Mittwoch, 21. November 2018

„Er mag sich sein Projekt nicht nehmen lassen.“

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Heddesheim, 13. Oktober 2009.

Leserbrief: Holger Menge

Unglaublich. Immerhin jedoch nur noch 11:9. Eine selbstverliebte kleine Mehrheit und wieder eine Demonstration, wer f├╝r diesen Ort die Weichen stellen will. Dabei selbstlos und vorbildhaft, mit hohem Engagement und immer in vorderster Front: Der B├╝rgermeister. Er mag sich sein Projekt nicht nehmen lassen.

Bewundernswert, wie er daf├╝r k├Ąmpft! Ein von der Gemeindekasse finanzierter Werbefeldzug, scherzhaft „Dialog“ genannt: In der ersten Reihe: der B├╝rgermeister. Zahlreiche Argumentationsbriefe. Unterschrift: „Ihr B├╝rgermeiste

Alle Aktionen nat├╝rlich flankiert und gest├╝tzt von Hochglanzprospekten der Spedition als Nutznie├čer. Toll: Sogar ein Werbestand des Protagonisten mitten im Ort, eine professionelle Kampagne und schlie├člich eine B├╝rgerbefragung mit cleverer zielorientierter (suggestiver?) Fragestellung: Verantwortung daf├╝r? Richtig! „Ihr B├╝rgermeister“. So ist das halt mit der Demokratie.

Wessen B├╝rgermeister ist das eigentlich?

Fragt sich nur: Wessen B├╝rgermeister ist das eigentlich? F├╝r mich ist das schlicht eine durchsichtige, nach demokratischem Regelwerk durchgef├╝hrte ├Âffentliche Inszenierung einer sehr einseitigen Interessensvertretung.

B├╝rger und Gemeinderat werden f├╝r diesen einen Zweck (legitim?) instrumentalisiert und vorgef├╝hrt.

Grotesk, eine kleine Mehrheit, die in Ihrem Verst├Ąndnis f├╝r politische Arbeit offensichtlich die Begriffe Verantwortung mit Folgsamkeit und dabei Beschlusslogik mit Kritiklosigkeit verwechseln. Eine Handvoll Leute – an der Spitze immer dieser B├╝rgermeister -, die immer noch unbelehrbar und kaltschn├Ąuzig in trauter Eintracht ein mehr als fragw├╝rdiges Projekt gegen den ausdr├╝cklichen Willen von fast 3000 Einwohnern immer weitertreiben, ungeachtet aller zu erwartenden katastrophalen Konsequenzen und existenziellen Bedrohungen.

Statt gemeinsam die gebotene Chance f├╝r eine politische Bereinigung zu nutzen, wird das Veto von immerhin 2870 B├╝rgerinnen und B├╝rger (trotz der cleveren Fragestellung!) stoisch ignoriert, und ein scheinbar mehr pers├Ânlich als inhaltlich argumentiertes, von sehr langer Hand geplantes Vorhaben stur weitergetrieben.

Das wird der Herr Pfenning dem Herrn B├╝rgermeister sicherlich nicht vergessen!

Die Gemeinde allerdings sicherlich auch nicht. Vor allem aber nicht die 2870 B├╝rgerinnen und B├╝rger, die bereits jetzt schon Ihre Absage zu diesem Projekt klarformuliert haben.

Wenn die heute noch unterst├╝tzenden R├Ąte endlich erkennen, was sie angerichtet haben, wird es wohl – wie immer in solchen Prozessen – leider zu sp├Ąt sein.

F├╝r das Wohle der Gemeinde, die Lebensqualit├Ąt und dann auch f├╝r sie und Ihren B├╝rgermeister. Denn das ist dann tats├Ąchlich Demokratie. Willkommen in der Realit├Ąt.

├ťber Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gr├╝ndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Portr├Ąts und Reportagen oder macht investigative St├╝cke.