Sonntag, 20. August 2017

Simone Rau über die Weltlichkeit der christlichen Bücherei

Christlich vs. weltlich? Gute Bücher sind gute Bücher!

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Simone Rau leitet die Katholische öffentliche Bücherei, die für alle offen ist und jede Menge weltliche Literatur im Bestand hat. Foto: Heddesheimblog.de/Tillmann Bross

 

Heddesheim, 13. Juni 2012. (red) Vor einiger Zeit haben wir Simone Rau gebeten, für uns vielleicht einen Text zu schreiben, was denn eine „katholische Bücherei“ ausmacht. Gibt es da überwiegend „christliche“ oder „religiöse“ Literatur oder auch „weltliche“? Und was ist aus Sicht einer Katholischen Bücherei „gute“ Literatur, was „schlechte“? Das ist alles eine Frage der „Auffassung“, sagt Frau Rau.

Von Simone Rau

Als Herr Prothmann mir vorschlug, Bücher unter den oben beschriebenen Aspekten vorzustellen, habe ich erst mal geschluckt. Alleine schon durch die Formulierung „christlich – weltlich“ fühlte ich mich gleich wieder in die „katholische“ Ecke gedrängt.

Kämpfen doch viele Katholische öffentliche Büchereien (KöB) seit Jahren gegen zwei sich hartnäckig haltende Vorurteile. Das erste lautet, dass man sich nur Bücher ausleihen darf, wenn man katholisch ist, dass zweite, dass wir nur christlich/ religiös angehauchte Literatur im Bestand haben. Beides ist falsch.

Wie schon im Namen zu lesen, sind KöBs auch öffentliche Büchereien und damit für alle zugänglich, weshalb der Bestand auch nicht auf „christliche“ Literatur beschränkt ist. Wir haben zwar die Bibel im Bestand, ebenso wie religiöse Literatur, aber genauso Krimis, Thriller, Liebesromane, historische Romane, erzählende Literatur, Biografien und vieles mehr.

Was aber sind gute Bücher? Glaubt man Denis Scheck, dem Moderator des ARD-Literaturmagazins Druckfrisch, sind die meisten Neuerscheinungen salopp ausgedrückt, großer Mist. Nur selten finden Bücher, die sich auf diversen Bestseller–Listen tummeln, Gnade vor seinen Augen.

Ausleihen, lesen, bewerten.

Aber die Bücher, die Denis Scheck als nicht lesenswert einstuft, werden teilweise tausendfach verkauft. Sind das nun gute oder tatsächlich schlechte Bücher? Sind sie schlecht, weil sie einem Kritiker missfallen, oder doch gut, wie eine Vielzahl von Lesern meint?

Alles eine Auffassungssache meine ich. So unterschiedlich Menschen sind, so unterschiedlich ist ihr Anspruch an Literatur. Dem einen gefällt „Wunsiedel“ von Michael Buselmeier, einem anderen „Erlösung“ von Jussi Adler–Olsen oder „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ von Jonas Jonasson.

Deshalb möchte ich an dieser Stelle auch keine Bücher vorstellen, die „gut“ sind. Wer mich in der Bücherei anspricht und nach einem „guten“ Buch fragt, dem kann ich deshalb höchstens ein Buch empfehlen, das mir gut gefallen hat und erklären, weshalb ich mich dafür begeistern konnte.

Alle oben genannten Bücher – und viele mehr – findet man übrigens im Bestand der Katholischen öffentlichen Bücherei St. Remigius Heddesheim.

Mein Fazit lautet deshalb: Am besten ausleihen, lesen und sich eine eigene Meinung bilden. Da die Ausleihe in der KöB kostenlos ist, erleidet man zumindest keinen monetären Verlust, wenn einem ein Buch nicht gefällt.

Wer Spaß daran hat, sich über Bücher auszutauschen, die Meinung anderer zu erfahren, kann auch am „Literaturplausch“ teilnehmen. Das erste Treffen nach der Sommerpause findet am 21.09.2012 um 20.00 Uhr in den Räumen der KöB statt. Besprechen werden wir an diesm Abend „Tschick“ von Wolfgang Herrndorf.

Weitere Informationen gibt es in der KöB, unter buecherei@st-remigius.com oder telefonisch unter 06203 / 45086.

Anm. d. Red: Simone Rau ist Büchereileiterin der KöB St. Remigius Heddesheim

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.

  • Gläubiger

    Wenn der Katholik weiß wie Gott das alles so sieht, warum hat sich die katholische Kirche c.a 2.000 Jahre lang kaum um die Sicht Gottes gekümmert ? Schaut man sich die vielen Verfehlungen innerhalb der Kirchengeschichte an, die gegen die Botschaft Gottes gerichtet waren, kommen Zweifel auf, ob der Katholizismus die Sicht und den Wunsch auf das Erkennen des Willens Gottes jemals hatte.

  • Buchfan

    ich finde, bis zu einem gewissen grad sind bücher tatsächlich nur bücher und sollten nicht besonders gewertet werden. es gibt aber gewisse themen die nicht mit den normen und regeln der kirche vereinbar sind und da muss mann klar trennen. titel wie feuchtgebiete oder ähnliches gehören „ignoriert“. Freundliche Grüsse, Martin