Montag, 24. Juli 2017

Bürgermeisterwahl

Eine Wiederwahl wäre tragisch – für alle, aber vor allem für den Mischel

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„Gigantisch“ war 1998 das Gefühl, Bürgermeister geworden zu sein. 16 Jahre lang ist Michael Kessler von dem Trip nicht mehr heruntergekommen. Das hat ihn gezeichnet.

 

Heddesheim, 14. März 2014. (red/pro) Michael Kessler ist ein ehrgeiziger Mann. Ein getriebener. Kein Wunder. Denn sein Vater Fritz ist Legende. Fritz Kessler hat alles, was Heddesheim ausmacht, angelegt. Sportzentrum, Badesee, Straßen, Infrastruktur. Jeder Sohn will es dem Vater mindestens gleich tun. Das hat was von Familienehre. Stolz. Im Fall von Michael Kessler aber vor allem von Sturheit. Er suchte Macht und hat sie missbraucht – trotz aller Warnungen. Dem Vater bleiben Ruhm und Ehre auf alle Zeiten. Dem Sohn nur der Kampf – ebenfalls auf alle Zeiten.

Von Hardy Prothmann

Michael Kessler ist eine tragische Figur. Er wurde Bürgermeister auf dem Bonus-Ticket des legendären Vaters. Einem Gestalter mit enormer Energie. Einem Säufer und Schläger, der in seiner Zeit agieren konnte, wie das heute keiner mehr kann.

Der Sohn Michael Kessler kann viel. Er ist ein Verwaltungsbeamter mit sehr gutem Ruf im Kollegenkreis. Man schätzt seine Finanzkenntnisse. Man hört auf ihn. Der „Mischel“ ist ein Verwaltungsprofi par excellence. Er bohrt „Töpfe“ an, rechnet rauf und runter, ist peinlichst bemüht, Fehler zu vermeiden. Die Welt der Paragrafen – das ist seine Welt.

Der gigantische Kessler

Doch kaum jemand schätzt den Menschen Michael Kessler. Er gilt als cholerisch, rechthaberisch und äußerst unbequem. Und, besonders schlimm: Nachtragend bis zum Anschlag. Das sind Qualitäten, die er von seinem Vater geerbt hat. Der Vater aber hatte ein paar mehr. Beispielsweise Charisma – auch die, die ihn nicht schätzen, hielten ihn für einen außergewöhnlichen Menschen. Auch den Mischel hält man für außergewöhnlich – aber das ist, naja, nicht immer „nett“ gemeint.

Michael Kessler hat versucht, seinen Vater zu übertrumpfen. Mit „Pfenning“. Eine angebliche 100-Millionen-Euro-Investition. Und nicht nur den Vater. Wann hat das eine Gemeinde im Umkreis schon gehabt? Das ist groß. Größer als groß. Das ist gigantisch. „Gigantisch“ ist ein Lieblingswort von Michael Kessler. Auch, als er 1998 gewählt worden ist, fand er das „gigantisch“.

„Gigantisch“ ist ein Wort, das ihn fasziniert. Groß, größer, Kessler. Der Gigant. Dass die Giganten gegen die Götter antraten und was ihr Schicksal war, ist ihm scheinbar nicht bekannt. Er ist ja auch kein Intellektueller, sondern ein Verwaltungsfachwirt. Ein Bürokrat mit Hang zum Autokraten. Die Götter hatten keine Chance gegen die Giganten, nur in Verbindung mit den Menschen oder den Halbgöttern. Und die blieben siegreich.

Das macht Michael Kessler zu einer tragischen Figur. Er ist 1998 angetreten, um einem selbstherrlichen Fritz Alles den Thron streitig zu machen und er hat gewonnen. Aktuell bekommt er diesen streitig gemacht und er verhält sich wie Alles. Rhetorik, Habitus, Hybris – alles ist gleich. Michael Kessler kann einem fast leid tun. So schwach, wie er in seiner selbstverständlichen Demonstration der Stärke um die Darstellung kämpft, was er alles geschafft hat.

Er lässt sich durch Vasallen bestätigen, ob die Doll heißen oder sind. Egal. Kessler. Kessler. Kessler. Es geht um Machterhalt. Es darf und soll sich nichts ändern. Es darf niemanden geben, der besser ist. Das wäre kein Gewinn, sondern eine Bedrohung. Eine Matthias Claudius kennt Kessler nur von „Der Mond ist aufgegangen“, Zeilen wie, „Der König sei der bessre Mann, sonst sei der bessre König“, ist einem Michael Kessler nur ferne Poesie.

Der Vater starb, so sagt man, an einem Leberleiden. Der Phönix, der sich aus der Leber nährt, ist der Sohn, der Sommertagszugs gerne Schnaps ausschenkt und das auch „gut so“ findet. Selbst auf die öffentliche Frage einer Mutter, ob man das unter den Augen von Kindern tun sollte. „Ja, Ja, Ja“ sagt Herr Kessler. Das macht fassungslos. Vor allem, wenn die Bank aus alten Leuten klatscht und gröhlt und ein Herr Kessler mit schmalen Lippen das Kinn nach vorne schiebt.

Erniedrigung als „Ich-Prinzip“

Es heißt, das halbe Rathaus liege nach Feierabend regelmäßig bei Therapeuten auf der Couch. Bei einem Viernheimer Psychologen gäben sich die Rathausmitarbeiter die Klinke in die Hand. Ein Gerücht? Ich kenne sieben Personen persönlich, die mir das anvertraut haben.

Michael Kessler ist kein Teamplayer. Er ist ein Zuchtmeister. Er sagt, wo es langgeht und wenn jemand nicht spurt, dann knallt es. Im Vergleich zu anderen Gemeinden ist der Wechsel von Mitarbeitern auffällig. Und ebenso, wie viele Stellen aus dem persönlichen oder abhängigen Umfeld von Kessler besetzt sind.

