Sonntag, 20. August 2017

G├╝nther Heinisch folgt auf Klaus Schuhmann als Fraktionsvorsitzender

„Die Messlatte liegt hoch.“

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Heddesheim, 12. Januar 2012. Mit der Fraktionssitzung Anfang Januar hat es personelle Ver├Ąnderungen bei B├╝ndnis90/Die Gr├╝nen gegeben. Klaus Schuhmann (60) hat seine Funktion als Fraktionsvorsitzender beendet. G├╝nther Heinisch (50) wurde einstimmig zum neuen Fraktionsvorsitzenden gew├Ąhlt, als Vertreter wurde wie bisher auch Ulrich Kettner (59) best├Ątigt. Das Rathaus wurde ├╝ber den Wechsel informiert.

Von Hardy Prothmann

Herr Heinisch, herzlichen Gl├╝ckwunsch zum Fraktionsvorsitz der Heddesheimer Gr├╝nen im Gemeinderat. Sie sind ja auch Vorstand des Ortsverbands. Wie war das noch gleich mit der Trennung von Amt und Mandat?

G├╝nther Heinisch: Auf der Lokalebene w├Ąre das sehr w├╝nschenswert, aber in Baden-W├╝rttemberg gilt das tats├Ąchlich nur auf Landesebene bei Ministern und Abgeordneten. Alle anderen Bundesl├Ąnder haben das schon l├Ąngst ganz abgeschafft – wenn Sie so wollen, sind wir noch die Lordsiegelbewahrer dieser politischen Haltung.

Was wird sich denn im Heddesheimer Gemeinderat ├Ąndern?

G├╝nther Heinisch ist neuer Fraktionssprecher der Gr├╝nen im Heddesheimer Gemeinderat. Bild: privat

Heinisch: Politisch bleiben wir unserer Linie treu – somit wird sich „auff├Ąllig“ ersteinmal nichts ├Ąndern. Ohne „bedrohlich“ sein zu wollen, aber der Funktion entsprechend wird es einige Wortbeitr├Ąge mehr von meiner Seite aus geben. Manche werden sich freuen, andere vielleicht nicht. Inhaltlich sind wir Gr├╝nen weiterhin die Opposition Deluxe.

Ihr Kollege Klaus Schuhmann war gut zehn Jahre Fraktionsvorsitzender. Wie bilanzieren Sie diese Zeit?

Heinisch: Das waren sehr wechselhafte Jahre, Klaus hat zeitweise eine harte Oppositionszeit verbracht, weil die Gr├╝nen teils nur mit zwei Gemeinder├Ąten vertreten waren, Klaus Schumann und Anke Antary. Die aktuelle Situation mit sechs R├Ąten und als zweitst├Ąrkste Fraktion ist wesentlich leichter, schon allein aufgrund der Arbeitsverteilung und sechs kluger K├Âpfe, die sich intensiv austauschen. Klaus war ein hervorragender Fraktionsvorsitzender, immer engagiert, er hat mit seinen Fraktionskollegen f├╝r die Gr├╝ne Sache unheimlich viel geleistet. Die Fraktion hatte ihn nach der Wahl 2009 auch gebeten die Funktion weiter auszuf├╝hren, obwohl er schon fr├╝her den Vorsitz weiterreichen wollte. Jetzt war es sein ausdr├╝cklicher Wunsch, einen Generationenwechsel durchzuf├╝hren. F├╝r mich liegt die Messlatte hoch.

Der Fraktionsvorsitzende ist ein Moderator.

Was ├Ąndert sich f├╝r Sie und den pers├Ânlichen Arbeitsaufwand?

Heinisch: Ich werde mehr Stellungnahmen vorbereiten, allein dadurch steigt der Aufwand. Aber bekannterma├čen sind alle Gr├╝nen R├Ąte bei allen Themen aktiv. Der Fraktionsvorsitzende hat h├Âchstens eine Art Aufsichtsfunktion bei den Fraktionssitzungen, wenn auch die Hierarchie bei den Gr├╝nen sehr flach und die Zusammenarbeit sehr kooperativ ist, daran wird sich auch nichts ├Ąndern.

Die Fraktionsvorsitzenden sind Gemeinder├Ąte erster Klasse und erhalten exklusive Informationen, die andere nicht erhalten. Ist das denn in Ordnung?

Heinisch: Das mag vielleicht das allgemeine Verst├Ąndnis bei anderen Parteien sein, was ich aber nicht wirklich glaube – bei den Gr├╝nen ist das jedenfalls nicht so. Der Fraktionsvorsitzende ist Erster unter Gleichen, alle Informationen erreichen auch die anderen. Man ist erster Ansprechpartner von Seiten der Verwaltung, das ist pragmatisch, bedeutet sonst aber nichts.

Gibt der Fraktionsvorsitzende Linien oder Themen vor?

Heinisch: Der Fraktionsvorsitzende regt sicherlich Themen an – mit Linien oder Parteidisziplin tun sich die Gr├╝nen traditionell eher schwer. Wir sind vom basisdemokratischen Geist bestimmt, deshalb gibt es auch keinen Fraktionszwang. Jeder entscheidet souver├Ąn. Der Fraktionsvorsitzende ist ein Moderator und muss f├╝r seine Haltung werben und ├╝berzeugen wie die anderen Fraktionsmitglieder auch. Die Haltung der Fraktion ist dann ein Konsens aber kein Diktat.

Anmerkung der Redaktion
Hardy Prothmann ist verantwortlich für das Heddesheimblog.de sowie partei- und fraktionsfreier Gemeinderat  in Heddesheim.

├ťber Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gr├╝ndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Portr├Ąts und Reportagen oder macht investigative St├╝cke.

