Sonntag, 20. August 2017

Gabis Kolumne

Im Buchungs-Dschungel

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Rhein-Neckar, 15. April 2013. (red) Der Sommerurlaub ist bekanntlich fĂŒr die Deutschen die schönste Zeit des Jahres. Doch zunĂ€chst muss die Reise gebucht werden. Und das ist bei der großen Auswahl im Internet nicht immer ganz leicht. Gabi begab sich fĂŒr uns in den Buchungs-Dschungel.

Wo gibt es den gĂŒnstigsten Flug? Gabi begab sich in den Buchungs-Dschungel. Quelle: www.swoodoo.de.

Wie schön waren noch die Zeiten als man einfach in das ReisebĂŒro seines Vertrauens ging und seinen Urlaub buchte. In wenigen Fragen wurden die BedĂŒrfnisse abgefragt: SĂŒden oder Norden, See oder Berge, Hotelanlage oder Ferienhaus, Halbpension oder Vollverpflegung und die gewĂŒnschte Anzahl der Sterne. In schönen bunten Katalogen wurde in zwei bis drei Bildern Zimmer, Strand und Umgebung gezeigt und ein kurzer Text beschrieb das Reiseziel.

Der Mitarbeiter des ReisebĂŒros des Vertrauens erklĂ€rte, man habe bei diesem Hotel oder dieser Ferienwohnung nur positive RĂŒckmeldungen erhalten. Den Katalog nahm man mit nach Hause, zeigte die Auswahl seinen Lieben und teilte das Resultat am nĂ€chsten Tag dem ReisebĂŒro-Mitarbeiter mit. Und dieser buchte Hotel und Flug. Man tĂ€tigte eine Anzahlung, etwa vier Wochen vor Reiseantritt kam die nĂ€chste Zahlungsanforderung und dann bekam man gut zwei Wochen vor Abflug die Tickets per Post (!) zugeschickt.

Ja, so einfach war das einmal.

Doch seit einigen Jahren hat sich das Szenario bei uns grundlegend geĂ€ndert. Seit bald zehn Jahren habe ich kein ReisebĂŒro mehr von Innen gesehen, denn ich buche Unterkunft und Flug selbst direkt am Computer.

So auch wieder in diesem Jahr. Nach langer Diskussion hatten wir uns fĂŒr ein Reiseziel entschieden. Schönes Wetter muss garantiert sein und möglichst viel Kultur, war meine Anforderung. Bitte wenig Stress, verlangte mein Mann und einen Pool und die Möglichkeit zu surfen, die Tochter.

Die Wahl fiel auf Andalusien und wie ich nach GesprÀchen im Freundeskreis feststellte, liegen wir damit voll im Trend.

Die Region war dank Internet schnell eingegrenzt und diverse Suchmaschinen brachten knapp ein Dutzend hĂŒbscher FerienhĂ€user zur Auswahl. Jetzt ging’s an Fine-Tuning. Per Googlemap und Streetview wurde die Umgebung und Lage erforscht und die möglichen Objekte von allen Seiten beleuchtet. Zwei Tage durchforsteten wir Bewertungen und Fotos und konnten uns schließlich auf ein Haus einigen und es – erstaunlicherweise – auch buchen.

Die erste HĂŒrde war genommen.

Doch was bringt ein Haus ohne Flug. Und damit begab ich mich mal wieder in den Dschungel. Endlos ist inzwischen die Zahl der Suchmaschinen fĂŒr billige FlĂŒge und ich stĂŒrzte mich mitten rein.

Der Start war diesmal gut und nach wenigen Sekunden dachte ich schon, ich hĂ€tte den passenden Flug gefunden – ein sensationelles Angebot. „Bringt schnell eure Personalausweise“ schrie ich durch’s Haus und durchlief den Anmeldezyklus mit allen Daten wie Email-Adresse, Geburtsdatum und Personalausweisnummern – und das dauerte.