Die von ihm geleiteten Gemeinderatssitzungen sind ohne Vergleich. Kein anderer Bürgermeister im Landtagswahlkreis Weinheim benimmt sich so herrisch und daneben wie er. Es gibt durchaus viele Bürger/innen, die sich für die Sitzungen interessieren würden, es aber nicht ertragen, wie er sich verhält. Bis hin zu der Antwort auf die Frage: „Sind Sie die Gemeinde?“, die er mit einem Lächeln und einem unzweideutigen: „Ja“, beantwortet hat. Kein anderer Bürgermeister traut sich auch nur ansatzweise, die Verfassung und die Gemeindeordnung so mit Füßen aus voller Selbstüberzeugung heraus zu treten. Das Hauptorgan der Gemeinde, den gewählten Gemeinderat, den repräsentativen Souverän, so zu erniedrigen. Und der Gemeinderat in Heddesheim, inklusive der Grünen, machte dieses böse Spiel mit.

Erfolg, Erfolg, Erfolg – das kann kein Mensch sein

Er verweist gerne auf „seine“ Erfolge – nicht auf die der Gemeinde. Herr Kessler hat keinen Cent, den die Gemeinde einnimmt, selbst marktwirtschaftlich erwirtschaftet. Die Gelder, die er investiert, sind Steuern und Gebühren. Dazu kommen Grundstücksan- und verkäufe. Viel ist nicht mehr übrig.

Über Misserfolge redet er nicht gern oder gar nicht. Da, wo heute „Pfenning“ steht, sollte das Edeka-Fleischwerk hin. Das zog nach Rheinstetten. Kesslers Einfluss? Null. Dass sich die Edeka nun für das Getränkelager in Heddesheim entschieden hat? Damit hat Herr Kessler nichts zu tun. Viele mittlere Firmen sind abgewandert – sie fanden keinen größeren Platz in Heddesheim. Das hat Herrn Kessler nicht interessiert.

Aktuell will er als künftigen Erfolg feiern, dass das Gewerbegebiet endlich schnelle Internetleitungen bekommt. Warum sind die nicht längst gelegt? Weil Herr Kessler auf Töpfe wartet – jetzt gibt es im Kreis dazu eine Initiative und alles wird gut. Das ist ein absoluter Standortfaktor – sträflich vernachlässigt von Herrn Kessler.

Die Kinderbetreuung in Heddesheim? Nach Vorschrift ist die in Ordnung. Nach der Lebenswirklichkeit von Eltern und Kindern nicht. Auf Druck von Elternbeirätinnen musste er das öffentlich eingestehen. Soweit man das so bezeichnen kann, wenn er sagt: „Wir sind hier Spitze, aber wir haben noch Verbesserungspotenzial.“

Kampf gegen Zuckerwürfel und den Neid

Wer nicht mit ihm ist, ist gegen ihn. Ob er dabei gegen einen Zuckerwürfel eines unliebsamen Künstlers kämpft, einzelnen Bürgern eine Veränderungssperre umhängt oder einen Hundesportplatz nicht genehmigt – rationale Argumente spielen keine Rolle. Nur, was Kessler will oder nicht.

„Darum beneiden uns andere Gemeinden“, ist ein Lieblingsspruch von Kessler. Was sagt der aus? Neid und Missgunst sind handlungsbestimmend. Wer nicht nur in Heddesheim wohnt, sondern wirklich mit dem Geschehen in der Gemeinde zu tun hat, weiß, was das bedeutet. Da fahren Unternehmer mit unauffälligen Zweitwagen zur Arbeit, obwohl sie „repräsentative“ Autos haben. Man hat aber Angst, dass das Neid erzeugt. Und höllische Angst vor einer Missgunst – denn die wird gnadenlos durchgezogen. Meine Mitarbeiter und ich berichten seit einigen Jahren aus elf Gemeinden – diese Atmosphäre der Angst, des Taktierens, des Misstrauens in Heddesheim ist beispiellos.

Doch worum beneiden andere Gemeinden denn Heddesheim eigentlich? Hauptattraktion ist der mit Abstand schönste Badesee in der Umgebung. Für vier Monate im Jahr. Hat der Fritz gemacht. Und sonst? Keinen Neid gibt es sicherlich zum betonierten „Dorfplatz“, der bis auf den Wochenmarkt und inszenierte Ereignisse ein lebloser Ort der Nicht-Begegnung ist. Wenn die Heddesheimer was unternehmen wollen, verlassen sie die Gemeinde. Zum Bummel in Ladenburg, wo selbst Heddesheimer Gemeinderäte, allen voran Herr Hasselbring, die Dinge des täglichen Bedarfs gerne einkaufen. Und wer Mode oder was anderes will, fährt ins Rhein-Neckar-Zentrum oder nach Mannheim.

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Die beiden Kandidaten – der eine „schmeckt“ die Chance (Günther Heinisch, links) dem Amtsinhaber Michael Kessler ist die Verkniffenheit ins Gesicht geschrieben.

 

„Verkehr“te Welt

Die Kesslersche Vision ist ein Super-Edeka in der Dorfmitte mit Riesen-Parkplatz. Vor 16 Jahren ist Kessler mit dem Versprechen angetreten, sich um die Dorfmitte zu kümmern. Was hat er seitdem „erfolgreich“ gestaltet? Den toten Platz? Was schwebt ihm vor? Wieder etwas Gigantisches.

