Dienstag, 25. September 2018

Bürgermeisterwahl

Eine Wiederwahl wäre tragisch – für alle, aber vor allem für den Mischel

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„Gigantisch“ war 1998 das Gefühl, Bürgermeister geworden zu sein. 16 Jahre lang ist Michael Kessler von dem Trip nicht mehr heruntergekommen. Das hat ihn gezeichnet.

 

Heddesheim, 14. März 2014. (red/pro) Michael Kessler ist ein ehrgeiziger Mann. Ein getriebener. Kein Wunder. Denn sein Vater Fritz ist Legende. Fritz Kessler hat alles, was Heddesheim ausmacht, angelegt. Sportzentrum, Badesee, Straßen, Infrastruktur. Jeder Sohn will es dem Vater mindestens gleich tun. Das hat was von Familienehre. Stolz. Im Fall von Michael Kessler aber vor allem von Sturheit. Er suchte Macht und hat sie missbraucht – trotz aller Warnungen. Dem Vater bleiben Ruhm und Ehre auf alle Zeiten. Dem Sohn nur der Kampf – ebenfalls auf alle Zeiten.

Von Hardy Prothmann

Michael Kessler ist eine tragische Figur. Er wurde Bürgermeister auf dem Bonus-Ticket des legendären Vaters. Einem Gestalter mit enormer Energie. Einem Säufer und Schläger, der in seiner Zeit agieren konnte, wie das heute keiner mehr kann.

Der Sohn Michael Kessler kann viel. Er ist ein Verwaltungsbeamter mit sehr gutem Ruf im Kollegenkreis. Man schätzt seine Finanzkenntnisse. Man hört auf ihn. Der „Mischel“ ist ein Verwaltungsprofi par excellence. Er bohrt „Töpfe“ an, rechnet rauf und runter, ist peinlichst bemüht, Fehler zu vermeiden. Die Welt der Paragrafen – das ist seine Welt.

Der gigantische Kessler

Doch kaum jemand schätzt den Menschen Michael Kessler. Er gilt als cholerisch, rechthaberisch und äußerst unbequem. Und, besonders schlimm: Nachtragend bis zum Anschlag. Das sind Qualitäten, die er von seinem Vater geerbt hat. Der Vater aber hatte ein paar mehr. Beispielsweise Charisma – auch die, die ihn nicht schätzen, hielten ihn für einen außergewöhnlichen Menschen. Auch den Mischel hält man für außergewöhnlich – aber das ist, naja, nicht immer „nett“ gemeint.

Michael Kessler hat versucht, seinen Vater zu übertrumpfen. Mit „Pfenning“. Eine angebliche 100-Millionen-Euro-Investition. Und nicht nur den Vater. Wann hat das eine Gemeinde im Umkreis schon gehabt? Das ist groß. Größer als groß. Das ist gigantisch. „Gigantisch“ ist ein Lieblingswort von Michael Kessler. Auch, als er 1998 gewählt worden ist, fand er das „gigantisch“.

„Gigantisch“ ist ein Wort, das ihn fasziniert. Groß, größer, Kessler. Der Gigant. Dass die Giganten gegen die Götter antraten und was ihr Schicksal war, ist ihm scheinbar nicht bekannt. Er ist ja auch kein Intellektueller, sondern ein Verwaltungsfachwirt. Ein Bürokrat mit Hang zum Autokraten. Die Götter hatten keine Chance gegen die Giganten, nur in Verbindung mit den Menschen oder den Halbgöttern. Und die blieben siegreich.

Das macht Michael Kessler zu einer tragischen Figur. Er ist 1998 angetreten, um einem selbstherrlichen Fritz Alles den Thron streitig zu machen und er hat gewonnen. Aktuell bekommt er diesen streitig gemacht und er verhält sich wie Alles. Rhetorik, Habitus, Hybris – alles ist gleich. Michael Kessler kann einem fast leid tun. So schwach, wie er in seiner selbstverständlichen Demonstration der Stärke um die Darstellung kämpft, was er alles geschafft hat.

