Sonntag, 20. August 2017

168 Stunden online? – Jugendliche im Internet

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Screenshot von YouTube

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Guten Tag!

Rhein-Neckar, 12. M├Ąrz 2011. Facebook, Skype, SchuelerVZ – Jugendliche bew├Ąltigen einen Gro├čteil ihrer „sozialen Kontakte“ ├╝ber diese Internet-Dienste. Aber wie sieht das typische Verhalten von Jugendlichen im Internet eigentlich genau aus? Unser Praktikant Paul Maa├č hat das f├╝r uns dokumentiert. Eine Woche lang – 168 Stunden. Insbesondere Eltern d├╝rften sehr daran interessiert sein, was ihre „Kids“ im Netz so „anstellen“.

Von Paul Maa├č

Ich w├╝rde von mir selbst behaupten, dass ich ein relativ normaler Jugendlicher bin.

Klar unterscheide ich mich in der Musik, die ich h├Âre (Hip/Hop, Indie Rock, Alternative, Crossover, etc.) von anderen Jugendlichen und wir haben auch nicht alle denselben Filmgeschmack oder Kleidungsstil. Aber in manchen Dingen sind wir uns alle sehr ├Ąhnlich. Zum Beispiel, dass wir alle die Schule hassen und dass wir alle das Internet nutzen.

Das Internet ist das Medium der jungen Generation.

Kaum ein Jugendlicher, der nicht wenigsten einmal pro Tag im Internet zugange ist. Aber was machen wir da eigentlich vor den Bildschirmen? Womit verbringen wir die H├Ąlfte unserer Zeit, wenn wir wie wildbesessen auf die Tastatur des PC h├Ąmmern?

Um das herauszufinden habe ich einen Selbstreport gemacht. Das Tagebuch einer Woche Internet.

Montag (21.02.2011.):

Nach einem langen Tag in der Schule komme ich ersch├Âpft nach Hause und widme mich erst einmal meinem Laptop. Ich ├Âffne den Browser und logge mich in facebook.com ein. Ich lese f├╝nf neue Nachrichten und beantworte eine Freundschaftsanfrage. Dann werde ich benachrichtigt, dass ich auf einem Foto verlinkt worden bin.

Das Foto ist ein Klassenfoto, das ein Mitsch├╝ler hochgeladen hat. Ich sehe schrecklich darauf aus. Verlinken bedeutet, dass mein Name erscheint, wenn man mit der Maus ├╝ber mein Gesicht auf dem Foto f├Ąhrt. Per Klick kann man dann auf meine Facebookseite gelangen.

Meine Seite ist sozusagen mein Profil oder meine Akte. Hier kann ich Fotos oder Videos hochladen, Links von anderen Webpages via „copy and paste“ oder Statusnachrichten schreiben, die meine Facebookfreunde lesen k├Ânnen wenn sie meine Seite besuchen.

Ich bestimme, was hier steht und wer lesen kann was hier steht – aber nur, wenn ich mich darum k├╝mmere. Viele tun das nicht richtig.

Wenn einer meiner Freunde online ist, wird mir das angezeigt. Momentan sind 65 meiner 244 Freunde online. Ich beginne zu chatten und verabrede mich mit einem Freund. Allerdings im echten Leben.

Zwei Stunden sp├Ąter komme ich von meiner Verabredung zur├╝ck und esse zu Abend. Danach habe ich irgendwie noch Lust auf einen Film. Ich widme mich dem Fernsehprogramm. Au├čer einer Schnulze l├Ąuft nichts anst├Ąndiges im Fernseher. Auch auf einen Film in meiner DVD – Sammlung habe ich im Moment keine Lust.

Also fahre ich meinen Laptop hoch und suche eine Internetseite auf, die eine sehr gro├če Filmbibliothek umfasst.├é┬á Kein Jugendlicher, den ich kenne, besucht diese Seite nicht wenigsten ab und zu.

Die Seite hat eine Filmbibliothek von ├╝ber 5.000 Filmen. Ein Teil davon ist noch nicht einmal auf DVD erschienen. Manche laufen sogar noch im Kino.

Rechtlich befindet sich die Seite deshalb in einer Grauzone. Die Filme nur zu schauen ist nicht strafbar, Downloads schon, deswegen lasse ich die Finger davon.

Ich ├╝berlege kurz, welchen Film ich schauen soll und entscheide mich f├╝r Reservoir Dogs, einen meiner Lieblingsfilme (FSK: 18). Ich wei├č, das dass urheberrechtlich gesehen nicht ganz in Ordnung ist. Au├čerdem sind auch nicht alle Filme, die ich auf diese Weise schon gesehen habe unbedingt f├╝r mein Alter geeignet.

Aber durch das Internet bringen Altersbeschr├Ąnkungen f├╝r meine Generation nichts mehr. Ob das ein Vorteil oder ein Nachteil ist, sollte jeder selbst f├╝r sich entscheiden. Ich jedenfalls bereue es, manche Filme geschaut zu haben, die ich heute nicht mehr schauen w├╝rde.

Dienstag (22.02.2011):

Ich habe heute erst zur 3. Stunde Unterricht und schaue noch einige Musikvideos auf www.youtube.de.

Nach der Schule gehe ich noch kurz in Facebook online und chatte ein wenig. Den Rest des Tages verbringe ich ohne Internet.

