Donnerstag, 29. Juni 2017

„Chaos-Richterei“ und „gekaufte Plätze“?


Deutlicher gehts nicht: "Eklat beim Turnier in Heddesheim", wird das Reiterjournal in der kommenden Ausgabe berichten.

Heddesheim, 12. Juli 2011. (red) „Hadern in Heddesheim“, „Eklat in Heddesheim“ berichtet die Fachzeitschrift „Reiterjournal“ vorab. Ende des Monats erscheint die neue Ausgabe und der Bericht über das Sommerturnier in Heddesheim wird es in sich haben. Die Kritik ist so massiv, dass sie Folgen haben wird – so das Reiterjournal.

Laut Bericht, der uns vorliegt, „werden die ehrenamtlichen Veranstalter noch lange denken“. Obwohl die am wenigsten gemeint sind. Ein zerknirschter Vizevorstand Friedhelm Schertel wird zitiert:

„Ich weiß noch nicht, in welche Richtung unsere Turniere nun gehen werden, wir müssen in Ruhe analysieren, jedenfalls muss ich meine vielen ehrenamtlichen und fleißigen Helfer erst wieder motivieren.“

Die Kritik ist geharnischt.

Die Zeiteinteilung sei „völlig verrutscht“ gewesen. Massive Kritik wird es an dem LK-Vorsitzenden Günter Fuchs geben. So wurde ein Pferd nicht zugelassen, bei dem ein Stempel für die Grundimmunisierung fehlte. Vor 11 Jahren! Normalerweise gibt es hier einen Tag „Karenzzeit“, um die Unterlagen beizubringen. Nicht so beim Heddesheimer Turnier.

Weiter soll ein Pferd ausgeschlossen worden sein, dass mit einem Präparat geimpft worden sein soll, dass „zulässig“ ist – aber weder Fuchs noch Tierärztin sollen das gewusst haben.

„Das Richten der Dressurprüfungen war schlichtweg zum Haareraufen, es waren wahrscheinlich die gesammelten schlechtesten Richterleistungen des ganzen Jahres“, heißt es in dem Report. Als Beleg wird angeführt, dass in einer Prüfung eine Reiterin von einem Richter auf Platz 1 gesetzt wurde, von einem anderen auf Platz 24 – bei 24 Teilnehmern. Der Kommentar im Reiterjournal: „In der Tat bleibt unverständlich, wie es zu der Chaos-Richterei kommen konnte.“

Dieser Vorwurf wiegt sehr schwer: Angeblich soll – wenn auch zulässig – bei den Dressurprüfungen eine zweite „Gruppe“ aufgemacht worden sein:

„Der Lux-Dressurstall aus Luxemburg hatte in Heddesheim nachgemeldet, offenbar um leicht an Schleifen zu kommen. Was dann auch so eintrat. Als Lux-Bereiterin Verena Heinz auf ihrer Stute Dona Figuera (einem echten Ausnahmepferd) mit 64,3 Prozent der Punkte in der einzigen Heddesheimer S-Dressur Zweite von 27 Startern wurde, legte ihr Partner Michael Wähnert schnell das Geld für eine zweite Abteilung auf den Tisch und kaufte sich mal schnell einen sportlich fragwürdigen S-Sieg ein.“

Die Folge: Eine Reiterin, die sonst zweite geworden wäre, hat in der neuen Gruppe den ersten Platz gemacht.

„Das hat mit Sport nichts mehr zu tun“,

wird Jörg Schrödter, der Sprecher der baden-württembergischen Dressurreiter-Fachgruppe, zitiert.

Brisant, auch für das „Reglement“. Das „Reiter-Journal“ geht hart zur Sache:

„Der Vollständigkeit halber: Regelwidrig war die Prüfungsteilung nicht, darauf verwies auch Christian Abel. Eine zweite Abteilung war ab 36 Nennungen möglich, und 38 Paare standen in der Zeiteinteilung. Allerdings, dass die Teilung erst nach der Prüfung und nach Bekanntwerden des Ergebnisses vorgenommen wird, lässt darauf schließen, dass man sich schlicht und ergreifend einen S-Sieg erschleichen wollte. Sportlich ist das nicht.“

Laut Reiterjournal hat dieses Turnier den Heddesheimer Pferdezucht, Reit- und Rennverein in eine „tiefe Krise gestürzt“. In der Konsequenz geht das Reiterjournal davon aus, dass es eine solche Veranstaltung ohne massive Eingriffe nicht mehr in Heddesheim geben wird.

