Freitag, 27. April 2018

„Chaos-Richterei“ und „gekaufte Plätze“?

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Deutlicher gehts nicht: "Eklat beim Turnier in Heddesheim", wird das Reiterjournal in der kommenden Ausgabe berichten.

Heddesheim, 12. Juli 2011. (red) „Hadern in Heddesheim“, „Eklat in Heddesheim“ berichtet die Fachzeitschrift „Reiterjournal“ vorab. Ende des Monats erscheint die neue Ausgabe und der Bericht über das Sommerturnier in Heddesheim wird es in sich haben. Die Kritik ist so massiv, dass sie Folgen haben wird – so das Reiterjournal.

Laut Bericht, der uns vorliegt, „werden die ehrenamtlichen Veranstalter noch lange denken“. Obwohl die am wenigsten gemeint sind. Ein zerknirschter Vizevorstand Friedhelm Schertel wird zitiert:

„Ich weiß noch nicht, in welche Richtung unsere Turniere nun gehen werden, wir müssen in Ruhe analysieren, jedenfalls muss ich meine vielen ehrenamtlichen und fleißigen Helfer erst wieder motivieren.“

Die Kritik ist geharnischt.

Die Zeiteinteilung sei „völlig verrutscht“ gewesen. Massive Kritik wird es an dem LK-Vorsitzenden Günter Fuchs geben. So wurde ein Pferd nicht zugelassen, bei dem ein Stempel für die Grundimmunisierung fehlte. Vor 11 Jahren! Normalerweise gibt es hier einen Tag „Karenzzeit“, um die Unterlagen beizubringen. Nicht so beim Heddesheimer Turnier.

Weiter soll ein Pferd ausgeschlossen worden sein, dass mit einem Präparat geimpft worden sein soll, dass „zulässig“ ist – aber weder Fuchs noch Tierärztin sollen das gewusst haben.

„Das Richten der Dressurprüfungen war schlichtweg zum Haareraufen, es waren wahrscheinlich die gesammelten schlechtesten Richterleistungen des ganzen Jahres“, heißt es in dem Report. Als Beleg wird angeführt, dass in einer Prüfung eine Reiterin von einem Richter auf Platz 1 gesetzt wurde, von einem anderen auf Platz 24 – bei 24 Teilnehmern. Der Kommentar im Reiterjournal: „In der Tat bleibt unverständlich, wie es zu der Chaos-Richterei kommen konnte.“

Dieser Vorwurf wiegt sehr schwer: Angeblich soll – wenn auch zulässig – bei den Dressurprüfungen eine zweite „Gruppe“ aufgemacht worden sein:

„Der Lux-Dressurstall aus Luxemburg hatte in Heddesheim nachgemeldet, offenbar um leicht an Schleifen zu kommen. Was dann auch so eintrat. Als Lux-Bereiterin Verena Heinz auf ihrer Stute Dona Figuera (einem echten Ausnahmepferd) mit 64,3 Prozent der Punkte in der einzigen Heddesheimer S-Dressur Zweite von 27 Startern wurde, legte ihr Partner Michael Wähnert schnell das Geld für eine zweite Abteilung auf den Tisch und kaufte sich mal schnell einen sportlich fragwürdigen S-Sieg ein.“

Die Folge: Eine Reiterin, die sonst zweite geworden wäre, hat in der neuen Gruppe den ersten Platz gemacht.

„Das hat mit Sport nichts mehr zu tun“,

wird Jörg Schrödter, der Sprecher der baden-württembergischen Dressurreiter-Fachgruppe, zitiert.

Brisant, auch für das „Reglement“. Das „Reiter-Journal“ geht hart zur Sache:

„Der Vollständigkeit halber: Regelwidrig war die Prüfungsteilung nicht, darauf verwies auch Christian Abel. Eine zweite Abteilung war ab 36 Nennungen möglich, und 38 Paare standen in der Zeiteinteilung. Allerdings, dass die Teilung erst nach der Prüfung und nach Bekanntwerden des Ergebnisses vorgenommen wird, lässt darauf schließen, dass man sich schlicht und ergreifend einen S-Sieg erschleichen wollte. Sportlich ist das nicht.“

Laut Reiterjournal hat dieses Turnier den Heddesheimer Pferdezucht, Reit- und Rennverein in eine „tiefe Krise gestürzt“. In der Konsequenz geht das Reiterjournal davon aus, dass es eine solche Veranstaltung ohne massive Eingriffe nicht mehr in Heddesheim geben wird.

Der Tenor des Berichts ist eindeutig: Man hat „Mitleid“ mit Heddesheim. Nach unseren Informationen wird der Verein sehr für seine Jugendarbeit geschätzt, „aber Vereine haben es gegenüber den privaten Höfen zunehmend schwerer.“

Anmerkung der Redaktion:
Der Mannhheimer Morgen hat erwartungsgemäß am 09. Juli 2011 nur „jubelnd“ berichtet. Kein Wort über das „Chaos“ vor Ort. Ganz im Gegenteil:

„….kein Problem: Während auf den beiden Außenreitplätzen Dressurprüfungen liefen, konnten die Reiter ihre Pferde in der gegenüberliegenden Halle aufwärmen. Auch den Springreitern stand ein großzügiger Abreiteplatz zur Verfügung.“

Sollten Sie zahlender Leserin oder Leser der Zeitung sein, müssen sie sich erneut fragen, warum sie durch die Zeitung in dieser „Art“ informiert werden. Ist die Leistung einfach schlecht oder werden bewusst Informationen verschwiegen? Oder kriegt der „MM“ einfach nichts mit? Und damit auch nicht seine Leserinnen und Leser?

Das Reiterjournal wird diese Fragen nicht klären, sondern als Fachmedium über „haltlose Zustände“ bei diesem Turnier berichten.

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.