  • E. Berger

    Als gelegentlicher Gast der Gemeinderatssitzungen und interessierter Beobachter der politischen Landschaft hier in Heddesheim sch├Ątze ich Herrn Heinisch f├╝r seine treffenden Bemerkungen und seine sicherlich hohe fachliche Kompetenz. F├╝r Positionen mit ├ľffentlichkeitswirkung halte ich ihn aber – bei allem Respekt – nicht f├╝r die ideale Besetzung. Was er an Detailkenntnissen zu Einzelthemen aufweisen kann, fehlt ihm in den Sparten Charisma und Auftreten leider v├Âllig. Warum f├╝hlt sich ein zweifellos guter Parteisoldat so sehr dazu berufen, im Rampenlicht zu stehen? Herr Heinisch leistet so treffliche fachliche Arbeit aus der 2. Reihe. F├╝r den ├Âffentlichen Auftritt in der 1. Reihe gibt es in den Reihen der gr├╝nen R├Ąte besser geeignete Kandidaten.

    E. Berger

    • Renate Fernando

      Also ich muss schon sagen, Herr Berger! (Ich leite Ihre Geschlechterzugeh├Ârigkeit aus dem von Ihnen benutzten Wort „Parteisoldat“ ab. Bitte berichtigen Sie, falls sich hinter dem E. ein Frauenname verbirgt)

      Wer gedenkt, jemandem „allen Respekt“ entgegen zu bringen, sollte ihm schon mal nicht vermeintliche Defizite in seiner Pers├Ânlichkeit um die Ohren hauen und das auch noch direkt neben Fachkompetenz, die erlernt und intellektuell angeeignet ist, stellen. Charisma ist eine Eigenschaft der Pers├Ânlichkeit, die kann man nicht lernen. Und ich bin auch nicht sicher, ob das nicht eine sehr subjektive Einsch├Ątzung ist, ob jemnad f├╝r jemanden charismatisch ist oder nicht. Ich jedenfalls kenne die allgemeing├╝ltigen Kriterien f├╝r Charisma nicht.

      Von dem abgesehen, scheint mir diese Eigenschaft als Indikator f├╝r irgendeine Art politischer Kompetenz doch sehr ├╝berwertet. Wenn Sie nicht nur ab und an die Gemeindratssitzungen besuchen, sondern ebenso interessiert die politischen Geschehnisse auf Bundesbene, wovon ich ausgehe, sehen Sie ja wie uns j├╝ngst und aktuell – schon fast ein bisschen eklig – vor Augen gef├╝hrt wird: Charisma ohne jeglichen Verstand, ohne nennenswerte Kompetenz, das geht nicht nur nicht, das schadet sogar ganz erheblich. Vor allem in der ersten Reihe! (Fu├čnote: Welche Blindschleichen haben das eigentlich in Zusammenhang mit zu Guttenberg und Wulff assoziiert und kolportiert? F├╝r mein subjektives Empfinden von Charisma trifft da nichts in Verbindung mit den beiden Herren. Aber ich muss zugeben, ich kenne den universal g├╝ltigen Kriterienkatalog daf├╝r ja auch nicht).

      Bleibt mir an der Stelle nur noch Herrn Heinisch meine herzlichen Gl├╝ckw├╝nsche zum Fraktionsvorsitz auszusprechen. M├Âge Ihnen Ihre von Herrn Berger attestierte argumentative Treffsicherheit und hohe Fachkompetenz in politischen Fragen niemals zugunsten eines zu vieles verschleierndes Charismas verlorengehen!

      • Solaris

        Was Herr Berger gesagt hat ist vielleicht etws direkt, aber nunmal in weiten Teilen zutreffend. Es geht nicht darum Hr. Heinisch zu kritisieren. Aber je weiter man seine Nase vorstreckt, desto wichtiger wird das erw├Ąhnt Charisma eben. Und wer einen gut ausgepr├Ągten Geltungsdrang wie Herr Heinisch hat, der muss eben auch „liefern k├Ânnen“. Ansonsten ger├Ąt das staatsm├Ąnnische Gehabe schnell mal zur Karikatur …

        Nichts f├╝r ungut

        Solaris

        • Renate Fernando

          H├Âren Sie, Solaris! Ich kenne Herrn Heinisch quasi nicht und muss hier auch nicht eine Verteidigungshaltung f├╝r eine Person gehen. Jedoch irritiert es mich ungeheuer, dass ausgerechnet in diesen Tagen, tats├Ąchlich der Begriff „Charisma“ in Zusammenhang mit politischer F├╝hrungsqualit├Ąt noch ├╝ber fachliche Kompetenz gestellt wird. Ich pflichte Ihnen bei: Es geht Ihnen ganz offensichtlich nicht darum, „bei allem Respekt“ (Zit. Berger), Herrn Heinisch in seinen F├Ąhigkeiten zu kritisieren. F├╝r mein Empfinden treffen Ihre und Herrn Bergers „verbl├╝mte“ Kommentare, die ich unverbl├╝mt mit „fehlendes Charisma“, “ mangelhaftes Auftreten“, „ausgepr├Ągter Geltungsdrang“ und „staatsm├Ąnnisches Gehabe“ die Pers├Ânlichkeit des Herrn Heinisch und sind somit eher beleidigend.

          Von dem mal abgesehen, bei einem Fraktionsvorsitz in einem Dorf wie Heddesheim von „Rampenlicht“ (Berger) zu sprechen, halte ich f├╝r leicht ├╝berzogen.

          ├ťber das ach so wichtige „Charisma“ in den Politikspitzen habe ich mich bereits ge├Ąu├čert. Damit habe ich nichts mehr weiter in der Sache zu kommentieren.

          Nix f├╝r ungut!