Samstag, 19. August 2017

Was tun gegen Telefonterror?

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Guten Tag!

Heddesheim, 14. Januar 2010. Das Telefon klingelt. Mehrmals am Tag, in der Woche, im Monat Рimmer wieder will Ihnen irgendjemand irgendetwas verkaufen. Das heddesheimblog gibt Tipps, wie Sie den Telefonterror stoppen können.

Mitte Dezember forderte die Baden-W√ľrttembergische Verbraucherzentrale, das „Gesetz gegen unerlaubte Telefonwerbung“ m√ľsse nachgebessert werden.

Die Verbraucherzentrale fordert, dass nach Werbeanrufen telefonisch geschlossene Vertr√§ge nur noch mit einer schriftlichen Best√§tigung des Verbrauchers g√ľltig werden – das erst im August 2009 in Kraft getretene Gesetz gegen unerlaubte Telefonwerbung versagt offensichtlich.

Telefonwerbung ohne vorheriges Einverständnis ist verboten

Denn eigentlich darf Sie niemand ohne Ihre ausdr√ľckliche Einwilligung „vor“ dem Anruf mit Telefonwerbung behelligen – eigentlich. Tats√§chlich gehen Experten davon aus, dass aktuell Monat f√ľr Monat 900.000 illegale Anrufe get√§tigt werden, weit √ľber 300 Millionen Telefonterrorakte im Jahr.

Auch die Nachfass-Werbung ist untersagt – beispielsweise von einem Zeitschriftenverlag, wenn Sie dort ihr Abo gek√ľndigt haben.

Aggressiv und hartn√§ckig bearbeiten die Anrufer Verbraucher, Vertragsabschl√ľssen zuzustimmen. Teilweise behaupten sie auch, es best√ľnde bereits eine Vertragsbeziehung, obwohl das nicht der Fall ist. Immer wieder berichten Verbraucher zudem von unberechtigten Abbuchungen von ihrem Konto.

Die Verbraucherzentrale hat hierzulande √ľber 3.500 Anfragen zu telefonischer Gewinnspielwerbung im vergangenen Jahr bearbeitet. Lotterie- und Gewinnspielfirmen wie die √Ę‚ā¨Ň°Deutsche Gewinner Zentrale‚Äô oder √Ę‚ā¨Ň°DSC 24‚Äô ignorieren offensichtlich unger√ľhrt das neue Gesetz gegen unerlaubte Telefonwerbung.

Es geht immer noch dreister.

Doch es geht noch dreister: Mit Telefonterror unter dem Deckmantel des Verbraucherschutzes treiben auch andere Anbieter ihr Unwesen und rufen unerlaubt Verbraucher an, um sie abzukassieren. So bietet der „Verbraucher Werbeschutzbund e.V.“ gegen einen Mitgliedsbeitrag von 89,95 Euro angeblichen Schutz von unerlaubter Werbung und Datenmissbrauch – ein Versprechen, das sich nicht halten l√§sst.

F√ľr Verbraucher, die eine Vertragsbest√§tigung erhalten, obwohl sie am Telefon keinen Vertrag abgeschlossen haben oder die einen telefonisch geschlossenen Vertrag innerhalb der Widerrufsfrist widerrufen m√∂chten, bietet die Verbraucherzentrale unter www.vz-bw.de/telefon-terror Musterbriefe zum Download an.

Das heddesheimblog gibt Tipps, damit es erst gar nicht soweit kommt.

Regel 1: Gewinnspiele vermeiden
Die wichtigste Regel ist: Vermeiden Sie Gewinnspiele. Der schöne Mercedes oder Porsche wirkt seriös, die Firma, die ihn zum Gewinn anbietet, ist es aber vielleicht nicht. Sobald Sie einmal Ihre Adressdaten auf die kleinen Zettelchen geschrieben haben, kann Ihr Leben zur Hölle werden. Hunderte oder tausende Male verkauft sind Sie im Netz der Telefonterroristen gefangen.

Das gilt auch f√ľrs Internet. H√§nde weg von Gewinnspielen. Bei vielen ist der einzige Sinn und Zweck des „Spiels“ an Ihre Daten zu kommen. Nichts weiter. Deswegen: Seien Sie Spielverderber.

Regel 2: Telefonverhalten ändern
Sobald Sie Werbeanrufe erhalten, sollten Sie Ihr Telefonverhalten √§ndern. Haben Sie sich bislang sehr h√∂flich mit „Guten Tag, hier spricht XY“ gemeldet, sollten Sie darauf verzichten. Sie k√∂nnen trotzdem jeden Anrufer h√∂flich mit einem nett gesprochenen „Hallo“ oder „Guten Tag“ begr√ľ√üen. Wenn Sie den Anrufer nicht erkennen, erkundigen sich Sie zuerst: „Mit wem spreche ich?“.