Beim Verkehr lügt er, dass sich die Balken biegen. Als er 1998 angetreten ist, nannte er die Umgehungsstraße „utopisch“. Seither gibt er sich als „hartnäckiger“ Kämpfer dafür. Wir haben es recherchiert. Bis auf ein paar Briefe ist nichts passiert. Dafür setzt er auf Logistik. Und damit auf Verkehr. Es muss rollen.

Überhaupt der Verkehr. Der ÖPNV ist für Kessler war für arme. Er versprach damals zusätzliche Buslinien. Er selbst fährt einen schnittigen BMW mit ordentlich Dampf unter der Haube. Auf die Frage nach Schulwegen für Kinder sagt er nur, der sei auf dem direkten Weg gefährlich. Fußgänger sollen halt Umwege laufen.

Und die Vereine? Die fördert er an der langen Leine. Lange hungrig machen, irgendwann fressen lassen. Der Kunstrasenplatz für die Fortuna ist pünktlich in „gebührendem“ Abstand zur Wahl fertig geworden. Wie das gedankt werden soll, ist klar. Seine Rolle als Kassenwart eines Vereins, der betrogen worden ist, ist bis heute unklar. Die kleine Kasse hat ihn wohl nicht interessiert.

Verwalten – nicht leben

Wer den Bürgermeister Michael Kessler wählt, weiß, woran er ist. Man ordnet sich ein und unter, dann gibt es „Entwicklungsmöglichkeiten“. Wer das nicht tut, der hat in Heddesheim wenig Chancen. Wer nur in Heddesheim wohnt, den interessiert das alles vielleicht nicht so. Das Haus ist hübsch, der Garten gepflegt. Doch wenn Kinder da sind, fangen Probleme an. Das hält man über ein paar Jahre aus, bis die Kinder dann nach Ladenburg, Mannheim, Weinheim oder Viernheim in die Schule gehen.

Künftig bietet sich vielleicht die Gemeinschaftsschule an. Doch das ist eine Illusion. Kessler wird sie verwalten, aber nicht leben. Seine Kinder hat er nach Ladenburg geschickt. Er sucht hier Töpfe und rechnet. Mit Menschen spricht er dabei nicht, wie aktuell im Wahlkampf deutlich wurde. Und wer unangenehme Fragen stellt, dem fährt er über’s Maul. Die Fehlentscheidung für den Schulzweckverband mit Hirschberg? Da mag er nicht drüber reden. Hätte man die Hauptschule behalten, könnte man ruckzuck die Gemeinschaftsschule ohne Probleme einrichten.

Überhaupt Hirschberg. Das gespannte Verhältnis zwischen Hirschberg und Heddesheim ist beispiellos im Umkreis. Der „Kollege“ Manuel Just war und ist für Kessler nur ein „unerfahrener Junge“. Kessler war mit 39 Jahren recht jung, als er ins Amt gekommen ist. „Gigantisch“. Manuel Just war 28 Jahre alt, kam aus Rauenberg und hatte keinen Übervater in Hirschberg. Er ist durch den Ort gelaufen, hat geklingelt, den Leuten die Hand geschüttelt und gesagt: „Ich bin Manuel Just und möchte hier Bürgermeister werden.“ Und Manuel Just hat die Wahl klar für sich entschieden. Ohne Connection.

Es ist klar, dass ein Kessler in einem Just nur eine Provokation erkennen kann. Also provoziert er zurück. Und das Verhältnis zur Nachbargemeinde darf euphemistisch als „gespannt“ bezeichnet werden. Dabei wäre ein Bürgermeister Kessler sehr gut beraten, mal eine Sitzung als Zuschauer in Hirschberg zu besuchen und sich von der hervorragenden und tadellosen Sitzungsleitung eines Bürgermeisters Just „inspirieren“ zu lassen. Wenn beide zusammen agieren, ob im Schulzweckverband oder sonst, ist es schon fast körperlich peinsam, die Aversionen zu spüren.

Herausragend negativ

Wenn Sie bis hierhin gekommen sind, dann haben Sie viele Informationen erhalten, aus denen Sie schließen können, warum ich Herrn Kessler als Belastung für die Gemeinde Heddesheim empfinde. Das kann ich durch persönliche und berufliche Erfahrungen ergänzen. Ich habe bei keinem der anderen Bürgermeister in unserem Berichtsgebiet persönlich einen auch nur ansatzweise so negativen Eindruck wie von Herrn Kessler.

Er hat fortwährend, bewusst und gezielt versucht, unsere journalistische Arbeit zu behindern. Es gibt, anders, als das gerne „von gewissen Leuten“ in Heddesheim dargestellt wird, keinen „Rache-Feldzug“ gegen Herrn Kessler oder jemand anderen. Warum auch? Ich bin dort 2005 hingezogen und war ab 2009 anfangs unbedarft und mit einem überwältigenden Wahlerfolg drei Jahre Gemeinderat gewesen und habe mich sehr intensiv für die Gemeinde eingebracht. Ich hatte und habe in Heddesheim „keine Aktien“. Die vergiftete Atmosphäre in Heddesheim machen alle Werbegeschäfte dort sehr, sehr schwer. Heddesheim bringt uns fast keinen Umsatz. Wir berichten trotzdem. Und sicher nicht, weil es sonst nichts zu tun gäbe. (Siehe Kommentare zu anderen Artikeln.)

Ich komme mit allen anderen Bürgermeistern insgesamt gut und teils hervorragend aus – trotz kritischer Berichterstattung, die nicht immer gefällt und immer wieder mal „für Ärger sorgt“. Na und? Kritische Auseinandersetzung ist die Aufgabe von gutem Journalismus. Das gefällt nicht immer, wird aber akzeptiert, weil allen Beteiligten klar ist, dass es „beruflich“ gemeint ist und nicht „persönlich“.

