Freitag, 18. August 2017

Bürger/innen vernetzen sich

Elterninitiative für die Gemeinschaftsschule geht in die Offensive

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pro schule hirschberg

Logo der Elterninitiative – positives Signal für eine Gemeinschaftsschule.

 

Hirschberg/Heddesheim, 13. August 2013. (red/pm) Der Bürgerentscheid über die Zukunft der Karl-Drais-Haupt- und Werkrealschule wird politisch – nicht etwa durch den Gemeinderat oder den Bürgermeister, sondern durch Bürger/innen, die entschlossen sind, für den Schulstandort Hirschberg und die Einführung einer Gemeinschaftsschule zu kämpfen.

Von Hardy Prothmann

Und mit einem Mal war sie da – die Elterninitiative. Und zwar öffentlich. Bislang haben Bürger/innen eher verhalten agiert. Die wenigen Informationsveranstaltungen besucht, Gespräche geführt.

Doch jetzt machen Sie ordentlich und öffentlich Druck. „Ja zur Gemeinschaftsschule“ ist die Botschaft. Das ist keine Nein-Sager-Truppe. Die Nein-Sager sind die konservativen Kräfte, die erstens aus ideologischen Gründen und aus Prinzip alles ablehnen, was Grün-rot entwickelt. Und zweitens sich nicht trauen, auch öffentlich dazu zu stehen.

Längst haben das die Hirschberger Bürger/innen begriffen. Die Mehrheit des Gemeinderats und Bürgermeister Manuel Just haben sich aus der Verantwortung gestohlen. Sie machen ein Teilthema der Gemeinde zum Inhalt eines Bürgerentscheids, über den alle am 22. September befinden sollen. Also auch die Singles, die kinderlosen Menschen und die Rentner, die vermutlich noch zur Volksschule gegangen sind.

Ver-Antwortungslosigkeit vs. Bekenntnis

Die politisch „Ver-antwortungslosen“ wissen, worum es geht: Sie wollen nicht die Totengräber der Schule sein und sie wollen das Geld, das es für eine Weiterentwicklung braucht, lieber für eine dritte Sporthalle ausgeben. Hier bekommen sie auch deutlich mehr Wählerstimmen.

Die Elterninitiative „Pro-Schule-Hirschberg“ ist mit einem klaren Bekenntnis zum Schulstandort Hirschberg gestartet – auch mit Unterstützung der Eltern der Grundschule Großsachsen. Auch hier gibt es viele, die gerne möchten, dass ihre Kinder im Ort (oder in Heddesheim) in eine weiterführende Schule gehen können.

Website und Facebook-Seite sind informativ und erstaunlich hochwertig gemacht – man merkt, wie sehr sich die Initiativenmitglieder Mühe gegeben haben. Zudem wurden Aufkleber hergestellt und Postkarten gedruckt. Das Motiv: Bemalte Kinderhände und ein „Ja zur Gemeinschaftsschule“.

Transparenz vs. Nicht-Öffentlichkeit

Ob die Initiative es schafft, genug Hirschberger/innen als Unterstützer zu finden, wird spannend werden. Der Start ist jedenfalls hervorragend gelungen – und die Initiative geht noch vor der Verwaltung an die Öffentlichkeit. Das ist ein Punkt-Sieg – ob es zum gewünschten Ergebnis reicht, ist natürlich noch offen.

Aber die Initiative macht auch deutlich, dass die politischen Mandatsträger noch so viel hinter verschlossenen Türen verabreden können – das funktioniert immer schlechter. Es gibt kaum noch Herrschaftswissen. Wenn sich Menschen entschließen, sich zu vernetzen, ihre Erfahrungen und Informationen auszutauschen, haben es alte Mauschelbünde immer schwerer.