Ganz clevere Telefonterroristen werden einen Trick probieren: „Frau XY, sind Sie am Apparat?“ oder „Spreche ich mit Frau XY?“ oder knapp „Frau XY?“ Dabei schwingt die Stimme bedeutungsvoll bis unsicher, auf jeden Fall so, dass es f√ľr Sie interessant klingt. Seien Sie auf der Hut – die Telefonwerber sind geschulte Leute, die nicht nett sind, sondern verkaufen sollen. Sie wollen kein nettes Gespr√§ch, sondern Ihr Geld.

Fallen Sie auf die Fragen nach Ihrer Person nicht darauf mit einem spontanen „Ja“ herein. Sie geben sich erst zu erkennen, wenn Sie eindeutig zu wissen glauben, wer am anderen Ende der Leitung ist. Ist das nicht m√∂glich, beenden Sie das Gespr√§ch: „Ich glaube, Sie haben sich verw√§hlt.“ Und dann legen Sie auf – egal, was der freundliche Mensch Ihnen noch sagen m√∂chte oder was er Verlockendes verspricht.

Wenn Sie der Meinung sind, Sie lassen sich nicht dazu zwingen, unhöflich zu sein. Es dankt Ihnen nur der Werbeanrufer.

Regel 3: L√ľgen Sie
L√ľgen Sie, was das Zeug h√§lt. Auf „Frau XY, sind Sie das?“, antworten Sie ganz einfach: „Ne, so hei√ü ich nicht.“ Oder auch: „Die wohnt nicht mehr hier.“ Oder: „Ich Putzfrau. Nix wissen.“

Regel 4: Legen Sie auf
Sofern die Werbeanrufe gleich erkennen, legen Sie auf. Ein ums andere Mal. Sie werden gewinnen. Weil die auf der anderen Seite haben tausende von Adressen vor sich liegen und m√ľssen Abschl√ľsse machen. Keiner wird es mehr als ein oder zwei Mal versuchen. Dann hei√üt die Telefonterror-Devise: „Lass ihn zischen – nimm nen frischen.“

Regel 5: Drohen Sie
Drohen Sie: „Sie sagen mir jetzt, von welcher Firma Sie anrufen, ich gebe das dann an meinen Anwalt weiter.“ Wundern Sie sich nicht. Die Anrufer kennen keine H√∂flichkeitsregel, sondern werden sofort auflegen und einen Vermerk machen, dass Sie ein schwieriger Kunde sind, den man besser nicht anrufen sollte.

Regel 6: Verlangen Sie die Löschung Ihrer Daten
Haben Sie sich doch identifizert oder eines Ihrer Kinder und Sie sind definitiv nicht an der Werbung interessiert, dann verlangen Sie die L√∂schung der Daten: „Ich fordere Sie hiermit auf, sofort alle meine Daten bei Ihnen zu l√∂schen.“ Handelt es sich um eine seri√∂se Firma, wird Ihnen das best√§tigt werden und Sie sagen nicht: „Auf wiederh√∂ren“, sondern „Guten Tag.“

Regel 7: Schulen Sie Ihre Kinder
Sofern Ihre Kinder ans Telefon gehen, sollten Sie mit Ihnen √ľber Regel 2 sprechen. Denn wenn der Anrufer fragt: „Hallooo, ist das XY?“ und das Kind ruft: „Mami, da ist jemand f√ľr Dich“, wurde die Adresse als korrekt best√§tigt. Sie wird weiterverkauft werden und jemand anderes ruft an.

Regel 8: Letzter Ausweg – wechseln Sie Ihre Telefonnummer
Sind die Anrufer nicht nur l√§stig, sondern mehr als st√∂rend, sollten Sie √ľberlegen, die Telefonnummer zu wechseln.

Regel 9: Der Gang zum Anwalt lohnt nicht
Sie k√∂nnen nat√ľrlich auch Datum und Uhrzeit des Gespr√§chs notieren der versuchen herauszubekommen, wer Sie da anruft oder woher die Adresse stammt. Sparen Sie sich die M√ľhe. Das ist ein Kampf gegen Windm√ľhlen.

Regel 10: Eine Regelverletzung und es geht von vorne los
Beachten Sie die ersten neun Regeln. Wenn Sie konsequent bleiben, erhalten Sie vielleicht noch ein, zwei Anrufe die Woche. Das ist verschmerzbar. Und denken Sie dran: Sobald Sie einmal am Telefon etwas bestellen und seien es nur Prospekte Рist Ihre Adresse eine Qualitätsadresse. Der Werber hatte Erfolg, seine Firma wird die Adresse weiterverkaufen Рund es geht von vorne los.

Einen sch√∂nen Tag w√ľnscht
Das heddesheimblog

√úber Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gr√ľndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Portr√§ts und Reportagen oder macht investigative St√ľcke.

  • tat√ľtata

    Hallo Herr Prothmann,
    vielen Dank f√ľr die ausgezeichneten Tipps. Hier noch weitere Infos
    aus der Praxis:
    Zu 99 Prozent kommen solche Anrufe mit keiner Rufnummernanzeige auf
    dem Display an. Das ist verboten. Ich halte es grundsätzlich so: Ist
    keine Rufnummer sichtbar, ein höfliches Hallo. Wer sind sie? Bitte
    ihre R√ľckrufnummer. Diese bekomme ich auch. Nur, wenn ich diese
    Nummer anwähle: KEIN ANSCHLUß UNTER DIESER NUMMER.
    Mein Tipp: Sobald die „netten“ Anrufer sich melden, einfach auflegen!

