollte auch einen Beruf aus├╝ben, in dem man das weiterf├╝hren kann. Da boten sich Feuerwehr, Bundeswehr oder die Polizei an.

Welche Sportart ├╝ben Sie aktuell aus?

Behrendt: Ich fahre Fahrrad durch den Weinheimer Wald. Wir haben von der Polizei aus einen kleinen Triathlon veranstaltet. Da bin ich gelaufen, Rad gefahren und geschwommen.

Trainieren Sie auch viel? Sieht man Sie auch mal um den Heddesheimer See rennen?

Behrendt: Ja, sicher. Man kennt mich dort auch schon. Ich versuche zwei bis drei Ausdauereinheiten in der Woche zu absolvieren. Und einmal in der Woche spiele ich in der TG Heddesheim Volleyball.

Welche anderen Hobbies haben Sie noch?

Behrendt: Das ├╝bliche: Ich lese gerne, mache auch gerne Musik. Aber da kommt es darauf an, ob ich die Zeit und Mu├če dazu finde. Das ist ja schon sehr zeitintensiv. Im Moment steht meine Gitarre in der Ecke.

„Bikerfallen im Wald kommen Mordanschlag gleich“

Wenn Sie im Weinheimer Wald Radfahren, haben Sie sicher von den gespannten Dr├Ąhten geh├Ârt, die k├╝rzlich auf Waldwegen entdeckt worden sind. Das kann man ja fast schon als Mordanschlag bezeichnen. Wie sehen Sie das?

Behrendt: Das kann man schon. Ich finde es immer noch unfassbar, dass es so etwas gibt. Man wird die T├Ąter aber nur schwer fassen k├Ânnen. Wahrscheinlich findet man an den Dr├Ąhten nicht einmal DNA-Spuren.

Welche Vorstellung haben Sie, wer das gemacht haben k├Ânnte?

Behrendt: Das sind eventuell eigentlich unbescholtene B├╝rger, die hier in einer Ad-Hoc-Situation gehandelt haben ohne nachzudenken.

„Bin verpflichtet, etwas zu unternehmen“

Wie ist es denn nach Dienstschluss? K├Ânnen Sie da abschalten oder werden Sie dann trotzdem aktiv?

Behrendt: Ich bin nach Dienstschluss zwar Privatmann. Was ich dann mitbekomme, ist privates Wissen. Aber es gibt Situationen, in denen ich verpflichtet bin, mich zu k├╝mmern. Da mache ich lieber mehr als weniger. Vor allem, wenn es in meinem Revier passiert.

Da Schriesheim in Ihrem Revier liegt, f├Ąllt auch der Mathaisemarkt in Ihre Zust├Ąndigkeit. Wie sch├Ątzen Sie die Herausforderung dort ein?

Behrendt: Da ich erst vor einer Woche meinen Dienst hier angetreten bin, habe ich mich noch nicht in die vergangenen Ma├čnahmen einlesen k├Ânnen. Ich habe diese Woche einen Termin und werde mich Herrn H├Âfer vorstellen. Die Verwaltung ist da schon im Gange, was die Pr├Ąvention von Delikten angeht.

Ich wei├č nicht genau, woran es liegt, dass das Altstadtfest in Ladenburg meist vollkommen unproblematisch abl├Ąuft. Dagegen kann meiner Einsch├Ątzung nach in Schriesheim einiges passieren: Beim letztem Mathaisemarkt gab es eine kleine Gruppe von St├Ârern, die auf ├ärger aus waren und die anderen Besucher terrorisiert haben. Wie ist es mit der Weinheimer Kerwe. Das ist sicherlich auch eine Herausforderung?

Behrendt: Ich habe zwar beide Veranstaltungen in meiner Zeit als Dienstgruppenleiter erlebt. Das ist aber schon 14 Jahre her. Ich muss mir da erst ein Bild machen aus den Einsatzberichten der vergangenen Jahren. Wir werden nach wie vor Pr├Ąsenz zeigen. Wenn irgendwo St├Ârungen sind, m├╝ssen wir zusehen, dass wir vorher da sind oder so schnell wie m├Âglich. Manches l├Ąsst sich im Einzelfall wahrscheinlich gar nicht verhindern. Es ist sicherlich auch von Jahr zu Jahr verschieden: Vielleicht kommen diejenigen gar nicht, die im letzten Jahr gest├Ârt haben, weil einer krank ist oder man doch woanders hingeht. Vielleicht erwischt man auch an einem Abend jemanden fr├╝hzeitig, der Schabernack treibt. Den hat man dann f├╝r eine halbe Stunde auf der Wache und der Rest des Abends ist dann Ruhe.

Das Wetter ist ja der beste Helfer der Polizei bei solchen Eins├Ątzen.

Behrendt (lacht): Aus polizeilicher Sicht ist es uns am liebsten, wenn es regnet. Dann passiert am wenigsten. Aber den G├Ąsten w├╝nschen wir nat├╝rlich bestes Wetter.

Zur Person:
Polizeioberrat Holger Behrendt ist seit dem 01. Januar Leiter des Reviers Weinheim. Zuvor war er dem Revier Heidelberg S├╝d zugeteilt. Das Revier Weinheim kennt er noch aus seiner Zeit als Dienstgruppenleiter dort.

Herr Behrendt ist 43 Jahre alt und lebt als geb├╝rtiger Heidelberger in Heddesheim. Nach dem Abitur unter anderem im Leistungskurs Sport suchte er einen Beruf, in dem er weiterhin sportlich aktiv sein kann und entschied sich f├╝r die Polizeilaufbahn. Sportlich ist er bis heute: Er f├Ąhrt Rad im Weinheimer Wald und joggt um den Heddesheimer See. Einmal in der Woche spielt er bei der TG Heddesheim Volleyball.

├ťber Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gr├╝ndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Portr├Ąts und Reportagen oder macht investigative St├╝cke.