Das muss auch dem Bürgermeister und der Gemeinderatsmehrheit klar sein. Niemand hat sich für eine Gemeinschaftsschule ausgesprochen und obwohl sonst die Bürgermeinung eher nicht interessiert, gibt man ohne Not die Verantwortung ab. Das wird Eindruck hinterlassen – im kommenden Frühjahr wird ein neuer Gemeinderat gewählt und die Hirschberger/innen werden genau schauen, wer sich wie verhalten hat, wer für die Bürgerinteressen da ist und wer nur so tut, als ob.

Die Heddesheimer Gemeindräte Günther Heinisch (Bündnis90/Die Grünen) sowie Martin Kemmet (CDU) haben die Facebook-Seite schon geliket, ebenso wie Schriesheimer Gemeinderäte und der Landtagsabgeordnete Hans-Ulrich Sckerl. 89 „Likes“ innerhalb weniger Tage für eine solche Seite sind sehr gut. Dass Heddesheimer Gemeinderäte zu der Initative stehen, überrascht nicht – denn dort hat der Gemeinderat (auch wenn CDU und FDP sich arg gewunden haben) einstimmig für die Weiterentwicklung der gemeinsamen Schule im Schulzweckverband entschieden.

Die Bürger/innen haben entschieden politisch zu werden. Und das ist gut so.

Presseinformation der Elterninitiative:

„Wer sind wir? Was wollen wir?
Wir sind Eltern, Großeltern, Bürgerinnen und Bürger Hirschbergs.
Wir setzen uns für den Erhalt und eine langfristige Sicherung einer weiter führenden Schule in Hirschberg ein.
Wir wollen, dass der Schulstandort Hirschberg-Heddesheim dauerhaft erhalten bleibt – zum Wohl unserer Kinder und zum Vorteil für unsere Gemeinde.

Wieso braucht Hirschberg eine Gemeinschaftsschule?
Der Notwendigkeit, dass auch Schule sich weiter entwickeln, sich verändernden Gegebenheiten stellen muss, haben die Gemeinderäte von Hirschberg und Heddesheim bereits im Jahre 2010 Rechnung getragen: der Schulzweckverband Hirschberg/Heddesheim wurde aus der Taufe gehoben. Als ersten Leitgedanken in der Präambel der Satzung des Verbandes hat man die Sicherung der beiden Schulstandorte Heddesheim und Hirschberg benannt.

Nun hat sich die Werkrealschule nicht so entwickelt wie gewünscht: die Schülerzahlen sind aktuell rückläufig. Dieser Trend lässt sich auch nicht mehr umkehren – die Werkrealschule findet bei den Eltern kaum noch Akzeptanz.

Ein neues pädagogisches Konzept, die Gemeinschaftsschule, bietet unseren beiden Gemeinden jedoch die Möglichkeit, auch zukünftig eine weiterführende Schule zu etablieren. Der Heddesheimer Gemeinderat hat sich einstimmig für die Einführung ausgesprochen. Der Hirschberger Gemeinderat hat sich gerade einmal eine Woche vor Beginn der Sommerferien entschlossen, die Entscheidung darüber in die Hände der BürgerInnen Hirschbergs zu legen.

Was wissen Sie über die Gemeinschaftsschule?
Sicher ist: Die Gemeindeverwaltung Hirschberg erstellt eine Broschüre, die mit dem Gemeindeblatt verteilt werden wird.
Sicher ist auch: Elternbeiräte, Lehrkräfte, der Schulzweckverband als Schulträger, die Gemeinde Heddesheim als Partner im Zweckverband und die Schüler und Schülerinnen
selbst kommen darin nicht zu Wort! Ist diese Broschüre deshalb einseitig?

Es gibt auf jeden Fall viele Möglichkeiten, sich zu informieren. Besuchen Sie die Elterninitiative auf unserer Homepage www.pro-schule-hirschberg.de und schauen Sie auch
auf unserer facebook-Seite „Gemeinschaftsschule für Hirschberg“ vorbei.

Wollen Sie mithelfen, in der kurzen Zeit bis zum Bürgerentscheid am 22. September ALLE Argumente möglichst jedermann zugänglich zu machen, melden Sie sich bitte bei uns.“

Kontakt zur Initiative hier.

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.