Der Tenor des Berichts ist eindeutig: Man hat „Mitleid“ mit Heddesheim. Nach unseren Informationen wird der Verein sehr für seine Jugendarbeit geschätzt, „aber Vereine haben es gegenüber den privaten Höfen zunehmend schwerer.“

Anmerkung der Redaktion:
Der Mannhheimer Morgen hat erwartungsgemäß am 09. Juli 2011 nur „jubelnd“ berichtet. Kein Wort über das „Chaos“ vor Ort. Ganz im Gegenteil:

„….kein Problem: Während auf den beiden Außenreitplätzen Dressurprüfungen liefen, konnten die Reiter ihre Pferde in der gegenüberliegenden Halle aufwärmen. Auch den Springreitern stand ein großzügiger Abreiteplatz zur Verfügung.“

Sollten Sie zahlender Leserin oder Leser der Zeitung sein, müssen sie sich erneut fragen, warum sie durch die Zeitung in dieser „Art“ informiert werden. Ist die Leistung einfach schlecht oder werden bewusst Informationen verschwiegen? Oder kriegt der „MM“ einfach nichts mit? Und damit auch nicht seine Leserinnen und Leser?

Das Reiterjournal wird diese Fragen nicht klären, sondern als Fachmedium über „haltlose Zustände“ bei diesem Turnier berichten.

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.

  • heddesheimerin

    Wenn ich mir den MM Bericht vonm Frau Kristin Etsch so ansehe, vermute ich letzteres. Der MM kriegt einfach nicht mit was wirklich läuft bzw. geht zu dem Termin mit dem festen Vorsatz, ohnehin nur eine „nette Lokalgeschichte“ zu schreiben. Aber sei´s drum: Der denkende Heddesheimer weiss längst, wie er die journalistische Qualität des MM im Zweifel einzuschätzen hat.

  • Kher

    Als (ehemalige) Turnierreiterin und Turnierveranstalterin kann ich dazu nur sagen:

    Heddesheim ist seit Jahrzehnten eines der besten Turniere an der Bergstrasse. Die Verantwortlichen sind immer bestrebt, für die Reiter beste Verhältnisse zu schaffen. Dies ist mit einem enormen finanziellen und personellen Aufwand verbunden, der in der heutigen Zeit leider immer weniger Reitvereinen möglich ist.

    Für ein Turnier dieser Größe sind monatelange Vorbereitungen nötig, an den Turniertagen selbst sind Mitglieder (ehrenamtlich!) ab früh morgens beschäftigt, sei es in Gastronomie, Parcoursdienst, auf dem Richterturm, Platzvorbereitung, undundund.

    Der LK-Beauftragte handelt im Übrigen auf eigene Verantwortung bzw im Auftrag der Landeskommission BaWü – der Veranstalter hat also keinen Einfluss darauf, welche/wieviele Pferdepässe kontrolliert, bzw welche Pferde von der Veranstaltung ausgeschlossen werden!

    Frau Heinz hatte übrigens 77,2%-Punkte, gleichauf mit Madeline Grimminger aus Mannheim, mit der sie sich den Sieg teilen „musste“. Eine Teilung der Prüfung findet übrigens oft erst nach deren Abschluss statt – nämlich zB wenn es vorab keine Teilungskriterien wie Alter oder Leistungspunkte gab. Dann wird quasi „rechts-links“ plaziert, ein durchaus gängiges Verfahren. Bei Größe der Abteilung allerdings in der Tat fragwürdig – für den Veranstalter allerdings, nunja lediglich ein „Gschmäckle“, wenn die (im übrigen nicht gerade geringen) Kosten übernommen werden.

    Die genannte „Chaos“_Richterei sieht man nicht nur in Heddesheim. Gerade aktuell auch wieder beim CHIO in Aachen zu bewundern (sehen sie sich mal die Rangierungen an, sie werden staunen ;-)). Man sollte sich bewusst sein, daß der Veranstalter die Richter zwar bestellt und bezahlt, diese allerdings nicht vom Veranstalter GEstellt werden sondern genau wie der LK-Beauftragte (der auch Richter ist) der Landeskommission unterstehen.

    Kristin Etsch ist übrigens Jugendleiterin im Heddesheimer Reitverein.

    Auf den Bericht im Reiterjournal bin ich allerdings auch gespannt, es schimpft sich Fachzeitschrift, allerdings ist der ein oder andere Artikel alles andere als objektiv und gut recherchiert – da kommts dann halt auch auf den Schreiberling an. Da gabs in jüngster Zeit noch ganz andere Schoten..

    Ich bin übrigens weder Mitglied im Heddesheimer Reitverein, noch habe ich Kontakt zu Mitgliedern! 🙂