Diese Unterscheidung kann ein Michael Kessler nicht mehr treffen. Er nimmt alles persönlich. Und – das gebe ich zu – das spiegele ich auch in Berichten wie diesem. Er will es persönlich, dann bekommt er es auch persönlich. Was Herr Kessler nicht weiß: Ich hätte sehr viel „Persönliches“ über ihn zu berichten. Die Leute schwätzen. Aber das ist privat. Und ohne Relevanz für die Öffentlichkeit bleibt das auch privat. „Insider“ wissen, was ich meine.

Periode 3 heißt Pfenning 2

Aus meiner Sicht hat Bürgermeister Michael Kessler einen gravierenden Fehler gemacht. Er ist nicht gegangen, als es „am schönsten“ war. Er hat unbestritten über 16 Jahre viel Leistung gezeigt und als Bürokrat hat er seinen Dienst nach Vorschrift ehrgeizig erfüllt.

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Mütter und Elternbeirätinnen hat Michael Kessler nicht erreicht. Sie sind unzufrieden. Mit dem Angebot und mit den Antworten des Bürgermeisters.

 

Ich wünsche ihm persönlich, dass er nicht für eine dritte Amtsperiode gewählt wird. Denn dann wird er „Pfenning 2“ entwickeln und weitere acht Jahre sind eine lange Zeit. Der erste Schlag könnte im Mai erfolgen, wenn sich mit der Kommunalwahl seine Machtbasis im Gemeinderat nochmals verringert. 2009 kostete die „Pfenning“-Ansiedlung sechs Sitze. Drei für die Grünen, je einer aus SPD und CDU sowie meiner auf der FDP-Liste (dafür schäme ich mich im Nachhinein). Doch selbst wenn die Grünen Sitze bei der Kommunalwahl gewinnen sollten, meinetwegen zwei weitere, wird es, zwei Abweichler bei CDU und SPD eingerechnet nur für zehn Sitze reichen, die nicht machen, was Kessler will. Auf seiner Seite würden zwölf plus seine Stimme, also die Mehrheit, bleiben (wobei ich nicht weiß, wie die „Befangenheiten“ sein werden). Kessler wird das als einsamen Kampf bis zum bitteren Ende empfinden. Denn er hat längst jegliches Gefühl für den Konsens verloren. Was angesichts manch „depperter“ Gemeinderäte nachvollziehbar ist – grundsätzlich aber nicht. Es sind und bleiben gewählte Repräsentanten. Und ein Bürgermeister hat die Pflicht, ehrenhaft und vorbildlich zu sein – unbedingt im respektvollen Umgang. Und hier ist Michael Kessler der größte Versager, den ich in der Bürgermeisterrunde kenne.

Den Beschäftigten bei „Pfenning“ ist zu wünschen, dass nicht noch mehr „Stellen“ abgebaut werden, aber die Chancen stehen schlecht. Die Reaktion von Herrn Kessler wird „gigantisch“ sein. Er wird nochmals auf „Größe“ setzen und weitere 15 Hektar behallen lassen. Mit „Pfenning“ – also Karl-Martin Pfenning. Denn mit „pfenning logistics“ hat die Gemeinde nie wirklich verhandelt. „Pfenning“ ist eben kein Unternehmen mit „Compliance“-Werten. „Pfenning“ ist kein Konzern mit Regeln. „Pfenning“ ist Karl-Martin. Dessen Vater hat Milch ausgefahren. Das wurde groß. Der Fritz hat Heddesheim groß gemacht. Der Karl-Martin und der Mischel wollten zusammen groß sein. Der Karl-Martin hat ordentlich Asche gemacht, der Mischel hat die Probleme am Hals. So kann’s gehen.

Schade auch – gute Freunde wären wichtig gewesen

Michael Kessler ist eine tragische Figur. Seinem Gigantisch verfallen. Er weiß das nur noch nicht und wird bis zum Umfallen daran schuften, das nicht erkennen zu wollen. Er will gerne Manager sein, ist aber ein Verwaltungsbeamter. Er würde gerne das große Rad drehen, muss aber leider, leider all diese gesetzlichen Dinge beachten. In seinem Haushalt steigen die Kosten, weil Tarifverträge gelten. Beim Karl-Martin läuft das anders. Der macht hire&fire, 8,19 Euro brutto die Stunde. Faszinierend. „Das läuft überall so, auch bei der Edeka“, sagt Kessler und merkt nicht, dass er im Verderben angekommen ist.

Es ist sehr schade für Michael Kessler, dass er nie Gelegenheit hatte, Freunde zu finden, die ihm ganz ehrlich und ohne Angst haben sagen können: „Mischel – Du hast alles gegeben und eigentlich warst Du erfolgreich. Sei stolz drauf. Aber lass es jetzt gut sein. Denn wenn Du so weitermachst, endet es nicht gut.“

Der Karl-Martin zündet sich derweil eine Zigarre an und redet über’s Geschäft. Und was der Mischel für ihn tun kann, um „im Geschäft zu sein“. Michael Kessler hat sich auf ein Spiel eingelassen, dass er nie gelernt hat. Und solche Spiele verliert man immer. Das sollte er wissen. Denn sein Spiel kennt er gut. Er lässt jeden verlieren, der es nicht kennt und wer sich kundig macht, wird bekämpft.

Auch das ist tragisch an Michael Kessler – er steht einer Gemeinde vor, in der es viele engagierte Menschen gibt. Leider nutzt er das Potenzial nicht. Denn dann würde er ja abgeben müssen. Und das kann nicht sein.