Er lässt sich durch Vasallen bestätigen, ob die Doll heißen oder sind. Egal. Kessler. Kessler. Kessler. Es geht um Machterhalt. Es darf und soll sich nichts ändern. Es darf niemanden geben, der besser ist. Das wäre kein Gewinn, sondern eine Bedrohung. Eine Matthias Claudius kennt Kessler nur von „Der Mond ist aufgegangen“, Zeilen wie, „Der König sei der bessre Mann, sonst sei der bessre König“, ist einem Michael Kessler nur ferne Poesie.

Der Vater starb, so sagt man, an einem Leberleiden. Der Phönix, der sich aus der Leber nährt, ist der Sohn, der Sommertagszugs gerne Schnaps ausschenkt und das auch „gut so“ findet. Selbst auf die öffentliche Frage einer Mutter, ob man das unter den Augen von Kindern tun sollte. „Ja, Ja, Ja“ sagt Herr Kessler. Das macht fassungslos. Vor allem, wenn die Bank aus alten Leuten klatscht und gröhlt und ein Herr Kessler mit schmalen Lippen das Kinn nach vorne schiebt.

Erniedrigung als „Ich-Prinzip“

Es heißt, das halbe Rathaus liege nach Feierabend regelmäßig bei Therapeuten auf der Couch. Bei einem Viernheimer Psychologen gäben sich die Rathausmitarbeiter die Klinke in die Hand. Ein Gerücht? Ich kenne sieben Personen persönlich, die mir das anvertraut haben.

Michael Kessler ist kein Teamplayer. Er ist ein Zuchtmeister. Er sagt, wo es langgeht und wenn jemand nicht spurt, dann knallt es. Im Vergleich zu anderen Gemeinden ist der Wechsel von Mitarbeitern auffällig. Und ebenso, wie viele Stellen aus dem persönlichen oder abhängigen Umfeld von Kessler besetzt sind.

Die von ihm geleiteten Gemeinderatssitzungen sind ohne Vergleich. Kein anderer Bürgermeister im Landtagswahlkreis Weinheim benimmt sich so herrisch und daneben wie er. Es gibt durchaus viele Bürger/innen, die sich für die Sitzungen interessieren würden, es aber nicht ertragen, wie er sich verhält. Bis hin zu der Antwort auf die Frage: „Sind Sie die Gemeinde?“, die er mit einem Lächeln und einem unzweideutigen: „Ja“, beantwortet hat. Kein anderer Bürgermeister traut sich auch nur ansatzweise, die Verfassung und die Gemeindeordnung so mit Füßen aus voller Selbstüberzeugung heraus zu treten. Das Hauptorgan der Gemeinde, den gewählten Gemeinderat, den repräsentativen Souverän, so zu erniedrigen. Und der Gemeinderat in Heddesheim, inklusive der Grünen, machte dieses böse Spiel mit.

Erfolg, Erfolg, Erfolg – das kann kein Mensch sein

Er verweist gerne auf „seine“ Erfolge – nicht auf die der Gemeinde. Herr Kessler hat keinen Cent, den die Gemeinde einnimmt, selbst marktwirtschaftlich erwirtschaftet. Die Gelder, die er investiert, sind Steuern und Gebühren. Dazu kommen Grundstücksan- und verkäufe. Viel ist nicht mehr übrig.

Über Misserfolge redet er nicht gern oder gar nicht. Da, wo heute „Pfenning“ steht, sollte das Edeka-Fleischwerk hin. Das zog nach Rheinstetten. Kesslers Einfluss? Null. Dass sich die Edeka nun für das Getränkelager in Heddesheim entschieden hat? Damit hat Herr Kessler nichts zu tun. Viele mittlere Firmen sind abgewandert – sie fanden keinen größeren Platz in Heddesheim. Das hat Herrn Kessler nicht interessiert.

