Mittwoch, 25. April 2018

Kampagne: Die Vielfalt der Zeitung

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Rhein-Neckar/Koblenz/Bundesgebiet, 13. September 2011. Die Kampagne „Die Vielfalt der Zeitung“ geht auch 2011 weiter – solange, bis ein Verlag sie ab- oder einkauft. Das Netz ist aufgerufen, die Zeitung zu retten. Absurd? Keineswegs. Die Zeitung ist eine Wundert├╝te. Denn auch in T├╝ten k├Ânnen Wunder schlummern…

Aktualisiert: Dieser Artikel wurde seit Erscheinen am 03. M├Ąrz 2011 fortlaufend aktualisiert und wird heute mit aktuellem Datum neu ver├Âffentlicht. Schlie├člich geht es um Zeitungen! In den vergangenen Monaten streikten Redakteure ├╝berall im Land und erz├Ąhlten was von Qualit├Ątsjournalismus. Doch darum geht es gar nicht. Es geht um Service. Um Nutzwert. Mittlerweile hat unsere Kampagne 47. Argumente f├╝r die Zeitung. Allen, die mitmachen, wird eine Erfolgsbeteiligung garantiert, falls ein Zeitungsverlag die Kampagne endlich kauft. Denn es geht um die Zukunft der Zeitung – nein, sogar mehr. Es geht um die Zukunft der Zivilisation, oder so ├Ąhnlich!

Von Hardy Prothmann

"Ein bisschen Spa├č muss sein...", Christian Lindner, Chefredakteur der Rhein-Zeitung ist eigentlich ein ganz seri├Âser Journalist - hat aber auch ab und an den Schalk im Nacken. Hier pr├Ąsentiert er in bunten Hosen die Bastelanleitung f├╝r eine Narrenkappe. Quelle: Mit freundlicher Genehmigung der Rhein-Zeitung.

Die Zeitungen habens arg schwer – die Abos und Leserzahlen gehen zur├╝ck und noch viel schlimmer: Die Werbeums├Ątze. Laut Experte Marian Semm verlieren Zeitungen pro 100.000 Auflage seit 2001 rund vier Prozent Umsatzerl├Âse, was rund einer Million Euro entspricht.

Der MM beispielsweise hat im zweiten Quartal 2010 gut 1.500 Abos verloren und eine Besserung ist nicht in Sicht.

Da ich mit der Zeitung aufgewachsen bin, best├╝rzt mich diese Situation zutiefst. ├âÔÇ×hnlich wie bei den Robben-Babys, dem Deutschen Wald und ganz allgemein der Umwelt und unserer Zukunft, muss eine Kampagne her, die dieses langsame Dahinsiechen aufh├Ąlt und die Zukunft der Zeitung sichert.

Vergessen Sie das Leistungsschutzrecht, verehrte Verlage. Selbst die Wirtschaft h├Ąlt das f├╝r eine Art von Raubrittertum. ├â┼ôberzeugen Sie mit Leistung, dass ist der beste Schutz und das beste Recht.

Ich habe deshalb im Oktober 2010 eine Kampagne gestartet, mit der die bedrohten Zeitungsverlage die Vielfalt der Zeitung darstellen und bewerben k├Ânnen.

Im vergangenen Jahr kamen sage und schreibe 36 Vorschl├Ąge zusammen. Nummer 37 und der erste f├╝r dieses Jahr kommt von der Rhein-Zeitung (Koblenz) – die schl├Ągt vor, dass man Narrenkappen aus der Zeitung basteln kann. Sehr kreativ, wie ich finde.

Machen Sie auch mit: Reichen Sie Vorschl├Ąge ein. Save the wundert├╝te!

Denn die Zeitung ist eine wahre Wundert├╝te – es steckt viel mehr in ihr, als man zun├Ąchst vermutet.

Das l├Ąsst sich in Wort, Bild, Ton und Video in eine wunderbare Imagekampagne umsetzen. Darum d├╝rfen die Verlag ab sofort gerne pitchen – nat├╝rlich k├Ânnten die auch Ideen klauen (was man durchaus gewohnt ist), aber ich setze hoffnungsvoll auf einen Rest von Ehrlichkeit.