Anm. d. Red.: Für uns wäre eine Wiederwahl von Herrn Kessler übrigens geradezu ideal, wenn man „klassisch“ denkt. Weitere acht Jahre Streit und Skandale. Konfrontationen und Überheblichkeiten. Tatsächlich wünschen wir uns für die Gemeinde Heddesheim ein wenig mehr Ruhe, Zeit zum Atmen und aufeinander zuzugehen. Mit Herrn Kessler an der Spitze der Verwaltung wird das garantiert nicht möglich sein.

 

  • A. Hoffmann

    Diesem Artikel ist nichts mehr hinzuzufügen – trifft den Nagel auf den Kopf. Es hat sich „ausgekesslert“ Herr Kessler!

  • Schmitt

    Brillant geschrieben. Leider überfordert dieses hohe Niveau so manch einen, wie man an den Kommentaren auf Facebook erkennen kann.

  • StefanHönig

    Sehr geehrter Herr Prothmann,

    seit geraumer Zeit verfolge ich die in Heddesheim aktuellen Themen nicht nur
    bei den von Ihnen so titulierten „Bratwurstjournalisten“ vom
    Mannheimer Morgen, sondern auch im Heddesheimblog.

    Ich selbst lebe seit gut 10 Jahren hier im Ortskern von Heddesheim, und
    fühle mich eigentlich hier sehr wohl.

    Wenn ich jedoch Ihre Berichterstattung verfolge, merke ich, dass mit meiner
    Gefühlswelt irgendetwas nicht stimmen kann.

    Beim Lesen der von Ihnen verfassten Artikel – speziell über den Bürgermeister-
    entsteht bei mir immer wieder folgender Eindruck:

    1.) Heddesheim ist ein verwunschener Ort irgendwo im Nordkoreanischen
    Niemandsland.

    2.) Seit nunmehr 16 Jahren regiert der Fürst der Finsternis Kim Jong Il Kessler
    (von seinen Untertanen/Vasallen auch „Mischel“ genannt) das Land.

    Er allein bestimmt als großer Diktator, was die Menschen zu sagen und zu
    denken haben; die unmündigen Bewohner schleichen gebückt und gekesslert
    durch den Ort; Sie haben Angst davor eine eigene Meinung zu haben, oder
    diese gar zu artikulieren.

    3.) Der Autokrat Kessler lässt die Bewohner in Armut leben, und in Dummheit
    sterben.( oder auch andersrum; immerhin gesteht er diesbezüglich
    den Untertanen/Vasallen ein freies Wahlrecht zu, was die Situation an sich
    jedoch nicht wirklich verbessert !).

    4.) Während über den Nachbarorten die Sonne strahlt, wird Heddesheim
    mit ewiger Dunkelheit gestraft.

    Ich hoffe, dass meine leicht ironischen Bemerkungen nicht Ihrer Nettiquette zum
    Opfer fallen.

    Dennoch frage ich mich: Warum alles so negativ?
    Es gibt mit Sicherheit viele Dinge, über die man geteilter Meinung sein
    kann; z.B. die Frage welchen Nutzen die Ansiedlung der Firma Pfenning unserer
    Gemeinde gebracht hat.

    Dies alles kann man kontrovers und durchaus hart in der Sache diskutieren.

    Was mir jedoch speziell an Ihren Kommentierungen/Ihrer Berichterstattung stark
    missfällt, ist die Art und Weise, mit der Sie Kritik üben.

    Sachliche Kritik muss jeder Mensch – erst recht ein Funktionsträger wie
    unser Bürgermeister – ertragen.

    Sie jedoch gleiten immer auf eine persönliche, sehr stark verletzende Ebene ab;
    tatsächliche bzw. vermeintliche Schwächen des anderen werden herausgestellt;
    ohne Rücksicht auf Verluste.

    Derartig vorgetragene Kritik ist niemals konstruktiv, die Rückkehr auf eine
    sachliche Gesprächsebene wird hierdurch erschwert, vielleicht sogar unmöglich
    gemacht.

    Überdies wird Ihr Artikel zur Bürgermeisterwahl am Sonntag mit Bildern
    unterfüttert, die dem Leser suggerieren sollen, dass der derzeitige Amtsinhaber
    „ gezeichnet“ bzw. „verkniffen“ ist.

    Hierzu mein Kompliment: Sie haben am vergangenen Montag ( ich war im übrigen
    vor Ort) selbst die Fotos geschossen; Sie haben sich sehr viel Zeit dafür
    gelassen, den richtigen Augenblick abzuwarten, damit der Amtsinhaber auf den
    Bildern müde und erschöpft sowie verkniffen aussieht; Sie haben in dem für Sie
    richtigen Moment den Auslöser der Kamera betätigt; Sie haben noch einen
    passenden Untertext geschrieben und fertig war der Amtsinhaber ( oder auch
    nicht; das wird einzig und allein der Wähler am Sonntag entscheiden).

    Genausogut (oder schlecht) hätten Sie auch von Herrn Heinisch unvorteilhafte

    Fotos machen können; dies unterblieb natürlich.

    Das was Sie machen ist somit auch eine Form der Manipulation.

    Damit kein falscher Eindruck entsteht: Ich kenne Herrn Kessler persönlich
    überhaupt nicht; ich kann mir daher bezüglich seiner Charaktereigenschaften
    keinerlei Urteil anmaßen.

    Aber darum geht es gar nicht.

    Selbst wenn all die unterstellten Attribute ( cholerisch, rechthaberisch ,
    nachtragend etc. ) zutreffen, rechtfertigt dies meiner Ansicht nach
    keinesfalls Ihre Vorgehensweise.

    Mir geht es nicht um Herrn Kessler, der als Bürgermeister kommenden
    Sonntag wiedergewählt werden möchte , sondern vielmehr um die (Un)art mit
    der Sie über andere Menschen berichten, bzw. meinen richten zu müssen.