Aktuell will er als künftigen Erfolg feiern, dass das Gewerbegebiet endlich schnelle Internetleitungen bekommt. Warum sind die nicht längst gelegt? Weil Herr Kessler auf Töpfe wartet – jetzt gibt es im Kreis dazu eine Initiative und alles wird gut. Das ist ein absoluter Standortfaktor – sträflich vernachlässigt von Herrn Kessler.

Die Kinderbetreuung in Heddesheim? Nach Vorschrift ist die in Ordnung. Nach der Lebenswirklichkeit von Eltern und Kindern nicht. Auf Druck von Elternbeirätinnen musste er das öffentlich eingestehen. Soweit man das so bezeichnen kann, wenn er sagt: „Wir sind hier Spitze, aber wir haben noch Verbesserungspotenzial.“

Kampf gegen Zuckerwürfel und den Neid

Wer nicht mit ihm ist, ist gegen ihn. Ob er dabei gegen einen Zuckerwürfel eines unliebsamen Künstlers kämpft, einzelnen Bürgern eine Veränderungssperre umhängt oder einen Hundesportplatz nicht genehmigt – rationale Argumente spielen keine Rolle. Nur, was Kessler will oder nicht.

„Darum beneiden uns andere Gemeinden“, ist ein Lieblingsspruch von Kessler. Was sagt der aus? Neid und Missgunst sind handlungsbestimmend. Wer nicht nur in Heddesheim wohnt, sondern wirklich mit dem Geschehen in der Gemeinde zu tun hat, weiß, was das bedeutet. Da fahren Unternehmer mit unauffälligen Zweitwagen zur Arbeit, obwohl sie „repräsentative“ Autos haben. Man hat aber Angst, dass das Neid erzeugt. Und höllische Angst vor einer Missgunst – denn die wird gnadenlos durchgezogen. Meine Mitarbeiter und ich berichten seit einigen Jahren aus elf Gemeinden – diese Atmosphäre der Angst, des Taktierens, des Misstrauens in Heddesheim ist beispiellos.

Doch worum beneiden andere Gemeinden denn Heddesheim eigentlich? Hauptattraktion ist der mit Abstand schönste Badesee in der Umgebung. Für vier Monate im Jahr. Hat der Fritz gemacht. Und sonst? Keinen Neid gibt es sicherlich zum betonierten „Dorfplatz“, der bis auf den Wochenmarkt und inszenierte Ereignisse ein lebloser Ort der Nicht-Begegnung ist. Wenn die Heddesheimer was unternehmen wollen, verlassen sie die Gemeinde. Zum Bummel in Ladenburg, wo selbst Heddesheimer Gemeinderäte, allen voran Herr Hasselbring, die Dinge des täglichen Bedarfs gerne einkaufen. Und wer Mode oder was anderes will, fährt ins Rhein-Neckar-Zentrum oder nach Mannheim.

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Die beiden Kandidaten – der eine „schmeckt“ die Chance (Günther Heinisch, links) dem Amtsinhaber Michael Kessler ist die Verkniffenheit ins Gesicht geschrieben.

 

„Verkehr“te Welt

Die Kesslersche Vision ist ein Super-Edeka in der Dorfmitte mit Riesen-Parkplatz. Vor 16 Jahren ist Kessler mit dem Versprechen angetreten, sich um die Dorfmitte zu kümmern. Was hat er seitdem „erfolgreich“ gestaltet? Den toten Platz? Was schwebt ihm vor? Wieder etwas Gigantisches.

Beim Verkehr lügt er, dass sich die Balken biegen. Als er 1998 angetreten ist, nannte er die Umgehungsstraße „utopisch“. Seither gibt er sich als „hartnäckiger“ Kämpfer dafür. Wir haben es recherchiert. Bis auf ein paar Briefe ist nichts passiert. Dafür setzt er auf Logistik. Und damit auf Verkehr. Es muss rollen.