Die Anzahl der GepĂ€ckstĂŒcke und die Art der Versicherung mussten gewĂ€hlt und die AGBs mussten bestĂ€tigt werden und endlich blinkte der endgĂŒltige Preis auf. Das Resultat war ernĂŒchternd, die FlĂŒge kosteten gut 200 Euro mehr als zu Beginn des Buchungs-Procederes. „Jetzt buchen“ wurde gefragt und ich klickte erbost auf „Nein“.

Okay, dachte ich, neuer Versuch.

Ich habe alle Buchungsportale ausprobiert, und selbst wenn die Anfangspreise oft weit auseinander lagen, durch GebĂŒhren, Steuern, unterschiedliche GepĂ€ckkosten und GebĂŒhren fĂŒr Kreditkartenzahlung, letztendlich kam nahezu der gleiche Betrag heraus und der hatte mit dem ersten Preis kaum was zu tun.

Und auch eine weitere Entscheidung musste getroffen werden: Eine Low-Cost-Fluggesellschaft oder doch lieber eine seriöse Airline. Denn auch unter den seriösen Airlines gibt es sensationelle Angebote. Bei nÀherer Betrachtung stellte sich jedoch herazs, dass diese immer mit mindestens einem Zwischenstopp und einem Aufenthalt von 13 bis 25 Stunden verbunden waren.

Gut, ĂŒberlegte ich, wollte ich nicht eigentlich schon immer mal nach Madrid. Bei 25 Stunden Aufenthalt lohnt sich schon eine Übernachtung und ein bisschen Sight-Seeing ist auch drin. Begeistert teilte ich diese Überlegungen meinem Mann mit. „FĂŒr den Preis von einer Übernachtung plus Abendessen und Taxifahrten von und zum Flughafen können wir doch gleich einen Linienflug bei Lufthansa buchen“, entgegnete er nicht unbegrĂŒndet. Da hat er Recht und so scharf war ich auf Madrid im August schließlich auch nicht.

Wie seriös sind diese Billigflugseiten ĂŒberhaupt, fragte ich mich als nĂ€chstes und begann auch hier zu googlen. Nebenbei bekam ich Tipps zu dem besten Buchungsverhalten, frĂŒh am Morgen oder besser in der Nacht. Zudem sollte man, so wurde in einem Artikel geraten, wenn möglich eher FlĂŒge unter der Woche und nicht am Wochenende buchen und wenn dann am besten außerhalb der Ferienzeiten. Danke, auf die Idee war ich auch schon gekommen, aber schließlich werden FerienhĂ€user stets von Samstag auf Samstag vermietet zumindest in der Hochsaison und das wiederum ließ sich aufgrund der schulpflichtigen Tochter jetzt wirklich nicht verhindern.

Erstaunlicherweise erfuhr ich aber auch, dass nicht, wie man annehmen sollte, die FlĂŒge Richtung Abflugszeitpunkt immer teurer werden, um dann „Last Minute“ als SchnĂ€ppchen angeboten zu werden, sondern dass der gĂŒnstigste Zeitpunkt eher acht bis zwölf Wochen vor dem Reisetermin sei. Okay, also haben wir noch gut vier bis sechs Wochen Zeit, errechnete ich mir und entspannte mich kurzfristig.

Doch was ist, wenn alle diesen Artikel jetzt gelesen haben und dann gleichzeitig buchen? Vielleicht bekommen wir dann ĂŒberhaupt keinen Flug mehr oder wenn, dann nur vollstĂ€ndig ĂŒberteuert?

Nach gefĂŒhlten hundert Jahren auf irgendwelchen Portalen und Seiten habe ich schließlich gebucht. Ich möchte jetzt auch gar nicht mehr darĂŒber nachdenken, ob ich einen vernĂŒnftigen Preis erzielt habe. Ich weiß nur eins, nĂ€chstes Jahr mache ich alles anders, ich geh ins ReisebĂŒro – oder ich fange schon im Dezember an zu recherchieren, denn wer ganz frĂŒh bucht, bekommt wirklich gute Preise, das habe ich zumindest im Internet gelesen.

gabi

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist GrĂŒndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten PortrĂ€ts und Reportagen oder macht investigative StĂŒcke.