Dienstag, 27. Juni 2017

In der Metropolregion steht die Atomgefahr „im Vorgarten“


Guten Tag!

Rhein-Neckar/Metropolregion, 15. M├Ąrz 2011. Wo ist nochmal Biblis, wo Philippsburg? F├╝r viele wahrscheinlich „weit weg“. Tats├Ąchlich liegen Nordbaden und S├╝dhessen im direkten Einzugsbereich in der „Gefahrenzone A“ von den alten Kernkraftwerden Biblis A und Philippsburg I. Und sie liegen in einer Zone, in der auch starke Erdbeben m├Âglich sind.

In Japan weht der Wind derweil eine radioaktive Wolke vom havarierten Kernkraftwerk Fukushima in Richtung Tokio – das liegt 240 Kilometer vom Atomunfallsort entfernt.

Von Hardy Prothmann

├â┼ôbersichtkarte deutsche Atomkraftwerke. Klicken Sie auf die Grafik f├╝r eine gr├Â├čere Darstellung. Quelle: Wikipedia/Lencer

Das Abschalten von alten Atomkraftwerken in Deutschland wird auf der politischen Ebene unter dem Eindruck der bevorstehenden Landtagswahlen in Baden-W├╝rttemberg und Rheinland-Pfalz von der Bundesregierung vorangetrieben.

Die CDU/FDP-Regierungskoaltion spricht pl├Âtzlich von „├â┼ôberpr├╝fung“ der Sicherungssysteme und will sogar sieben alte Atommeiler, darunter Biblis A und Philippsburg I in K├╝rze still legen.

Erstaunlich, hatte diese Regierung doch gegen den Widerstand der Opposition im vergangenen Herbst die Laufzeit dieser Reaktoren erheblich verl├Ąngt. Damals war die „Welt noch in Ordnung“ und Atomkraftwerke angeblich sicher.

Auch der baden-w├╝rttembergische Ministerpr├Ąsident Stefan Mappus (CDU) gilt als Hardliner in Sachen Atompolitik. Bis zum Unfall in Japan hat er aus seiner bedingungslosen Unterst├╝tzung der Atomwirtschaft nie einen Hehl gemacht.

Die Siedewasserreaktoren in Biblis und Philippsburg sind immer wieder durch „Zwischenf├Ąlle“ aufgefallen und ├Ąhnlich konstruiert wie die im japanischen Fukushima, in denen aktuell eine Kernschmelze droht oder bereits eingesetzt hat. Hinzu kommt, dass beide Atomkraftwerke durchaus in einer Erbebenregion stehen, wie Spiegel online berichtet. Hier k├Ânnen Erdbeben bis zu einer St├Ąrke von 8 auftreten – ob deutsche AKW erdbegensicher sind, stellt der Bericht in Frage. In Deutschland gibt es oft Beben, 1992 wurden in der Niederrheinischen Bucht ein Beben mit der St├Ąrke 5,9 gemessen.

Wie tr├╝gerisch „Entfernungen“ und Sicherheitszonen sind, zeigt die Lage in Japan.

Dort wurde „klassisch“ eine 20-Kilometer-Zone eingerichtet. Laut Medienberichten ist die Strahlenbelastung der Menschen in der Umgebung aber enorm. Wie viele Menschen bereits lebensgef├Ąhrlich oder -bedrohlich verstrahlt wurden, ist bislang nicht bekannt.

Die Belastung im Umkreis des AKW Fukushima soll bis zu 400 Millisievert pro Stunde betragen. Menschen k├Ânnen bereits ab 250 Millisievert Opfer einer Strahlenkrankheit werden.

In Tokio, also 240 Kilometer vom Ungl├╝cksort entfernt wird sei die Strahlung bereits etwa 22-mal h├Âher als ├╝blich, berichtete der japanische Fernsehsender NHK am Dienstag. Als Grund wird ein leichter Wind genannt, der die atomare Wolke mit einer Geschwindigkeit von 10-20 Kilometern pro Stunde ├╝ber Land tr├Ągt. Zudem droht Regen, der den Fall-Out noch beschleunigen w├╝rde.

Experten halten eine Evakuierung der 35-Millionen-Einwohner-Metropole Tokio f├╝r vollkommen ausgeschlossen.

