Dienstag, 27. Juni 2017

Gastbeitrag zur Biotop-Vernichtung am Badesee

Der vergitterte Blick

Dieser wichtige Lebensraum fĂŒr Tiere wurde fĂŒr den "freien Blick" abgeholzt. Bild: Kurt Klemm

 

Heddesheim, 13. Januar 2012. Der Heddesheimer VogelschĂŒtzer und Naturschutzbeauftragte des Vogelvereins, Kurt Klemm, hat sich das abgeholzte StĂŒck am Badesee selbst angeschaut und ist entsetzt. Verschiedene NaturschutzverbĂ€nde wurden von ihm alarmiert, ebenso die Untere Naturschutzbehörde. Sein Gastbeitrag ist ein dringender Appell, der Natur Schutz zu gewĂ€hren, statt sie in Form zu schneiden.

Von Kurt Klemm

Kurt Klemm zeigt Futterangebote fĂŒr Vögel in seinem Garten.

Das beste Beispiel wie man mit Artenschutzmaßnahmen nicht verfahren soll, hat sich wieder einmal unser BĂŒrgermeister Michael Kessler geleistet.

Auf seine persönliche Anordnung hin, wurde eine ca. 200 m lange Uferbewachsung am nordöstlichen Ende des Badesees abgeholzt und so dem Erdboden gleichgemacht, damit man beim Spaziergang den Badesee gittermĂ€ĂŸig einsehen kann.

Wer von denen, die angeblich als BĂŒrger unserer Gemeinde solche Forderungen an den Gemeindechef stellen, nennt sich allen ernstes „Naturfreund“?

Hier wird ein vollkommen intaktes Biotop einfach nur mal so vernichtet, um „Naturfreunden“, einen freien Blick durch eine meterhohe Gitterwand auf den See zu gewĂ€hren.

Gutachten zur Artenvielfalt

In einem Gutachten, das unser BM von dem Vogelschutzgebiet des Vogelvereins 2007 erstellen ließ, um die Vogelwelt dort genau kartiert zu haben, heißt es von dem Gutachter:

Im Verlaufe der Bestandserhebung wurden 43 Vogelarten beobachtet, von denen 22 Arten nach gĂ€ngigen Vorgaben als Brutvögel einzustufen sind. Die ĂŒbrigen 21 Arten nutzen das Gebiet als Nahrungshabitat oder als Rastgebiet wĂ€hrend des Vogelzuges.

Weiter heißt es in einem Auszug aus diesem Gutachten:

Die Verteilung der Brutreviere lĂ€sst erkennen, dass der gesamte Gehölzbestand als Bruthabitat genutzt wird Die höchste Revierdichte wurde im sĂŒdlichen Teil des Gehölzbestandes festgestellt.

Das ist genau die Stelle, wo der Übergang des Vogelschutzgebietes in diese Uferbewachsung geht, die jetzt vernichtet worden ist.

Wozu werden fĂŒr viel Geld solche Gutachten erst erstellt, um am Ende statt Lebensraumschutz, den SpaziergĂ€ngern einen vergitterten Panoramablick auf den See zu gewĂ€hren?

Zwei Sichtfenster in diesem Heckenbereich hÀtten es auch getan.

Vernichtung von Artenvielfalt

Lebensraumverlust ist die Vernichtung der Feldraine, Rodung von Hecken und Feldgehölzen, dies wiederum fĂŒhrt zu Nahrungsmangel, fehlenden Schutz-und Deckungsmöglichkeiten vor Beutegreifern, keine BrutplĂ€tze, Artenarmut.

Hinzu kommt noch der geradezu verschwenderische FlĂ€chenverbrauch, wie bei Pfenning, Edeka und die BauplĂ€tze „Mitten im Feld“, all diese Verluste kann die Natur nicht mehr kompensieren, am Ende bleibt nur noch der Verlust der Artenvielfalt. Aber ohne Artenvielfalt verliert auch der Mensch sein irdisches Dasein.

