Donnerstag, 23. November 2017

Gabis Kolumne

Apple, Tallulah Belle, Knox – oder doch lieber Klaus, Tanja oder Gabi?

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Wie soll das Kind denn heißen?

Rhein-Neckar, 12. MĂ€rz 2012. Jedes Jahr werden wieder die Hit-Listen der beliebtesten Vornamen veröffentlicht. Dazu erscheinen BĂŒcher und Rankings im Internet. Die Auswahl ist groß. Je ausgefallener desto besser? Oder doch lieber ein Allerweltsname, fragt Gabi.

Mein Name ist weder besonders ausgefallen, noch aktuell. In der Schule und auch im Freundeskreis gab es immer wieder Menschen, mit denen ich meinen Vornamen teilte.

Das hat Vor- und Nachteile, nenne ich meinen Namen, weiß jeder sofort, wie er geschrieben wird, er ist weder originell noch hĂ€sslich und jeder kennt sofort mindestens fĂŒnf weitere, die so heißen.

Soll ich deswegen meinen Eltern VorwĂŒrfe machen? Eher nicht, viel schlimmer wĂ€re ein ausgefallener, aber unschöner Vorname gewesen.

Eine Freundin von mir heißt zum Beispiel Hildegard. Das war schon in meiner Jugend komplett veraltet. Doch sie machte aus der Not eine Tugend und nannte  sich „Hilly“. Welcher Name sich eigentlich dahinter verbarg, wissen nicht viele. Das gab ihr immer etwas Einzigartiges.

Die AbkĂŒrzung meines Namens fĂŒhrte zwangslĂ€ufig immer zu dem vollen Vornamen. Auch okay.

Annette, Petra, Andrea, Sabine, Birgit, Ulrike, Susanne, Claudia …

Es gab eine ganze Reihe von Namen, die in meiner Generation „modern“ sprich fast allgemeingĂŒltig waren, bei MĂ€dchen waren dies: Annette, Petra, Andrea, Sabine, Birgit, Ulrike, Susanne, Claudia, Martina, Christine und Christiane – mehr als die HĂ€lfte meiner Freundinnen heißt so.

Bei den Jungs war das nicht viel anders: Thomas, Matthias, Peter, Michael, Christian, Andreas, Stefan stand auf der Hitliste ganz oben. Und so tĂŒmmeln sich diese Namen folglich auch heute in meinem Freundes- und Bekanntenkreis.

In meiner Klasse gab es ein MĂ€dchen, das hieß Corinna, das war damals ausgefallen. Und damit nahm sie einen besonderen Status ein. Ob ihr das immer Recht war, kann ich nicht beurteilen.

Jose kommt aus Spanien und Ole aus Schweden

AuslĂ€ndische Namen waren noch nicht „en vogue“, sondern ließen das Herkunftsland erkennen. Ein Jose kam aus Spanien, eine Maria aus Italien oder Spanien, Ole aus Schweden und Ali aus der TĂŒrkei.

Wenig spĂ€ter Ă€nderte dies sich und es kam die große Welle der französischen Vornamen: Jacqueline, Fabienne, Nicole – französische Vornamen bei MĂ€dchen waren schick, wurde aber meist falsch ausgesprochen (Tschaklin) – Jahre spĂ€ter erreichte dieser Trend auch die neuen BundeslĂ€nder.

Als ich mit meinem ersten Kind schwanger war, kaufte ich mir natĂŒrlich ein Buch der Vornamen und studierte die Hit-Listen der beliebtesten Vornamen, denn diese sollten ja tunlichst vermieden werden.

Zu der Zeit gab es zwei Trends, zum einen die italienischen und zum anderen die biblische Vornamen: Laura, Luca, Paolo, Teresa, Chiara, Anna, Julia oder auch Hanna, David, Lukas, Sarah, Lea, Rebekka, Benjamin, Joshua 


Dass man einer Modewelle aufgessen war, merkt man spÀtestens dann, wenn im Kindergarten auf den Namensruf  gleich die halbe Gruppe angelaufen kommt.

Kann man Hitlisten vermeiden?

Den Vornamen meines Sohnes, daran kann ich mich noch gut erinnern, haben wir im Freundeskreis wild diskutiert. Ich schlug bei einem Jungen „David“ oder auch „Philipp“ vor, bei einem MĂ€dchen wollte ich unbedingt eine „Teresa“. Ich wurde von allen Seiten ĂŒberstimmt und die Hitliste wurde vermieden.

Kurz vor der Geburt meiner Tochter ging die Diskussion wieder los. Wir wussten ziemlich sicher, dass es ein MĂ€dchen wird und hielten uns bei den Jungennamen nicht lĂ€nger auf. Gerne hĂ€tte ich sie „Luise“ oder „Josefine“ als Reminiszenz an die Urgroßeltern genannt, aber auch da konnte ich mich nicht durchsetzen. Ich weiß, dass meiner Tochter ihr Name gefĂ€llt, aber ausgesprochen originell ist er nicht, denn er stand kurz darauf auf der Hitliste.

IndividualitÀt hat ihre Grenzen

2011 stand auf Platz 2 der weiblichen Vornamen „Emma“ ein absolutes „No-Go“ fĂŒr meine Generation.

Ein ganz besonderer Trend greift bei den „Stars“ um sich, da mĂŒssen die Namen so ausgefallen wie möglich sein, da gibt es Namen wie „San Diego“, „Jimi Blue“, „Wilson Gonzales“, „Apple“, „Tallulah Belle“, „Knox“, „Shiloh“, „Emma Tiger“ oder „Brooklyn“.

Ganz ehrlich, IndividualitĂ€t hat ihre Grenzen oder wollten Sie so heißen?

Also ich bleibe da lieber bei meinem „Allerweltsnamen“ und versuche meine IndividualitĂ€t durch andere Dinge zu beweisen.

gabi

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist GrĂŒndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten PortrĂ€ts und Reportagen oder macht investigative StĂŒcke.