Sonntag, 20. August 2017

Prozessauftakt gegen Heddesheimer Messerstecher

Ins Messer gelaufen?

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Mannheim/Schriesheim/Heddesheim, 14. April 2012. (red) Am Mittwoch hat der Prozess gegen einen 19-j√§hrigen Heddesheimer vor dem Landgericht Mannheim begonnen. Der junge Mann soll am 04. September einem 23-j√§hrigen Mann w√§hrend des Schriesheimer Stra√üenfestes mit einem Messer in den Bauch gestochen haben. Das Gericht sieht sich mit unterschiedlichen Versionen des Tathergangs konfrontiert. Die Staatsanwaltschaft sieht einen „bedingten T√∂tungsvorsatz“. 30 Zeugen werden an f√ľnf Verhandlungstagen vernommen.

Wie kam es in der Nacht vom 04. September 2011 zum Stich in den Bauch des damals 22-j√§hrigen Schriesheimers? F√ľnf Zentimeter tief drang die Klinge in den Bauch ein, verletzte die Leber. Beide, Opfer wie T√§ter, stellen sich als unbeteiligt an einer Massenschl√§gerei dar.

Im Polizeibericht stand damals: „Nach den bisherigen Ermittlungen der Kriminalpolizei Heidelberg kam es gegen 0:40 Uhr auf dem Schriesheimer Stra√üenfest unter einer Gruppe von 20 bis 30 Personen zun√§chst zu verbalen Streitereien, die sich zu k√∂rperlichen Auseinandersetzungen steigerte. Hierbei stach der 18-j√§hrige Beschuldigte mit einem Taschenmesser dem 22-j√§hrigen Gesch√§digten in den Bauch, woraufhin dieser zu Boden sank. Der T√§ter fl√ľchtete anschlie√üend.“

Patrick N. (geboren 1993) sitzt seitdem in Untersuchungshaft und hat die Tat zugegeben – es ist also unstrittig, dass sein Messer im Bauch des Opfers steckte. Die Tatwaffe allerdings fehlt. Das Messer habe er nach der Tat in den Heddesheimer Badesee geworfen, nachdem er bemerkt habe, dass Blut daran klebte. An den Stich selbst will er sich nicht erinnern.

Angeblich habe er in der Tatnacht an einem Stock geschnitzt und deshalb das Messer in der Hand gehabt. Dann sei es zu Provokationen gekommen, man habe mit dem Finger auf ihn gezeigt, er wollte wissen, was das solle und das Opfer habe sich auf ihn gest√ľrzt, sei ihm „ins Messer gelaufen“. Das Opfer erinnert sich anders: N√§mlich dass der T√§ter mit anderen auf ihn losgegangen sei, er wurde geschlagen und als er am Boden lag, getreten. Nach dem Stich war er zusammengebrochen und musste notoperiert werden. Die Staatsanwaltschaft sieht einen „bedingten T√∂tungsvorsatz“.

Die 7. Strafkammer (Gro√üe Jugendkammer) wird 30 Zeugen an f√ľnf Verhandlungstage zu der Tat befragen. Ob sich alle erinnern werden k√∂nnen? Klar ist: Drogen, Alkohol und Aggressionen waren an diesem b√∂sen „Spiel“ junger M√§nner beteiligt. Vermutlich auch Frust und Stumpfsinn – der T√§ter war arbeitslos, lebte in den Tag hinein, hatte keine Aufgaben, Ziele, Verpflichtungen. Daf√ľr aber Geld f√ľr Alkohol und Drogen und nachts ein Messer in der Hand.

Die Strategie des Verteidigers Dr. Ulrich Neumann ist klar: Man will eine Verkettung ungl√ľcklicher Umst√§nde herstellen, den Stich als „Unfall“ deklarieren, man wird den Einfluss von Drogen und Alkohol ins Spiel bringen, eine verminderte Schuldf√§higkeit daraus ableiten.

Sollte sich das strafmildernd auswirken, ist die Botschaft f√ľr andere S√§ufer, Schl√§ger, Messerstecher klar: Da kann schon mal ein Messer „aus Versehen“ f√ľnf Zentimeter tief in den Bauch eines Menschen eindringen und diesen lebensgef√§hrlich verletzen – wenn man blau und berauscht genug ist, muss man keine harte Strafe f√ľrchten.

7 KLs 703 Js 23130/11

Fortsetzungstermine: 12., 18., 25. April und 09. Mai 2012, jeweils 09.00 Uhr

Pressemeldung des Landgerichts Mannheim:

„Dem Angeklagten wird zur Last gelegt, er habe am 04.09.2011 kurz nach Mitternacht w√§hrend der Schriesheimer Kerwe im Rahmen einer Auseinandersetzung von zwei verfeindeten Gruppen junger M√§nner dem Nebenkl√§ger mit einem Messer einen Stich in den Bauch versetzt und zudem mit weiteren Personen auf den am Boden liegenden Nebenkl√§ger eingetreten. Der Angeklagte, der nicht in Notwehr gehandelt haben soll, soll bei dem Stich mit dem Messer mit bedingtem T√∂tungsvorsatz gehandelt haben.
Der Nebenkl√§ger habe eine stark blutende Verletzung der Leber erlitten, weshalb er operiert und bis zum 07.09.2011 station√§r in einem Krankenhaus aufgenommen werden musste. Des weiteren habe er Prellungen und Sch√ľrfungen davongetragen.
Der Angeklagte befindet sich in Untersuchungshaft.“

√úber Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gr√ľndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Portr√§ts und Reportagen oder macht investigative St√ľcke.

  • Michael

    Warum wird der gute Herr Patrick N** nicht bei vollem Namen genannt? Es kann sowieso jeder beim Gericht die Akten anfordern

    • Redaktion

      Guten Tag!

      Wer sich näher interessiert, kann an den öffentlichen Sitzungen teilnehmen.

      Es ist Usus, zum Schutz der Pers√∂nlichkeit und auch der Angeh√∂rigen den Nachnamen abzuk√ľrzen. Pers√∂nlichkeitsrechte gelten auch f√ľr mutma√üliche T√§ter.

      Einen sch√∂nen Tag w√ľnscht
      Redaktion heddesheimblog.de