    Der Artikel vom 14.03.14 hat bei mir persönlich das Fass zum Überlaufen
    gebracht.

    Man kann auch versuchen, mit Worten einen Menschen zu beschädigen, Ihn zu
    vernichten.

    Da passt es ins Bild, wenn man zwischendurch noch eine kleine Bemerkung
    hinsichtlich des trinkfreudigen Übervaters fallen lässt, aus dessen Schatten
    der Schnapsausschenkende Sohn ebenso verzweifelt, wie vergebens herauszutreten versucht.

    Die von Ihnen gewählte Form des Journalismus empfinde ich persönlich als
    schlimm, als destruktiv ; da sind mir die – hier stimme ich Ihnen zu-
    größtenteils zu braven Journalisten des MM wesentlich lieber; dort
    unterbleiben wenigsten diese persönlichen Anfeindungen.

  • hardyprothmann

    Hallo Herr Hönig,

    zunächst mal Danke für die umfassende Kritik.

    Wenn Sie nur als Bürger in Heddesheim wohnen, haben Sie tatsächlich keinen Einblick in die Verwaltung und die Seilschaften, die es in Heddesheim gibt. Wenn Sie keine Kinder in der Betreuung haben, kein Künstler sind, keinen Bauantrag gestellt haben oder sonst etwas, was mit der Gemeine zu tun hat. Die hatte ich vor 2009 auch nicht. Ich habe von 2005-2012 in Heddesheim gelebt.

    Sie lesen leider nur das im Text, was Sie sich aussuchen, um die These zu stützen, ich wollte „alles“ negativ beschreiben. Es gibt hier 3.000 Artikel, die in den vergangenen fünf Jahren entstanden sind. Alle negativ? Das würde ich mal vehement bestreiten.

    Dieser Artikel ist eine Konzentration dieser fünfjährigen Arbeit. Mit sehr vielen Erfahrungen, unzähligen Informationen.

    Michael Kessler wird eindeutig als „sehr guter Verwaltungsbeamter“ gelobt. Der Vater als „Gestalter von Heddesheim“ historisch gewürdigt. Beides müssten Sie auch empört zurückweisen, nicht, weil es „negativ“ ist, sondern weil es „persönlich“ ist. Tun Sie aber nicht. Warum?

    In der heutigen Wahlempfehlung lesen Sie zu dieser „Form von Journalismus“ eine Einordnung. Es gibt keinen „objektiven“ Journalismus. Objektiv kann man Fakten beschreiben – das tun wir regelmäßig und mit höchster Präzision. Unter anderem mit unseren investigativen Recherchen.

    Die Wahrnehmung eines jeden Menschen ist aber subjektiv – ganz individuell. Für den einen ist das Glas Wasser halb voll, für den anderen halb leer. Und beide haben recht. Nur wenn man die Vorgeschichte kennt, das Glas zunächst voll oder leer war, kann man beurteilen, ob einer ein zunächst volles Glas als halbleer betrachtet oder ein zuvor leeres Glas als schon halb voll.

    Das ist die rein objektive Betrachtung und dann die hintergründige. Dann folgt die einordnende – handelt es sich um gesundes oder belastetes Wasser. Ist es teuer oder günstig. Wem gehört es, wer darf was davon haben?

    Und hinter allen objektiven Betrachtungen, die Maße, Zahlen, Einheiten sind, agieren Menschen. Die sind beispielsweise jung oder alt. Ist jemand mit 18 Jahren jung? Sicher jünger als ein 60-jähriger. Aber älter als ein 14-jähriger. Und der 60-jährige, der regelmäßig Sport treibt, ist unter Umständen viel vitaler als der 14-jährige mit deutlichem Übergewicht, der schon seit drei Jahren raucht und trinkt. Der Alte, der nach Marathons läuft, ist also älter, hat aber die vitale Kraft der Jugend bis ins hohe Alter erhalten.

    Wir beschreiben in unseren Artikeln typische W-Fragen: Was, wann, wo, wie und wer?

    Seit Herbst 2012 gibt es ein neues Logistikzentrum auf 200.000 Quadratmeter in Heddesheim. Nutzer der Immobilie, die einem Immobilienfonds gehört, ist die KMP Holding GmbH mit diversen Unterfirmen.

    Hier haben Sie die W-Fragen objektiv geklärt. Diese lassen sich aber erweitern. Wie ist das zustande gekommen? Wer hat daran verdient? Wie werden die Arbeiter entlohnt? Welche Belastungen gibt es für wen? Und wer hat sich wie verhalten?

    Unser Journalismus betrachtet nicht nur, was ist, sondern schaut sehr genau, wer daran beteiligt und und vor allem wie. Wer nur sportliche Leistungen bewundert, sich aber nicht fragt, wie es dazu kommt, erfährt nur sehr wenig über Doping und eine unmenschliche Zucht, die kleine chinesische Turnerinnen ertragen müssen. Kann das sein? Die lachen doch so sympathisch, obwohl sie so krasse Verrenkungen machen. Die haben doch Spaß? Das sind man doch.

    „Mutti“ für die Bundeskanzlerin wird selbstverständlich nicht nur in den Medien, sondern in der Bevölkerung verwendet. Je nach Standpunkt kann man als „zärtliche Nähe“ oder aber „respektlose Verniedlichung“ sehen. Es ist auf jeden Fall persönlich.

    Hoeneß kann man gewöhnlichen Kriminellen betrachten oder respektieren – für seine Lebensleistung und dass er sich dem Richterspruch unterwirft.

    Selbstverständlich betrachten wir Menschen persönlich. Und selbstverständlich benennen wir sowohl positive wie negative Eigenschaften – wenn sie relevant sind.