  • Argus

    Diese und andere Arten der Belästigung hatten wir auch.
    Da ich √ľber meinen DSL-Anbieter zwei Rufnummern zur Auswahl habe,konnte ich die Rufnummer wechseln.
    Die aktuelle Rufnummer habe ich nur einem engen Kreis von Personen bekanntgegeben.
    Im Telefonbuch ist unsere Rufnummer nicht mehr zu finden.
    Über Handy bin ich erreichbar.Das Anrufen ist aber teurer und das Gerät sehr oft abgeschaltet !

    • tat√ľtata

      Hallo Argus,
      das st√∂rt die freundlichen Anrufer √ľberhaupt nicht. Jeder Call-Service Mitarbeiter/innen bekommt einen fortlaufenden Rufnummernblock. Dieser wird √ľber PC angew√§hlt. So erreichen sie auch Teilnehmer ohne Eintrag. In der Maske sind diese Teilnehmer besonders gekennzeichnet. Hier wird alles notiert. Auch Hintergrundger√§usche, wie Kinder, K√ľche etc. Auch wird darauf geachtet, ob schon in der Fr√ľhe der Fernseher l√§uft. Einfach alles. Dies wird dann teuer vermarktet.

      • Argus

        Das mag ja sein.
        Jedenfalls haben wir seit dem Rufnummernwechsel Ruhe vor diesen unerw√ľnschten Anrufen!

  • Dr. jur. Hans-Rudolf Horn

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    Ihre Warnungen und Hinweise k√∂nnen wir in mehrfacher Hinsicht best√§tigen. Besonders t√ľckisch war gestern ein Anruf eines Mannes, der sich als Mitarbeiter einer Datenl√∂schgesellschaft Berlin vorstellte und nach einiger Zeit seinen Namen mit „Stefan Richter“ angab. Er versprach, meine bei mehreren Firman vorliegenden Daten zu l√∂schen nur bei der Firma OGS 200 Berlin sei dies nicht sofort m√∂glich, ich bek√§me aber jedenfalls ein Sonderk√ľndigungsrecht innerhalb von drei Monaten. Dieses wurde mir schriftlich heue best√§tigt, gleichzeitig wurde ich bei mindest 200 der besten Gewinnspiele angemdet.

    Ich habe sofort von meinem auf der R√ľcksite des Schreibens angef√ľhrten Widerrufsrecht Gebrauch per e-mail gemacht. Darauf hin wurde ich heute mit einem Redeschwall von dem mit t√ľrkishem Akzent sprechenden“Abteilungsleiter“ √ľbersch√ľttet und f√ľr den Fall, dass ich die angek√ľndigte Abbuchung von 59 √Ę‚Äö¬¨ r√ľckg√§ngig mache, mit erheblichen Kosten bdroht. Um meine Ruhe zu haben, lie√ü schlie√üich darauf ein, eine fiktive Kontonummer als meine zu best√§tigen. damit ich k√ľnftig in Ruhe gelassen werde. Die Firma OGS 200 ist im Internet von verschiedenen Verbraucherschutzorganisationen erfasst. Daraus ergibt sich, dass die angegebene Berliner Adresse eine Briefkastenfirma ist, die von einem Ort bei Ankara aus betrieben wird. Trotzdem kam in der Mittagszeit ein weiterer Anruf, aber mit einer anderen Berliner Nummer im Display.

    Es wurde eingehängt als meine Frau fragte, um was es sich handle, als nach mir gefragt wurde. Man sollte sich doch einmal an die Bundesnetzagentur oder die Verbraucherzentrale wenden.
    Mit den besten Gr√ľ√üen
    Dr. jur. Hans-Rudolf Horn
    Wiesbaden

  • christa kurtz

    Hallo, ich habe seit dem 12.03.13 einen ganz hartnäckigen SCHWEINEHUND an der backe. ungefähr 40 anrufe jeden tag. nur gut das ich unliebsame anrufe sperren kann.ich habe die fritz box und die filtert die anrufe heraus. kann ich nur jedem empfehlen.wenn man dann das pech hat das doch ein anderer durchkommt- nie mit ja antworten.und dann sperre ich die nummer.man kann auch anonyme anrufe sperren mit der fritz box.C.kurtz

  • xy

    Seri√∂se Callcenter senden ihre Nummer aus und akzeptieren das erste Nein. Leider gibt es immer schwarze Schafe . Wie in jeder Branche. Wenn man keine unerw√ľnschten Werbeanrufe m√∂chte, sollte man die Rufnummer auf der Robinson Liste sperren.
    Allerdings sollte man nicht vergessen, dass man oft seine Nummer leichtfertig angibt und unterschreibt das Werbeanrufe get√§tigt werden d√ľrfen. Verboten ist nur Kaltaquise.