Mittwoch(23.02.2011):

Wenn man mit meinem Browser einen neuen Tab ├Âffnet, enth├Ąlt dieser Verlinkungen zu den acht Seiten, die ich am h├Ąufigsten besuche. Bei mir ist die am meisten besuchte Seite Facebook.

Und auch international ist Facebook nach Google die Seite mit den meisten Aufrufen. So ist es nicht verwunderlich, dass ich beinahe jeden├é┬á Tag in Facebook „on“ bin. Ich pflege meine sozialen Kontakte zu einem gro├čen Teil online. Au├čerhalb des Internets kommuniziere ich nur noch mit meinen Freunden, wenn ich mich pers├Ânlich mit ihnen treffe.

Donnerstag (24.02.2011.):

Heute Nacht bin ich mit einem Freund verabredet. Ich habe morgen erst sp├Ąter Schule. Wir haben halb zw├Âlf als Uhrzeit ausgemacht.

Aber nicht, weil wir um die H├Ąuser ziehen wollen. Ganz im Gegenteil, wir bleiben jeder sch├Ân zu hause und treffen uns im Internet. Denn mein Freund Basil ist wegen eines Sch├╝leraustauschs ein halbes Jahr in Kolumbien. Wegen der Zeitverschiebung kann ich nur um diese Uhrzeit direkt mit ihm kommunizieren.

Die Webcam-Chat-Seite Skype ist unser Kontaktmedium.

Wir k├Ânnen uns mit Mikrofon ├╝ber Webcam unterhalten. Das ist fast so, als s├Ą├če er direkt vor mir.

Nur, dass sein Gesicht ziemlich verpixelt ist. Aber man sollte keine zu hohen Anspr├╝che an das kolumbianische Internet stellen, ein l├Ąngeres Gespr├Ąch ist eh oft ein Kampf.

Trotzdem bin ich froh dar├╝ber und das ist ein Beispiel daf├╝r, dass es dann und wann doch n├╝tzlich ist, sich per Kamera ├╝ber Computer zu treffen. Auch wenn das manche konservative Menschen oft nicht verstehen k├Ânnen.

Freitag (25.02.2011.):

Unsere Deutschlehrerin hat uns aufgetragen etwas über Goethe zu recherchieren. Nach fünf Minuten auf der Seite Wikipedia habe ich einen groben Ãœberblick über die wichtigsten Daten zu Johann Wolfgang von Goethe.

F├╝r den Abend bin ich auf eine Hausparty von einem guten Bekannten eingeladen. Ich kenne die Adresse, doch da ich noch nie dort gewesen bin, wei├č ich nicht genau, wie ich hinkomme.

Homepage des RNV

Homepage des RNV

Dank Google Maps und rnv-online.de wei├č ich, mit welcher Bahn ich fahren muss und wohin ich von der n├Ąchstgelegenen Haltestelle laufen soll.

Samstag(26.02.2011.):

Ich w├╝rde mich selbst als Hip/Hop Fan bezeichnen. Deswegen bin ich auch ca. einmal in der Woche auf juice.de, der Internetseite einer Szenezeitschrift.

Hier werde ich ├╝ber alles zum Thema Hip-Hop/Rap informiert. Samstags bin ich meistens mit Freunden unterwegs und h├Ąnge seltener vor dem Pc rum.

Sonntag(27.02.2011)

Das Ende der Woche ├Ąhnelt dem Anfang der Woche. Facebook, Youtube, Skype und gegen Abend wieder online Filme schauen.

Ich pers├Ânlich nutze das Internet zur Unterhaltung, Kommunikation und als Informationsquelle.

Wenn wir Jugendliche oft bis sp├Ąt in die Nacht vor den Bildschirmen h├Ąngen und in die Webcam sprechen, ist das mitunter eine gute Sache – klar, es wird auch gezockt und ich w├╝rde f├╝r niemanden meine Hand ins Feuer legen, ob immer alles mit „legalen“ Mitteln zugeht.

Trotzdem sind Computer aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Und auch nicht in der Zukunft.

Paul Maa├č macht ein einw├Âchiges Sch├╝lerpraktikum in der Redaktion. Bild: rheinneckarblog.de

Paul Maa├č (16) lebt in Heidelberg und macht bei uns sein „Bogy“ (Berufs- und Studiumsorientierung am Gymnasium). Er besucht das „Englische Institut“ und will sp├Ąter mal sein Geld als Autor oder Journalist verdienen.

Wir bieten immer wieder Praktikumspl├Ątze an. Als Sch├╝ler(in) kannst Du Dich unverbindlich mit einer email an redaktion (at) rheinneckarblog.de bewerben – die Art des Schulabschlusses spielt f├╝r uns keine Rolle. Du solltest gerne schreiben, neugierig sein und Dich f├╝r Politik, Kultur oder Sport interessieren.

Das Praktikum ist ausschlie├člich journalistisch gepr├Ągt- das Ziel ist, dass Du m├Âglichst viel lernst und ein paar eigene Texte ver├Âffentlichst.

Ein Praktikum kann als Sch├╝lerpraktikum, neben der Schule oder in den Ferien absolviert werden.

├ťber Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gr├╝ndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Portr├Ąts und Reportagen oder macht investigative St├╝cke.