Was sind das fĂŒr Menschen, die sich einfach an der Schöpfung Gottes vergreifen, nur um sich vermeintliche Vorteile auf eine bessere Aussicht zum See zu verschaffen?

Angesichts der meterhohen GitterzĂ€une, fragte ein besorgter BĂŒrger an, ob hier angesichts der mannshohen Gitterlaufwege demnĂ€chst Gefangene aus GuantĂĄnamo einquartiert wĂŒrden.

Aber machen Sie sich bitte selbst ein Bild und urteilen sie dann ĂŒber dieses StĂŒck Rundweg am nordöstlichen Ende des Badesees. Ich freue mich auf ihre Resonanz im Heddesheimblog.

Wie grĂŒĂŸten die Gladiatoren ihren CĂ€sar oder BM noch: „Morituri te salutant“.

Zur Person:
Kurt Klemm ist parteiloser Gemeinderat und Mitglied der Fraktion BĂŒndnis90/Die GrĂŒnen. FĂŒr seine NaturschutzaktivitĂ€ten ist er bereits mehrfach ausgezeichnet worden.

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist GrĂŒndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten PortrĂ€ts und Reportagen oder macht investigative StĂŒcke.

  • Guten Tag,

    lieber Kurt Klemm, dieser Beitrag steht in Aussagekraft fĂŒr sich selbst, vielen Dank hierfĂŒr!

    Bleibt nur die Aufforderung an die Heddesheimer – Bevölkerung:

    „Steht endlich auf und verteidigt aktiv den Rest Natur, der in Heddesheim noch zur VerfĂŒgung steht.

    Meldet Euch zu Wort, ob schriftlich oder mĂŒndlich bei den Gemeinderatsitzungen.

    Stoppt den Wahnsinn, den politisch Verantwortliche hier anrichten und unterstĂŒtzt aktiv Organisationen und Menschen wie Kurt Klemm, die so etwas nicht zulassen möchten“!

    Gruß
    Peter Kröffges

  • Klaus.E

    Guten Tag,

    dieser Bereich ist nach meiner Kenntnis ein teil des Biotopvernetzungskonzeptes.

    Ladenburg – Heddesheim (Der hintere Teil vom See ĂŒber Golfplatz) – Viernheim.

    Gemeinde Heddesheim zur Biotopvernetzung
    http://www.heddesheim.de/ceasy/modules/cms/main.php5?cPageId=126

    Wer Informiert zum Thema Landschaftsplan in unsere Region sein möchte kann das hier tun.

    Fachkonzept zum Landschaftsplan
    http://www.nv-hd-ma.de/landschaft/landschaftsplan/fachkonzept/index.html

    Rahmenkonzept Biotopverbund
    http://www.nv-hd-ma.de/landschaft/landschaftsplan/biotopverbund/index.html

    Nachbarschaftsverband Heidelberg-Mannheim
    http://www.nv-hd-ma.de

    Schönen Tag

  • Peter

    „OMG ABER DIE ARMEN VÖGEL!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!111!11111!!!11 🙁 <3 :(((((((("

    Keine Sau juckts.

  • Birgit E.

    Liebe Heddesheimer Bevölkerung,

    wie jeder weiß, liegt die gesamte Tierwelt dem Herrn Kessler nicht am Herzen!!!

    Birgit

  • suhedd

    Die nĂ€chste BM-Wahl kommt bestimmt – da kann man nur hoffen, dass sich ein kompetenter Gegenkandidat findet und dass die Bevölkerung diesmal richtig wĂ€hlt!

    Natur bringt eben leider kein Geld – zumindest auf kurze sich nicht.

    Danke, Herr Klemm fĂŒr diese offene Kritik!

