Sonntag, 20. August 2017

Gabis Kolumne

Die liebe Familie

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Guten Tag!

Heddesheim, 15. November 2010. Die liebe Familie kann man sich nicht aussuchen, meint Gabi und sie wei├č, wovon sie redet. Schlie├člich sind die Verwandten und all die damit verbundenen Erfahrungen immer wieder Thema unter den Frauen.

Man kann sich ja bekanntlich Vieles aussuchen: Das neue Auto, das n├Ąchste Urlaubsziel, Freunde, den Mann├óÔéČ┬ŽAber was man sich definitiv nicht aussuchen kann ist die eigene Verwandtschaft oder noch schlimmer die angeheiratete.

Die Klagen ├╝ber die b├Âse Schwiegermutter sind vielf├Ąltig und schon oft in der Literatur thematisiert oder in Filmen verarbeitet worden. Aber auch Schwager und Schw├Ągerin geben oft Grund zur Klage.

Vor allem die M├╝tter von S├Âhnen – und ich hoffe sehr, dass ich niemals in diese Falle tappen werde – finden oft kein gutes Haar an ihrer Schwiegertochter – und umgekehrt.

Wehe die Schwiegermutter kommt! – Die Familie im Ausnahmezustand

Besonders Leid gepr├╝ft ist eine gute Freundin von mir. Reist die Schwiegermutter an, wird sie automatisch krank und die ganze Familie ger├Ąt in einen Ausnahmezustand.

„Eigentlich will sie nur ihren Kronsohn sehen und der Rest der Familie, vor allem ich, sind nur ein l├Ąstiges Anh├Ąngsel“, jammert meine Freundin. Karten und Briefe werden regelm├Ą├čig nur an den „Bub“ adressiert und „wenn er abends von der Arbeit kommt macht sie sich f├╝r ihn h├╝bsch. Und ich kann dann die K├╝che machen“.

„Ich werde absolut aggressiv, wenn sie anf├Ąngt, meine K├╝che umzur├Ąumen und tagelang nur das zu kochen, was er als Kind ja schon immer gerne gegessen hat“, erz├Ąhlt eine andere Freundin. „Gell, das mag der Hans, wenn ich seine Leibspeisen koche“, sagt die Schwiegermutter dann immer freudestrahlend.

Da sieht es eine gute Bekannte von mir schon viel entspannter: „Das ist doch prima, wenn meine Schwiegermutter kommt, b├╝gelt sie die Hemden, putzt die Fenster und kocht. Ich sage immer nur, das machst du klasse und gehe aus dem Haus.“

„Mein Mann wird richtig gehend zum Kleinkind, wenn seine Eltern zu Besuch kommen“, erz├Ąhlte mir eine Kollegin. „K├╝rzlich brachten sie ihm seine alte Holz-Eisenbahn mit und er hat vor Freude fast angefangen zu heulen.“

„Wenn es doch nur die Schwiegermutter w├Ąre“, klagt eine weitere Bekannte. „Meine Schwester hat uns k├╝rzlich ihren Zuk├╝nftigen vorgestellt und das war ehrlich eine Katastrophe. Eingebildet bis zum geht nicht mehr, laut und unfreundlich – und mit so einem Menschen soll ich jetzt alle k├╝nftigen Familienfeste verbringen, na danke.“

Bei Kritik folgt die Ehekrise

„Wenn meine Schw├Ągerin, ihr Mann und deren drei verzogenen Kinder kommen, w├╝rde ich am liebsten immer sofort ausziehen. Die Erwachsenen sitzen den ganzen Tag am Tisch, essen den K├╝hlschrank und trinken den Keller leer, w├Ąhrend die Jungs das Haus verw├╝sten. Und wehe ich lasse nur ein Wort der Kritik fallen, geraten mein Mann und ich in eine Ehekrise“, verr├Ąt mir eine Freundin.

Stein des Ansto├čes kann aber auch der Schwiegervater sein. „Sitzen wir gemeinsam am Tisch meckert er st├Ąndig an den Tischmanieren und der Wortwahl der Kinder rum. Das Essen schmeckt nicht wie bei seiner Frau und das Bier ist zu kalt. Das kann ich wirklich nur ein paar Mal im Jahr ertragen“, st├Âhnte eine weitere Freundin.

Da geht es mir schon viel besser denke ich, meine Schwiegereltern leben nicht mehr, was mir nat├╝rlich sehr leid tut, aber so gibt es auch keinen Grund mich ├╝ber sie zu beklagen. Mein Bruder hat eine reizende Freundin, die zwar etwas exaltiert ist, aber weit genug weg wohnt. Meinen Schwager und seine Familie sehen wir nicht wirklich oft und wenn dann gehen wir meistens zusammen in ein Restaurant.

„Sch├Ân“, sagt mein Mann, als ich ihm abends meine Gedanken mitteilte. „Und wer fragt mich, wie es mir geht, wenn deine Eltern, dein Bruder, deine Tanten und Kusinen an Weihnachten anreisen?“ „Tja, Schatz“, sage ich, „die Verwandtschaft und vor allem die angeheiratete kann man sich bekanntlich nicht aussuchen“.
gabi

├ťber Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gr├╝ndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Portr├Ąts und Reportagen oder macht investigative St├╝cke.

  • Schubi

    Hmmm, ist das jetzt Satire oder eine ernstgemeinte Darstellung oder etwas dazwischen…? Bin mir da nicht so sicher.

    Und sind die Zitate von all den Freundinnen/Kolleginnen auch echt? Ich gr├╝bel da schon, weil ich solche Aussagen und Schwiegerm├╝tter nicht kenne. Zum Gl├╝ck. ­čÖé

  • Gabi

    Hallo Schubi,

    es handelt sich um eine Kolumne und keinen Bericht – ich bin dabei freier in der Auswahl dessen, was ich schreibe.

    Sie k├Ânnen aber sicher sein, dass Zitate so ge├Ąu├čert wurden und Gespr├Ąche in der Art stattgefunden haben. Zeitlich und r├Ąumlich allerdings freier kombiniert.

    Und wenn Sie genau gelesen haben, geht es in dem Text ja nicht nur um Schwiegerm├╝tter, sondern allgemein ├╝ber die angeheiratete Verwandtschaft.

    Sch├Ân, wenn Sie ein so positives Verh├Ąltnis zu Ihrer Schwiegermutter haben, aber es geht auch anders – leider – und das wei├č ich aus zuverl├Ąssiger Quelle.

    Viele Gr├╝├če
    Gabi