Freitag, 16. November 2018

Gabi´s Kolumne: Ich bin eine Karten-Millionärin

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Ich bin eine Karten-Millionärin. In meinem Geldbeutel tummeln sie sich alle, die bunten Plastikkärtchen.

Ganz klar brauche ich die Karte für den Geldautomaten, die gleichzeitig auch wichtig für die Raucher ist. Und da die moderne Frau neben dem gemeinsamen Konto auch noch ein eigenes hat, hat sie davon sogar zwei. Dazu kommt selbstredend noch die Kreditkarte, auch die meist in doppelter Ausführung.

Wer zum Arzt will, braucht die Versicherungskarte, davon habe ich 5, meine, die meiner Kinder sowie die Karten für die Zusatzversicherung.

karten

Gabi hat sie alle - die Karten. Deswegen ist sie eine Kartenmillionärin.

Dann gibt’s die Bonuskarte der Tankstelle zum Punkten, die des großen Spielzeugladens von dem meine Kinder Geburtstagsgrüße bekommen, sowie einmal im Jahr ein Bonusheft für alle Dinge, die garantiert niemand braucht.

Das große schwedische Einrichtungshaus hat die Family-Card, damit bekomme ich umsonst einen Kaffee und spare damit jedes Mal einen Euro, zudem ist der Transport meiner Möbel versichert.

Punkte ich meine Einkäufe von zwei großen Bekleidungshäusern über meine Karte, bekomme ich einmal im Jahr einen Gutschein, den ich dann ab einem Einkauf von 50,- Euro mit 10,- Euro einsetzen kann – und das lass ich mir natürlich nicht entgehen, auch wenn ich eigentlich nichts kaufen wollte – und ich bin ja nicht blöd – für den neuen Einkauf gibt´s wieder Punkte.

In einem Drogeriemarkt und einem Dekoladen kann ich meine Punkte via Payback-Karte gleich zu Bargeld machen, na da freut sich doch mein Portemonnaie.

Selbst wenn ich ins Kino gehe, kann ich punkten, diese Karte ist heiß begehrt und bislang haben nur meine Kinder dadurch freien Eintritt oder Pop Corn bekommen. Das läuft so: Immer wenn wir ins Kino gehen, erinnern sie mich an die Karte und immer, wenn sie ins Kino gehen, wollen sie vorher die Karte haben. Aber immer, wenn ich mal dran denke, dass ich doch vielleicht… sind nur wenige Punkte drauf.

Dazu kommen noch die Karten für die Gemeindebücherei und die Videothek. Im Sommer für den Badesee, im Winter für die Eisbahn. Damit nicht genug – inzwischen werden auch Gutschriften und Gutscheine auf Plastikkärtchen gebucht.

Immerhin, als ich kürzlich in einer Parfümeriekette einkaufte, habe ich mich standhaft gegen die Karte gewehrt – denn genug ist genug.

gabi

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.