Ein Zeitungskollege schreibt als Vorschlag: „Man kann daraus Papierkugeln basteln und Prothmann damit bewerfen. Besser jedenfalls als mit Watteb├Ąuschchen“. Diesen Vorschlag lasse ich nicht unerw├Ąhnt, f├╝ge ihn aber nicht als ernst gemeint ein.

Ihre Zeitung – Ihre Vielfalt:

  1. Man kann einen Fisch drin einwickeln (jahrhundertealte Tradition).
  2. Man kann M├╝cken damit totschlagen (sowie die Zeit).
  3. Man kann sich draufsetzen (gerade bei vollgekoteten Parkb├Ąnken sinnvoll).
  4. Man kann Geschirr darin einschlagen (wer schon mal umgezogen ist, wei├č das).
  5. Man kann damit Fenster putzen (auch wenn manche auf HaRa schw├Âren).
  6. Man kann damit Meerschweinchenst├Ąlle auslegen (auch f├╝r Kaninchen und Goldhamster geeignet).
  7. Man kann damit R├Ąume zum Renovieren auslegen (das wei├č doch jeder).
  8. Man kann daraus „Malerh├╝te“ bauen (ist echt einfach).
  9. Man kann darin Blumen einwickeln, vorzugsweise auf dem Wochenmarkt (auf dem Markt Ihrer Wahl).
  10. Man kann damit basteln (Kindergarten und Schule und privat).
  11. Man kann damit Kunst machen (siehe Beuys).
  12. Man kann damit eine Unterlage f├╝r Gipsarme machen (einfach mal ausprobieren).
  13. Man kann sie gegen Fettablagerung auf K├╝chenschr├Ąnke legen (das wei├č jede gute Hausfrau).
  14. Man kann daraus M├Âbel basteln (Kreativkurs).
  15. Man kann daraus zusammengerollt eine Selbstverteidigungswaffe machen (siehe Jackie Chan).
  16. Man kann investigativ durch die Zeitungslochtechnik recherchieren (James Bond).
  17. Man kann andere im Zug davon abhalten, ein Gespr├Ąch anzufangen (in allen Bahnen dieser Welt).
  18. Man kann damit wichtig aussehen, vor allem, wen man m├Âglichst viele Bordexemplare auf einmal in allen Sprachen mit zum Platz nimmt.
  19. Man kann damit nasse Schuhe trocknen (Wanderer-Trick 1).
  20. Man kann damit auch im Wald – Sie wissen schon (Wanderer-Trick 2).
  21. Man kann damit den Kamin anz├╝nden. (read it – then burn it- Prinzip)
  22. Man kann sich damit daten (die und die Zeitung unterm Arm).
  23. Man kann sie sammeln.
  24. Man kann Artikel aus ihr Ausschneiden (sehr beliebt bei B├╝rgermeistern und Gemeinder├Ąten der Gr├╝nen).
  25. Man kann sich dahinter verstecken (auch den kl├╝gsten Kopf).
  26. Man kann unter Zugabe von Leim jeden Trabbi damit reparieren (fragen Sie Ossis).
  27. Man kann damit seinen Frust abbauen: Stichwort Wutkrumpeln (macht viel mehr Spa├č als Wutb├Ąlle).
  28. Man kann die Wutkrumpel seinen Katzen zum Spielen geben (die haben auch Spa├č damit).
  29. Man kann die Zeitung im Zug vergessen und hoffen, dass sich jemand anderes dr├╝ber freut (Danke an Phil, siehe Kommentare).
  30. Man kann sich aus der Zeitung ein Kleid basteln (Danke an Christian Lindner, Chefredakteur Rhein-Zeitung http://ht.ly/31TTj).
  31. Man kann damit seinen Hund erziehen (politisch vielleicht nicht ganz korrekt – danke an Paul J. Hahn).
  32. Man kann damit seinen Brieftr├Ąger trainieren (erweiterter Vorschlag auf Arg. 31, Danke an Thomas).
  33. Man kann den Hund die Zeitung zerfetzen lassen und damit andere Sch├Ąden vermeiden (Danke an Thomas).
  34. Man kann daraus Buchstaben f├╝r Bekenner- und Erpresserschreiben ausschneiden (Danke an Michael Klems).
  35. Man kann sie k├╝ndigen und bei Abo-Neuabschluss ne Kaffeemaschine als Pr├Ąmie bekommen.
  36. Man kann sie wunderbar als Unterlage beim Gem├╝sesch├Ąlen verwenden (Danke an Karen Belghaus).
  37. Man dann sich daraus eine Narrenkappe basteln (besten Dank an Christian Lindner von der Rhein-Zeitung.)
  38. Man kann aus Zeitungen auch Br├╝cken bauen (Japan). (Danke an Christoph von Gallera)
  39. Man kann Zeitungen als T├╝rsturzf├╝llung verwenden (im eigenen Haus gefunden als F├╝llmaterial aus den 50-er Jahren). (Danke an Christoph von Gallera)
  40. Man kann mit einer Zeitung unterm Arm so tun, als w├Ąre man gebildet. (Danke an Michi.)
  41. Man kann mit einer Zeitung politisch korrekt Geschenke einpacken. (Dank an Michi.)
  42. Man kann mit einer Zeitung Boxen ausstopfen. (Danke an Michi.)
  43. Zur Not kann man sie auch als Klopapier verwenden. (Danke an Michi.)
  44. Man kann mit einer Zeitung und Kleister h├╝bsche Lampfenschirme basteln. (Danke an Michi.)
  45. Man kann mit der Zeitung auch „Langeweile“ ├╝berwinden und zun├Ąchst ein Zimmer damit tapezieren und dann erst alle „A“-Buchstaben, dann alle „B“ usw, einkringeln – vielleicht ein neuer Therapie-Ansatz? (Danke an Marietta)
  46. Man kann die Zeitung als Unterlage verwenden, damit man die Tischdecke nicht verkleckert. (Dank an Giesela S.)
  47. Man kann mit einer Zeitung (politisch korrekt) Geschenke einpacken. (Dank an Torsten S.)