Überhaupt der Verkehr. Der ÖPNV ist für Kessler war für arme. Er versprach damals zusätzliche Buslinien. Er selbst fährt einen schnittigen BMW mit ordentlich Dampf unter der Haube. Auf die Frage nach Schulwegen für Kinder sagt er nur, der sei auf dem direkten Weg gefährlich. Fußgänger sollen halt Umwege laufen.

Und die Vereine? Die fördert er an der langen Leine. Lange hungrig machen, irgendwann fressen lassen. Der Kunstrasenplatz für die Fortuna ist pünktlich in „gebührendem“ Abstand zur Wahl fertig geworden. Wie das gedankt werden soll, ist klar. Seine Rolle als Kassenwart eines Vereins, der betrogen worden ist, ist bis heute unklar. Die kleine Kasse hat ihn wohl nicht interessiert.

Verwalten – nicht leben

Wer den Bürgermeister Michael Kessler wählt, weiß, woran er ist. Man ordnet sich ein und unter, dann gibt es „Entwicklungsmöglichkeiten“. Wer das nicht tut, der hat in Heddesheim wenig Chancen. Wer nur in Heddesheim wohnt, den interessiert das alles vielleicht nicht so. Das Haus ist hübsch, der Garten gepflegt. Doch wenn Kinder da sind, fangen Probleme an. Das hält man über ein paar Jahre aus, bis die Kinder dann nach Ladenburg, Mannheim, Weinheim oder Viernheim in die Schule gehen.

Künftig bietet sich vielleicht die Gemeinschaftsschule an. Doch das ist eine Illusion. Kessler wird sie verwalten, aber nicht leben. Seine Kinder hat er nach Ladenburg geschickt. Er sucht hier Töpfe und rechnet. Mit Menschen spricht er dabei nicht, wie aktuell im Wahlkampf deutlich wurde. Und wer unangenehme Fragen stellt, dem fährt er über’s Maul. Die Fehlentscheidung für den Schulzweckverband mit Hirschberg? Da mag er nicht drüber reden. Hätte man die Hauptschule behalten, könnte man ruckzuck die Gemeinschaftsschule ohne Probleme einrichten.

Überhaupt Hirschberg. Das gespannte Verhältnis zwischen Hirschberg und Heddesheim ist beispiellos im Umkreis. Der „Kollege“ Manuel Just war und ist für Kessler nur ein „unerfahrener Junge“. Kessler war mit 39 Jahren recht jung, als er ins Amt gekommen ist. „Gigantisch“. Manuel Just war 28 Jahre alt, kam aus Rauenberg und hatte keinen Übervater in Hirschberg. Er ist durch den Ort gelaufen, hat geklingelt, den Leuten die Hand geschüttelt und gesagt: „Ich bin Manuel Just und möchte hier Bürgermeister werden.“ Und Manuel Just hat die Wahl klar für sich entschieden. Ohne Connection.

Es ist klar, dass ein Kessler in einem Just nur eine Provokation erkennen kann. Also provoziert er zurück. Und das Verhältnis zur Nachbargemeinde darf euphemistisch als „gespannt“ bezeichnet werden. Dabei wäre ein Bürgermeister Kessler sehr gut beraten, mal eine Sitzung als Zuschauer in Hirschberg zu besuchen und sich von der hervorragenden und tadellosen Sitzungsleitung eines Bürgermeisters Just „inspirieren“ zu lassen. Wenn beide zusammen agieren, ob im Schulzweckverband oder sonst, ist es schon fast körperlich peinsam, die Aversionen zu spüren.

