Montag, 11. Dezember 2017

Die Strompreise steigen, aber kaum ein Haushalt wechselt den Anbieter

Stromwechsel per Postkarte

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Rhein-Neckar, 12. Dezember 2012. (red/ld) Die EEG-Umlage vermiest die Weihnachtsstimmung. Zum Jahreswechsel steigt sie auf 5,28 Cent pro Kilowattstunnde. Damit bezahlen die Verbraucher ihren Anteil am Ausbau der erneuerbaren Energien. Die Stromproduzenten geben diese Erh√∂hung gerne an ihre Kunden weiter, im Gegensatz zu den derzeitigen Preisentwicklungen am Strommarkt. Die bleiben ihnen aber auch treu. Trotz der Liberalisierung des Energiemarkts 1999 und vielen Konkurrenten am Strommarkt haben nur wenige Haushalte den Anbieter gewechselt. Dadurch l√§sst sich bares Geld sparen. Worauf man dabei achten muss, verr√§t Eckhart Benner von der Verbraucherzentrale Baden-W√ľrttemberg.

Strom wird teurer, aber nur wenige wechseln ihren Anbieter. Foto: Wikipedia, MdE, CC-BY-SA 3.0

Interview Lydia Dartsch:

Die Strompreise steigen jedes Jahr. Jetzt haben 614 Stromanbieter angek√ľndigt, ihre Preise erneut anzuheben. Gibt es einen Unterschied zwischen kleinen Anbietern oder gro√üen Konzernen?

Eckhard Benner: Ein Unterschied ist nicht zu erkennen. Sowohl kleine als auch große Stromversorger erhöhen die Strompreise.

In den Medien wird berichtet, der Strompreis steige auf √ľber 30 Cent pro Kilowattstunde. Ist das so?¬†¬†

Benner: Ob die Preise irgendwann auf 30 Cent pro Kilowattstunde steigen werden ist im Moment reine Spekulation. Mit solchen Zahlen sollen wohl eher die Verbraucher f√ľr weitere Preissteigerungen weichgekocht werden.

Wie hoch sind die Strompreise im Moment? 

Benner: im Durchschnitt etwa zwischen 24 und 25 Cent pro Kilowattstunde. Ab 2013 liegt er etwa bei 26-27 Cent.

„Man kann der Preiserh√∂hung kaum entgehen.“

Kann man der Preiserhöhung mit einem Wechsel entgehen? 

Benner: Richtig entgehen kann man ihr derzeit kaum. Mit dem Wechsel wird man zu einem Energieversorger wechseln, dessen Preiserhöhung noch nicht so hoch ausfällt, wie bei anderen.

Worauf sollte man beim Wechseln achten? 

Benner: Man sollte keine Vorkasse leisten und keine Strompakete kaufen.¬†Vertr√§ge mit Vorkasse bergen die Gefahr, dass bei einer Insolvenz des Stromversorgers der schon bezahlte Betrag verloren ist und man f√ľr den noch ben√∂tigten Strom ein zweites Mal bezahlen muss.¬†Strompakete lohnen nur dann, wenn der Verbrauch exakt der gekauften Strommenge entspricht. Andernfalls zahlt man f√ľr nicht ben√∂tigten Strom oder muss noch ben√∂tigten Strom teuer zukaufen.

Wie lang sollte denn der neue Vertrag laufen?

Benner: Je k√ľrzer die Vertragsbindung, umso flexibler ist der Stromkunde. Empfehlenswert sind Vertrags¬≠laufzeiten von nicht mehr als einem Jahr, damit man relativ schnell auf aktuelle Preisentwicklungen reagieren und eventuell zu einem neuen Anbieter oder in einen anderen Tarif wechseln kann. Die K√ľndigungsfrist sollte nicht mehr als einen Monat betragen.

Und was ist mit der Preisgarantie, die manche anbieten?

Benner: Die Preisgarantie sollte √ľber die gesamte Laufzeit, ein Jahr, gelten. Nicht immer gew√§hren Stromanbieter eine Preisgarantie √ľber die gesamte Laufzeit des Vertrages, auch wenn sie diese anpreisen.

Man sitzt nicht im Dunkeln

Wie funktioniert der Wechsel? 

Benner: In der Regel dadurch, dass man den neuen Versorger mit dem Wechsel zum gew√ľnschten Termin beauftragt.¬†Dies geht auch per Postkarte. Dem neuen Versorger sind¬†dabei Z√§hlerst√§nde und Z√§hlernummer mitzuteilen.¬†Grunds√§tzlich sind dabei K√ľndigungsfristen und Vertragslaufzeiten zu beachten . Bei Preiserh√∂hungen haben Verbraucher in der Regel ein Sonderk√ľndigungsrecht zum Termin der Preiserh√∂hung. Stromkosten kann man aber oftmals schon senken, wenn man bei seinem derzeitigen Energieversorger in einen g√ľnstigeren Tarif wechselt – insbesondere wenn man noch einen so genannten Grundversorgungstarif besitzt.

