Freitag, 25. Mai 2018

Logistiker wirft Medien falsche Berichterstattung vor

Alles gut oder alles schlecht in Pfenningheim?

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Heddesheim, 13. MĂ€rz 2014. (red) Das  angeschlagene Logistik-Unternehmen „Pfenning“ wehrt sich gegen angeblich falsche Berichte in verschiedenen Medien – das ist ulkig, denn insbesondere das Hausmedium Mannheimer Morgen hat dem Unternehmen breiten Raum gegeben, um die schlechte wirtschaftliche Situation als vollkommen „normal“ darzustellen.

Von Hardy Prothmann

pfenning heddesheim

Die HĂ€lfte des Orts sieht das anders. Quelle: Mitteilungsblatt

„Wir sind Pfenning, wir sind Heddesheim“, macht die Anzeige auf. Bis zu „Pfenningheim“ ist es da nicht mehr weit. Die Anzeige gibt vor, dass einige Mitarbeiter sich zusammengesetzt hĂ€tten, um einen Text fĂŒr ihr tolles Unternehmen zu schreiben und diesen mit ihrem Namen und ihrer Unterschrift zu besiegeln.

Soll man glauben, dass die genannten Mitarbeiter diesen Text geschrieben haben und die Anzeige selbst aufgegeben haben? Doch wohl eher nicht.

„GerĂŒchte und Mutmaßungen“

„Pfenning“ beschwert sich ĂŒber „GerĂŒchte und Mutmaßungen“ in den Medien. Nun: 2008 gab Pfenning die Mitarbeiterzahl mit 1.850 an. Laut Homepage sind 1.650 Menschen beschĂ€ftigt. In der Anzeige schreibt Pfenning selbst 1.700 – und das nach Entlassungen von 64 Mitarbeitern im Herbst. In der Anzeige schreibt „Pfenning“ von 800 eigenen Fahrzeugen. Mindestens 2010 war aber von ĂŒber 1.000 eigenen Fahrzeugen die Rede. Wie schafft man mehr GeschĂ€ft mit 20 Prozent weniger Fahrzeugen? Gar nicht oder mit Subunternehmern. 2008 gibt Pfenning 210 Millionen Euro Umsatz an. Das Handelsblatt schreibt sogar 220 Millionen Euro. In der Bilanz sind es nur 176 Millionen Euro. Aktuell sind es nur noch 150 Millionen Euro. Pfenning gibt seit Jahren 40 Standorte an. In RumĂ€nien und Ungarn wurden Standorte geschlossen und in der Region ebenfalls. Und trotzdem bleibt die Zahl gleich? Welche Zahlen stimmen? „Pfenning“ behauptet, ein solider Arbeitgeber zu sein. Wir konnten nachweisen, dass das Unternehmen Leiharbeiter bucht, die mit 8,19 Euro brutto abgespeist werden. Nachweisen heißt, wir können unsere recherchierten Fakten belegen. Die Gewerkschaften nennen „Pfenning“ einen TarifflĂŒchtling. Das ist das Gegenteil von „GerĂŒchten und Mutmaßungen“.

Falschbehauptungen

Niemand hat „Pfenning“ gezwungen zu behaupten, dass 1.000 ArbeitsplĂ€tze entstehen. Niemand hat „Pfenning“ gezwungen zu behaupten, dass die Schiene kommt. Niemand hat „Pfenning“ gezwungen zu behaupten, dass das Unternehmen „erhebliche Gewerbesteuerzahlungen“ leisten wĂŒrde. „Pfenning“ hat behauptet, die Investition sei eine „Generationenentscheidung“ – tatsĂ€chlich wurde die Immobilie verĂ€ußert, bevor sie fertig war. Nichts von den Versprechungen ist also eingetroffen. „Pfenning“ selbst hat diese Falschbehauptungen in die Welt gesetzt, um den Zuschlag fĂŒr das Logistikzentrum zu bekommen.

Weiter behauptet „Pfenning“, es gehe dem Unternehmen gut. Wie passt das zur Massenentlassung mit miesem Sozialplan „um das Überleben des Unternehmens zu sichern?“. Ob 29 oder „nur“ 11,5 Prozent weniger Umsatz ĂŒber Jahre (je nachdem, welcher Umsatzzahl man glauben schenkt) zeigen kein prosperierendes Unternehmen, sondern eins, das am Rand der Pleite kĂ€mpft. BĂŒrgermeister Michael Kessler, die Gemeinderatsmehrheit und „Pfenning“ haben aber ein solventes, gut gehendes Unternehmen versprochen, obwohl sich schon 2009 abzeichnete, dass „Pfenning“ angeschlagen ist.