Herausragend negativ

Wenn Sie bis hierhin gekommen sind, dann haben Sie viele Informationen erhalten, aus denen Sie schließen können, warum ich Herrn Kessler als Belastung für die Gemeinde Heddesheim empfinde. Das kann ich durch persönliche und berufliche Erfahrungen ergänzen. Ich habe bei keinem der anderen Bürgermeister in unserem Berichtsgebiet persönlich einen auch nur ansatzweise so negativen Eindruck wie von Herrn Kessler.

Er hat fortwährend, bewusst und gezielt versucht, unsere journalistische Arbeit zu behindern. Es gibt, anders, als das gerne „von gewissen Leuten“ in Heddesheim dargestellt wird, keinen „Rache-Feldzug“ gegen Herrn Kessler oder jemand anderen. Warum auch? Ich bin dort 2005 hingezogen und war ab 2009 anfangs unbedarft und mit einem überwältigenden Wahlerfolg drei Jahre Gemeinderat gewesen und habe mich sehr intensiv für die Gemeinde eingebracht. Ich hatte und habe in Heddesheim „keine Aktien“. Die vergiftete Atmosphäre in Heddesheim machen alle Werbegeschäfte dort sehr, sehr schwer. Heddesheim bringt uns fast keinen Umsatz. Wir berichten trotzdem. Und sicher nicht, weil es sonst nichts zu tun gäbe. (Siehe Kommentare zu anderen Artikeln.)

Ich komme mit allen anderen Bürgermeistern insgesamt gut und teils hervorragend aus – trotz kritischer Berichterstattung, die nicht immer gefällt und immer wieder mal „für Ärger sorgt“. Na und? Kritische Auseinandersetzung ist die Aufgabe von gutem Journalismus. Das gefällt nicht immer, wird aber akzeptiert, weil allen Beteiligten klar ist, dass es „beruflich“ gemeint ist und nicht „persönlich“.

Diese Unterscheidung kann ein Michael Kessler nicht mehr treffen. Er nimmt alles persönlich. Und – das gebe ich zu – das spiegele ich auch in Berichten wie diesem. Er will es persönlich, dann bekommt er es auch persönlich. Was Herr Kessler nicht weiß: Ich hätte sehr viel „Persönliches“ über ihn zu berichten. Die Leute schwätzen. Aber das ist privat. Und ohne Relevanz für die Öffentlichkeit bleibt das auch privat. „Insider“ wissen, was ich meine.

Periode 3 heißt Pfenning 2

Aus meiner Sicht hat Bürgermeister Michael Kessler einen gravierenden Fehler gemacht. Er ist nicht gegangen, als es „am schönsten“ war. Er hat unbestritten über 16 Jahre viel Leistung gezeigt und als Bürokrat hat er seinen Dienst nach Vorschrift ehrgeizig erfüllt.

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Mütter und Elternbeirätinnen hat Michael Kessler nicht erreicht. Sie sind unzufrieden. Mit dem Angebot und mit den Antworten des Bürgermeisters.

 

Ich wünsche ihm persönlich, dass er nicht für eine dritte Amtsperiode gewählt wird. Denn dann wird er „Pfenning 2“ entwickeln und weitere acht Jahre sind eine lange Zeit. Der erste Schlag könnte im Mai erfolgen, wenn sich mit der Kommunalwahl seine Machtbasis im Gemeinderat nochmals verringert. 2009 kostete die „Pfenning“-Ansiedlung sechs Sitze. Drei für die Grünen, je einer aus SPD und CDU sowie meiner auf der FDP-Liste (dafür schäme ich mich im Nachhinein). Doch selbst wenn die Grünen Sitze bei der Kommunalwahl gewinnen sollten, meinetwegen zwei weitere, wird es, zwei Abweichler bei CDU und SPD eingerechnet nur für zehn Sitze reichen, die nicht machen, was Kessler will. Auf seiner Seite würden zwölf plus seine Stimme, also die Mehrheit, bleiben (wobei ich nicht weiß, wie die „Befangenheiten“ sein werden). Kessler wird das als einsamen Kampf bis zum bitteren Ende empfinden. Denn er hat längst jegliches Gefühl für den Konsens verloren. Was angesichts manch „depperter“ Gemeinderäte nachvollziehbar ist – grundsätzlich aber nicht. Es sind und bleiben gewählte Repräsentanten. Und ein Bürgermeister hat die Pflicht, ehrenhaft und vorbildlich zu sein – unbedingt im respektvollen Umgang. Und hier ist Michael Kessler der größte Versager, den ich in der Bürgermeisterrunde kenne.