    Fritz Kessler muss ein extremer Mensch gewesen sein. Er war ein Gestalter, aber eben auch ein schwacher Mensch. Herr Hoeneß ist ein erfolgreicher Mensch, ein Wohltäter, aber auch ein Krimineller.

    Die Menschen sind nicht nur gut oder böse, erfolgreich oder langweilig. Die allermeisten sind „normal“ – aber was ist das schon? Und einzelne treten heraus. Wie auch immer. Insbesondere Menschen, die am öffentlichen Leben teilhaben, werden sehr genau betrachtet. Und bewertet – das ist Aufgabe von Journalismus. Ich betrachte nicht nur das „Was“, sondern auch das „Wie“.

    Und das gefällt oder gefällt nicht. Und manchmal tut es weh.

    Was die Fotos angeht. Hier widerspreche ich Ihnen. Ich kann kein Bild erkennen, das unvorteilhaft wäre. Beim Fotografieren entstehen jede Menge Aufnahmen, die unvorteilhaft sind. Halbgeschlossene Augen, seltsame Mundwinkel, groteske Körperhaltungen. Solche Bilder sind Aufnahmen von Sekundenbruchteilen und werden nicht verwendet.

    Wenn Sie bei der Veranstaltung waren, dann haben Sie einen konzentrierten, aber insgesamt lockeren Herrn Heinisch erleben können und einen konzentrierten, aber angespannten Herrn Kessler. Danach wurden die Fotos ausgewählt.

    Vielleicht haben Sie beide Herren aber ganz anders wahrgenommen. Dann können Sie sich damit beschäftigen, was Ihre Wahrnehmung und was meine angeht und gegeneinander abwägen.

    Journalistische Texte sind immer nur ein Angebot. Das kann man annehmen oder ablehnen, man kann sich Teile herausziehen und mit anderen ergänzen.

    Wenn dieser Text die Reaktion hervorrufen sollte, das man „jetzt-erst-recht“ Herrn Kessler wählen will – worüber regen Sie sich auf? Dann hätte der Text geholfen, Herrn Kessler im Amt zu bestätigen. Das kann doch allen Kessler-Unterstützern nur recht sein. Oder nicht?

    Wenn der Text hilft, hinter die Kulissen zu schauen und sich damit zu beschäftigen, wie jemand was macht und nicht nur das Vordergründige, sondern auch das Hintergründige und manchmal auch das Abgründige zu betrachten, dann freue ich mich darüber. Auch, wenn es sicherlich „anstrengend“ ist.

    Beste Grüße
    Hardy Prothmann

  • Tobias

    Hallo Herr Prothmann,

    ich habe den Text auch unter fast körperlichen Schmerzen gelesen. Sie können wie kaum ein anderer mit Worten umgehen. Sie schreiben mit einer so unglaublich brutalen Wucht, die mich gleichzeitig fasziniert und abschreckt. Selbst ein Lob von Ihnen kommt wie ein schwerer Aufwärtshaken daher.

    Vermutlich würde der Text anders auf mich wirken, wenn er im Spiegel oder der FAZ stehen würde. Dort würde aber ein Bürgermeister Kessler nicht erwähnt werden, weil er ein viel zu kleines Licht ist. In den großen Medien werden „größere Personlichkeiten“ beschrieben – zu denen hat man auch mehr Abstand und kann das deswegen wahrscheinlich auch einfacher wegstecken. Und diese Leute können wahrscheinlich auch mehr aushalten.

    Ich finde, dass Sie eine richtig guten Journalismus machen. Die investigativen Recherchen sind absolut professionell und ich bin Ihnen sehr dankbar für die harte Arbeit, die das sicherlich ist.

    Aber: Ich würde mir von Ihnen wünschen, dass Sie Ihre Fähigkeiten nutzen und nicht viele überstrapazieren. Die FAZ- und Spiegel-Leser werden mit Ihren Texten anders umgehen als die „normalen“ Heddesheimer. Denen bleibt bestimmt oft die Luft weg, weil die das so nicht kennen und es damit schwer haben, damit „umzugehen“.

    Heddesheim ist ein Dorf und nicht Hamburg und nicht Frankfurt oder Berlin oder Beirut. Und das Heddesheimblog ist eine echte Bereicherung. Ich bin und bleibe gerne Leser und ich bin seit heute im Freundeskreis Mitglied geworden. Dafür zahle ich freiwillig zehn Euro im Monat, um Ihre Arbeit mit zu unterstützen.

    Als Mitglied im Freundeskreis darf ich aber sicher Wünsche an die Redaktion richten und an Sie als verantwortlichen Redakteur: Schrauben Sie das Niveau runter von Bundesliga auf Kreisliga. Ich versuchs mal mit einem Bild: Keiner hätte Freude daran, wenn die Deutsche Nationalmannschaft mit vollem Einsatz gegen die 1. Mannschaft der Fortuna spielen würde. Das würde vermutlich 53:0 ausgehen, jede Menge Fortuna-Spieler müssten verletzt vom Platz getragen werden, weil sie gegen die durchtrainierten Athleten jeden Zweikampf verlieren. Man wäre stolz, dass die Nationalmannschaft angetreten wäre, aber zutiefst verletzt über die Demütigung und kaputte Knie müssten lange ausgeheilt werden.

    Andererseits kann ich sehr gut verstehen, dass Sie auf Herrn Kessler gar nicht gut zu sprechen sind. Sein Verhalten gegenüber dem Heddesheimblog ist absolut daneben und er beschämt sich selbst damit. Das gilt bestimmt auch für viele andere Leute im Ort.