Unsere Ãœbersicht zeigt die Luftlinienentfernung von Atomkraftwerken für einen Radius bis zu 300 Kilometern an. Messpunkt ist Mannheim.

Land Kraftwerk Reaktoren Entfernung Zone
D Philippsburg 2 25 A
D Biblis 2 26 A
D Neckarwestheim 2 70 F
D Grafenrheinfeld 1 135
F Cattenom 4 165
D Gundremmingen 2 177
F Fessenheim 2 188
CH Leibstadt 1 210
CH Beznau 2 215
CH Goesgen 1 240
B Tihange 3 256
F Chooz 2 273
D Grohnde 1 291
CH M├╝hleberg 1 293
D Isar 2 295

Mitarbeit: lokal4u

├ťber Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gr├╝ndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Portr├Ąts und Reportagen oder macht investigative St├╝cke.

  • Hallo,

    hier eine Bericht ├╝ber Atomkraftgegner im Odenwald von Nokzeit.de, Mitglied von istlokal.de

    http://www.nokzeit.de/?p=10111/

    Gru├č

  • Seinerzeit in Hessen im Einzugsbreich von Biblis, dann in Eberbach lebend und ein mulmiges Gef├╝hl wegen Obrigheim etc. habend. Nun in Niedersachsen in der N├Ąhe des maroden Endlagers Asse II und den Reaktoren Stade etc.

    Es ist egal wo man sich befindet. Ob irgendwo in Deutschland, Europa, Japan, Amerika – ├╝berall sind wir von dieser Gefahr bedroht.

    Wann wenn nicht jetzt haben wir noch eine Chance zur Umkehr von unserem Lebens- und Wirtschaftsstils?

    Desto w├╝tender machen mich die derzeitigen, offensichtlich nur der Wahl in BW, geschuldeten Winkelz├╝ge von Merkel & co.

  • Jottka

    Bei aller gebotener Angst und Aktualit├Ąt ├óÔéČ┬Ž ich bin auch gegen Atomkraftnutzung, aber: Was Kernschmelze ist, sollte f├╝r Jedermann mit Abitur nach 1970 aber dennoch klar sein. Es geht weniger darum, OB eine Kernschmelze eingetreten ist als darum, WO sie das tut.
    ├óÔéČ┼żKernschmelze├óÔéČ┼ô ist: Die Brennst├Ąbe verfl├╝ssigen sich aufgrund der unvermeidbaren Nachzerfallsw├Ąrme bis ~ 2.000├é┬░C im Reaktorgeh├Ąuse und tropfen in dem Geh├Ąuse nach unten.

    Leckt das Reaktorgeh├Ąuse aufgrund der (nicht abgef├╝hrten) Hitze, l├Ąuft die Suppe noch ins sog. Containment, das das Reaktorgeh├Ąuse umgibt.
    Ist das Containment aus Beton, f├Ąngt es die Suppe auf und l├Ąsst nicht viel nach au├čen. Wird die Hitze hier aber weiterhin nicht ausreichend abgef├╝hrt, wird auch der Containment-Beton irgendwann instabil, bildet Risse und br├Âckelt weg. Dann ist der Kram entweder an der offenen Atmosph├Ąre und wird sch├Ân verteilt und/oder er gelangt ins Grundwasser und wird da verteilt.

    Das ist das gro├če Problem und daher der K├╝hlaufwand. H├Ątte man das alles f├╝r eine Woche sch├Ân k├╝hlen k├Ânnen, w├Ąre alles nur halb so schlimm.

    Was passiert, wenn Biblis durchgeht, sieht man (5-teilig) hier:
    http://www.youtube.com/watch?v=hzMtVJTxrJw

  • Guten Tag!

    Die Zeit zeigt, wie viele Menschen im Fall eines „Problems“ evakuiert werden m├╝ssen.

    Wir im Rhein-Neckar-Gebiet sind voll betroffen:
    Wie viele Menschen leben im direkten Umkreis von Atomkraftwerken?
    http://opendata.zeit.de/atomreaktoren/

    Einen sch├Ânen Tag w├╝nscht
    Das rheinneckarblog