Den Beschäftigten bei „Pfenning“ ist zu wünschen, dass nicht noch mehr „Stellen“ abgebaut werden, aber die Chancen stehen schlecht. Die Reaktion von Herrn Kessler wird „gigantisch“ sein. Er wird nochmals auf „Größe“ setzen und weitere 15 Hektar behallen lassen. Mit „Pfenning“ – also Karl-Martin Pfenning. Denn mit „pfenning logistics“ hat die Gemeinde nie wirklich verhandelt. „Pfenning“ ist eben kein Unternehmen mit „Compliance“-Werten. „Pfenning“ ist kein Konzern mit Regeln. „Pfenning“ ist Karl-Martin. Dessen Vater hat Milch ausgefahren. Das wurde groß. Der Fritz hat Heddesheim groß gemacht. Der Karl-Martin und der Mischel wollten zusammen groß sein. Der Karl-Martin hat ordentlich Asche gemacht, der Mischel hat die Probleme am Hals. So kann’s gehen.

Schade auch – gute Freunde wären wichtig gewesen

Michael Kessler ist eine tragische Figur. Seinem Gigantisch verfallen. Er weiß das nur noch nicht und wird bis zum Umfallen daran schuften, das nicht erkennen zu wollen. Er will gerne Manager sein, ist aber ein Verwaltungsbeamter. Er würde gerne das große Rad drehen, muss aber leider, leider all diese gesetzlichen Dinge beachten. In seinem Haushalt steigen die Kosten, weil Tarifverträge gelten. Beim Karl-Martin läuft das anders. Der macht hire&fire, 8,19 Euro brutto die Stunde. Faszinierend. „Das läuft überall so, auch bei der Edeka“, sagt Kessler und merkt nicht, dass er im Verderben angekommen ist.

Es ist sehr schade für Michael Kessler, dass er nie Gelegenheit hatte, Freunde zu finden, die ihm ganz ehrlich und ohne Angst haben sagen können: „Mischel – Du hast alles gegeben und eigentlich warst Du erfolgreich. Sei stolz drauf. Aber lass es jetzt gut sein. Denn wenn Du so weitermachst, endet es nicht gut.“

Der Karl-Martin zündet sich derweil eine Zigarre an und redet über’s Geschäft. Und was der Mischel für ihn tun kann, um „im Geschäft zu sein“. Michael Kessler hat sich auf ein Spiel eingelassen, dass er nie gelernt hat. Und solche Spiele verliert man immer. Das sollte er wissen. Denn sein Spiel kennt er gut. Er lässt jeden verlieren, der es nicht kennt und wer sich kundig macht, wird bekämpft.

Auch das ist tragisch an Michael Kessler – er steht einer Gemeinde vor, in der es viele engagierte Menschen gibt. Leider nutzt er das Potenzial nicht. Denn dann würde er ja abgeben müssen. Und das kann nicht sein.

Anm. d. Red.: Für uns wäre eine Wiederwahl von Herrn Kessler übrigens geradezu ideal, wenn man „klassisch“ denkt. Weitere acht Jahre Streit und Skandale. Konfrontationen und Überheblichkeiten. Tatsächlich wünschen wir uns für die Gemeinde Heddesheim ein wenig mehr Ruhe, Zeit zum Atmen und aufeinander zuzugehen. Mit Herrn Kessler an der Spitze der Verwaltung wird das garantiert nicht möglich sein.