  • Erst heute bin ich auf den Heddesheimblock gestoßen und möchte diese Gelegenheit nutzen, um einmal meinen Unmut ĂŒber diesen unsĂ€glichen Gitterzaun zu Ă€ußern:

    In den 80zigern bin ich hier in die Gegend gezogen und kenne den See also noch aus der Zeit, als am Nordufer noch Kies gefördert wurde, wĂ€hrend am SĂŒdufer schon Spazierwege samt Trimmpfad unter BĂ€umen angelegt waren. Sehr gerne bin ich in dieser Zeit nach Heddesheim gekommen und habe mich an diesem gelungenen Kleinod gefreut. Damals gab es diesen scheußlichen Gitterzaun noch nicht und ich habe mich gerne direkt am Ufer niedergelassen, um die Fische im flachen Wasser zu beobachten oder ich habe mich am Ostrand auf die Bank gesetzt und bei untergehender Sonne den Blick ĂŒber den See genossen. Das alles fand ich so toll, dass ich sogar mal ein Bild dazu gemalt habe. Einzig die schroffe Kiesförderanlage störte meinem Empfinden nach dieses Idyll. Doch der haben wir das alles ja schlieslich zu verdanken.

    Doch eines Tage war plötzlich dieser meterhohe Gitterzaun da, der nach meiner Auffassung nicht nur dieses Idyll zertörte sondern mich als Erholungssuchenden vom Wasser und damit auch irgendwie vom Quell der Erholung abschnitt. Ich fĂŒhlte mich ausgesperrt, ausgegrenzt. Im Zaun waren und sind zwar einige wenige verschlossene TĂŒren, doch SchlĂŒssel haben wohl nur ein paar Priviligierte… Die Mauer zwischen Ost und West ist gefallen, doch dafĂŒr wurde in Heddesheim eine neue zwischen Mensch und Natur aufgebaut. Das finde ich sehr schade. Mauern und auch GitterzĂ€une bringen uns nicht weiter. FĂŒr mich verlor seither die „grĂŒne Lunge Heddesheims“ an Reiz und ich kam lange nicht mehr her. Bei seltenen Besuchen stellte ich fest, dass der See immer weiter zugewachsen und kaum noch einsehbar war und ich dachte mit Wehmut an die Zeit der 80ziger zurĂŒck.

    Erst als ich entdeckte, dass es den Heddesheimer Vogelfreunden gelungen war Weißstörche anzusiedeln, kam ich wieder öfters mit dem Rad vorbei und im letzten FrĂŒhjahr konnte ich zu meiner großen Freunde am Nordufer des Sees – vermutlich auf den nun abgeholzten BĂŒschen – vom sĂŒdlichen Ufer her eine Gruppe von 14 Silberreihern bei der Rast beobachten und fotografieren.

    Inzwischen habe ich auch die Erweiterung des Weges enlang der Pferdekoppel entdeckt, diesmal sogar beidseitig eingezÀunt von diesem mehrere Meter hohen Monsterzaun.
    Ich frage mal ganz im Ernst: Wer soll sich denn auf solchen Wegen wohl fĂŒhlen? Wer kommt denn nach Heddesheim, um sich in solch ein GefĂ€ngnis zu begeben?

    FĂŒr mich gehören Mensch und Natur zusammen, aber soooo nicht. Aus meiner Sicht fehlt hier jede Menge FingerspitzengefĂŒhl fĂŒr das was die Natur braucht und fĂŒr das was der Mensch braucht. Man hĂ€tte einerseits der Natur RĂŒckzugsrĂ€ume einrĂ€umen können und andererseits den Menschen mehr angemessenen Zugang verschaffen können. Warum geht es denn in den Ladenburger WeihergĂ€rten, dem Weinheimer und dem Viernheimer Baggersee ohne Zaun?

    In den 80zigern war Heddesheim auf bestem Weg ein kleines Paradies fĂŒr Mensch und Tier zu schaffen, doch leider ist das aus meiner Sicht inzwischen Dank ĂŒbermĂ€ĂŸigem Ziehen gradliniger, meterhoher ZĂ€une ziemlich mißglĂŒckt. Das finde ich sehr schade.