Das sind jede Menge gute Gr├╝nde, die zeigen, wie vielf├Ąltig Zeitung ist oder sein kann – auch wenn viele sie f├╝r einf├Ąltig halten. Ob man sie auch noch lesen kann oder will, ist doch nun wirklich nur ein Grund unter vielen.

Und versuchen Sie mal einen der oben genannten Gr├╝nde mit Ihrem Notebook, Ihrem Handy├é┬á oder dem IPad… (naja, bis auf Grund 22, 40).

Sie sehen – die Qualit├Ąt der guten alten Tante Zeitung ist einfach atemberaubend vielf├Ąltig.

Unglaublich ist auch ihr Beitrag zur V├Âlkerverst├Ąndigung – den ├╝berall auf der Welt, in allen Sprachen, mit allen politischen Hintergr├╝nden gelten alle Pro-Argumente ├╝berall gleich.

Und jetzt kommen Sie und zeigen mir auch nur ein einziges Produkt, ein einziges Kulturgut, das ├Ąhnlich vielf├Ąltig wie die Zeitung ist.

Sie werden keins finden – die Zeitung ist das Symbol f├╝r Vielfalt, f├╝r jedweden Nutzen. Oder?

Jetzt muss sich nur noch eine Zeitung finden, die mutig, humorvoll und selbstironisch genug ist, all diese positiven Eigenschaften zu bewerben.

Mal schauen, wer sich so alles um diese einzigartige Kampagne bewerben wird.

Sollte es so sein wie seit vielen Jahren, kopiert irgendjemand aus dem Internet die Idee sehr erfolgreich und die Zeitungen haben wieder das frustvolle Nachsehen.

Lehnen Sie sich auf, verehrte Zeitungsverleger. Geben Sie Gas. Seien Sie mutig.

Es lohnt sich.

Wenn Sie jetzt denken, dass Sie daf├╝r nichts zahlen m├╝ssen, sind Sie schief gewickelt.

Gute Ideen haben immer ihren Preis – schlechte Zeitungen nicht.