    Ich wähle deshalb morgen auch Herrn Heinisch. Nicht so sehr, weil ich ganz überzeugt von ihm bin, sondern weil ich glaube, dass ein Wechsel dem Ort gut tun wird.

    Falls Herr Kessler gewinnt, dann würde ich mir wünschen, dass er seine Haltung verändert und sich als demokratischer Bürgermeister auch einem kritischen Medium wie dem Heddesheimblog stellt. Man kann ja auf den anderen Blogs auch lesen, dass Sie dort kritisch mit Leuten aus dem öffentlichen Leben umgehen, aber halt auch im Gespräch mit denen sind. Ich verfolge zum Beispiel sehr genau Ihre Berichte zu den Asylbewerbern und auch den Landrat nehmen Sie sich kritisch zu Brust. Aber ein Landrat ist eben kein Dorfbürgermeister und Sie werden auch nicht persönlich. Für andere Leser mag ich übrigens einen Ihrer Texte ganz besonders empfehlen:
    http://www.rheinneckarblog.de/12/fluechtlinge-ab-in-die-container-welcome-to-the-jungle/42318.html

    Der hat mich sehr berührt, weil alles passt. Ihre hohe Schreibkunst, der genaue Blick, die Einfühlsamkeit, die Analyse, wie es diesen Menschen geht. Die Fotos. Das ist einfach vorbildlich und großartiger Journalismus. Hoffentlich kriegen Sie mal einen Preis dafür – den haben Sie sich verdient.

    Ich wünsche mir aber auch, dass Sie sich zurückhalten. Dann können andere besser damit umgehen und sicherlich wird das dem Heddesheimblog noch mehr Leser bringen, als es jetzt schon hat. Begraben Sie das Kriegsbeil. Ganz egal, ob Herr Kessler das auch tut oder nicht.

    Für morgen freue ich mich schon sehr auf die Berichte – ganz sportlich. Herr Kessler ist der Favorit, aber Herr Heinisch ein starker Herausforderer. Gewinnen wird nur einer und entschieden ist erst, wenn die Wahlzettel ausgezählt sind.

    Mit ganz freundlichen Grüßen
    Tobias

    • hardyprothmann

      Hallo Tobias,

      danke für die differenzierte Kritik. Ich denke drüber nach.

      Beste Grüße
      Hardy Prothmann

  • Hallo Herr Porthmann,
    mir ging es wie Tobias, auch ich habe den Text mit fast körperlichen Schmerzen gelesen.
    Ich bin nicht davon überezugt, dass der Text in einer anderen Zeitung veröffentlicht, anders auf mich gewirkt hätte. Was ich hier lese ist ein öffentlicher Feldzug gegen eine Person, die sich vielleicht mit einigen Entscheidungen Ihren Zorn und Ihr Unverständnis zugezogen hat.
    Ich denke aber, dass es um einen neutralen Jornalismus gehen sollte.
    Sie haben die Aufgabe objektiv und unvoreingenommen zu berichten. Hier wird allerding ein öffentlicher Feldzug von Ihnen geführt.
    In einem demokratischen Land, zu dem auch die Gemeinde Heddesheim gehört, gibt es die Freiheit der Meinungsäußerung und der eigenen Gedanken.
    Über das Ansiedeln der Firma Pfenning ist abgestimmt wurden. Die Mehrheit der Bürger war für Pfenning. Schade, dass es so schlechte „Verlierer“ gibt.
    Meiner Meinung nach ist ein Mensch wie Michael Kessler, Bürgermeister, verpflichtet seine
    Meinung und seine Vorstellungen durchzusetzen und sich nicht wie ein Wendehals zu verhalten. Ein Amt wie dieses erfordert Duchsetzungsvermögen und Stärke und manchmal ein gewisses Maß an Sturheit um Andere von seinen Ideen und Vorstellungen zu überzeugen und sie mitzureißen. Es ist das Recht eines Bürgermeisters von seinen Mitarbeitern Loyalität zu erwarten.
    Vielleicht würde eine Änderung Heddesheim gut tun. Auch ich bin als Einwohner Heddesheims nicht immer mit allem einverstanden. Vor allem als Hundehalterin, die in Heddesheim Hundesteuer bezahlt. Da würde ich mir auch wünschen, dass z.B. eine öffentliche Hundewiese angelegt wird, zumal ja jetzt um den Badesse eine Anleinpflicht besteht.
    So wird es sicher noch andere Dinge geben, die man besser oder anders machen kann. Das wird jeder Einwohner von Heddesheim sicher schon einmal erlebt haben.
    Da kommt für mich das Sprichwort „Jedem alles Recht getan ist eine Kunst, die keiner kann“ zum Tragen.
    Ich bin jedoch überzeugt, dass wir mit unserem Bürgermeister eine gute Wahl getroffen haben und er alles zum Wohl der Gemeinde tut.
    Ich persönlich wünsche ihm für die nächste Amtszeit alles erdenklich Gute und viel Kraft neue Dinge anzugehen und Alte zu verändern.
    Mit freundlichen Grüßen
    Petra Frank

  • Christian

    Ein harter Artikel, der natürlich sehr stark Ihre Meinung wiedergibt. Das ist für mich auch OK, muss ja nicht meinen meinung sein. Aber den Vater von Herrn Kessler als „Säufer und Schläger“ zu bezeichnen scheint mir etwas zu überzogen zu sein. Haben Sie konkrete Hinweise hierauf, oder schließen sie das einfach aus der Tatsache, dass der Senior an einem Leberleiden gestorben ist (nach dem Motto Leberleiden = Alkohol = macht agressiv = Schläger)?

    • hardyprothmann

      Guten Tag!

      Sie können davon ausgehen, dass ich nicht einfach Gerüchte kolportiere, sondern solche Aussagen gegenrecherchiert sind.