Eckhard Benner ist Referent f√ľr Verbraucherpolitik in der Verbraucherzentrale Baden-W√ľrttemberg, Foto: Verbraucherzentrale

Eckhard Benner ist Referent f√ľr Verbraucherpolitik in der Verbraucherzentrale Baden-W√ľrttemberg, Foto: Verbraucherzentrale

Was k√∂nnte zu Problemen f√ľhren?¬†

Benner: In der Vergangenheit hat sich gezeigt, dass nicht jeder Stromversorger¬†die Kapazit√§t hat, den Anbieterwechsel auch termingerecht auszuf√ľhren. Auch kommt es vor, dass der alte Versorger die zuviel gezahlten Abschlagsbetr√§ge einbeh√§lt. Bei solchen Problemen kann man sich an die Verbraucherzentrale wenden.

Was passiert, wenn der neue Stromversorger den Wechsel nicht rechtzeitig ausf√ľhren kann? Sitzt man dann im Dunkeln?

Benner: Nein, man sitzt nicht im Dunkeln. Der Stromversorger vor Ort, meist das Stadtwerk, hat die gesetzliche Pflicht, die Stromversorgung zu gew√§hrleisten –¬†als so genannte Ersatzversorgung.¬†Man zahlt aber dann einen h√∂heren Strompreis.

√Ėkostrom ist nicht unbedingt √∂ko.

Ist √Ėkostrom automatisch teurer als konventioneller?¬†

Benner: Nein.¬†Insbesondere Grundversorgungstarife k√∂nnen teurer sein als „√Ėkostrom-Tarife“

Sie scheinen da so skeptisch. Bekommt man denn tats√§chlich √Ėkostrom, wenn man den beziehen m√∂chte?¬†

Benner: Es gibt keine gesetzliche Festlegung, was genau unter „√Ėkostrom“ zu verstehen ist. Daher werden die unterschiedlichsten Angebote als „√Ėkostrom“ verkauft. Dies kann soweit gehen, dass „√Ėkostrom“ nur auf dem Papier, auf den RECS-Zertifikaten, steht.

Wie kann man bei der Auswahl des neuen Anbieters erkennen, ob der Strom aus erneuerbaren Energien gewonnen wurde? Worauf sollte man da achten?

Benner: Das¬†ist f√ľr den Verbraucher sehr schwierig.¬†Echter Umweltnutzen ensteht erst, wenn durch den „√Ėkotarif“ konventioneller Strom vom Markt verdr√§ngt wird und erneuerbare Energien ausgebaut werden. Die Stiftung Warentest hat dazu in Testheft 2 aus diesem Jahr eine Untersuchung durchgef√ľhrt.

Stromfresser abschalten

Abgesehen von einem Wechsel: Wie kann man im Haushalt oder beim Kauf von Geräten Strom sparen? Wie erkennt man Stromfresser? 

Benner: Standby ausschalten,¬†eine alte Heizungspumpe¬†durch eine neue effiziente ersetzen. Alte Elektroger√§te wie K√ľhlschank und Waschmaschine verbrauchenviel Strom, im Vergleich zu neuen Ger√§ten der h√∂chsten Effizienzklasse (A++). Die gibt bei neuen Ger√§ten den Stromverbrauch an und m√ľssen bei Haushaltsger√§ten angegeben werden. Um Stromfresser im eigenen Haushalt zu kennen, ist es ratsam den Stromverbrauch einzelner Ger√§te zu messen.

Wie misst man den Stromverbrauch von Geräten im Haushalt?

Benner: Dazu kann man sich ein Strommessgerät ausleihen, etwa bei der Verbraucherzentrale oder einer regionalen Energieagentur. Diese Messgerät schließt man an das Elektorgerät an, dessen Verbrauch man erheben möchte.

√úber Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gr√ľndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Portr√§ts und Reportagen oder macht investigative St√ľcke.

  • Grazy

    Hi,

    mit dem Strom isses wie mit dem Treibstoff (Bezin,Diesel)
    sparen k√∂nnen nur die „Reichen“ die,s sich leisten k√∂nnen neue Ger√§te zu kaufen (Auto,s)
    Jemand der grad so √ľber die Runde kommt kann sich nicht mal eben f√ľr 500‚ā¨ nen neuen K√ľhlschrank kaufen oder f√ľr das gleiche Geld nee Waschmaschine egal wieviele A++ diese Ger√§te dann haben.^^
    Ich seh,s doch bei meiner Mutter^^
    Sie hat sich nen neuen Gefrierschrank gekauft (580‚ā¨) hat A++
    Strom spart es zwar aber bi√ü der Kaufpreis gespart ist m√ľsste meine Mutter 300 Jahre alt werden.
    Die Ger√§te m√ľssten Strom einspeisen damit sich,s in absehbarer Zeit rechnet.

    Wie gesagt nur die „reichen“ k√∂nnen sparen weil sie sich neue Ger√§te (Auto,s) leisten k√∂nnen.

    Einer meiner Onkel sagt:
    Sparen ist Klasse man muss es sich nur leisten können.

    Und Recht hat er