„Pfenning“ behauptet zudem, es sei „einfacher, ĂŒber jemanden zu reden, als mit ihm“. Wie kommt das Unternehmen zu solch einer Aussage. Im Mannheimer Morgen durfte sich die GeschĂ€ftsleitung ausbreiten und alle Kritik abwiegeln. Zutreffend ist: Wir haben nicht mit „Pfenning“ gesprochen. Der Grund ist ein einfacher: „Pfenning“ reagiert nicht auf unsere Anfragen. InterviewwĂŒnsche wurden abgelehnt, emails nicht beantwortet. Irgendwann haben wir aufgegeben, bei „Pfenning“ nachzufragen, weil man dort offensichtlich nur die Hofberichterstatter berĂŒcksichtigt.

„Pfenning“ hat uns auch schon angezeigt – wurde eingestellt. „Pfenning“ hat uns schon mit Klagen gedroht und wĂŒrde die Drohung sicher wahr machen, wenn man einen Hebel hĂ€tte. Das wĂ€re der Fall, wenn wir falsche Informationen verbreiten wĂŒrden. Wir haben einmal einen Fehler gemacht und eine Laster abgebildet und diesen fĂ€lschlicherweise als „Pfenning“-Lkw bezeichnet. War das ein Fest fĂŒr „Pfenning“ – das wurde sofort auf der Homepage als „Beweis“ fĂŒr unsere insgesamt falsche Berichterstattung gedeutet. Dass wir nach Kenntnis den Fehler sofort transparent korrigiert hatten, fand keine ErwĂ€hnung.

Mit „Pfenning“ kam der Streit ins Dorf

„Pfenning“ ist ein unseriöses Unternehmen, das Arbeitnehmer schlecht bezahlt und durch zeitlich befristete VertrĂ€ge und Leiharbeit ausnutzt bis zum Anschlag. „Pfenning“ informiert unseriös bis hin zur glatten LĂŒge. „Pfenning“ macht Versprechungen, von denen man selbst weiß, dass diese nicht eingehalten werden. Und das soll „Heddesheim“ sein?

Seit „Pfenning“ in Heddesheim ist, gibt es Streit im Dorf, das in zwei Lager gespalten ist. „Pfenning“ hat enorme KapazitĂ€ten gebunden, weil sich die Menschen Sorgen machen – dazu hat man vermutlich ab Herbst noch mehr Grund, denn nach unseren Informationen soll vermehrt auch gefĂ€hrliche Chemie eingelagert werden. Gerade neulich gab es einen Chemie-Unfall. Der war nicht dramatisch – wie hat „Pfenning“ reagiert? Gar nicht. Denn Heddesheim ist „Pfenning“ vollstĂ€ndig egal. Das Unternehmen reagiert nur auf enormen Druck, wie gerade aktuell. Oder es schaltet Anzeigen und wirbt, wenn es etwas will. Sonst hört man nichts von „Pfenning“. Mit dem Unternehmen sind ĂŒbrigens immer nur die verantwortlichen in der GeschĂ€ftsleitung gemeint – nicht die einfachen Arbeiter und Angestellten.

Wurde kommuniziert, warum kein Parkhaus gebaut wird, warum das BĂŒrogebĂ€ude kleiner ausfĂ€llt? Wurde kommuniziert, dass es dem Unternehmen nicht gut geht und man deshalb leider Kosten sparen muss, wo es nur geht?

SelbstverstĂ€ndlich kann niemand erwarten, dass GeschĂ€fte immer blendend laufen. DafĂŒr hat jeder VerstĂ€ndnis. Und man solidarisiert sich auch gerne mit Unternehmen in der Krise, weil es schade wĂ€re, wenn diese „umgehen“. WĂ€re es aber schade um einen Lohnschneider und LĂŒgenunternehmen wie „Pfenning“? „Pfenning“ hat den Weltkonzern Mondelez nach nur einem Jahr wieder verloren. Warum, konnten wir bislang noch nicht recherchieren. Die recherchierten Fakten liegen auf dem Tisch, die nicht-zutreffenden Aussagen und Versprechungen von „Pfenning“ ebenfalls.

Was ist gut, seit „Pfenning“ in Heddesheim ist? Was ist schlecht? DarĂŒber muss man sich selbst eine Meinung bilden.

Und politisch ist klar, wer fĂŒr diese ZustĂ€nde verantwortlich ist: BĂŒrgermeister Michael Kessler. Der steht nach wie vor zu „Pfenning“. Das ist politisch sein „MeisterstĂŒck“ – unterstĂŒtzt von fast allen GemeinderĂ€ten von CDU, FDP und SPD.

Hinweis der Redaktion: Wie sehr „Pfenning“ und gewisse Medien zusammenarbeiten, erkennt man gut an diesem weichgespĂŒlten „Interview“ auf Lokalmatador. Die Plattform wird vom Nußbaum-Verlag betrieben, der auch das Mitteilungsblatt erstellt. Dort ist heute die oben benannte ganzseitige „Pfenning“-Anzeige erschienen. Im vorderen Teil gab es einen Hinweis auf das Interview. Hier ist plötzlich wieder von 600 festen ArbeitsplĂ€tzen die Rede – gegenĂŒber dem Mannheimer Morgen wurden 400 genannt, zuzĂŒglich 150 in der eigenen Leiharbeitsfirma „be4work“ und 60 „Subunternehmern“.