Sonntag, 12. Juli 2020

Äh, Bert, äh – der äh, äh, äh Siegelmann oderoderoder was auch immer

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Guten Tag!

Heddesheim, 15. August 2009. Der private Fernsehsender RNF hat eine Sendung, die nennt er „Zur Sache“. Die Sendung ist das Aushängeschild des Lokalsenders, der schon lange „im Geschäft“ ist, den aber trotzdem außerhalb des „Sendegebiets“ niemand kennt. Das hat Gründe.

Essay: Helle Sema

Der wichtigste Grund, warum es ein kleiner Fernsehsender mehr oder weniger niemals in die Schlagzeilen bedeutender Medien schafft (heute ist eine Ausnahme), ist seine strukturell bedingte Begrenztheit.

Die hat viele Ursachen.

Es gibt, salopp gesagt, keine „gescheite“ Redaktion, die ein Thema, selbst wenn es das „Top-Thema“ ist, ordentlich vorbereitet. Deswegen stellt der Moderator ständig sachlich falsche Fragen – die auch manchmal einfach nur blöd sind.

Er könnte sich ja auch selbst vorbereiten, aber wenn er der Chef ist – wie das aber oft bei kleinen, vollkommen unbedeutenden TV-Stationen ist – fühlt er sich als Chef sehr wichtig, er ist ja immerhin Chef und sind Chefs nicht per se wichtig? Und wer wichtig ist, ist grundsätzlich vorbereitet. Auf was auch immer.

Aber das sind „strukturelle Probleme“.

Fernsehen – selbst provinzielles – braucht aber auch Technik. Es gibt bei TV-Sendern in aller Regel eine Regie, die „regelt“ die Bilder, also das, was der Zuschauer sehen kann.

Bei regionalen Provinzsendern sind das oft auch nur Reglerschieber, die vielleicht nur Aushilfskräfte sind, weil sie fast nie den richtigen Schieber finden, um ein ordentliches Bild zu erzeugen. Vielleicht hat das RNF eine Regie – die muss aber während der gesamten Sendung auf Toilette gewesen sein.

Und es gibt Kameraleute. Kameramann/- frau war mal ein angesehener Ausbildungsberuf. Ob kleine, provinzielle Sender das Geld haben, um ordentlich ausgebildete Kameraleute zu bezahlen, ist nicht immer ganz klar.

Und dann gibt es auch die Grafik. Das sind Leute, die bereiten Bilder für die Sendung vor. So was gibt es nicht bei vielen, kleinen, privaten, ums Ãœberleben kämpfenden TV-Sendern.

Zumindest bei der RNF-Sendung „Zur Sache“ muss man sich fragen, wo eigentlich das Problem ist: Bei den Kameras, bei der Regie, beim Moderator und Senderchef Bert Siegelmann (der vielleicht vorhandenen „Grafik“) oder bei allen zusammen?

Wie ein Moderator, der sprachlich nicht nur schwach, sondern bei jedem Eignungstest für Moderatoren durchfallen würde, sich über Jahre halten kann, ist nur verständlich, wenn man weiß, dass er der Senderchef ist und auf dem besten Weg, den Äh-Award zu gewinnen.

Andererseits ist ein Moderator immer so gut wie die Zielgruppe, die er erreichen will. Intellektuelle Moderatoren erreichen intellektuelle Zielgruppen, die meistens klein sind, „beliebte Moderatoren“ erreichen die Massen und verdienen viel Geld und provinzielle Moderatoren erreichen die Provinz und die Kellertreppe darunter – zumindest konnte man beim Auftritt des Herrn Siegelmann schon den Eindruck haben, dass das Thema Heddesheim für ihn als Mannheimer schon etwas „unter Niveau“ war.

Wenn so ein provinzieller Moderator dann gezwungen ist, sich in den abgelegensten Keller der Provinz zu begeben, zum Beispiel nach Heddesheim, dann packt er an Vorurteilen aus, was er in seinem provinziellen Leben so an Vorurteilen gesammelt hat.

Der Beweis ist die „Moderation“ des Herrn Siegelmann zum Thema: „Der Streit in Heddesheim um Investitionen und Arbeitsplätze.“ Das hat Herrn Siegelmann ordentlich durcheinander gebracht. So durcheinander, dass er kaum einen Satz zu Ende bringen konnte und viele, viele Ähs benutzen musste, um seine Verzweiflung ob der erschütternden Zustände in der Provinz Herr zu werden.

Dabei will Herr Siegelmann „Meinungsführer“ in der Region sein.

Region, dass ist der Zusammenschluss von Provinzen und da Herr Siegelmann der Meinungsführer ist, ist er der Entwickler, der Äh-Mann und sein Team ist ein Äh-Team.

Vom Dialekt ins Denglische übersetzt klingt das wie A-Team und A-Man. Also Top. Top als Wort mag Herr Siegelmann sowieso. Und irgendwie ist er als A-Mann für Provinz-TV auch nicht zu toppen.

Dokumentation:

RNF über die Sendung „Zur Sache“:

„Dieses (Fehler im Original, d.Red.) einstündige Diskussionsrunde im RNF-Studio A hat sich längst zum Meinungsführer in der gesamten Metropolregion Rhein-Neckar entwickelt. 3 bis 4 Gäste erörtern – meist unter der Gesprächsleitung von RNF-Programmchef Bert Siegelmann – ein Thema von regionaler Bedeutung: Ohne Unterbrechungen, ohne optische Ablenkung, ohne Filmzuspielungen! Die Sendung vertieft, erläutert, erklärt Sachverhalte und wird jeweils am Freitag live produziert und am Wochenende fünf mal ausgestrahlt. Dies sichert ihr eine hohe Verbreitung und erstklassige Aufmerksamkeit. „Zur Sache“ geht es heftig, mal lustig – am runden Studiotisch wurden schon Wahlen gewonnen – und verloren, Projekte befördert und begraben…Um dabei sein zu können, wurden auch schon Urlaube und Sitzungen verschoben! Wer in der Metropolregion mitreden will, schaut sich „Zur Sache“ an.“

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.