Mittwoch, 23. August 2017

Gabis Kolumne

Was an Frauenabenden toll ist!

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Guten Tag!

Heddesheim, 14. Juni 2010.

Mein Mann war vergangene Woche verreist – geschĂ€ftlich. Hat man als Jugendlicher drei Tage sturmfreie Bude, was macht man? Richtig, man feiert Party. Mit Mitte Vierzig sieht das anders aus, man lĂ€dt ein zum MĂ€delsabend.

Bei MĂ€delsabenden fließt bekanntlich viel Prosecco, das Essen fĂ€llt spĂ€rlicher aus – schließlich ist die HĂ€lfte meist auf DiĂ€t – und, und das ist das Wichtigste, es wird gequatscht, was das Zeug hĂ€lt.

Wenn Sie nun zum weiblichen Teil der Bevölkerung gehören, können Sie den nĂ€chsten Teil getrost ĂŒberspringen. Denn Sie wissen schließlich, was hier thematisch auf dem Programm steht.

Der erste Unterschied zu MĂ€nnerabenden: Es geht selten um den Job, beziehungsweise, selten um Verdienst und Inhalte. Wenn wir ĂŒber Jobs sprechen, erzĂ€hlen wir von Ungerechtigkeiten oder erstaunlichen Erlebnissen. ÃƓber Kolleginnen und Chefs und NIE davon, wie toll wir sind.

Dann geht es natĂŒrlich auch um MĂ€nner, aber dem Alter entsprechend, gibt es wenig ĂŒber Dates und tolle Typen zu berichten, sondern eher ĂŒber die UnzulĂ€nglichkeiten im Alltag mit der besseren HĂ€lfte. Aber keine Sorge, meine Herren, diese Themen nehmen nur wenig Raum ein und wird es ernster, sind dazu bilaterale GesprĂ€che, also unter vier Augen, erforderlich.

Ein großem Raum nehmen, erwartungsgemĂ€ĂŸ, die Kinder ein. Bei mir trafen sich vergangene Woche 8 Frauen und zusammen haben wir 13 Kinder zwischen 8 und 17 Jahren. Also kein Wunder, dass hier großer Redebedarf besteht. Und die Inhalte wachsen dabei mit dem Alter der lieben „Kleinen“. Adieu schlaflose NĂ€chte, Kindergartensorgen und Betreuungsprobleme. Willkommen Schulstress und Konflikte mit pubertĂ€ren Teenagern. Aber auch hier gilt, droht der Rauswurf aus der Schule oder befĂŒrchtet die Tochter schwanger zu sein, wird man das nicht in großer Runde besprechen.

Nun, werden Sie sich fragen, war das schon alles, was ist so toll an diesen Frauenabenden? Wir reden ĂŒber die BanalitĂ€ten des Alltags: ÃƓber neue Schuhe, Friseure, Figurprobleme, schöne Liebesfilme, Romane, Urlaube, Falten- und Anti-Cellulitiscremes – ĂŒber all’ die Dinge, ĂŒber die wir mit unseren MĂ€nnern nicht reden können oder wollen.

Letzte Woche war es also so weit, wir trafen uns gegen 20 Uhr auf meiner Terrasse, tranken Sekt mit Aperol, aßen Salat und Rohkost mit verschiedenen Dips und quatschten, was das Zeug hielt. Wir ließen nichts aus, weder das Finale von „Germany’s next Topmodel“, noch den neuen Film von „Sex and the City“. Wir erörterten ernsthaft die Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Methoden der Haarentfernung, das FĂŒr und Wider des Tönens und die Frage, ob sich die weibliche Figur ab dem 40. Geburtstag verĂ€ndert.

„Mein Mann steht kurz vor einem Burn-Out“, beschwerte sich eine Freundin. „Sind wir am Wochenende irgendwo eingeladen, fallen ihm ab 22 Uhr die Augen zu, aber montags frĂŒh ist er wieder fit und ab geht’s in die Firma.“ „Ach, das kenne ich nur zu gut“, bestĂ€tigt eine andere Freundin, „Urlaube und Wochenende benutzen die MĂ€nner zur Regeneration. Im Beruf sind sie fit und zuhause schlapp.“ Allseitige BestĂ€tigung.

„Meine Tochter ist total schlampig, dauernd verliert sie etwas und das Zimmer kann man kaum betreten, so viel liegt auf dem Boden rum“, jammerte ich. „Ich weiß, wovon du redest. Letzte Woche habe ich bei meinem Sohn Bananenschalen unterm Bett und fĂŒnf Paar alte Socken in der Schreibtischschublade gefunden“, sagt mitfĂŒhlend eine der Damen. Drei weitere nicken wissend.

Und damit nĂ€hern wir uns dem Geheimnis, warum man diese Abende gut gestimmt und bestens gerĂŒstet fĂŒr die nĂ€chsten kleinen und grĂ¶ĂŸeren Dramen des Alltags verlĂ€sst. Denn auch, wenn man am nĂ€chsten Morgen eine Aspirin gegen das GlĂ€schen zu viel nehmen muss – hier finden wir VerstĂ€ndnis und Anteilnahme. Und zudem können wir ĂŒber uns so richtig lachen.
gabi

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist GrĂŒndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten PortrĂ€ts und Reportagen oder macht investigative StĂŒcke.